Und hinter tausend Masken kein Gesicht

Constanze Kurz hat dem FAZ-Publikum mal Anonymous erklärt: Und hinter tausend Masken kein Gesicht.

Ob Anonymous in der heutigen Form weiterbesteht, ob als Label oder als Bewegung, wie es mutieren und sich verändern wird, ist schwer vorherzusagen. Es gibt vereinzelte Bestrebungen, eine Art Handlungsethik, einen „Code of Conduct“ zu etablieren, um „echte“ von „falschen“ Anonymous-Aktionen unterscheidbar zu machen. Es gibt auch die Ansicht, die Idee von Anonymous hätte sich im Kern überlebt, einerseits durch Unterwanderung, andererseits durch die unkontrolliert gestiegene Attraktivität der Marke, die hohe Aufmerksamkeit auch für kontraproduktive Aktionen bekommt. Was in jedem Falle bleiben wird, ist die Erkenntnis, dass politischer Widerstand nicht unbedingt ein Gesicht benötigt, dass im Internetzeitalter ein Symbol und ein Name genug sind, um Menschen mit ähnlichen Ideen zusammenzubringen und sie durch ihre Masse relevant zu machen.

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EU-Gutachten zur Vorratsdatenspeicherung: Thema verfehlt

Im Februar hatten wir berichtet, dass die EU-Kommission ein Rechtsgutachten zur Vorratsdatenspeicherung nicht veröffentlichen will. Nach viel öffentlichem Druck ist das Gutachten nun erhältlich. Die meisten Position sind durch eine Anfrage von Parlamentariern schon bekannt geworden. Patrick Breyer, Aktivist beim Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung und mittlerweile Abgeordneter der Piratenfraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag, hat das Gutachten analysiert:

Unter Berufung auf ein Rechtsgutachten ihres Juristischen Dienstes behauptet die EU-Innenkommissarin Malmström, es sei rechtlich unmöglich, den EU-Mitgliedsstaaten das “Ob” einer flächendeckenden Vorratsspeicherung von Verbindungsdaten künftig freizustellen. Doch in dem Rechtsgutachten steht etwas anderes.
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Elektronische Überwachung: Bundesregierung verweigert Auskunft zu deutschen Geheimdiensten

Können deutsche Geheimdienste PGP entschlüsseln? Das suggeriert eine Antwort der Regierung auf eine kleine Anfrage der Linkspartei. Viele Fragen zur “strategischen Fernmeldeaufklärung” will man jedoch nicht öffentlich beantworten.

Deutsche Geheimdienste haben im Jahr 2010 über 37 Millionen E-Mails überwacht. Das hat mehr Fragen als Antworten aufgeworfen, die die Linksfraktion im Bundestag der Bundesregierung gestellt hat. Jetzt ist die Antwort da und überrascht vor allem mit folgender Aussage:

Frage: Ist die eingesetzte Technik auch in der Lage, verschlüsselte Kommunikation (etwa per SSH oder PGP) zumindest teilweise zu entschlüsseln und/oder auszuwerten?

Antwort: Ja, die eingesetzte Technik ist grundsätzlich hierzu in der Lage, je nach Art und Qualität der Verschlüsselung.

Wir spekulieren mal lieber nicht mit, das kann gerne in den Kommentaren geschehen.

Interessanter ist, was die Regierung nicht sagen will:
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NDR ZAPP: Viele iOS-Apps geben unbemerkt Daten ihrer Nutzer an Dritte weiter

Noch immer senden zahlreiche Apps ungefragt Nutzer-Daten an Dritte. Das geht aus Recherchen des NDR Medienmagazins ZAPP hervor. Das Magazin hat fast 150 Apps aus dem Apple App Store von “unabhängigen Experten” untersuchen lassen. Fast ein Drittel senden unbemerkt die Seriennummer des Geräts.

Den Film gibt’s als MP4 oder auf YouTube:


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Netzneutralität in den Niederlanden: Gesetz verhindert Sperre von The Pirate Bay nicht

Das niederländische Gesetz zum Schutz der Netzneutralität ist leider doch nicht so umfassend, wie zu wünschen wäre. Es erlaubt Verstöße gegen die Netzneutralität per Gesetz oder Gericht. The Pirate Bay bleibt also weiterhin in den Niederlanden gesperrt.

Nachdem Chile bereits vor zwei Jahren Netzneutralität gesetzlich festgeschrieben hat, steht auch in den Niederlanden ein Gesetz zum Schutz der Netzneutralität kurz vor der Verabschiedung. Das wurde auch von uns begrüßt.

