Statt DatenstrategieDigitalministerium will KI-Agenten für die Verwaltung

Die Verwaltungsdigitalisierung ging in den vergangenen Jahren äußerst schleppend voran. Eine Ursache dafür: Die Verwaltung speichert ihr Wissen in Dokumenten ab statt als maschinenlesbare Daten. Statt das Problem anzugehen, macht sich das Digitalministerium für KI-Agenten stark. Die arbeiten jedoch intransparent und erzeugen übermäßig Fehler.

  • Esther Menhard
Grafik: links Icons für verschiedene Dateiformate, die fallen in den Trichter eines KI-Agenten und am Ende kommt der ideale Zustand "Utopia" heraus
KI-Agenten sollen Mängel in der Informationsverwaltung überbrücken. (Symbolbild) – Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com: Teppich: Unsplash / Scott Webb; Grafik: netzpolitik.org, Montage: netzpolitik.org

Ob für das Bearbeiten eines Antrags oder einer Bürger:innen-Anfrage, zur Entscheidungsfindung oder Haushaltsplanung – Verwaltungsarbeit ist zu großen Teilen Arbeit mit Informationen. Wichtig ist dabei, dass Mitarbeiter:innen diese Informationen leicht finden. Dafür müssen sie sich zurzeit noch durch einen Dschungel an Dokumenten schlagen. Vieles steckt in Akten, in physischen und digitalisierten, in PDFs oder Word-Dokumenten. Dokumente, die darauf warten, systematisch aufbereitet und durchsuchbar gemacht zu werden.

Seit Jahren fordern Expert:innen daher, für die öffentliche Verwaltung eine moderne Dateninfrastruktur zu bauen, Informationen als Linked Data (PDF) zu organisieren und verlässliche Daten-Standards zu nutzen. Das würde die Verwaltungsdigitalisierung beschleunigen.

Doch statt hier in eine nachhaltige Strategie zu investieren, setzt Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) lieber auf KI-Sprachmodelle. Die haben es nun in den Katalog des Deutschland-Stacks geschafft. Allerdings ist es zweifelhaft, ob sie den großen Hoffnungen des Ministers gerecht werden.

Gehypte KI-Agenten

Seit März dieses Jahres fördert das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) im Rahmen des Agentic AI Hub kommunale Pilotprojekte, die mittels generativer KI Sachberarbeiter:innen Verwaltungsaufgaben abnehmen sollen.

Auch die Bundesverwaltung setze bereits KI-Agenten ein, erklärt Staatssekretär Thomas Jarzombek (CDU) im Ausschuss für Digitales und Staatsmodernisierung Mitte April zu seinem „Leib- und Magenthema“. Das sei im Digitalministerium in Sachen Verwaltungsdigitalisierung insgesamt das „Thema Nummer 1“.

So soll etwa der Agent „Spark“ dabei helfen, „Dutzende Aktenordner mit Gutachten und Unterlagen zu sichten und sie in wenigen Stunden auf Vollständigkeit und Plausibilität zu prüfen“. Damit könne die Verwaltung Vorgänge beschleunigen und bessere Entscheidungen treffen, so Jarzombek. Ziel sei es, die Versäumnisse bei der Verwaltungsdigitalisierung und Personalmangel auszugleichen.

Grundlegende Probleme bleiben ungelöst

Dass das Digitalministerium hier auf generative KI-Systeme setzt, wirke mehr wie eine kurzfristige Reaktion auf die Symptome der schleppenden Verwaltungsdigitalisierung als wie ein fundierter Umgang mit ihren ursächlichen Mängeln, so Stefan Kaufmann von Wikimedia Deutschland gegenüber netzpolitik.org.

Er fordert für die Verwaltung ein grundlegendes Umdenken. So sollten Informationen nicht wie bisher in Dokumenten, sondern in semantischen Daten und Wissensgraphen abgelegt werden. „Und wir brauchen die IT-Architekturen, um staatliche Informationen als semantische Daten zu speichern und wiederverwenden zu können“, sagt Kaufmann. Mit Wissengraphen können Informationen strukturiert dargestellt werden, sodass Computer Bedeutungzusammenhänge von Informationen verarbeiten können.

