Die Sendung Fazit auf Deutschlandradio Kultur hat gestern Abend über die aktuellen Entwicklungen in der Urheberrechtsdebatte berichtet und dazu den Verleger Helge Malchow und mich interviewt. Die sieben Minuten mit Malchow gibt es hier als MP3: “Wir sind die Urheber – Internet-Aktivisten drohen Unterzeichnern”, die anderen sieben Minuten mit mir gibt es hier: “Anonymous gegen Autoren – die Debatte über das Urheberrecht eskaliert”.
FTOJ: Journalismus aus Nutzersicht
Heute findet der Frankfurter Tag des Onlinejournalismus statt. Ich bin eingeladen worden, unter dem Titel “Alles offen – Das Ende des Journalismus, wie wir ihn kennen” darüber zu sprechen, wie Nutzer sich Journalismus wünschen. Nun ist das natürlich etwas, was man nur subjektiv beschreiben kann, da meine Wünsche an den Journalismus, bzw. die Medien wahrscheinlich ganz anders aussehen als die von vielen anderen.
Ich hab eine Menge Punkte schon in meiner Präsentation, die aber in 30 Minuten inklusive Fragen und Antworten auch nicht Alles abdecken wird. Daher hier die Frage: Was wünscht Ihr Euch als Nutzer vom Journalismus bzw. den Medien? Abschaffung der Depublikationspflicht ist selbstverständlich schon drin, Ladenöffnungszeiten bei Nutzerangeboten natürlich auch.
Es gibt übrigens einen Livestream: Kathrin Passig, Dirk von Gehlen, Richard Gutjahr und andere erzählen auch was zu anderen Aspekten des Onlinejournalismus.
Schul-Sperren in NRW: TIME for kids will doch nur ein “Bildungsinternet”
Die Sperrung der Piratenpartei NRW an Schulen im bevölkerungsreichsten Bundesland hat ganz schön Welle gemacht. Jetzt legt die Herstellerfirma noch einmal nach in ihrer Unschuldskampagne. Man beschwert sich über einen Shitstorm und bittet uns, den Artikel zu korrigieren.
Wie berichtet, wollte sich am Donnerstag ein Schüler an einem Berufskolleg in Ahaus über das Wahlprogramm der Piratenpartei NRW informieren, bekam aber stattdessen eine Sperr-Seite angezeigt. Twitter ist in der Schule auch gesperrt, also macht die Nachricht die Runde über andere Kanäle, bis sie dann doch auftaucht.
Diese Aufmerksamkeit war der Herstellerfirma TIME for kids nicht ganz recht, weswegen man gestern Abend mit einer eigenen Pressemitteilung konterte. Darin beschwert man sich über:
shitstorm-verdächtige Kommentare: Zensursula, Jugendmedienschutz-Staatsvertrag, Overblocking. Diese Schlagworte der Netzpolitik haben vor dem Hintergrund eines Bildungsinternets, die der TIME for kids Schulfilter Plus den Schulen bietet, keine Relevanz.
Interessenkonflikt? Europaabgeordneter ist gleichzeitig Anwalt für Patente und Urheberrecht
Klaus-Heiner Lehne ist CDU-Abgeordneter im Europaparlament, Mitglied im Fraktionsvorstand sowie Vorsitzender im Rechtsausschuss. Quasi nebenbei arbeitet er auch für die internationale Wirtschaftskanzlei Taylor Wessing, wo er mehr als 120.000 Euro im Jahr verdient. Abgeordnetenwatch.de hat nun recherchiert, wie problematisch das sein kann.

