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Datensicherungsroboter löscht Geheimakten der Bundeswehr

Die Bundeswehr hat einen Datensicherungsroboter. Der funktioniert so gut, dass man auf kritische Geheimakten aus der Zeit zwischen 1999 und 2003 nicht mehr zugreifen kann. Aus Akten dieser Zeit wollte der Verteidigungsausschuss im Deutschen Bundestag Informationen erhalten. Aber praktischerweise wurden diese schon 2004 gelöscht.


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Tagesschau.de berichtet darüber: Bundeswehr vernichtete Geheimdaten.

Nun stellte sich heraus, dass ein Großteil dieser brisanten Daten vernichtet wurde. Am 12. Juni dieses Jahres schrieb das Bundesverteidigungsministerium an den Verteidigungsausschuss des Bundestages, dass elektronisch übermittelte Dokumente des militärischen Nachrichtenwesens Ende 2004 verloren gegangen seien und „auch nicht wieder rekonstruiert werden“ könnten. Der Datenverlust „umfasst im Wesentlichen die Daten, die in den Jahren 1999 bis 2003 aus den Einsatzgebieten gewonnen wurden“. In jenen Jahren war die Bundeswehr unter anderem in Afghanistan oder auf dem Balkan stationiert.

Heise berichtet auch: Datenpanne bei der Bundeswehr.

Es habe sich jedoch bald gezeigt, dass die Informationen nicht mehr lesbar waren – nach Angaben Wicherts habe nach einen technischen Defekt der Datensicherungsanlage Ende 2004 ein Austauschgerät installiert werden müssen. Bei dem Versuch, die gespeicherten Daten auf das Ersatzgerät zu übertragen, sei festgestellt worden, „dass ein Teil der Bandkassetten im Datensicherungsroboter nicht mehr lesbar war.“ Der Versuch, die Daten wieder zugänglich zu machen, sei gescheitert, heißt es laut dpa weiter. „Entsprechend der gültigen Vorschriften zum Umgang mit Verschlusssachen wurden die nicht mehr lesbaren Kassetten am 4. Juli 2005 vernichtet“, erklärt Wichert in dem Schreiben.

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24 Kommentare
  1. Nicht mehr lesbar !

    Das ist doch lächerlich, seit wann gibt es denn keine Möglichkeiten Informationen zumindest teilweise zu recovern.
    Vermutlich sollen hier brisante Informationen verhaeimlicht werden.

  2. Da kann man doch nur dezent eine Frage stellen:

    WO IST DAS BACKUP!

    Es kann einfach nicht sein, dass solche Informationen, die wichtiger kaum sein könnten, nur an einem einzigen Ort ein einziges Mal gelagert werden. Oder wird hier als Argument angeführt, dass es zu aufwendig wäre, zwei Standorte für Datenarchivierung zu unterhalten und abzusichern?

  3. Ich finde die Überschrift total unpassend. Der Datensicherungsroboter hat doch keine Geheimakten gelöscht. Und selbst wenn: Die hätte man wiederherstellen können.

  4. Die Überschrift ist doch Blödsinn. Der Datensicherungsroboter hat sicher nichts gelöscht. Das ist auch den Presseberichten zu entnehmen. Es wurde überhaupt nichts gelöscht. Die Bänder waren nicht mehr lesbar und wurden dann vernichtet. Steht sogar in den zitierten Quellen. Was also bringt einen dazu eine solche Überschrift zu erfinden?

  5. „Akten verlieren“ scheint in Regierungskreisen so eine Art Hobby zu sein. Beim Regierungswechsel von Kohl zu Schröder sind seinerzeit ja schon Akten „verloren“ gegangen. Jaja, ich weiß schon, warum ich Regierungen gleich welcher Farbe grundsätzlich nicht traue.

  6. Gelöscht…verlorengegangen…vernichtet… hmm, kommt aufs selbe raus. Allerdings kann ich auch nur schwer nachvollziehen, wie es möglich ist, dass die Daten absolut nicht wiederherstellbar waren.

  7. Beim weiteren Nachdenken fällt mir folgender Umstand auf: Die Daten waren nicht mehr lesbar und sind gemäß den Vorschriften zum Umgang mit verschlüsselten Daten vernichtet worden. Der Verteidigungsausschuss wollte nun aus diesen Akten Informationen erhalten. Verstehe ich das richtig, dass die Daten, sofern sie noch lesbar gewesen wären, nicht vernichtet worden wären??

  8. Hat zufälliger Weise jemand die Sendung „REPORT MAINZ“ vom 25. Juni aufgenommen und ins Netz gestellt? Da wurde ja über den Fall berichtet. Die brauchen ja bei den öffentlich rechtlichen leider meistens ein paar Tage bis nach der Sendung bis sie das Video online stellen, damit auch ja niemand wegen dem Video-Archiv die Sendung nicht live guckt…

  9. Auch der Tagesspiegel vermutet Absichten:

    „Alles was fehlerfrei auf Bandkassetten geschrieben wurde, kann man innerhalb von 20 Jahren auch wieder auslesen“, sagte Melcher auf der Internetseite des Magazins. Nach jedem Schreibvorgang würden Informationen über die Qualität des Schreibvorgangs geliefert. Bei Lesefehlern müsse im Zweifelsfall das Laufwerk gereinigt oder ein besseres Laufwerk genommen werden. Jeder Profi sichere Daten außerdem in zwei Kopien. „Selbst wenn der Staatssekretär Wichert die Bänder aufgegessen hätte, würden professionelle Datenrettungsunternehmen nach der Verdauung den Inhalt wieder herstellen können“, sagte der Experte.