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Vor gut einem Jahr veröffentlichte Wikimedia die Broschüre „Generative KI für die Verwaltung?“ und traf damit einen Nerv. Die gedruckte Fassung für die öffentliche Verwaltung war schnell vergriffen, vor Kurzem erschien ein Nachdruck.

Was Kaufmann unter anderem meint, wenn er sagt „in Daten denken“: Verwaltungswissen versteckt sich meistens in Texten, PDFs und Tabellen, die für menschliche Bearbeitung angelegt und gespeichert wurden. Einzelne Informationen müssen Suchende den Dokumenten meist mühsam entlocken. Es überrascht daher nicht, dass sich Verwaltungsmitarbeitende ein KI-System wünschen, das bestimmte Informationen aus einer Vielzahl von Dokumenten zusammensucht.

Automatisierung statt Sprachmodelle

In der Begeisterung für generative KI übersehen aus Sicht von Kaufmann sowohl Verwaltungsdigitalisierer als auch Minister Wildberger allerdings zweierlei: Zum einen sind generative KI-Systeme prinzipiell limitiert, zum anderen bieten gerade in der Verwaltung sogenannte logikbasierte Methoden ein bislang unausgeschöpftes Potenzial. Logikbasierte Methoden geben bei jeder Anfrage logisch das gleiche Ergebnis aus, das sich transparent auf die zugrundeliegenden Daten zurückführen lässt.

Doch dafür müssen staatliche Informationen als strukturierte und maschinenlesbare Daten vorliegen. Erst dann ließen sich zahlreiche Verwaltungsprozesse auf klassischem Wege automatisieren, sowohl in der internen Arbeit als auch in Kontakt mit Bürger:innen, Organisationen und Unternehmen.

Mitarbeitende in der Verwaltung erhielten so mehr Zeit für Beratung, weil sie weniger damit beschäftigt wären, Daten und Informationen manuell zusammenzutragen. „Sie könnten auch Sachverhalte automatisiert auswerten und zwar deterministisch und halluzinationsfrei“, so Kaufmann.

Verwaltungs-Chatbots machen Fehler

Ein solcher Ansatz würde allerdings eine nachhaltige Strategie erfordern, die bislang nicht in Sicht ist. Viele Kommunen setzen stattdessen auf Chatbots, um mit ihren Bürger:innen zu kommunizieren. Sie hoffen, so die bestehende Arbeitslast innerhalb der Behörden abzufedern. Aus ihrer Sicht sind die Bots außerdem attraktiv, weil sie diese bei externen IT-Dienstleistern einkaufen und dies haushalterisch abbilden können.

Der Berliner BärGPT, die Gersheimer Gerda Bürki oder der Hagener JOST – sie alle sollen auf Grundlage von Informationen, die auf einer städtischen Website zu finden sind, dazu Auskunft erteilen, wer eine Behördenabteilung leitet oder an wen sich Bürger:innen auf der Suche nach einem Kita-Platz wenden können.

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Doch die Bots funktionieren so wie alle Large Language Models (LLMs, Sprachmodelle): nach dem Prinzip der statistischen Wahrscheinlichkeit. Und deshalb machen sie Fehler. Das belegte zuletzt etwa eine Studie der Europäischen Rundfunkunion im Oktober 2025. Demnach liegt die Fehlerquote in den Outputs von Chatbots wie Gemini, Copilot oder ChatGPT bei rund 45 Prozent. Bezeichnenderweise geben sie Informationen dann relativ korrekt aus, wenn die dafür nötigen Daten gut strukturiert vorliegen – also in der Form, die es auch als Grundlage für logikbasierte Auswertungen bräuchte.

