Auf Butterfahrt mit der Telekom zur Cebit

Es ist Cebit-Zeit. Und während ich mich wieder auf dem Weg nach Hannover befinde, um für anderthalb Tagen dem Zirkus beizuwohnen, fiel mir wieder mein skurillstes Erlebnis ein. Es ist jetzt schon vier Jahre her, dass ich an einer Cebit-Butterfahrt mit der Telekom Hauptstadtrepräsentanz teilnahm.


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Damals wollte ich für einen Tag wenigstens vor Ort sein und andere Menschen treffen. Normalerweise fährt man von Berlin mit der Bahn hin, was zwei Stunden dauert und mit Bahncard 32 Euro pro Strecke kostet. Ich bekam über ein Ecke das Angebot, bei der Telekom mitzufahren, die für das politische Berlin einen Bus organisiert hatte. Sollte nur 10 Euro kosten und direkt vorfahren. Klang auf den ersten Blick interessant und ich entschied mich für diese Variante. Was ich später bereute.

Um 9 Uhr ging es los mit dem Bus, der am Bundestag alle Mitfahrer einsammelte. Mit an Bord Vertreter (fast?) aller Fraktionen und Parteien, dazu wenig Anhang. Also Menschen wie mich. Während der Bus nach Hannover fuhr, verteilten die Telekom-Lobbyisten Butterbrote, Zeitungen und Kaffee. Was ja ein netter Service war, aber auch schon lustig anzusehen, wie die teuer bezahlten Lobbyisten als Service-Kräfte sich um das leibliche Wohl aller im Bus sorgten. Die Bus-Zeit verzögerte sich leider durch zahlreiche Staus und aus den vorher kommunizierten zwei Stunden wurden letztendlich vier. Zwischendurch wurde man noch eine halbe Stunde lang über den Telekom-Stand und seine tollen Eigenschaften aufgeklärt. Klang wie eine Dauerwerbesendung über die Bus-Boxen und ging einem auf die Nerven. Ich wartete nur noch auf die Heizdecken, die aber nicht kamen und fragte mich, wann denn die Fahrkarte bezahlten werden müsste.

Die 10 Euro Fahrkarte wurden nicht eingesammelt. Man dürfe die mitfahrenden Politiker und – Mitarbeiter leider nicht kostenlos zur cebit fahren, weil es da strenge Regeln geben würde. Daher gab es in der Ankündigung diesen Preis. Wer wolle, könne das Geld an ein Kinderheim (Glaub ich mich zu erinnern) überweisen. Ich vermute aber, dass niemand im Bus ernsthaft die schnell gesprochene Kontonummer aufgeschrieben und das Geld dann dem Zweck gespendet hat.

Gegen 12 Uhr kamen wir endlich auf der Cebit an. Alle Teilnehmer hatten selbstverständlich Freitickets der Telekom und die Reisegruppe wurde zum Telekom-Stand durchgelotst. Dort gab es erstmal einen Sekt-Empfang mit einem zweiten Frühstück. Und ein paar warme Worte von einem Telekom-Vorstand. Das war auch der Zeitpunkt, als ich mich von der Gruppe absetzte, um mir die Cebit anzuschauen. Was auch die richtige Strategie war. Die Politik-Reisegruppe blieb nämlich auf dem Telekom-Stand. Erstmal Sekt, dann Vortrag mit anschliessendem Rundgang über den Telekom-Stand, der ganz schön groß war. Dann gabs wohl wieder Essen und nach 14 Uhr die Möglichkeit, sich andere Stände anzuschauen. Was aber kaum gemacht wurde. Denn man konnte auch an einem Glücksrad drehen und die Gewinnchance war dabei so hoch, dass der Großteil der Mitreisenden anschließend auf der Rückfahrt ihre gewonnen Blackberrys und andere ähnliche Gadgets auspackten und probierten. Außerdem spielten die Helden um 15 Uhr – natürlich auf dem Telekom-Stand. Das musste man sich auch anschauen. Nach dem Konzert schafften es einige wenigstens noch, zum Nachbarstand zu gehen, und den Lobbyisten von Vodafone einen Besuch abzustatten. Denn um 17 Uhr ging es wieder zurück. Übrigens mein zweiter Fehler des Tages. Spätestens hier hätte ich mich für den Zug entscheiden müssen.

Die Rückfahrt dauerte vier Stunden. The usual Stau. Die Telekom-Lobbyisten reichten dazu wieder Zeitungen und Getränke – inklusive Bier. Letzteres führte dazu, dass die mitreisenden Sozen auf den hinteren Bänken immer mehr in Singstimmung kamen und ein Arbeiterlied nach dem anderen trällerten. Mein MP3-Player hatte zu meinem Pech auch keinen Strom mehr und ich konnte nicht flüchten. Dazu saß ich hinter zwei Mitarbeitern der FDP-Fraktion, die in dem vier Stunden langen Gespräch miteinander ziemlich jedes Klischee erfolgreich erfüllten, wie man sich gewisse Kreise in der FDP vorstellt: Da ging es von schlagenden Verbindungen über abschätzige Bemerkungen von eher linken Asten, Luxus-Konsum-Problemen bis zu den Erfahrungen mit Fallschirmspringen. Interessant wurde es eigentlich nur, als sie sich über die Alkoholprobleme von Bundestagsabgeordneten unterhielten und wie der Bitkom ihnen DRM erklärt hatte. Letzteres erklärte einiges an den FDP-Fraktionen dazu. Witzig war auch, wie der eine, Praktikant bei einem MdB, dem anderen erklärte, er habe ein Blog für den Politiker aufgesetzt und fülle das jetzt. Sowas brauche man ja jetzt, und es war auch Bundestagswahlkampf. Die Info fand ich interessant, erklärte doch derselbe Politiker in der Öffentlichkeit, er würde selbst bloggen.

Ich war echt froh, wieder aus dem Bus aussteigen zu können. Das gemeinsame Abendessen beim Edel-Italiener – natürlich gesponsert von der Telekom – sparte ich mir dann. Seitdem fahre ich wieder Bahn. Und achte darauf, dass mein MP3-Player immer gut gefüllt ist. Aber um etwas mehr Einblick in die politische Landschaftspflege eines großen Telekommunikations-Konzerns zu erhalten, war der Trip zumindest eindrucksvoll.

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4 Kommentare
  1. Hallo Markus, schön für die offene Beschreibung.

    Ich finde, dass die Namen aller Mitreisenden Mandatsträger veröffentlicht werden sollte. Bei all so informellen Veranstaltungen würde ich wenigstens gerne wissen, wer sie nutzt um mir als Wähler die Interessen vorher klar machen zu können…

  2. Das ist ja ein Unding! Dass es sowas gibt, das hat man ja eingentlich geahnt. Aber das es dann doch so krass ist finde ich schon leicht schockierend. Vor allem die Geschichte mit dem „Glück“srad. Bananenrepublik…

    Die Namen würde ich auch zu gerne wissen.

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