Anna Biselli
-
: Deutschland hat eine zweifelhafte Datenschutzbeauftragte, die EU vielleicht bald keinen
: Deutschland hat eine zweifelhafte Datenschutzbeauftragte, die EU vielleicht bald keinen Es gab in Deutschland viele Stimmen gegen die neue Datenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff. Auch wir haben unsere Zweifel angemeldet. In der EU steuert man gerade auch auf eine unbefriedigende Nachbesetzung von Peter Hustinx, dem jetzigen Amtsträger, zu – nämlich vorerst vielleicht gar keiner.
Hustinx Zeit als EU-Datenschutzbeauftragter ebenso wie das Mandat seines Stellvertreters enden am 16. Januar. Als Ausdruck seiner Bedenken, dass bisher noch kein Nachfolger in Betracht gezogen wurde, hat Hustinx am 7. Januar einen Brief an den Vizepräsidenten der EU-Kommission Maroš Šefčovič, den Vorsitzenden des LIBE-Kommittees und den griechischen Botschafter Théodoros N. Sotiropoulos gerichtet. Vor allem in der jetzigen Zeit sei eine schnelle und gute Nachbesetzung extrem wichtig:
-
: Boykott der RSA-Konferenz: Weitere Signale aus der Wissenschaft gegen NSA und Massenüberwachung
-
: Die Furcht der NSA vor Sysadmins: Out of Control
: Die Furcht der NSA vor Sysadmins: Out of Control Der Talk von Sarah Harrison, Jacob Applebaum und Julian Assange auf dem 30C3 trug den Titel „Sysadmins of the World, Unite!“ und appellierte an die Verantwortung der Systemadministratoren, Wissen zu veröffentlichen, wenn sie Unrecht beobachteten, da sie in einer privilegierten Position seien, von der aus sie mehr Zugang zu Informationen hätten als jeder andere.
Dass Systemadministratoren dadurch auch eine Gefahr für eben jene bedeuten, die ihre Informationen lieber im Geheimen halten wollen, ist klar. Letzte Woche erschien auf cryptome.org der Hinweis auf einen Artikel aus Cryptologic Quarterly, einer vierteljährlich erscheinenden NSA-internen Zeitschrift, von der manche Exemplare als nicht mehr geheim eingestuft und daher online einsehbar sind.
-
: Leseempfehlung: State of the World 2014
: Leseempfehlung: State of the World 2014 Traditionellerweise erscheint jedes Jahr im Januar auf der Konversationsplattform und Online-Konferenz Inkwell, die auf den Seiten von The WELL angesiedelt ist, eine Diskussion um den Stand der Dinge zu Beginn des neuen Jahres.
Geführt wird diese Diskussion von Bruce Sterling und Jon Lebowsky. Sterling ist als Science-Fiction-Autor und Mitgründer des Cyber-Punk-Genres bekannt, zeigte jedoch auch viel poltitisches Engagement und verfasste das Werk The Hacker Crackdown: Law and Disorder on the Electronic Frontier um die Hackerbewegung der 80er. Lebowsky ist Webdeveloper und Aktivist, der unter anderem die Electronic Frontier Foundation Austin gründete.
Die Diskussion, die noch nicht abgeschlossen ist, behandelt auch – wie sollte es anders sein – die NSA-Enthüllungen. Besonders schön ist die bildliche Darstellung der öffentlichen Reaktion von Lebowsky:
Es ist erstaunlich wie abgestumpft die Reaktion auf die NSA-Überwachung […] in den USA war. Es ist nicht so, als wollten oder erwarteten wir keine Privatsphäre. Es ist mehr wie ein Schockzustand, die Präsenz anhaltender Überwachung ist irgendwie weit weg und nicht real. […] Ein billiger Kinofilm, der vorbeigeht, der Abspann wird kommen, wir gehen zurück ans Tageslicht und alles wird gut sein, einfach gut. Aber wir sehen keinen Kinofilm sondern ein bösartiges Youtube-Video, dass sich verbreitet hat […] Wir sind beim Zusehen eingeschlafen, in einem verwobenen Traumzustand, der sich aus unserer Fantasie nährt und es gibt keinen klaren Weg zurück ins Bewusstsein.
