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StudiVZ an Holtzbrinck verkauft – für 100.000.000 Euro

Nun sahnen die ehemaligen Vorzeige-Kids der deutschen Web2.0‑Blase also doch noch ab. Der bisherige Minderheits-Eigner Holtzbrinck Ventures hat sich laut Spiegel Online gegen einen weiteren Bieter durchgesetzt. Don Alphonso und die anderen Blogger, die in den letzten Monaten die Firma wegen Daten-GAUs, Stalker-Gruppen, Nazi-Symbolik und rumprollenden Geschäftsführern mit einer Reihe von Breitseiten angeschossen hatten, dürften…

  • Ralf Bendrath

Nun sahnen die ehemaligen Vorzeige-Kids der deutschen Web2.0‑Blase also doch noch ab. Der bisherige Minderheits-Eigner Holtzbrinck Ventures hat sich laut Spiegel Online gegen einen weiteren Bieter durchgesetzt. Don Alphonso und die anderen Blogger, die in den letzten Monaten die Firma wegen Daten-GAUs, Stalker-Gruppen, Nazi-Symbolik und rumprollenden Geschäftsführern mit einer Reihe von Breitseiten angeschossen hatten, dürften den Kaufpreis um einiges gesenkt haben. Ob Holtzbrinck sich wohl dafür bedankt hat? Oder die werden sich noch ärgern: Auf dem 23C3 gab es gerade vor wenigen Tagen noch eine schöne Auswertung der vollständig abgesaugten Mitglieder-Datenbank von StudiVZ. Wenn da ein paar von den Studies mal anfangen zu klagen, weil StudiVZ nicht die Mindest-Vorsicht gegen solche Sachen hat walten lassen, könnte es vielleicht doch noch etwas teurer werden.

Liebe Studierende, die das Portal immer noch nutzen: Lest mal beim Don nach, warum ihr vielleicht doch was zu verbergen habt.

Update: Jetzt schreiben auch heise, Focus und Don Alphonso darüber. Der Kaufpreis lag offenbar doch etwas unter 100 Millionen, obwohl Springer in letzter Minute sogar 120 geboten haben soll.

Lustig finde ich die Diskussion im StudVZ-Blog, wo viele von den 1 Mio Mitgliedern jetzt „ihre“ 100€ haben wollen. Da kann man sagen „Leute, wacht auf, das war schon immer eine Firma“. Man kann es aber auch als Zeichen davon sehen, dass die Leute langsam begreifen, wie sie mit ihren Daten den Wert solcher Unternehmen steigern. Oder man schaut in die StudVZ-Statistik und stellt fest, dass die größte Gruppe BWL-StudentInnen sind.

Über die Autor:innen

  • Ralf Bendrath

    Ralf ist seit Jahren in Zusammenhängen wie DigiGes, EDRi, AK Vorrat, AK Zensur aktiv. 2011 wurde er in den Beirat von Privacy International berufen. Nach einer soliden Grundausbildung als Nerd am Commodore C-64 und dem Studium der Politikwissenschaft in Bremen und Berlin hat er zehn Jahre lang zu Datenschutz, Internet-Governance und Cyber-Sicherheit geforscht, u.a. in Berlin, Bremen, Washington und New York City. Von 2002 bis 2005 hat er für die Heinrich-Böll-Stiftung den Weltgipfel Informationsgesellschaft begleitet. Im Hauptberuf arbeitet er seit Sommer 2009 für den Abgeordneten Jan Philipp Albrecht im Europäischen Parlament, ebenfalls zu Themen der Internetfreiheit und der digitalen Bürgerrechte. Wenn er Zeit findet, bloggt er hier auf deutsch oder auf englisch auf http://bendrath.blogspot.com. Häufiger twittert er als @bendrath.


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11 Kommentare zu „StudiVZ an Holtzbrinck verkauft – für 100.000.000 Euro“


  1. markus

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    Lustig finde ich den Hinweis, dass die Daten bei StudiVZ bleiben. Wer die Daten haben wollte, konnte sie sich anscheinend ausgiebig vor dem Schliessen der Sicherheitslücke holen. Auf dem 23c3 wurden lustige Zahlen präsentiert, was man denn aus den Profilen herausholen konnte.

