Raus aus der Nische, rein in die Talkshows: Seit Jahren berichten Chris und Sebastian zu unterschiedlichen Formen digitaler Gewalt, jetzt ist das Thema überall. Auslöser ist eine Geschichte im Spiegel, in der Schauspielerin und Moderatorin Collien Fernandes ihrem Ex-Mann Christian Ulmen schwere Vorwürfe macht. Dessen Kanzlei leitet wiederum rechtliche Schritte gegen die Berichterstattung ein.
In der neuen Folge Off The Record analysieren wir die davon entfachte Debatte über digitale Gewalt und sprechen darüber, warum der Fokus allein auf sexualisierte Deepfakes und Verschärfungen des Strafrechts dem Problem nicht gerecht wird.
In dieser Folge: Chris Köver, Ingo Dachwitz und Sebastian Meineck.
Produktion: Serafin Dinges.
Titelmusik: Trummerschlunk.
Hier ist die MP3 zum Download. Wie gewohnt gibt es den Podcast auch im offenen ogg-Format. Ein maschinell erstelltes Transkript gibt es im txt-Format.
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Links und Infos
Blattkritik
- Der von Chris und Sebastian veröffentlichte Teil des Gesetzentwurfs zu digitaler Gewalt: Diese Deepfakes sollen künftig strafbar sein
- Lauras Text zum Recht auf Reparatur: Der lange Weg zu einer nachhaltigen Konsumkultur
- Podcast-Auftritte von Sebastian zur Diskussion um ein Social-Media-Verbot – mit angezogener Handbremse und ohne
- Ingos Text zur Bundestagsanhörung zu politischer Werbung: Bundestag soll Schutz der Pressefreiheit sicherstellen
Thema des Monats
- Spiegel-Artikel zum Fall Ulmen-Fernandes: „Du hast mich virtuell vergewaltigt“
- Presseerklärung der Kanzlei Schertz Bergmann: Presserechtliche Information für Christian Ulmen
- Caren-Miosga-Sendung zu digitaler Gewalt: Wie können Frauen besser geschützt werden?
- Kommentar von Chris zur Verengung der Lösungsdebatte auf das Strafrecht: Ein Gesetz stürzt noch kein Patriarchat
- Kommentar von Sebastian zum Potenzial der aktuellen Debatte: Ein mächtiges politisches Momentum
- Kommentar von Chris zu patriarchalem Anspruchsdenken: Das lass‘ ich mir nicht nehmen
- Grundlagenartikel: Was ist digitale Gewalt?
- Artikel zur Frage Wo war die Empörung, bevor es Deepfakes gab?
- Artikel zur Dunkelfeldstudie zu geschlechtsbezogener und häuslicher Gewalt: Wie verbreitet digitale Gewalt wirklich ist
- Artikel zur Verabschiedung der EU-Richtlinie zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen 2024: EU will Frauen einheitlich vor Gewalt schützen – außer vor Vergewaltigung
- Artikel zu sexualisierten Deepfakes durch Elon Musks Chatbot Grok: Musks Chatbot Grok verbreitet weiter sexualisierte Deepfakes
- Kommentar von Vladimir Balzer beim Deutschlandfunk zur ausländerfeindlichen Vereinnahmung der Debatte: Merz als Repräsentant eines patriarchalen Systems
Kapitel
(00:00:00) Begrüßung
(00:01:20) Blattkritik
(00:05:42) Thema des Monats
(00:57:43) Hausmitteilungen
(00:59:09) Credits

Zum eben veröffentlichten Ticker: „“Auf den Schildern standen Dingen wie: „Schweigen schützt Täter“ und „Warum müssen wir in Angst leben?“.“
Warum wird „Täter“ nicht gegendert? Auch das ist ein Problem. Selbst eine CDU-Politikerin hat andere dazu angemahnt die männlichen Opfer nicht zu vergessen. Auch das läuft in der Debatte völlig schief. Dieser einseitige Fokus kostet der ganzen Debatte die Glaubwürdigkeit, da man sich eben angreifbar macht.
Es geht glaube ich nicht darum, männliche Opfer zu vergessen. Chris geht im Podcast und in ihrem Artikel zur Dunkelfeldstudie ja auch explizit auf männliche Opfer ein. Man würde das Problem aber verzerren, wenn man die geschlechtsspezifische Dimension ausblendet. Der Großteil der Täter sind nun mal Männer, der Großteil der Opfer sind Frauen (oder trans Personen). s. dazu diese neue Recherche von Wired: https://www.wired.com/story/men-are-buying-hacking-tools-to-use-against-their-wives-and-friends/
Danke für die Klarstellung, aber trotzdem empfinde ich das Männer in diesem Kontext – wie so oft – vernachlässigt werden. Gerne sprechen wir bei solchen Taten von „Jeder Mensch, der Opfer von Gewalt wird, ist einer zu viel“. Durch die nahezu komplette Abstinenz in der breiten (!) Debatte wird dieser Grundsatz ad absurdum geführt.
Natürlich ist der Fokus auf Gruppen die am meisten Betroffen sind gut, aber man sollte vermeiden nach diesen Gruppen dann Gesetze und Initiativen zu betiteln. Denn wie fühlen sich denn männliche Opfer? Das ist einfach scheiße.
Man stelle sich vor das Programme wie https://www.maennerhilfetelefon.de/ nicht existieren und man sich ja auch bei Programmen für Frauen melden könnte. Fühlt sich auch nicht gut an insb. wenn Betroffene bereits ein geringes Selbstbewusstsein haben und dann schnell das Gefühl von „Opfer zweiter Klasse“ bekommen.
Beim Hilfetelefon Gewalt an Männern ist dementsprechend sexualisierte Gewalt der zweithäufigste Anlass für eine Kontaktaufnahme (nach physischer Gewalt). Möchte nur zeigen das es nicht „wenige“ Opfer sind, so wie es die aktuelle Debatte in der breite suggeriert.
https://www.maennerhilfetelefon.de/sexualisierte-gewalt
Es sei auch angemerkt, dass Männer gemäß Gewalthilfegesetz keinen Anspruch auf Schutz haben werden. Der Schutz ist nur auf Frauen und ihre Kinder verfügbar.
Ich finde, dass genau das dieses Patriarchale Bild „von Männern können keine Opfer sein“ verbreitet. Begründet wird das oft mit, es fehlt an Geld. Das führt am Ende leider aber genau dazu, dass beide Geschlechter sich um Fördergelder streiten müssen, was komplett absurd ist…
Es ist eher ein Dilemma: Die Opfer sind nämlich meistens Frauen und die Täte meistens Männer.
Wenn jetzt in der Öffentlichkeit der Fokus auch mal auf die männlichen Opfer gelegt wird, werden wahrscheinlich auch viele Betroffene Frauen aufschreien, warum jetzt die Männer wieder im Fokus stehen, obwohl Frauen doch schon immer rund länger leiden. So im Sinne von: Warum sind wieder Männer im Fokus?
Die Politik wird daher kein Interesse an ausreichendem Schutz für beide Geschlechter haben, um jetzt nicht auch den Vorwurf zu bekommen, die Falschen Prioritäten zu setzen.