-
: 20. Netzpolitischer Abend der Digiges morgen in der c‑base
: 20. Netzpolitischer Abend der Digiges morgen in der c‑base Neues Jahr, aber ansonsten alles wie immer: Jeden ersten Dienstag im Monat gibt es den Netzpolitischen Abend der Digiges in der c‑base/Berlin. Wie immer Einlass ab 19:00 Uhr und Beginn um 20:00 c.t.
Keine Angst, die Themen sind neu: Jan-Peter Kleinhans spricht über DDoS-Attacken als Ausdruck des Protests und von mir gibt es einen Rückblick auf den 30. Chaos Communication Congress.
Auch wie gehabt: Alle, die nicht kommen können, finden den Livestream unter c‑base.org und die Aufzeichnung gibts später im Netz.
-
: Kein Nein ist auch fast ein Ja – Hört NSA auch US-Kongressmitglieder ab?
Unabhängiger US-Senator Bernie Sanders CC-NC-SA 2.0 via Flickr/350org : Kein Nein ist auch fast ein Ja – Hört NSA auch US-Kongressmitglieder ab? Ich schreibe Ihnen heute, um eine sehr einfache Frage zu stellen. Hat die NSA Mitglieder des US-Kongresses oder andere amerikanische gewählte Amtspersonen ausspioniert oder tut das im Moment?
Mit dieser simplen Frage in einem Brief an den Direktor der NSA, General Keith Alexander, vom 3. Januar hat Senator Bernie Sanders es geschafft, die NSA in Erklärungsnot zu bringen. In einer Stellungnahme, die – leider nur in Auszügen – von The Guardian veröffentlicht wurde, heißt es, dass die NSA bei der Sammlung von Geheimdienstinformationen Vorkehrungen zum Schutz der Privatsphäre von US-Personen treffe und dass diese Vorkehrungen auch für die Kongressmitglieder gälten.
-
: Akademiker verfassen Statement gegen Massenüberwachung
: Akademiker verfassen Statement gegen Massenüberwachung Nach Rechtsanwälten und Schriftstellern hat sich nun auch die akademische Welt gemeinsam gegen die Massenüberwachung positioniert. Mit ihrer Erklärung „Academics Against Mass Surveillance“ machen die bisher über 200 unterzeichnenden Akademiker ihren Standpunkt klar: Die Ausspähung muss aufhören und das Grundrecht Privatsphäre muss wieder erkämpft werden. Es wird an die Länder appelliert, aktiv zu werden und sich dafür einzusetzen, die Menschenrechte, die Freiheiten und die Privatsphäre ihrer Bürger effektiv zu schützen.
Die Erklärung ist nicht auf die 207 Erstunterzeichner beschränkt, wer Akademiker ist und sich beteiligen will kann eine Mail an info(at)academicsagainstsurveillance.net senden.
-
: Netzpolitischer Wochenrückblick KW1/2014
: Netzpolitischer Wochenrückblick KW1/2014 Den netzpolitischen Wochenrückblick gibt es auch in diesem Jahr in hörbarer Form als Podcast von Tim Thaler in Kooperation mit Bln FM.
Herzlich Willkommen im Jahr 2014. Eure netzpolitik.org-Redaktion wünscht euch einen guten Start in neue Jahr. Wir würden euch auch schönere netzpolitische Zeiten wünschen, aber die Hoffnungen hängen nicht besonders hoch und wir fürchten, dass auch in diesem Jahr Negativmeldungen von NSA, GroKo und den Feinden des Internets nicht abreißen werden. Also nochmal tief durchatmen und weiterkämpfen.
-
: Echt jetzt? Wirklich? Die NSA forscht am Quantencomputer
: Echt jetzt? Wirklich? Die NSA forscht am Quantencomputer Ein bisschen unverständlich ist es schon, dass die Medien sich auf die neueste NSA-Enthüllung stürzen, die gestern von der Washington Post veröffentlicht wurde. Demnach arbeite die NSA an der Entwicklung eines Quantencomputers, um Kryptoverfahren, die auf schwierigen mathematischen Problemen beruhen, brechen zu können.
