Statt TransparenzgesetzBerliner Landesregierung will Informationsfreiheit beschneiden

Die schwarz-rote Berliner Landeskoalition plant Rückschritte bei der Informationsfreiheit. Auffällig dabei ist, dass in Zukunft Dokumente verweigert werden könnten, wenn es in der Sache Ermittlungsverfahren gibt. Das könnte die öffentliche Aufklärung von Skandalen behindern.

  • Markus Reuter
Stempel liegt auf einem Papierdokument
In Zukunft könnte es in Berlin schwieriger werden an amtliche Dokumente zu kommen. (Symbolbild) – Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com: Markus Spiske

Die schwarz-rote Berliner Landesregierung möchte das Berliner Informationsfreiheitsgesetz beschneiden. Das geht aus einem Entwurf zum „Gesetz zur Änderung des Berliner Datenschutzgesetzes und weiterer Rechtsvorschriften“ (PDF) aus dem Februar hervor. In Zukunft sollen dadurch bestimmte Informationen von Informationsfreiheitsanfragen ausgenommen werden, etwa solche zu kritischer Infrastruktur oder wenn es im Themenfeld laufende Ermittlungsverfahren gibt oder diese vorbereitet werden.

In der Gesetzesbegründung heißt es, ersteres sei durch „eine veränderte Sicherheitslage und in Reaktion auf mehrere Anschläge auf die Elektrizitätsversorgung“ notwendig. Letzteres ist laut Arne Semsrott, Leiter und Chefredakteur von FragDenStaat, allerdings besonders auffällig: „Unzählige Details zur CDU-Fördermittelaffäre in Berlin sind nur durch das Informationsfreiheitsgesetz ans Licht gekommen. Mit der geplanten Gesetzesänderung wären die Dokumente dazu künftig geheim.“ Offenbar wolle die Koalition kurz vor der Wahl noch dafür sorgen, dass ihre Klüngeleien nicht mehr aufgedeckt werden können, so Semsrott weiter.

Gegen den eigenen Koalitionsvertrag

Dass die schwarz-rote Koalition überhaupt das Informationsfreiheitsgesetz beschneidet, widerspricht ihrem Koalitionsvertrag (PDF). In diesem hieß es 2023 noch:

Die Koalition wird schnellstmöglich ein Transparenzgesetz nach Hamburger Vorbild einführen und dabei nur den Bereich Verfassungsschutz aus dem Geltungsbereich herausnehmen. Dabei werden wir die hohen Standards des Berliner Informationsfreiheitsgesetzes erhalten und einen umfassenden Rahmen für die Leitlinie ‚Open by default’ für die öffentlichen Daten schaffen.

Die rot-grün-rote Vorgängerregierung hatte ein solches Transparenzgesetz bereits geplant. Die SPD hatte vor der damaligen Wahl-Wiederholung abrupt auf die Bremse getreten und das Gesetz blockiert, obwohl der Gesetzgebungsprozess schon im Gange war.

Informationsfreiheitsgesetze regeln den Anspruch auf Zugang zu amtlichen Informationen. Sie ermöglichen Bürger:innen und der Presse auf Anfrage Einsicht in amtliche Dokumente. Ein Transparenzgesetz geht noch einen Schritt weiter: Hier müssen die Dokumente nicht mehr angefragt werden, sondern werden im Regelfall automatisch veröffentlicht. Informationsfreiheits- und Transparenzgesetze sind ein Instrument demokratischer Kontrolle.

Über die Autor:innen

  • Markus Reuter

    Markus Reuter recherchiert und schreibt zu Digitalpolitik, Desinformation, Zensur und Moderation sowie Überwachungstechnologien. Darüber hinaus beschäftigt er sich mit der Polizei, Grund- und Bürgerrechten sowie Protesten und sozialen Bewegungen. Für eine Recherchereihe zur Polizei auf Twitter erhielt er 2018 den Preis des Bayerischen Journalistenverbandes, für eine TikTok-Recherche 2020 den Journalismuspreis Informatik. Bei netzpolitik.org seit März 2016 als Redakteur dabei. Er ist erreichbar unter markus.reuter | ett | netzpolitik.org, sowie auf Mastodon und Bluesky.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP)


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3 Kommentare zu „Berliner Landesregierung will Informationsfreiheit beschneiden“


  1. Bob Härber

    ,

    Die zurzeit Regierenden, im deutschen Staatsdienst tätigen Beschäftigte, wollen scheinbar allgemein und generell: Autoritärer ihre Politische Agenda durchsetzen, Freiheiten der Demokratie verengen und auf Unmut und Protest, ablehnend Oppositionelles erstarken von Gruppen repressiv agieren können zu wollen.


    1. John Smith

      ,

      Bitte nicht so pessimistisch, Bob!

      Noch ist genug Zeit die verantwortlichen Abgeordneten von CDU und SPD mit freundlichen E‑Mails, Anrufen und/oder Bürobesuchen zu überzeugen!

      Bei der ersten Lesung in der 81. Plenarsitzung am 26.02.2026 hat für die CDU hat der Abgeordnete Christopher Förster (siehe auch https://christopher-foerster.de/ ) und für die SPD der Abgeordnete Jan Lehmann (siehe auch https://jan-lehmann.de/ ) geredet (siehe https://www.youtube.com/watch?v=LkFVySi7xcM&t=17204s ab 4:46:44).

      Argumente gegen die Aushöhlung von Datenschutz und Informationsfreiheit im Kontext von Anschlägen auf Stromkabel gibt es genug. U.a. von der

      Konferenz der Informationsfreiheitsbeauftragten in Deutschland
      https://www.bfdi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/IFG/AGID_IFK/PM_IFK-LDA.html

      Open Knowledge Foundation Deutschland
      https://okfn.de/blog/2026/01/transparenz-ist-nicht-das-problem-%C3%B6ffentliche-stellen-brauchen-widerstandsf%C3%A4hige-strukturen-und-informationsmanagement/

      AG Kritis
      https://ag.kritis.info/2026/01/15/n‑1-oder-stromausfall-berlins-infrastrukturproblem-hat-eine-technische-loesung/

      FragDenStaat
      https://fragdenstaat.de/artikel/exklusiv/2026/03/berliner-cdu-will-auskunftsanspruche-einschranken/

      Am 9.3. soll der Ausschusses für Digitalisierung und Datenschutz im Abgeordnetenhaus einen Beschluss dazu fassen. Siehe Einladung: https://www.parlament-berlin.de/ados/19/DiDat/einladung/dd19-068‑e.pdf

      Es ist auch möglich die Sitzung des Ausschusses von 14 bis 17 Uhr im Raum 311 zu besuchen nach einer Anmeldung: https://www.parlament-berlin.de/termine/ticket-reservation/5332


  2. Anonym

    ,

    Giffey weiss am besten, warum ihre SPD das will 8)

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