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Bundestag.de: Öffnet unsere Daten

Einmal die Woche kommentiere ich nun im neuen Zeit.de-Blog „Kulturkampf – Online und Offline – über das Leben in zwei Welten“ irgendwas rund um Netzpolitik. Das praktische ist, dass ich die Kommentare dann auch hier veröffentlichen kann. Wie diesen hier: Bundestag.de: Öffnet unsere Daten. Der Bundestag hat in diesem Sommer seine Webseiten modernisiert. Alles schön…

  • Markus Beckedahl

Einmal die Woche kommentiere ich nun im neuen Zeit.de-Blog „Kulturkampf – Online und Offline – über das Leben in zwei Welten“ irgendwas rund um Netzpolitik. Das praktische ist, dass ich die Kommentare dann auch hier veröffentlichen kann. Wie diesen hier: Bundestag.de: Öffnet unsere Daten.

Der Bundestag hat in diesem Sommer seine Webseiten modernisiert. Alles schön und bunt. Leider strich man nur die Fassade an. So verpasste man die Chance, einen wichtigen Schritt nach vorne zu gehen und einen Zugriff auf die Datenschätze unserer parlamentarischen Demokratie zu schaffen. Was gibt es nicht alles auf der Seite zu finden: Plenarprotokolle, Videoaufzeichnungen der Debatten, Tagesordnungen und vieles mehr. Leider teilweise nur schwer durchsuchbar und nur manuell auswertbar.

Was man mit den Daten machen kann, zeigt beispielsweise ein Web-Angebot des ZDF: Im Parlameter finden sich zu verschiedenen Bundestags-Abstimmungen viele Visualisierungen mit aufbereiteten statistischen Daten. Nicht nur stehen dort die Namenslisten der Abgeordneten, die für einen Kriegseinsatz in Afghanistan stimmten. Man kann sich die Abstimmungs-Ergebnisse gleich genauer anschauen: Wie viele weibliche Abgeordnete über 40 stimmten dafür oder wie viele männliche Abgeordnete unter 50, die überdurchschnittliche Nebeneinkünfte haben? Diese Daten liegen auch auf bundestag.de. Theoretisch zumindest – Sie werden die Schätze aber nicht so leicht heben können. Im Falle des Parlameters werden die Daten händisch vom ZDF, bzw. einem Dienstleister des ZDF, “veredelt”. Und dann visualisiert dargestellt.

Theoretisch könnte das jeder machen. Alleine der Aufwand ist zu groß. Durch die Bereitstellung einer offenen Schnittstelle (Technischer Begriff: Open-API) zum Angebot von bundestag.de könnte jeder mit etwas Programmierkenntnissen dieselben Daten bergen. Und ganz neue Projekte und Visualisierungen daraus erschaffen. Und vielleicht Antworten auf viele Fragen finden: Welche Abgeordneten erhalten von welchen Lobbygruppen Nebeneinkünfte und ist ein Einfluss auf ihre Tätigkeit und Abstimmungsverhalten erkennbar? Wer ist der faulste Abgeordnete in einem bestimmten Ausschuss und wer am fleißigsten? Vielleicht ist zuviel Transparenz nicht gewollt – vermutlich steht einer solchen Öffnung aber eher technische Unwissenheit im Wege.

Während andere Staaten die transparente und offene Regierung auf die Tagesordnung setzen, malen wir die Fassaden an. Es ist Zeit für die Zukunft: Öffnet unsere Daten und fangt bei bundestag.de an.

Über die Autor:innen

  • Markus Beckedahl
    Darja Preuss

    Markus Beckedahl hat schon 2003 in der Ur-Form von netzpolitik.org gebloggt und hat zwischen 2004 bis 2022 die Plattform als Chefredakteur entwickelt. Seit 2024 ist er nicht mehr Teil der Redaktion und schreibt einen Newsletter auf digitalpolitik.de. Kontakt: Mail: markus (ett) netzpolitik.org, Presseanfragen: +49-177-7503541 Er ist auch auf Mastodon, Facebook, Twitter und Instagram zu finden.


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10 Kommentare zu „Bundestag.de: Öffnet unsere Daten“


  1. gapminder (http://gapminder.org) wäre so ein visualisierungstool…


  2. ich will http://www.data.gov in .de-Version!


    1. @Noone : Ich auch.


  3. Ich bin schwer dafür, aber was die Webseite unmittelbar mit einer Open-API zu tun ist für mich jetzt nicht ersichtlich geworden. Wichtiger als eine API der Webseite ist doch eine API für die Inhalte aus dem Bundestag, die Protokolle, die Abstimmungen, die Anwesenheiten usw.


  4. Könnte man nicht sowas wie eine Pedition einreichen? Gut wir wissen alle, dass die nicht groß beachtet werden. Aber ein versuch ist es wert oder wird sowas nicht im Bundestag bestimmt?


    1. @Miko: Gabs zuletzt. Hat aber leider nur wenige Tausend interessiert.


  5. In Bremen gab es den technischen Sachverstand um sogar die Push-Strategie umzusetzen, bei der Behörden generell sämtliche Informationen frei zugänglich in das Netz stellen und Ausnahmen begründungspflichtig sind. Daraus ist leider trotzdem nichts geworden: http://evildaystar.de/2009/06/quo-vadis-informationsfreiheitsgesetz/


  6. bei der gelegenheit: hier ist der feed, der alle neu eingereichten petitionen bequem und komfortabel auf den reader schickt ‚)
    https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=rss;status=list2;limit=30;type=rss2


  7. […] dazu ist mein Kommentar aus der vergangenen Woche: Bundestag.de: Öffnet unsere Daten. abgelegt in: Deutschland, Digitalkultur, Podcast, e‑Democracygetaggt mit: Bundestag > Deutschland […]


  8. […] dazu der Kommentar von Markus Bekedahl im Zeit.de-Blog Kulturkampf: Bundestag.de: Öffnet unsere Daten.    Deutschlandradiuo: Besprechung – APIs für die Politik [7:34m]: Play Now | […]

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