-
: ZDFs satirischer Jahresrückblick zu NSA und Drohnen
: ZDFs satirischer Jahresrückblick zu NSA und Drohnen Die NSA ist in diesem Jahr trauriger Anführer der Themen in den Medien. Auch bei uns. Allein 297 Artikel sind hier auf dem Blog mit NSA getaggt worden. Das heißt, nimmt man den 6. Juni als ersten Tag unserer Berichterstattung zum Überwachungsskandal an und zieht die zwölf vorher zur NSA publizierten Artikel ab, landet man bei einem traurigen Durchschnitt von anderthalb Artikeln pro Tag nur zu diesem Thema. Aber wer gerne, trotz aller Traurigkeit, einfach mal darüber lachen mag: Der satirische Jahresrückblick des ZDF nimmt sich des NSA-Skandals (ca. Minute 5:45) an. Und auch die Euro-Hawk-Drohne (Minute 26:00) kommt nicht zu kurz.
-
: Zensur-Kollateralschaden: Aufklärungswebseiten in Großbritannien gesperrt
: Zensur-Kollateralschaden: Aufklärungswebseiten in Großbritannien gesperrt Ab Anfang nächsten Jahres bekommt jeder neue britische Internetanschluss einen voreingestellten Internet-Jugendfilter. Das soll laut einer Kampagne von Großbritanniens Premier Cameron das Surfen im Internet sicherer machen und die Jugend vor gefährlichen Inhalten schützen. Zu den geblockten Themen zählen nicht nur Pornos, wie ursprünglich angesagt, sondern auch andere kritische Inhalte wie Webseiten zu Essstörungen, Alkohol, Suizid, Esoterik und Zensurumgehungstools. Und natürlich Extremismus. Und da alles „freiwillig“ ist – so freiwillig wie ein ausdrückliches Opt-Out eben ist – braucht es dafür nichtmal eine gesetzliche Verankerung.
-
: Computers, Privacy and Data Protection Conference vom 22.–24. Januar in Brüssel
: Computers, Privacy and Data Protection Conference vom 22.–24. Januar in Brüssel Ende Januar findet in Brüssel die CPDP-Konferenz statt, eine Non-Profit-Plattform mit Themen rund um Datenschutz. Mittlerweile ist sie eine der größten Konferenzen auf diesem Gebiet und vereint, mehr als andere, Vertreter aus unterschiedlichen Bereichen – Akademiker, Rechtsanwälte, Praktiker, Richter, Informatiker und Bürgerrechtsaktivisten -, für die Datenschutz eine zentrale Rolle spielt. Entsprechend abwechslungsreich ist auch das Programm. Es wird mehr als 60 Panels geben, die Themen reichen von der EU-Datenschutzreform über NSA-Aktivitäten, Big Data, E‑Health hin zur Datensammlung für und gegen ethnische Minderheiten. Dazu gibt es viele Zusatzveranstaltungen vor und nach der Konferenz, zum Beispiel einen Pecha-Kucha-Slot oder und Diskussionen.
Wer sich registrieren will: Bis zum 22. Dezember gibt es einen Early-Bird-Rabatt.
-
: Drohgebärden in Brüssel: Vorsitzender des Geheimdienstausschusses Mike Rogers bei der EU
: Drohgebärden in Brüssel: Vorsitzender des Geheimdienstausschusses Mike Rogers bei der EU Am Dienstag fand im Europaparlament in Brüssel eine Pressekonferenz mit Mike Rogers, dem Vorsitzenden des US-Geheimdienstausschusses, statt. Zuvor gab es ein geschlossenes Treffen des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten des EU-Parlamentes mit einer von ihm angeführten US-Delegation. Zunächst schien es, als würde es nicht viele Neuigkeiten geben. Der deutsche CDU-Politiker Elmar Brok, Vorsitzender des EU-Ausschusses, beteuerte wieder einmal, wie wichtig es sei „Vertrauen zwischen den USA und der EU wiederherzustellen“ und wie froh man sei, dass die „amerikanischen Freunde vorbeigekommen sind“.