  10. Möchte man diesen Leuten die Vorratsdatenspeicherung anvertrauen? Möchte man das?

    Wer soll jemals kontrollieren, was mit den Daten alles angestellt wird? Wenn jemand nachfragt, ist alles aus Versehen gelöscht.

  11. Das Verteidungsministerium hatte wohl eine Datenbank auf einem Server. Von der wurden die Datenbanken über ein automatisches Band-System (roboter) auf die Sicherungsmedien (Bänder) dupliziert, das sogenannte Backup. Und nun stellt man nach X Jahren fest, nämlich dann wenn der Server selbst gerade zusammen gebrochen ist, dass dieses Backup nicht brauchbar ist. Behauptetes Resultat ist, dass die Daten futsch sind.

    Da in militärischen Bereichen vieles nur mit Verschlüsselung gemacht wird, kann ich mir gut vorstellen, dass dieser Schlüssel zum Einpacken irgendwo auf dem Server lag. Wo der Schlüssel zum Auspacken lag, das ist schwer zu sagen – vielleicht auf dem selben Server und nirgendwo sonst. Wer weiss, vielleicht ist der Schlüssel zum Entpacken ja sogar mit auf den Bändern abgelegt worden – verschlüsselt versteht sich. Es würde zumindest im Ansatz erklären wieso jetzt keine Daten mehr greifbar sind. Stellt sich aber die Frage was trotz den üblichen RAID-Systemen noch alles schief gehen muss, um so einen Server ins Nirvana zu schicken um ihn in nicht mehr angemessener Zeit zurück ins Leben zu bringen. Vielleicht wars ja ein Uralt-Unix-System, das man „gerne“ bei der Migration sterben liess. Wobei die Angabe für die verlustigen Daten mit 2000er Nummern natürlich eher für ein neueres System spricht.

    Allerdings ist die offizielle Version eine andere. Der Roboter soll sich irgendwie vergriffen haben. Das kann bedeuten, er hat immer das gleiche Band eingelegt, also statt Band #1 bis Band #31 jeweils einmal am Tag durch zu wechseln und den ganzen Satz z.B. 1x die Woche aus zu schleusen fürs Tresor-Archiv wurde stattdessen am 1. des Monats 31x das erste Band eingelegt, am 2. das zweite usw. Natürlich besteht auch die Möglichkeit, dass ein oder mehrere der Laufwerke verdreckt waren und der Robotor hat das nicht mitgeteilt bekommen. Wenn man die Daten zerhackstückeln muss über mehrere Bänder, dann kann bereits ein einzelnes endgültig defektes Paket auf einem Band das ganze Backup unbrauchbar machen. Dafür gibt es normal die Redundanzen im System. Aber über Jahre hinweg unbemerkt ist schon hart. Das bedeutet, es wurde nicht regelmässig auf einem Spiegel-System überprüft ob das Rücksichern überhaupt möglich ist. Und das Original-System wurde nur mit genau einer Methode gesichert. Wenn ich recht verstehe waren manche der Daten aus anderer Quelle zugeliefert. Die wird aber nicht sehr scharf drauf sein alles nochmal zu sortieren und ein zweites Mal zu liefern. Die eigenen Daten sind aber wohl noch mehr futsch, so sie denn nicht irgendwo noch auf Papier existieren – was aber auch nicht sooo wahrscheinlich ist bei dem immer wieder kehrenden Vernichtungswahn in Behörden.

    Vernichtet wurden die Bänder – ob sie in 10 oder 20 Jahren wiederherstellbar sein könnten, das weiss heute keiner, aber es wurde offenbar für sehr sehr unwahrscheinlich gehalten. Nunja, es würde ja kosten, der Raum und die Regale, und es würde die Behörde ja ständig aufs neue an ihre alten Sünden erinnern.

  12. Na schönet Ding, Frau Kling! Der Datenroboter war’s! Der war besoffen bzw. hatte sich wohl gerade von seinem Vorgesetzten erklären lassen, wie „Mann“ richtig Strapse anlegt und worin der eigentliche Vorteil liegt:o). Da würde wohl jeder Roboter fehler machen.
    Komisch nur dieses medial schnell verpuffende Echo. Und vom schwarzen Block …nichts zu sehen, typisch diese Luftpumpen, große Fresse …aba nix los sonst …dann kann ich’s schon verstehen, son bissl, die wußten/wissen genau bei der B-Wehr was die sich leisten können oder nicht …und wenn …“schreiben ses auf …der Roboter wars“ …und es wird notiert und auch gesendet …nur es interessiert eigentlich niemanden …außer die immerwiederkehrenden Moralisten, die inzwischen aber schon langweilen, weil solch moralisches Weichgespüle nach dem xten Fall einfach nur heuchlerisch klingt. Wer hat denn nun die Kontrolle über unsere tollen Soldaten und dessen Führung, die auch gern mal Vergewaltigungen und ähnliches in Wald und Wiese durchüben lassen, man will ja schließlich gerüstet sein, wenn es dann bald losgeht, und unseren amerikanischen Freunden in nichts nachstehen:o).
    In bin schon auf die Berichterstattung gespannt, wenn die ersten Toten wieder heim kommen, sobald die B-Wehr richtig mit eingreift …!

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