    Wneig überraschend: Politikwissenschaftler waren am politischsten, Informatiker hatten am wenigsten Freunde. Sportwissenschaftler waren wohl am beliebtesten.


  2. […] StudiVZ: verkauft an Holtzbrinck. Nicht an Facebook. […]


  3. […] Die Blase ist mal wieder auf eine recht unerquickliche Größe angeschwollen. Ein Hoch auf das Ultra-Kurzzeitgedächnis. Ach ja: Frohes Neues. Abgelegt unter Web, Blase 2.0 von Mathias […]


  4. […] via Netzpolitik.org. Die auch noch Folgendes sagen: […]


  5. […] Weitere Beiträge: – internetszene.com – Blog Age – Basic Thinking – WebZweiPunktNull.de – Andreas Dittes – Don – Gruenderszene – Sajonara – Spreeblick – Netzpolitik […]


  6. […] Zwei Möglichkeiten, kurzfristig zu Geld zu kommen: Zielgerichtete Werbung sowie Verkauf der Daten. Will man den Verlautbarungen Glauben schenken, so scheidet der Verkauf aus, man ist also auf Werbung angewiesen. In Zeiten von Proxomitron, bfilter oder Privoxy, in Zeiten, wo Werbung fast ausschließlich nur noch als nervend und nicht als notwendig angesehen wird, glaubt wirklich jemand, damit lässt sich profitabel Geld verdienen? Ja, liebe StudiVZ-Nutzer, mit Euch soll knallhart kalkuliert Geld gemacht werden, nun kapiert, oder glaubt Ihr noch an die Garagen-Laptop-Story. Ich zitiere einfach mal Ralf: […]


  7. […] Ich gucke mir Klein-Bloggersdorfs Reaktionen auf ein gewisses Video nun schon eine Weile an. In diesem Kontext wird nämlich seit langem wieder einmal über einen journalistischen Berufsethos diskutiert, den die meisten Anhänger dieser Profession mittlerweile leider vermissen lassen. Da zählt lediglich die Brisanz einer Story und wer sie zuerst veröffentlicht. Umso besser, wenn diese dann auch noch durch entsprechendes Bildmaterial unterstützt wird. Doch muss man gleich so weit gehen und behaupten, das Internet wäre für eine geradezu “seuchenhafte” Verbreitung dieser Bilder verantwortlich? Tja, der erfahrene SZ-Journalist Stefan Kornelius tut dies jedenfalls. Komisch. Und ich dachte immer, das Betrachten von Netzinhalten hätte etwas mit Selbstverantwortung zu tun? Von der Bereitstellung der Inhalte mal ganz zu schweigen. Bekommt der Mensch Freiheiten geschenkt, wie es zweifelsohne durch eine Erfindung wie der des Internets geschah, besteht auch stets die Gefahr, dass diese Freiheiten nicht nur sinnvoll genutzt, sondern ebenso missbraucht werden können. Das liegt in der Natur der Sache, des Benutzers, des Menschens. Wollte man daran etwas ändern, müsste man wohl gar neue Menschen erschaffen. Und wer weiß, ob das nicht auch wieder schief geht. Der Don sieht diese Sache ganz ähnlich und bringt sie auf den Punkt. Die Geschichte vom Stefan und dem Stefan erklärt er da übrigens auch nochmal ausführlicher. […]


  8. […] Was sich bereits abzeichnete ist jetzt amtlich: StudiVZ wurde verkauft, angeblich für schlappe 100 Mio €. Nicht schlecht, wenn man bedenkt mit was für Sicherheitslücken und Skandalen in letzter Zeit auf sich aufmerksam gemacht wurde. Diverse Einträge im Studi-Blog lassen aber auch erahnen, dass manch einer nach Youtube und jetzt diesem zu kapieren beginnt, dass hier aus Pixelbrei oder Nutzerdaten massig Kohle generiert wird, und auch, dass es vielleicht doch nicht so gut ist, zu viel über sich preis zu geben… Also, platzt die Blase? […]


  9. […] könnte echt die Krise bekommen, wenn StudiVZ offline ist. Wie kann denn ein Unternehmen was für so und so viele Millionen gekauft wird, es nicht hinkriegen, Ihre Server laufen zu […]

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