Die Webseite g20-doku.org dokumentiert seit einigen Tagen Übergriffe auf Demonstrierende und Journalisten beim G20-Gipfel in Hamburg. Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz sagte diesbezüglich heute dem NDR: „Polizeigewalt hat es nicht gegeben, das ist eine Denunziation, die ich entschieden zurückweise.“ Auf der Seite bietet sich ein anderes Bild: Bisher sind dort ca. siebzig Fälle von Polizeigewalt gegen unbewaffnete, friedliche Demonstranten denunziert dokumentiert.
Seit heute, Freitag, 14. Juli 2017, ca. 17:15 Uhr wird die Seite von Twitter blockiert:
1. Links zu g20-doku.org werden in vorhandenen Tweets mit einer Warnmeldung versehen.
2. Versucht man einen Link zu g20-doku.org zu twittern, ist dies nicht möglich.

Andere Clients geben eine aufschlussreichere Fehlermeldung aus:
Es sieht so aus, als sei diese Anfrage automatisiert. Um unsere Nutzer vor Spam und anderen böswilligen Aktivitäten zu schützen, können wir diese Aktion nicht vollenden. Bitte versuche es später erneut.
Ein oberflächlicher Scan ergab keinerlei Anzeichen auf Schadsoftware-Aktivitäten auf der Seite. Grundsätzlich wäre es aber tatsächlich denkbar, dass das Ausmaß der auf der Seite gesammelten Gewalttaten die Twitter-AGB verletzt. Am kürzlich beschlossenen Netzwerkdurchsetzungsgesetz kann die Sperre jedoch nicht liegen: Das NetzDG tritt erst im Oktober in Kraft.
Eine Nachfrage von netzpolitik.org wurde von Twitter bislang nicht beantwortet.
Update: Das ging schnell: Seit 18:54 Uhr ist die Sperre aufgehoben. Eine offizielle Erklärung steht noch aus, Twitter-Mitarbeiter Panos Meyer vermutet jedoch einen „Bug im Domainlink-Prozess“, der mehrere Fälle betraf:
https://twitter.com/pame/status/885899485490098176