-
: Alles Gute zum 30. Geburtstag des Volkszählungsurteils
: Alles Gute zum 30. Geburtstag des Volkszählungsurteils Am morgigen Sonntag, dem 15. Dezember, jährt sich das Volkszählungsurteil und damit die Anerkennung der informationellen Selbstbestimmung – dem Recht, selbst über die Verbreitung und Verwendung seiner persönlichen Daten bestimmen zu dürfen. Ein ironisch scheinendes Jahr für solch einen runden Geburtstag, aber gerade jetzt ist es wichtig, sich an die Wurzeln zu erinnern. Ein kurzer Rückblick:
Eigentlich war eine Volkszählung in Deutschland schon für 1981 geplant, offizielle Begründung war damals die Veränderung der Sozialstruktur in Deutschland, die man mit den bisherigen Melderegistern abgleichen und erfassen wollte. Mit diesen statistischen Daten plante man, gesellschaftspolitische, soziale, wirtschaftliche und ökologische Maßnahmen ergreifen zu können, die der veränderten Struktur gerecht würden, beispielsweise durch den Bau neuer Straßen auf viel frequentierten Pendelstrecken.
Der angelegte Fragebogen umfasste 36 Fragen zu Wohnung, den im Haushalt lebenden Personen, dem Arbeitsplatz sowie Bildungsstand. Als Unklarheiten zur Finanzierung der Erhebungen auftraten, wurde der ursprünglich geplante Termin 1981 in dem Anfang 1982 verabschiedeten Volkszählungsgesetz auf den 18. bis zum 27. April 1983 verschoben.Doch im Vorfeld des Orwellschen Jahres 1984, in dem der Überwachungsstaat aus Sicht des Schriftstellers Realität hätte werden können, regte sich Protest in der Bevölkerung: Im Gegensatz zu vorherigen Zählungen war nun der Einsatz von Rechentechnik vorgesehen, um die Daten zu speichern und zu verarbeiten, was in den Augen vieler ein Missbrauchsrisiko darstellte. Es wurde leichter, Angaben zu deanonymisieren und für die Datenbanken von Verfassungsschutz- und Kriminalbehörden, aber auch privaten Firmen nutzbar zu machen.
-
: Liberté, Egalité, Vie Privée: Damit macht Frankreich jetzt Schluss
: Liberté, Egalité, Vie Privée: Damit macht Frankreich jetzt Schluss Bei der Freiheit im Netz gab es hier schon einige unschöne Meldungen aus Frankreich, zum Beispiel als 2011 der Zugang zur unerwünschten Seite CopWatch erschwert wurde. Auch die Urheberrechtsdurchsetzungsbehörden Hadopi und Nachfolger CSA sprechen nicht unbedingt für liberale Internetpolitik.
Auch mit der Egalité im Sinne der Netzneutralität nehmen unsere westlichen Nachbarn es nicht so genau. Zwar gibt es Diskussionen über eine gesetzliche Verankerung, aber ganz effizient scheinen die nicht zu sein – ähnlich wie auch hier in Deutschland.
Jetzt hat auch die Überwachung ganz offiziell ihr Treppchen auf dem Podest des Gesetzes bestiegen und das, wo man sich doch in den vergangenen Monaten immer wieder echauffiert hatte, dass Amerika französische Bürger und Politiker ausspioniert. Präsident Hollande hatte in der Öffentlichkeit wiederholt seine Missbilligung für die Aktivitäten der NSA ausgedrückt. Aber dabei hat man selbst bereits mitgemischt – das zumindest wissen wir schon.
-
: DIY-Netzausbau in Indonesien
GSM-Netzabdeckung 2009 (via http://www.globaltelesat.co.uk) : DIY-Netzausbau in Indonesien Keinen Handyempfang zu haben ist in Deutschland mittlerweile zur Seltenheit geworden – aber das ist längst nicht auf der ganzen Welt der Fall. In vielen dünn besiedelten oder schwer zugänglichen Regionen ist es für Telkos einfach nicht rentabel, Netze auszubauen. GSM ist der am weitesten verbreitete Mobilfunkstandard, aber die GSM-Weltkarte zeigt immer noch viele weiße Flecken.