Regelbasiert sticht Wahrscheinlichkeitsprinzip

Ob einem KI-Chatbot Fehler unterlaufen, wird allerdings erst dann ersichtlich, wenn Nutzer:innen die Ausgabe prüfen. Bezogen auf die Verwaltung hieße das, dass Sachbearbeiter:innen dafür zusätzliche Zeit einplanen müssen. Außerdem brauchen sie verlässliche Referenzdaten, um diese mit der KI-Antwort abgleichen zu können. Die Alternative dazu wäre ein automatischer Vorbehalt, sagt Kaufmann. „Wenn ich einen Bescheid bekomme, der mit generativer KI erstellt wurde, hätte ich damit das Recht auf nochmalige manuelle Prüfung.“

Auch bei Abfragen aus verteilten Wissensbeständen kämen Sprachmodelle schnell an ihre Grenzen, etwa wenn Nutzer:innen nach einer Liste deutscher Großstädte mit einer Oberbürgermeisterin fragen und diese nach Einwohnerzahl absteigend sortiert bekommen möchten. „Aus strukturierten Daten wie bei Wikidata lässt sich das mit simplen, regelbasierten Methoden und einem Bruchteil des Aufwands beantworten – und zwar verlässlich“, erklärt Kaufmann gegenüber netzpolitik.org. Dennoch investieren immer mehr Kommunen in Chatbots.

Statt den Umweg über KI-Sprachmodelle zu verfestigen, könnte die Verwaltung ihre Informationsbestände Schritt für Schritt in Richtung semantischer Datenspeicherung entwickeln. Das würde nicht nur die interne Weiterverwendung behördlicher Informationen vereinfachen, erklärt Kaufmann. Vielmehr könne man die Bestände auch mit symbolischen KI-Systemen verlässlich auswerten. „Das sind regelbasierte Systeme, die im Gegensatz zu LLMs und Agentensystemen nicht dem Zufall ausgesetzt sind.“ Außerdem seien sie deutlich sparsamer beim Energieverbrauch.

Auf diese Weise könne die Verwaltung Informationen, die bisher in Dokumenten oder Fachverfahren „gefangen“ waren, organisationsübergreifend auswerten und verwenden. Dabei könnten auch Unklarheiten in den Informationen auffallen, die Mitarbeitende direkt auf Quellenebene korrigieren könnten.

Aus Erfahrungswissen lernen

Die Verwaltung könnte hier aus vielen Jahren Vorarbeit von Projekten und Initiativen des digitalen Ehrenamts lernen, glaubt Kaufmann. Als Beispiel führt er das Projekt „kleineAnfragen“ an, wo Nutzer:innen alle kleinen und großen Anfragen deutscher Parlamente nach Stichwörtern durchsuchen, Anfragen automatisch analysieren und sie mit einer stabilen URL verlässlich verlinken konnten. Ein anderes Beispiel seien Web-Angebote wie „Meine Stadt Transparent“ und „Politik bei uns“, die Ratsdokumente besser durchsuchbar machten. Eine wesentliche Rolle spielte dabei der offene OParl-Standard, der es erlaubt, Dokumente maschinell auszuwerten.

Alle drei Angebote sind derzeit allerdings nicht mehr in Betrieb. „Sie waren als Freie-Software-Projekte quasi schlüsselfertig und „for public adoption“ gedacht – staatliche Stellen haben sie aber nie selbst übernommen“, erklärt Kaufmann. Es komme selten vor, dass in einer Behörde Menschen arbeiten, die die Potenziale dieser Systeme erkennen und sie dann, ohne lange Schleifen mit externen Dienstleistern durchlaufen zu müssen, selbst ausrollen können.

Das BMDS unter Karsten Wildberger ist hier offenbar keine Ausnahme. Die Bundestagsabgeordnete Sonja Lemke (Die Linke) fragte in der Ausschusssitzung Mitte April, ob das Digitalministerium regelbasierte Systeme prüfe oder auch Systeme, mit denen die Verwaltung ihre Informationen in maschinenlesbarer Form bringe und damit wiederverwendbar abspeichere. Einer klaren Beantwortung der Frage wich Staatssekretär Jarzombek aus.

