Vorsicht bei der Verwendung von Playmobil-Figuren

Playmobil-Figuren kann man ja mittlerweile als Teil der Popkultur betrachten, da sie ganze Generationen beeinflusst haben, die nun älter werden. Viele sind damit aufgewachsen und man konnte viel mit den Figuren anstellen: Sie explodierten, wenn man sie an brennende Chinaböller befestigte, man konnte auch problemlos mit dem Hammer die Figuren zerstören, wenn man darauf Lust hatte oder auch sonst alles damit anstellen. Hätte man gewusst, dass es Richtlinien zur Nutzung der Figuren gibt, wäre man vielleicht etwas vorsichtiger damit umgegangen. Zumindest, wenn man im heutigen Zeitalter leben würde und das ganze mit dem Handy filmen und ins Netz stellen würde. Aber wer kann das schon ahnen, wo man beim Kauf keine seitenlange Nutzungserklärung unterschreibt und auf der Packung keine Warnhinweise stehen?

Der Hamburger Künstler Plemo hat von Studenten der Fachhochschule Offenburg ein Musikvideo zu seinem Song „I Sexy“ mit Hilfe von Playmobil-Figuren in einem aufwändigen Stop-Motion-Verfahrengedreht bekommen. Routinemässig fragte man höflich bei der Firma Playmobil nach und wurde mit Richtlinien konfrontiert, die dies untersagen. Plemo zitiert in seinem Blog die Antwort von Playmobil:

mit Interesse habe ich mir das Musikvideo “I Sexi” angesehen. Es ist zweifellos sehr gut gemacht. Bedenken Sie aber, dass wir Hersteller von Kinderspielzeug sind. Und der Text des Songs ist wahrlich nicht für Kinder geeignet. Einer Verwendung des Videos durch die Plattenfirma auf der Homepage des Interpreten Plemo oder zu Werbezwecken können wir deshalb nicht zustimmen. Bitte beachten Sie dazu auch die beigefügten Richtlinien, speziell Punkt A 6.

14.jpg

Eine Suche auf playmobil.de nach den Richtlinien war gerade erfolglos. Über Google findet man nur die Richtlinien für nicht gewerbliche Internetseiten. Ich hab den Mail-Dialog mit Playmobil zugeschickt bekommen, wo die Richltinien zitiert werden und dort steht unter Punkt A6:

„Playmobil darf nicht in Verbindung mit Gewalt, Drogen, Alkohol, Sex, oder ähnlichem gezeigt werden.“

Auch sonst sind die Richtlinien interessant, weil sie detailliert beschreiben, wie man die Figuren verwenden darf und vor allem: wie nicht. Da stellt sich mir im Moment die Frage, wie denn die Figuren urheberrechtlich geschützt sein können? Könnte in diesem Fall nicht die Kunstfreiheit gelten und sind diese Figuren überhaupt so schützenswert, wie von Playmobil kommuniziert? Muss man zukünftig beim Dreh von Videos immer die Hersteller aller Einzelteile um Erlaubnis anfragen, die zu sehen sind, oder was ist die Sonderrolle von Playmbobil-Figuren gegenüber z.B. irgendeinem Fahrrad? Oder gilt das Markenrecht? Abgesehen davon handelt der englischsprachige Song nicht so explizit von Sex, dass man ihn als jugendgefährdend einstufen könnte.

Komische Sache auf jeden Fall und sehr schade für die viele kreative Arbeit und Mühe, die jetzt nicht im Netz gezeigt werden darf. Copyright kills Culture?

Einen kleinen Ausschnitt gibts aber bei Youtube zu sehen:

Das Album “Exzess Express” von Plemo auf dem empfehlenswerten Hamburger Label Audiolith ist übrigens sehr hörenswert. Hatte ich hier schon mal rezensiert. Das neue Album „Plemu und Rampue, love hate peace fuck“ kommt am 9. Juni raus.

11 Kommentare
  1. Kai König 7. Mrz 2008 @ 17:30
Unterstütze unsere Recherchen und Berichterstattung für Grundrechte und ein freies Internet durch eine Spende. Spenden