Öffentlichkeit

Neues vom Kampf gegen Kinderpornographie

Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann von der CDU ist ja immer für eine Überraschung gut. Diese Woche setzte er sich mal wieder auf eine mediale Welle drauf und äusserte sich, kompetent wie immer, zum Kampf gegen Kinderpornographie. Nichts weniger als eine freiwillige Beteiligung der Provider Kampf gegen Internetseiten mit pädophilen Inhalten forderte er. Seine Experten hatten ihm wohl nicht mitgeteilt, dass die Provider dies seit Jahren schon tun.

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Stattdessen haben ihm seine Experten den Floh ins Ohr gesetzt, dass man einfach auf allen Rechnern der Bürgern Firewalls gegen Kinderpornos installieren sollte. Denn:

„Welcher Provider kann es sich eigentlich leisten zu sagen, wir wollen in unserem Netz kinderpornografische Seiten weiterleiten?“ Die bisher vorgeschlagenen Maßnahmen – zum Beispiel, Adressen oder Inhalte zu sperren – seien leicht zu umgehen. Eine Firewall gegen Kinderpornos hingegen setze direkt am Computer des Endverbrauchers an, ähnlich wie ein Spam-Filter. Experten hätten ihm versichert, dass man so 90 bis 95 Prozent der kinderpornografischen Seiten sperren könne, sagte Schünemann.

Tolle Idee, Herr Schünemann. Da kann man gleich noch den Bundestrojaner mit installieren und für die CDU sind damit zwei Probleme auf einmal gelöst. Mal schauen, was als nächstes von Herrn Schünemann kommen wird.

Ansonsten beschäftigt Alvar Freude sich noch mit der Frage, wo denn die vielen offen zugänglichen Kinderpornographie-Angebote herkommen, die man jetzt sperren will. Wisenschaftler sind nämlich der Meinung, dass es so gut wie keine offen zugänglichen Quellen mehr gibt: Es gibt keine offen zugängliche, sperrbare Kinderpornographie im Internet.

Die finnische Sperr-Liste zeigt dann, dass die Mehrheit der Webseiten mit angeblicher Kinderpornographie in den USA und Westeuropa gehostet werden. Wenn es sich also tatsächlich um Kinderpornographie handelt, stellt sich die Frage was besser ist: die Inhalte zeitnah entfernen und die Täter verfolgen – oder den Zugang zu den Inhalten für diejenigen Blockieren, die sie sowieso nicht anschauen?

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9 Kommentare
  1. Meiner Meinung nach wäre es besser Denial of Service Attacken auf solche Ziele zu konzentrieren (mit Absprache der Internetprovider).
    Der BND oder das BKA sollte das machen und gleichzeitig aber auch die Inhaber ausfindig machen und verhaften bzw. mit den USA oder anderen europäischen Ländern zusammen arbeiten.
    Weil etwas zu filtern bringt es überhaupt nicht.
    Mit VPN-Verbindungen kann man sich praktisch von der ganzen Welt ins Internet einklinken.
    Nur die Zerstörung der Quelle bringt den Sieg.
    Erst virtuell durch DOS-Attacken und dann im realen Leben durch Abschaltung bzw. entfernen des Inhalts und die Verhaftung des Übeltäters, damit dieser nicht wieder eine neue Quelle aufmachen kann bzw. eingeschüchtert ist und so einen Mist in Zukunft lässt!

  2. Zum technischen Aspekt kommt – abgesehen von der Unterstuetzung von Nicht-Windows-Systemen – hinzu, dass immer mehr Embedded Devices zum Web-Browsing benutzt werden. Dort ist das mit der Installation solcher Filter-Software gar nicht so leicht.
    Ich habe mir sagen lassen, dass es z.B. auf dem iPhone/iPod so schon sehr knapp mit dem verfuegbaren Speicher ist.
    Ich verstehe auch wirklich nicht so ganz, was die Aufregung um das Thema soll. Ueber solches Material „stolpert“ man doch nicht (ist mir zumindest in ueber 10 Jahren intensiver Internet-Nutzung noch nicht passiert). Und Leute, die aktiv nach sowas suchen, haelt man doch mit so’nem Spoekes nicht auf.

    Da stimme ich harkai zu. Ein paar DOS fahren und eventuell kann man sogar eine freiwillig installierbare Software bauen, um richtig fiese DDOS hinzubekommen.
    Und wenn das Thema den Politikern so sehr am Herzen liegt koennten sie ja auch mal politischen Druck auf die Regierungen der Laender, wo so etwas gehostet wird, ausueben.
    Bis dahin halte ich das fuer einen Vorwand, eine Zensur-Infrastruktur zu etablieren.
    Traurig, dass man so einen Mist von sich geben darf, ohne zuruecktreten zu muessen.

  3. Und wenn wir die Firewall schon auf dem Rechnenr der Endverbraucher haben, warum sollten wir dann nicht gleich abfragen, bei welchem Endkunden diese Firewall anspricht ? Schon haben wir alle potentiellen Konsumenten in Deutschland gefunden.
    Besser noch – gleich die Vorratsdatenspeicherung beim Endkunden durchsetzen. Dann haben wir auch diese lästigen Entschädigungen für die Provider vom Tisch.
    Und in Version 2.0 bauen wir die Firewall dann zum Trojaner aus.
    Tja, Weihnachten ist halt das Fest der frommen Wünsche. Bleibt nur zu hoffen, daß einige Politiker dieses Jahr leer ausgehen….

  4. Ach Leute, ihr seid echt nicht kreativ. Ich als ficktiver Pädophile würde mich über so eine Software freuen.

    Man geht Online, die Zensur-Software meldet mit einem entspannenden gelben Bubble in der Taskleiste, dass die Filter aktualisiert wurden, und man holt schonmal die Packung mit den Tempos.

    Dann öffnet man C:\Programme\Zensursoftware\Schünemanns-Windei\paedoseiten.xml, extrahiert die Links und hat den Index Liborium Prohibitum direkt als Wichsvorlage parat. Den zweiten Computer (ohne Windei) anschalten, und ab gehts.

    Ich befürchte nur, das ganze wird nicht lange funktionieren, danach wird der Schrott in paedoseiten.xml zu viel (nach 4 Monaten immerhin schon 1,4 GB groß); man kann die Genervtheit spüren, wenn unter 100 angewählten Seiten 99 politischen, wirtschaftlichen, religiösen oder sonst langweiligen Inhalt haben.

    Dann muss man wieder auf Dinge wie verschlüsselte DVDs auf dem Postweg zurückgreifen.

    Wobei ab Schünemann-Windei 2.0 angeblich die Filterlisten zur besseren Wartung und Problemen mit FAT-Dateisystemen in mehrere Einzelteile gesplittet werden sollen. Nach der Auslagerung des überwiegenden Teils der gesperrten Links in Dateien wie linke_propaganda.xml, terror_propaganda.xml, bombenbauanleitungen.xml und blasphemie.xml kann unser ficktiefer Pädophiler wieder etwas mit dem Schünemann-Windei anfangen…

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