Über die Autor:innen

  • Esther Menhard
    Darja Preuss

    Esther Menhard ist freie Autorin bei netzpolitik.org. Sie recherchiert zur Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung und nimmt dazu gerne Hinweise entgegen. Von Haus aus Philosophin, interessiert sie sich für Datenethik, die Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Digitalität, AdTech, Open Access und Open Source.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP), Mastodon, Bluesky


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11 Kommentare zu „Digitalministerium will KI-Agenten für die Verwaltung“


  1. Marvin

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    Ein Bekannter entwickelt Anwendungen für Behörden und hat mal erklärt, wie das läuft mit der Digitalisierung. Da gibt es eine Fachkraft, nennen wir sie Paul, die seit Jahrzehnten Formulare auf Vollständigkeit prüft. Paul muss nur noch 15 Jahre bis zur Pensionierung überbrücken und ist nicht motiviert, etwas neues zu lernen.

    Also wird die Software-Anforderung, Daten automatisch bei der Eingabe auf Plausibilität und Vollständigkeit zu prüfen, ersetzt durch die Anforderung, Daten in ein pdf-Formular ein zu fügen und dieses aus zu drucken, dass mit dem alten Formular identisch ist.

    Damit Paul weiter seinen Job machen kann.

    Kombiniert man den Selbsterhaltungstrieb der Bürokratie mit dem übergriffigen Datenschnorcheln der Sicherheitsbehörden, die jedes Vertrauen in effizientere Datenverarbeitung untergraben – wie eine BundID – dann versteht man, dass unser Problem nicht die Technik ist.


  2. Anonymous

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    KI-Agenten sind brandgefährlich, weil sie lediglich statistische Muster reproduzieren, ohne echtes Verständnis oder Bewusstsein zu besitzen. Da ihnen jegliche Form von Bewusstsein fehlt, besitzen sie grundsätzlich keine Fähigkeit zur echten Selbstkorrektur. Sie können logische Fehler nicht erkennen, sondern führen Berechnungen starr fort.

    Sollten Regierungen diese Systeme für staatliche Aufgaben einsetzen, wird dies zwangsläufig zu katastrophalen Ergebnissen führen.


  3. Svenja

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    Man fragt sich wie ein Staat früher überhaupt ohne Computer funktionieren konnte.
    Mir scheint es eher so, dass ein bisher möglicher Effizienzgewinn der Digitalisierung durch zusätzliche Vorschriften und Fachverfahren gegenkompensiert wurde. Denn der Verwaltungsapparat wurden in den letzten Jahren dramatisch vergrößert. Am Ende wird der Agent nur als Herrschaftsinstrument eingesetzt, hinter welchem persönliche Verantwortung und Rechenschaft sich verstecken kann. Mark my words.


    1. Anonym

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      „Man fragt sich wie ein Staat früher überhaupt ohne Computer funktionieren konnte.“

      Der Staat hat auch mal ohne Telekommunikation funktioniert, ohne Strom, ohne Kunstduenger, ohne Umweltschutz, ohne Bauvorschriften. Das war eine andere Welt, und die kommt nicht wieder.

      „Denn der Verwaltungsapparat wurden in den letzten Jahren dramatisch vergrößert.“

      Das ist ein Irrglaube, die oeffentliche Verwaltung ist systematisch unterbesetzt, gerade in den Kommunen. Und das macht vieles fuer die Buerger schwieriger und schlechter.

      Die Verwaltung hat viel Raum fuer Verbesserungen, und sie tut sich systembedingt schwer damit. Aber die Politik von CDU, SPD und FDP der letzten 30 Jahre zielt auf die Handlungsunfaehigkeit des Staates zur Realisierung weiterer Privatisierungen ab, und eine disfunktionale Verwaltung ist da natuerlich sehr hilfreich.


  4. Krabbler

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    Ich fordere hiermit die Einführung von Palantir für die Verwaltung. Hier könnte das Zeug tatsächlich mal was bringen, ohne gleich die Demokratie abzuschaffen. Und angeblich ist das ja völlig sicher und lässt sich lokal und ohne Datenabfluss betreiben, also … legt los!


  5. Anonym

    ,

    „Digitalministerium will KI-Agenten für die Verwaltung“

    Es mag sinnvolle Anwendungen geben, z.B. bei der Suche nach Pornos mit Niveau, etwas Bandbreite vorausgesetzt, mein erster Gedanke jedoch: „Hirn will Nuklearschlag für Digitalministerium – kein Eigennutz!“


  6. Anonym

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    KI drückt niemals ein Auge zu.
    Individuelle Fälle, die nicht in die Statistik passen, gibt es einfach nicht.