-
: Kleine Taschenlampe brenn’…aber bitte gib meine Daten nicht weiter
: Kleine Taschenlampe brenn’…aber bitte gib meine Daten nicht weiter Als die ersten Taschenlampen-Apps für Smartphones aufkamen, habe ich mich noch heimlich lustig gemacht. Dann habe ich mich gewundert, warum es immer noch mehr werden (auf Google Play fand ich gerade auf Anhieb knapp 250 nur unter dem Stichwort „Flashlight“) und mir das damit erklärt, dass die Taschenlampe mit Sicherheit eine Art Einstieg für Android-Programmierer darstellt. Auch wenn ich persönlich dann doch lieber den klassischen „Hallo Welt“-Button-Weg gegangen bin.
Aber es stellt sich heraus, dass in Taschenlampen-Anwendungen mittlerweile zeitgemäß auch verborgene Schnüffel- und Marketingmechanismen stecken. In einer aktuellen Mitteilung hat die amerikanische Handelskommission, die über Wettbewerb und Verbraucherschutz wacht, über ihre Beschwerde gegen den Entwickler GoldenShores Technologies, LLC berichtet. Dieser hatte die Androidanwendung Brightest Flashlight Free ® veröffentlicht, die bisher 1.004.000 Mal heruntergeladen wurde.
Während sie dem Nutzer beim Erleuchten seiner Umgebung half, sammelte sie im verborgenen Schatten Daten über den Aufenthaltsort des Smartphones und leitete diese, zusammen mit der Gerätenummer, an den Urheber weiter – der die Informationen dann an Dritte verteilte – darunter auch Marketingfirmen.
Dazu kam eine gezielte Missinformation des Nutzers. Dieser konnte zwar einer Übermittlung seiner Daten widersprechen, wirksam wurde das aber nicht. Von einer Weiterleitung an Dritte war überhaupt keine Rede, ganz davon abgesehen, dass die App schon vor Akzeptieren des Endnutzervertrages mit dem Datensammeln- und verteilen anfing.
Das Unternehmen muss nun seine Nutzungsbedingungen ändern, die Nutzer informieren und die bisher gesammelten Informationen löschen. Ein schwacher Trost, der Großteil davon ist sicherlich bereits gewinnbringend weiterverkauft. Wo sich wieder einmal die Frage stellt, wie viel der Nutzer für eine „kostenlose“ App wirklich bezahlt.
-
: Erste Abmahnungen für das Streaming von Pornos verschickt
: Erste Abmahnungen für das Streaming von Pornos verschickt Die Abmahnzahlen wegen Urheberrechtsverstößen sind stark rückläufig, das zeigt auch die nebenstehende Grafik der Interessensgemeinschaft gegen den Abmahnwahn (IGGAW). Das gefällt den Abmahnanwälten logischerweiße gar nicht. Die Regensburger Kanzlei U+C hat daher einen neuen Weg beschritten und im Auftrag von The Archive AG Nutzer der Pornoplattform RedTube abgemahnt, die sich die Filme „Amanda’s Secret“ oder „Miriam’s Adventure“ angesehen hatten, berichtete gestern die Kanzlei GGR Rechtsanwälte. U+C steht im IGGAW-Bericht 2012, aus dem auch die obige Statistik stammt, mit 2,54% Anteil zwar „nur“ an Platz 14 der fleißigsten Urheberrechtswächter 2012, interessant ist aber, dass sie 2011 noch das 8,4‑fache Abmahnvolumen hatten. Der Durchschnittsrückgang über alle Kanzleien lag in diesem Zeitraum lediglich bei ca. 50%.
Aberwitzig ist die zu der Abmahnung gelieferte Kostenzusammensetzung des geforderten Betrages von 250,00 Euro. Denn die besteht nur zu 15 Euro aus Schadensersatz. Der Rest ist Gebühr für Anwälte, Ermittlungen und Post. GGR empfiehlt, der Abmahnung nicht nachzukommen, da die Rechtmäßigkeit der IP-Adress-Ermittlung bisher nicht nachgewiesen ist. Außerdem muss den Anwälten zufolge noch geklärt werden, ob das Streaming auf Plattformen, auf denen auch viele Amateure Videos hochladen, generell unter dem Recht auf Privatkopie stehen könne (§ 53 UrhG) oder ob Streamen nicht einem vorübergehenden Vervielfältigen als „rechtmäßige Nutzung“ entspräche (§ 44a UrhG).
