Digitale MedienkompetenzEltern und Mitschüler sollen es richten

Die Bildungsministerkonferenz findet Medienkompetenz in Sachen Social Media und Digitalisierung zwar wichtig, doch konkrete Maßnahmen ergreifen will sie nicht. Laut einem Medienbericht führt das zu Verantwortungsdiffusion.

  • Markus Reuter
Sechs Holzklötze mit Symbolen, fünf zeigen einen Schüler mit Rucksack und Handy, einer ein durchgestrichenes Handy in Rot.
Die Bildungsminister:innen sehen Medienkompetenz als gesamtgesellschaftliche Aufgabe - und beschließen keine konkreten Maßnahmen,. – Alle Rechte vorbehalten: IMAGO / Bihlmayerfotografie

Die Bildungsministerkonferenz wird keine wirklichen und zählbaren Maßnahmen ergreifen, um die Medienkompetenz von Kindern in Sachen Social Media in der Schule zu stärken. Das geht aus einem Bericht des Tagesspiegel Background (€) hervor, dem der Entwurf der „Erklärung der Bildungsministerkonferenz“ vorliegt. Demnach ist eine konsequente Ausweitung der Medienbildung an Schulen darin kein Schwerpunkt.

Laut dem Bericht sehen die Kultusminister vor allem die Eltern für die Medienkompetenz ihrer Kinder verantwortlich. „Die verfassungsrechtlich verankerten Erziehungspflichten und ‑rechte der Eltern stehen in diesem Feld im Vordergrund“, zitiert Background aus dem Bericht. Als Argument führen die Minister:innen an, dass die problematische Mediennutzung ja „überwiegend außerhalb der Schule“ stattfinde.

Zwar würden dem Medienbericht zufolge die Minister:innen postulieren, dass Schulen in Sachen Medienkompetenz einen „entschlossenen Beitrag“ leisten müssten. Gleichwohl gibt es in dem Papier nur eine Stelle, an der die Minister:innen festhalten, dass die Medienbildung an Schulen derzeit nicht ausreiche. Fakt ist laut dem Tagesspiegel, dass es nur in fünf der 16 Bundesländer überhaupt ein Fach Medienbildung gibt und auch der flächendeckende Ausbau von Informatik als Pflichtfach demnach noch Jahre dauern wird.

In der Erklärung der Kultusminister heißt es weiter, dass „schulische Bildungs- und Erziehungsangebote“ weiter ausgebaut werden sollen, doch konkrete Maßnahmen oder Stundenzahlen nennt der Text nicht. Statt konkreter Pläne stellt das Papier eher Projekte hervor, bei denen sich Schüler:innen gegenseitig Medienkompetenz beibringen sollen oder bei denen Initiativen von außen, beispielsweise aus dem Journalismus, in die Schule hineinwirken sollen. Tagesspiegel Background spricht hier deswegen von Verantwortungsdiffusion.

Über die Autor:innen

  • Markus Reuter

    Markus Reuter recherchiert und schreibt zu Digitalpolitik, Desinformation, Zensur und Moderation sowie Überwachungstechnologien. Darüber hinaus beschäftigt er sich mit der Polizei, Grund- und Bürgerrechten sowie Protesten und sozialen Bewegungen. Für eine Recherchereihe zur Polizei auf Twitter erhielt er 2018 den Preis des Bayerischen Journalistenverbandes, für eine TikTok-Recherche 2020 den Journalismuspreis Informatik. Bei netzpolitik.org seit März 2016 als Redakteur dabei. Er ist erreichbar unter markus.reuter | ett | netzpolitik.org, sowie auf Mastodon und Bluesky.

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8 Kommentare zu „Eltern und Mitschüler sollen es richten“


  1. Ron Vollandt

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    Ein Aspekt, der im Artikel anklingt, aber meiner Erfahrung nach unterschätzt wird, ist die mediale Kompetenz der Eltern selbst. Die Konferenz schiebt die Verantwortung an Familien zurück, geht dabei aber stillschweigend davon aus, dass die Erziehungsberechtigten den Stand der Technik und die Funktionsweise der Plattformen überblicken. Studien wie die »KIM-Studie« des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest zeigen jedoch seit Jahren, dass viele Eltern selbst Schwierigkeiten haben, Algorithmen, Suchtmechanismen oder Datenschutzeinstellungen einzuordnen.