  7. Mechthild

    ,

    Der feuchte Traum aller DigiZwinglis in den heiß ersehnten KI-Einsatzfeldern ist die Erschaffung von Produktivitätsgewinn ohne spürbaren Qualitätsverlust. Sie hören verführerisch klingende Stimmen alte Lieder singen wie „mit 20% der Kosten immerhin 80% der Qualität zu erreichen und der Verlust fällt eh niemand auf“, und neue Mantras, dass Robotische immer besser werden und die Fehler immer weniger krass.

    Das kann nicht funktionieren, solange jeder Entwurf eines KI-Agens noch von einer MI finalisiert werden muss, weil man dem KI-Agens eigentlich nicht trauen kann.

    Was wird passieren, wenn dieser Traum mit Macht manifestiert wird? Der Zwingli-Traum führt zu einer DigiZwangSlage, die allzu menschlich ist:
    Statt den Entwurf zu verantworten werden wir zum ‚KI Babysitter’, derden Auswurf des KI-Agens durch winkt, weil weder Lust noch Zeit zum Prüfen reicht. Wir füttern das Baby, wickeln es anfangs noch und lassen es ansonsten Schreien, halten aus was dabei raus kommt mit viel Zuversicht, das alles gut wird. Solange das Baby noch krass kackt, fällt’s auch den krass Gestressten auf, dass Tuwar angesagt. Doch irgendwann werden die Robotischen ja besser, das Prüfen krass komplex und dann kommt der Moment, wo wir die Aufsicht aufgeben müssen, sie einfach laufen lassen, nicht mehr so genau schnuppern und hoffen, dass sie keinen Unfug treiben.

    Dies allzu Menschliche kann man heute schon in manchen Branchen studieren: Einfach mal nach „KI Burnout“ suchen. Wie Menschen in einem solchen Setting handeln, kann man zB in der hochgetaktet überlasteten Pflege studieren, wo trotz hoher Motivation, das richtige zu tun, der Qualitätsverlust am Ende so richtig weh tut, allerdings nur denen die hin schauen.

    Darum besser gleich die Zwinglis wecken und gemeinsam ein Konzept entwickeln, wie man die menschliche Qualitätskontrolle künftig zu skalieren gedenkt Ob das am Ende Kosten spart? Nunja, das hoffen wir alle…


  8. Joachim

    ,

    Ich denke, ihr unterschätzt hier KI. Und damit unterschätzt ihr die Gefahren. KI geht nicht mehr weg.

    Beispiel: Da ihnen jegliche Form von Bewusstsein fehlt, besitzen sie grundsätzlich keine Fähigkeit zur echten Selbstkorrektur

    Ich weiß, was da gemeint ist. Doch wir wissen nicht, was Bewusstsein überhaupt ist. Und wenn ich sehe, wie oft mit die KI sagt: „du hast Recht“, „Entschuldige“ usw., dann stellt sich die Frage nach der Fähigkeit zur „Selbstkorrektur“. Ja, das ist ein statistisches, erlerntes Muster. Und ja, die KI wird bei der nächsten Session genau den selben Quatsch erzählen. Wenn aber nun jemand auf die Idee kommt, dass sich die KI korrigieren darf, dann tut sich die Hölle auf. Be carefull what you wish for.

    Die Anleitung, wie ich sowas angehen würde, was das Digitalministerium da im Kopf hat, sprengt leider nicht nur den Platz hier. Nur soviel: skynet ist wirklich die dümmste Idee, die man haben kann.

    Btw. auf welchem Level das Ministerium da ist: PDF ist kein Austauschformat und schon gar kein Protokoll (duck duck go nach Warum PDF kein Austauschformat ist. Der kluge Artikel ist uralt). Ich fürchte, sie haben vor lauter Pragmatismus und Aktionismus nicht die geringste Ahnung, was sie da tun. Und wie man sowas macht, sowieso nicht. Marketinggebrabbel.