Neben der Absurdität dieser Abmahnpraxis wären die möglichen Folgen, wenn sich ein solches Vorgehen etabliert und durchsetzt, verheerend. Dann träte bei vielen vermutlich eine massive Selbstzensur ein, die selbst das Betreten von Video-Plattformen wie Youtube oder Vimeo unterbinden würde, da man jederzeit – ob willentlich oder nicht – urheberrechtlich geschütztes Material aufrufen könnte. In schlimmster potentieller Konsequenz bedeutet das den Tod der, auch vielen legalen, Video- und Audioinhalte im Netz.
-
: Sag der EU deine Meinung: Urheberrecht
: Sag der EU deine Meinung: Urheberrecht Am gestrigen Donnerstag hat die EU-Kommission eine öffentliche Konsultation zu einer Reform des Urheberrechts gestartet. Das ist die Chance für alle, ihren Standpunkt zu beschreiben und einen Beitrag zur von uns erhofften Modernisierung leisten. Die Frist zur Einreichung ist der 5. Februar 2014.
Alle Interessensvertreter sind eingeladen, zu dieser Konsultation beizutragen. Es werden insbesondere Beiträge von Konsumenten, Nutzern, Autoren, Darstellern, Verlagen, Produzenten, Rundfunkunternehmen, Vermittlern, Verteilern und anderen Dienstleistern, Verwertungsgesellschaften, öffentlichen Behörden und Mitgliedstaaten gesucht.
Viele der Fragen beziehen sich darauf, ob man durch das momentan geltende Copyright Schwierigkeiten bei der Benutzung, dem Zugriff auf oder dem Verkauf von Materialien, beispielsweise zu Bildungszwecken, persönlich oder in der Forschung oder bei der Archivierung erfahren hat. Und was man aus der persönlichen Sicht tun sollte, um das besser zu gestalten.
Das ist nicht die erste Konsultation der EU zu diesem Thema. Bereits letztes Jahr gab es eine Befragung zu IPRED. Allzu hoch darf man seine Hoffnungen, schon aufgrund der aktuellen TTIP-Verhandlungen, die am 16. Dezember in Washington in die dritte Runde gehen, wohl nicht hängen. Aber gerade deshalb ist jede Stimme wichtig, um den Gegendruck zu stärken und die Nutzung von kreativen Inhalten nicht im Lobbysumpf ertrinken zu lassen.
-
: Microsoft schaut dir ins Gehirn und rät dein Passwort
: Microsoft schaut dir ins Gehirn und rät dein Passwort Normale Tools zum Überprüfen der Passwortsicherheit wie dieses schauen, wie viele Sonderzeichen ein Passwort hat, ob es aus einem Wörterbuch kommt und wie lang es ist, um vorherzusagen, wie lange es eventuell dauert, es zu brechen.
Forscher bei Microsoft Research haben ein Tool namens Telepathwords entwickelt und gestern veröffentlicht, das etwas anders vorgeht und dem Nutzer beim Tippen eines Passworts vorhersagt, welches Zeichen er vermutlich als nächstes eingeben wird. Dabei werden auch die klassischen 1337-Speak-Ersetzungen enttarnt, oft genutzte Passwörter herangezogen und ein (momentan nur englisches) Wörterbuch zur Hilfe genommen.
Aber immer, wie bei allen Passwort-Prüftools, dran denken: Gebt nicht leichtfertig eure realen Passwörter ein, denn Daten über das Mausverhalten und die Statistik der richtig geratenen Zeichen werden, wenn auch bereits im Browser verschlüsselt, geloggt und eventuell für Forschungszwecke mit Universitäten ausgetauscht. Und wenn, dann achtet immer darauf, dass ihr eine sichere HTTPS-Verbindung mit einem gültigen Zertifikat aufgebaut habt.

