Öffentlichkeit

Generation Web vs. die Internet-Ausdrucker

Kluger Kommentar von Jochen Magnus in der Rhein-Zeitung: Generation Web vs. die Internet-Ausdrucker

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Dabei geht es der „Netzgemeinde“ nicht daraum, das Internet als rechtsfreien Raum zu verteidigen. Das ist ein völliges Missverständnis meist Außenstehender. Es geht darum, dass diese Generation wach registriert, wie viele politische Versprechungen eine Wahl überleben, wie im Kleinen wie im Großen gemauschelt wird, wie viele Einschränkungen der bürgerlichen Freiheitsrechte durchgeboxt werden und wie schnell die Begehrlichkeiten der Datensammler wachsen, wenn man ihnen erst mal den kleinen Finger gereicht hat. Im Netz kann man sich über alle Themen ungestört austauschen – doch jetzt baut der Staat Kontrollmechanismen auf und beauftragt eine Polizeibehörde, darüber zu bestimmen, was gelesen werden darf und was nicht – ohne parlamentarische Kontrolle. Selbst wenn das in bester Absicht geschehen sollte, ist es dennoch ein Amoklauf gegen die Freiheit. Gegen die Verbreitung von Kinderpornografie hilft gute Polizeiarbeit und die Anwendung bestehender Gesetze. Gegen die Zensur im Netz hilft anhaltender Widerstand. Den werden die Politiker – vor allem der noch „großen Parteien” von jetzt an und von Wahl zu Wahl stärker bemerken.

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16 Kommentare
    1. Es ist auch keiner. Ich kenne Menschen, die so alt sind wie ich und das Internet am liebsten abschalten würden. Aber meine Eltern (beide älter als 60) fassen sich an den Kopf, wenn man ihnen von den Plänen unserer Regierung erzählt.
      Der Konflikt findet nicht zwischen den Generationen statt sondern zwischen denen, die technisch halbwegs fit sind und der „was ist ein Brauser?“-Fraktion. Letztere ist von Natur aus etwas älter, weil dort niemand von Kindesalter an mit Rechnern zugange war.

  1. Ich würde den Generationenkonflikt auch nicht so wörtlich nehmen. Natürlich kämpft nicht eine Generation gegen die andere, natürlich gibt es ‚alte‘ (Verzeihung^^) Netzaktivisten ebenso wie Jugendliche die damit nichts am Hut haben oder sich eine ordentliche Internetpolizei und ein ‚braves sauberes‘ (gleichgeschaltetes) Netz wünschen. Aber die Verteilung im Großen dürfte schon hinhauen – sprich bei den Jungen wächst der Anteil derer die sich alltäglich im Netz bewegen (und uns unterstützen?).

  2. Es ist schon ein Generationenproblem. Natürlich gibt es Ausnahmen wie bei allen Generationenkonflikten, es gab in den 60ern auch 40- 50jährige, die bei der “ 68er-Bewegung“ dabei waren. Aber generell gilt: alle unter 30 sind genervt von den heute an der Macht befindlichen Politikern und ihren ausführenden Beamten,den meisten über 30 und vor allem über Mitte 40 dagegen ist “ dieses Internet“ unheimlich.

    1. Hinsichtlich des Generationenkonflikts eine feste Altersgrenze zu bestimmen halte ich – mit Verlaub – für ziemlich anmaßend. Dies ist kein Generationenkonflikt im eigentlichen Sinne, es ist eher ein Konflikt zwischen denen, die sich über jeden Zweifel erhaben fühlen und meinen, sie hätten im Leben ausgelernt und denen, die darunter zu leiden haben. Auch ich falle unter letztere Gruppe und das, obwohl ich schon 34 bin. Ich beobachte die Zensurdebatte jetzt seit 7 Jahren und habe nicht das Gefühl, dass ich mit Durchbrechen der magischen Schallgrenze vor 4 Jahren plötzlich vom Geekgirl zum Internetausdrucker verkommen wäre… es gibt im Übrigen auch genügend Leute knapp über 20 (und darunter sogar Studenten), die die ganze Diskussion herzlich wenig interessiert, so lange nur ja ihr Ipod funzt. Wollen wir dann nicht gleich sagen, alle über 20 sind auf der falschen Seite??
      Mit 34 Jahren bin ich alt genug, die Anfänge des Internets mitbekommen zu haben. Sollen wir jetzt die „Pioniere“ ausschließen, nur damit irgendwo eine launige Altersbegrenzung das Schubladendenken befeuert?

  3. Ich würde es nichtmal an Technologie oder Internet festmachen. Ich halte es da mit Bruce Schneier: „The question is liberty vs. control“. Simple as that. Aber vielleicht bin ich auch nur zu dumm ;-)

  4. bzgl Generationenkonflikt: die Piratenpartei in Schweden hat die größte Jugendorganisation unter den Parteien. Ich denke das sagt doch schon einges aus.