Mit einer Zusammenfassung wäre es gar nicht getan, also einmal rüber zum Original-Artikel klicken, bitte. Nur ein paar Zitate: Mehr lesen
Netzpolitik TV 68: Jacob Appelbaum über soziale Netzwerke, Post-Privacy und Überwachungstechnologien
Jacob Appelbaum beschreibt sich selbst als “erfahrener Fotograf, Software-Hacker und Weltreisender.” Der Tor-Entwickler ist spätestens seit seinem bewegenden Plädoyer für Wikileaks einem breiteren Publikum bekannt. Auf der re:publica haben wir ein Video-Interview mit ihm gemacht, das wir thematisch in drei Clips aufgeteilt haben. Mehr lesen
Netzpolitik TV 68: Jacob Appelbaum über soziale Netzwerke, Post-Privacy und Überwachungstechnologien [ 20:42 ] Jetzt abspielen | Play in Popup | DownloadWas speichert Twitter über mich? Ein Selbstversuch
Im Februar haben wir über eine Initiative von Privacy International berichtet, von Twitter die Daten anzufordern, die der Konzern über einen Account speichert. Jetzt haben wir unsere Daten erhalten. Der Inhalt ist keine große Überraschung, allein die Speicherdauer von IP-Adressen könnte etwas kürzer ausfallen.
Mit dem einfachen Vordruck habe ich folgende Daten angefordert:
- Alle personenbezogenen Daten, die Twitter über mich hält, unter anderem
- Alle Logs von IP-Adressen, die meinem Konto zugeordnet sind
- Alle Einträge aus meinem Adressbuch, die Twitter über die “Freunde finden” Funktion erhalten haben könnte, oder jede andere Information, die ein mobiler Twitter-Client gesammelt haben könnte
- Alle Aufzeichnungen der Offenlegung persönlicher Daten an andere Stellen, einschließlich Strafverfolgungsbehörden
Nach dem Abschicken der Anfrage musste ich nochmal eine Bestätigungsmail schicken. Zehn Tage später wurde ich in einer weiteren Mail dazu aufgefordert, die Anfrage nochmal per Fax zu bestätigen. Dort sollte auch die Kopie eines staatlichen Ausweisdokuments drauf sein. Mehr lesen
Urheberrechtsdebatte: Wir sind die Bürger
Als Antwort auf die argumentationsarme “Wir sind die Urheber – Petition hat Thomas @codeispoetry Pfeiffer über Nacht “Wir sind die Bürgerinnen und Bürger” gebaut.
Wir möchten nicht, dass zur Durchsetzung des Urheberrechts zu unverhältnismäßigen Mitteln gegriffen wird. Dazu zählen:
die totale Verbannung aus dem Internet, wenn man mehrmals illegal Musik heruntergeladen hat („Three-Strikes-Modell”)
die anlasslose Überwachung und Speicherung des Internetverkehrs, um Urheberrechtsverstöße überhaupt erst aufzuspüren
überhöhte Streitwerte bei Abmahnungen, um Exempel zu statuieren (viele Tausend oder Zehntausende Euro)Wir möchten ein Urheberrecht und reichen deshalb allen Kreativen und ihren Geschäftspartnern die Hand. Lassen Sie uns gemeinsam nach Lösungen suchen, die das Recht der Urheber, über das eigene Werk zu verfügen genauso respektieren wie das Recht aller Menschen, frei von Repression und Überwachung zu leben.
Der Petitionstext ist länger und kann dort unterzeichnet werden.
VG Wort und das Schutzfristenproblem im Urheberrecht
Auf heise wurde die Stellungnahme der VG Wort (PDF) zur aktuellen Urheberrechtsdebatte schon als das bezeichnet was, was sie ist, nämlich “Öl ins Feuer“. Ich habe gerade keine Zeit, die einzelnen Punkte der Stellungnahme im Detail zu kommentieren, ihr Neuigkeitswert ist ohnehin gering. Bestes Beispiel dafür ist das beharrliche Wiederholen des falschen Arguments, dass die überlangen Schutzfristen im Urheberrecht keine Nachteile für die Allgemeinheit bedeuten würden:
Eine Schutzfristenverkürzung würde das geistige Eigentum der Urheber deutlich entwerten ohne von wirklichem Vorteil für die Allgemeinheit zu sein.
Erst vor kurzem haben wir an dieser Stelle auf eine schöne Visualisierung des Schutzfristenproblems gerade im Bereich von Büchern hingewiesen (vgl. auch Artikel bei Spiegel Online). Der Wikipedianer “Finanzer” hat nun auf seinem Blog eine Reihe weiterer, konkreter Beispiele angeführt, warum die überlangen Schutzfristen ein Problem für die Allgemeinheit und deren Zugang zu unserem gemeinsamen kulturellen Erbe darstellen: Mehr lesen