Bei den Kollegen vom Logbuch:Netzpolitik wurde die Hoffnung geäußert, dass dann auch die existierenden Sperren von The Pirate Bay ein Ende haben. Leider ist dem nicht so. Gleich der erste Absatz des Gesetzes lautet:
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Globale Piraterie-Studie: Zahlen und Schlussfolgerungen der Software-Industrie leider nicht ernst zu nehmen

Der Interessenverband Business Software Alliance hat eine neue Ausgabe seiner jährlichen globale Piraterie-Studie veröffentlicht. Die Ergebnisse sollen begründen, dass das Urheberrecht verschärft und strenger durchgesetzt werden muss. Doch die Methodik ist zweifelhaft und hält wissenschaftlichen Kriterien nicht stand.

Seit 2003 gibt die Business Software Alliance (BSA), ein Lobby-Verband der Software-Anbieter, die Global Software Piracy Study heraus. Mit im Boot sind das “Marktforschungs- und Beratungsunternehmen” International Data Corporation (IDC) sowie das Marktforschungsunternehmen Ipsos. Letzte Woche wurde die diesjährige Ausgabe veröffentlicht.

Keine wissenschaftlichen Kriterien

Dazu haben wir einige Rückfragen gestellt. Als erstes wollten wir natürlich die Studie selbst haben. Auf der Webseite ist zwar neben einer vier-seitigen Kurzversion auch ein Dokument verlinkt, dass sich Studie nennt. Das sind aber auch nur 20 Seiten, und wenn man Klappentext, Inhaltsverzeichnis, Executive Summary und Co. abzieht, bleiben nur sieben Seiten Inhalt übrig. Die globale Studie, die 182 Datentypen in 116 Staaten untersucht, kann das nicht sein. Leider hat man uns auf wiederholte Nachfragen keine weiteren Daten liefern können, lediglich einen Fragebogen haben wir erhalten.
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Going Dark: FBI gründet neues Zentrum zur Netz-Überwachung

Das amerikanische FBI hat eine neue Überwachungsbehörde gegründet, das “Domestic Communications Assistance Center”. Es soll neue Überwachungstechnologien entwickeln, unter anderem für Internet-, Funk- und VoIP-Technologien. Laut CNET ist es die technologische Komponente der “Going Dark”-Überwachungsinitiative.

Declan McCullagh berichtet auf CNET:

Der Aufgabenbereich des Domestic Communications Assistance Center (DCAC) ist breit gefächert und umfasst die ganze Bandbreits zwischen dem Abhören und Entschlüsseln von Skype-Gesprächen, über die Entwicklung neuer Abhör-Hardware bis hin zum Analysieren der Gigabyte an Daten, die ein Mobilfunk-Provider oder soziales Netzwerk den Behörden auf eine gerichtliche Anordnung aushändigen könnte. Außerdem soll es als eine Art Überwachungs-Help-Desk für staatliche, regionale und andere Bundespolizeien dienen.

Das ist ein Teil der “Going Dark”-Strategie. Angeblich kann das arme FBI nämlich nicht mit der technologischen Entwicklung mithalten und wird “blind”. Daher will das FBI, dass soziale Netzwerke sowie VoIP- und E-Mail-Anbieter Hintertüren einbauen, mit denen das FBI gleich automatischen Zugriff bekommt.

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Politiker und ihr Umgang mit dem Netz

Die ist ein Auszug aus: “Die digitale Gesellschaft. Netzpolitik, Bürgerrechte und die Machtfrage” von Markus Beckedahl und Falk Lüke. Deutscher Taschenbuch Verlag, 2012, 14,90 Euro

Ein weiterer Auszug findet sich bei Spiegel-Online: Songs aus dem Netz: Wie die Musikbranche zum Internetgegner wurde.

Politiker und ihr Umgang mit dem Netz

2007 schickte das ARD -Morgenmagazin eine Gruppe Sechsjähriger als Kinderreporter mit einem Kamerateam zu Spitzenpolitikern, um sie zum Thema Internet zu interviewen. Die munteren Kinder schafften es, den Politikern einige Aussagen zu entlocken, die seitdem zu keinem Text über Politiker im Netz fehlen dürfen. Für Guido Westerwelle war das Internet so was »wie ein Hammer und ein Nagel«, der damalige SPD -Fraktionsvorsitzende Peter Struck schaute ganz erstaunt in die Kamera, als er erfuhr, dass schon Kinder Webseiten bauen können, und der Grüne Christian Ströbele hatte schon einmal davon gehört, dass es Suchmaschinen gibt, er selbst würde so etwas aber nicht nutzen. Und dann war da noch die damalige Justizministerin, mit zuständig für viele Gesetze zum Internet. Auf die Frage, welchen Browser sie nutzen würde, schaute Brigitte Zypries (SPD ) irritiert zu ihren Mitarbeitern hinüber und fragte dann in die Kamera: »Browser, was sind noch mal Browser?« Nun konnte man davon ausgehen, dass sie nur auf dem falschen Fuß erwischt wurde und einen Browser schon als Selbstverständlichkeit ansah, den man zum Surfen im Netz benötigte, aber diese Frage wurde für einige Jahre der Standard, um das Verhältnis von Politik zum Netz zu beschreiben.

Und noch etwas hatte sich verändert. Mehr lesen »

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