    1. Anonym

      ,

      Das Problem ist offensichtlich an erster Stelle die Fähigkeit zur Selbstkorrektur. Die LLM-Systeme lernen nicht (ernsthaft) dazu. Wenn, dann sind das (derzeit) digitale Erker, die drangeflanscht werden, aber für das Training insofern unverdaulich sind, als dass keiner wissen kann, wie man bzgl. dieser Konsistenz herstellen kann. Schlimmer noch, diese Erker funktionieren nicht zuverlässig.

      Auf der positiven Seite, also eine womöglich denkbare Zukunft, könnte ein Sprachkern zusammen mit einer Regelengine wirken. Sicherlich in einem iterativen Verfahren. Das wird derzeit angenähert. Das hat wahrscheinlich nichts mehr mit Bewusstsein eines integrierten Organismus zu tun.

      Erst wenn man so einem System Handlungsfähigkeit (zu definieren) gibt, kann man indirekt „Formen des Bewusstseins“ (zu definieren) feststellen (zu definieren). Das ist aber zunächst nicht das gleiche wie ein in Echtzeit trainierendes und sich anpassendes Hirn. Die Idee ist immer, für Aspekte Äquivalente nachzuweisen. Wir sind aber weitestgehend auf einer Marketingebene, was Vergleiche zum Leben betrifft. Die Konzerne wollen keine eigenständige Intelligenz, sondern eine skalierbare Antwortmaschine. Im Sinne des „Computers“ in Star Trek kann das Sinn ergeben, ökonomisch muss man es für das Gesamtsystem diskutieren. Es nützt ja nichts, wenn der Patient tot ist, weil ein paar Teenager was ausprobieren wollten.


      1. Anonym

        ,

        Man bedenke, dass Umgang mit Fehlern und Unsicherheit, beim Treffen einer Aussage relevant sind. Umfragen bieten bisweilen ein unrühmliches Beispiel, bei dem Menschen ad-hoc in einen LLM-Modus gehen, wo die Alltagskopplung der Interakion der Tendenz nach gerne mal gen Null geht. Bis nach Umfragen regiert wird… doch das ist wohl wie an der Börse: bis Michel das verstanden hat, sind die Wagons im Zug längst belegt, und es bleibt nur noch das Gleis ;). Ich schweife ab.

        Menschen entwickeln ein grobes, wenn auch nicht immer akkurates Gefühl dafür, wo sie eigentlich Aussagen treffen können, bzw. können das trainieren. Besonders Menschen, die anderen Menschen Sachen erklären sollen, vorzugsweise von Berufwswegen, oder bauschig gesagt in einer Vertrauensrolle, hoffentlich mit Kompetenz auf dem Gebiet gesegnet. Die allgemeine Fähigkeit dafür gibt es auch, anhand einer Referenz Themen zu erarbeiten oder anderen bei Korrektheitsbetrachtungen zu helfen. Die Interaktion bzgl. Funktion einzuschätzen, wäre im Lernkontext auch noch ein Themenkomplex.

        Vor allem aber sollen LLMs überall relevant sein, überall korrekt antworten, und dabei wissen, ob es auf Glatteis steht oder nicht. Die Intelligenz muss wissen oder sich erarbeiten, wo sie wonach nachgucken muss. Im Grunde das alte Expertensystemproblem. Die Hoffnung ist, dass LLMs das doch irgendwie bieten können, während Kritiker eher bewiesenes Verhalten bei kritischen Aktionen hätten, und gerne auch die Lernfähigkeit des Systems in Frage stellen. (Trotz Trainingszyklen.)

        Reichen diese LLMs und Verwandte nicht weiter, sollten wir alltagstaugliche Fachbegriffe für Systemsorten etablieren, Transparenz etablieren, sowie irreführende Werbung hart bestrafen, z.B. „(Dolch) heilt Krebs“. Im Moment ist die KI Gott, weil wir nicht wissen, ob sie nicht in der nächsten Version schon Gott sein könnte. Außerdem schlägt sie Rupert beim Scrabble.

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