    Die Verantwortungsdiffusion findet damit nicht nur zwischen Bildungspolitik und Familie statt, sondern setzt sich auf der nächsten Ebene fort: Eltern sollen vermitteln, was sie selbst nicht systematisch lernen konnten. Ohne flankierende Erwachsenenbildung droht die Strategie der Kultusminister:innen am eigenen Anspruch zu scheitern.

    Ron Vollandt


    1. Anonym

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      Zitat: „Ein Aspekt, der im Artikel anklingt, aber meiner Erfahrung nach unterschätzt wird, ist die mediale Kompetenz der Eltern selbst. Die Konferenz schiebt die Verantwortung an Familien zurück, geht dabei aber stillschweigend davon aus, dass die Erziehungsberechtigten den Stand der Technik und die Funktionsweise der Plattformen überblicken.“

      Gewiss, es gibt das Problem der „allgemeinen Verblödung“ auch in Elternkreisen, aber eben auch nicht nur dort. Bildungsdefizite wurden schon immer gerne für Geschäftsinteressen ausgenutzt. Cui bono?

      „Eltern haften für ihre Kinder!“ hat man früher an jede Baustelle genagelt, um Haftung von sich zu weisen. Und wie gerne haben wir Kinder damals auf Baustellen gespielt, als es noch keine Bauzäune gab. Niemand kam auf die Idee, die Schule zu beschuldigen, wenn mal etwas passierte. Allerdings kam auch kein Lehrer auf die Idee, mit einer Schulklasse in einen mehrstöckigen Rohbau zu gehen.

      Natürlich tragen Eltern die Verantwortung nicht nur für ihren Nachwuchs, sondern auch für ihr eigenes Unvermögen, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen. Selbst verschuldet ist diese Unmündigkeit der Eltern, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes liegt, sondern an Bequemlichkeit und Ignoranz.

      Schule ist dafür da, dass auch Kinder aus „bildungsfernen“ Milieus in dieser Gesellschaft eine Chance haben. Diese Chance haben sie aber nicht, wenn man sie zu willigen Konsumenten erzieht, die brav jede AGB akzeptieren, ohne sie verstanden zu haben.


  2. Anonym

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    Damals in der Schule hatte ich das Fach „Informatik“ oder auch „Werte und Normen“. Man kann das doch irgendwo da unterbringen, oder ein neues Fach schaffen. Das muss ja nicht ein wöchentlich stattfindendes Fach sein…


  3. Anonym

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    Sowas im Englischunterricht mit einzubauen, geht nicht? Statt Bücher raus, Smartphones oder Tablets raus.

    Das Grinsen vergeht schon bei den AGBs.


    1. Anonym

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      > Statt Bücher raus, Smartphones oder Tablets raus.
      > Das Grinsen vergeht schon bei den AGBs.

      Ganz hervorragender Punkt!

      Vor der Nutzung *sollten* erstmal die AGB auch wirklich verstanden sein.

      Und wer stimmt zu, bei noch nicht Geschäftsfähigen? Der Lehrer, die Schule, das Kultusministerium? Wer haftet für Folgeschäden und gesundheitlichen Spätfolgen?


      1. Anonym

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        Ganz schwacher Punkt! Troll!

        „Vor der Nutzung *sollten* erstmal die AGB auch wirklich verstanden sein.“

        Darum geht es ja bei dem Beispiel. Bin mir sicher, es finden sich Beispiel-AGBs zum Lernen (vom Lehrer zB), ganz ohne Folgeschäden und gesundheitliche Spätfolgen.

        Auf Plattformen kann man sich auch bewegen, ohne gleich Accounts anzulegen, und das Kultusministerium benachrichtigen zu müssen.

        Nur auf Eltern und Mitschüler abwälzen, birgt sicher größere Gefahren.


  4. Ich habe keinen direkten Einblick in die Medienkompetenzbildung in den Schulen. Allerdings muß das inhaltlich öffentlich diskutiert werden, denn sonst erwerben die Schüler keine Medienkompetenz sondern werden werden auf Medien geprägt, die eben nicht für Offenheit und guten Journalismus stehen, z. B. ÖRR.


  5. Probleme bei der Medien sind für die Kinder mit dem Suchtpotenzial und mit der Lernoschwäche durch KI verbunden. Es geht nicht um Freier Wahl, aber um Schutz. Mit scherfere Gesetze und viel Diskussionen sind auch Rauchen, Kaffekonsum und Alkoholkonsum beim Kind stigmatieziert worden.

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