    Ansonsten denke ich, dass es nicht ganz so krass ist, wie z.B. Cory Doctorow in „Little Brother“ (ein super Buch btw.) beschreibt. Aber auch da kapieren die Eltern irgendwann die Standpunkte ihrer Kinder.

    Meine Eltern haben zwar beide schon in der Studienzeit mit Lochkarten programmiert, allerdings hat es vorallem bei meiner Mutter eine Weile gedauert bis sie die Problematik kapiert hat. Die sind halt meist nicht so aktiv im Netz unterwegs wie wir.

  5. @Annika: Freilich ist das die Grundfrage, nur Erkennen viele der älteren Generation das in diesem Zusammenhang nicht. Die CDU tut ja z.B. in ihren Umfragen auch ihr möglichstes, es so hinzustellen als wären die Sperren der einzige Weg Recht ins rechtlose Internet zu bringen.
    Gleiches gilt für Paintball usw. Mit Schützenvereinen kennt man sich aus – mit den Uniformen dort auch, aber diese seltsamen Paintballer die aufeinander schießen anstatt auf Zielscheiben sind erstmal suspekt, zumal wenn man höchstens mal aus reisserischen Wahlkampfreden von ihnen hört. Gleiches gilt für die Computerspiele, viele ältere kennen sowas eben nicht, das unbekannte ist schlicht erstmal komisch und verdächtig, und werden dann evtl. noch einseitig informiert.

  6. Den Spiegelartikel find ich reichlich pauschal und ohne Substanz. Bringt mich in keinster Weise der Selbsterkenntnis weiter – da hatte ich neulich eine wesentlich bessere differenziertere Analyse (die nicht gleich die Generation vereinnahmt sondern nur ein Gefühlsphänomen herausgreift) … wesentlich länger… hmm… Link gibt’s wenn ich ihn wiederfinde.

    @Tanja: Nein feste Altersgrenzen sind Meschugge. Es geht ja auch nicht darum hier die Frontlinie am Alter festzuziehen. Damals beim letzten Generationenkonflikt bei den Grünen waren auch nicht alle jungen gegen Atom und Rüstung und die Alten dafür. Es ist lediglich so, dass sich die Mehrheiten denk ich schon schwerpunktmäßig nach dem Alter (grob) einteilen lassen – weil die jungen einfach mehr Verständnis für das Medium mit dem sie aufgewachsen sind mitbringen und die ‚Alten‘ z.T. einfach uninformiert sind. Ist ja nicht so dass man den hmm ‚vernünftigen‘ Anteil von denen nicht überzeugen könnte… nur die Momentaufnahme zeigt halt unterschiedliche Interessenschwerpunkte bzw. Einstellungen im Schnitt je nach Alter. Behaupte ich mal dreist. Und mit deinen 34 bist du jung :p ;)

    Aber klar, meiner 80 jährigen Oma werd ich demnächst auch noch verklickert bekommen, dass die Regierung mir gerade meine Zeitung zensieren will – und die wird das jedenfalls in übertragener Form verstehen und scheiße finden ;) Genauso wie sie neulich ohne ein Wort von mir beim Familienessen die Reaktionen auf Winnenden als Aktionismus verteufelt hat (bin stolz auf Oma^^).
    Kurzum, es geht nicht darum gegen die alte Generation in den Krieg zu ziehen, aber viele bedürfen ein bisschen Aufklärung. Und gegen den uneinsichtigen Rest aller Generationen können wir dann mit Getöse in den Kampf ziehen, generationsübergreifend.

  7. Der Versuch, dieses politische Problem (liberty vs. control) als ein Generationenproblem zu behandeln ist vor Allem eine Methode, es zu entpolitisieren und damit zu entschärfen. Kein Wunder, dass der Pionierartikel dieser Art in einem neoliberalen Kampfblatt, SPIEGEL Online, erschien. Zeitlich parallel zur Promotion zu diesem unsäglichen Buch von Fleischhauer, in welchem er den geläuterten, also gewendeten ehemaligen Linken spielt (der er nach Aussage seiner Klassenkameraden selbst in ganz jungen Jahren nie war).
    Die Macher des etablierten Politbetriebs, die Milliardärspresse, die Think Tanks, die Pseudo-Bürgeriniativen (Deutsche Kinderhilfe), die verdeckt arbeitenden Stiftungen (INSM, Bertelsmann) sind einfach nur erschrocken über das Kommunikations- und Organisationspotential des Internet – weil sie es nicht kontrollieren können.
    Da ist dann Zensur ein überfälliger Schritt. Wehret den Anfängen!

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