Digitales Bezahlen„Die Leute haben sehr gute Gründe, Bargeld zu nutzen“

Digitale Zahlungen sind auch eine soziale Frage. Die Soziologin Barbara Brandl hat untersucht, wie digitale Zahlungen Ungleichheit verstärken. Im Interview erklärt sie, wie dabei von unten nach oben umverteilt wird und was uns Beispiele aus anderen Ländern für den Digitalen Euro lehren.

  • Leonhard Pitz
Geldscheine und Kreditkarten liegen auf einem Tisch
Digitales Zahlen kann Ungleichheit verstärken. – Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com: Vardan Papikyan

Ob an der Eisdiele oder an der Kinokasse – immer weniger Menschen zahlen mit Bargeld. Viele zücken eine Plastikkarte oder gleich ihr Smartphone. Den Kostenanteil für den gemeinsamen Ausflug PayPal-en einem die Freund:innen sowieso lieber direkt auf der Rückfahrt.

Digitale Bezahlsysteme sind nicht nur längst Teil unseres Alltags, sondern auch Gegenstand politischer Debatten. Diese drehen sich – sofern sie den Dunstkreis technokratischer Diskurse verlassen – meist um Datenschutz oder Digitale Souveränität. Doch hinter den Apps und Karten versteckt sich auch eine soziale Frage.

Barbara Brandl ist Professorin für Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main, mit Schwerpunkt auf Wirtschafts- und Organisationssoziologie. Zudem ist sie Sprecherin des Forschungsprojektes „Die normativen Dimensionen des Digitalen Euro“. Wir haben mit ihr über soziale Ungleichheit, digitalisierte Zahlungen und Lektionen für den Digitalen Euro gesprochen.

netzpolitik.org: Frau Brandl, Sie sind Soziologin. Warum beschäftigen Sie sich mit PayPal und Kreditkarten?

Barbara Brandl: Ich beschäftige mich immer mit dem Zwischenfeld von Technologieentwicklung und Gesellschaft und bin eigentlich über das Thema Blockchain zum Thema Zahlungen gekommen. Ich habe aber festgestellt, dass Blockchain für den Alltag der meisten Menschen keine allzu große Bedeutung hat. Was hingegen eine große Bedeutung hat, sind alle Systeme, über die wir digital bezahlen.

Wir alle müssen zahlen: Um zu überleben, weil wir eben nicht alles selber herstellen und mit Nachbarn tauschen, sondern weil der absolut größte Teil über formale Märkte funktioniert. In meiner For­schung habe ich dann festgestellt, dass digitale Zahlungen und soziale Ungleichheit sehr stark mit­einander zusammenhängen. Und das ist natürlich das Kernthema der Soziologie.

Die drei Wellen der Zahlungsdigitalisierung

netzpolitik.org: Was sind überhaupt digitale Bezahlsysteme? Nur PayPal und GooglePay?

Barbara Brandl: „Digitale Bezahlsysteme“ umfasst erst einmal alles, was nicht Bargeld ist. Insgesamt gab es drei Wellen der Digitalisierung von Zahlungen im Globalen Norden. Die erste Welle der digitalen Zahlungen begann etwa 1950 mit den Kreditkarten in den USA. Das war lange auch das einzige vorhandene System. Die zweite Welle digitaler Zahlungen begann in den 1990er-Jahren umfasst alles, was Internet-basiert ist, auch PayPal war da ganz wichtig. Die dritte Welle sind für mich App-basierte-Lösungen, die sich mit der Nutzung von Smartphones in den 2010er-Jahren ausbreiteten. Beispiele dafür sind etwa Apple oder GooglePay aber auch „Buy Now, Pay Later“-Angebote wie Klarna.

netzpolitik.org: Das gilt aber nur für den Globalen Norden, wie ist das im Globalen Süden?

Barbara Brandl: Dort haben sich eigene Systeme digitaler Zahlungen herausgebildet, deren Entwicklungen sich mit denen im Globalen Norden überschneiden. Das erste und vielleicht spannendste ist das sogenannte „Mobile Money“. Der Hintergrund war, dass in Subsahara-Afrika der Großteil der Menschen überhaupt keinen Zugang zu Bankkonten hatte. Und auch Bankfilialen waren in den Flächen quasi nicht vorhan­den. Das war sehr ungünstig, denn viele Menschen waren darauf angewiesen, regelmäßig Geld zu versenden, zum Bei­spiel, weil jemand in der Stadt gearbeitet hat, aber die eigene Familie auf dem Land versorgen wollte. Oder weil die eigenen Kinder im Internat waren und Bücher brauchten.

Barbara Brandl steht in einem Flur
Barbara Brandl forscht zu sozialen Ungleichheiten bei digitalen Bezahlsystemen.

In den 90er Jahren kam dann der Mobilfunk auf und das ist die Revolution. In ihrer Verzweif­lung erfanden die Menschen Geld neu und verschicken über SMS die Codes, die auf den PrePaid-Karten aufgedruckt waren. Die haben das also nicht mehr nur als Mobilfunkguthaben benutzt, sondern als Geld. Und dann gab es relativ schnell Leute, die das informell gewechselt haben, Mobilfunkguthaben in Bargeld und umgekehrt. Diese Dienste wurden dann rasch kommerzialisiert von den Mobilfunkanbietern und das war die erste Form einer digitalen Währung.

netzpolitik.org: Was sind die anderen Systeme digitaler Zahlungen im Globalen Süden?

Barbara Brandl: Einerseits Super-Apps wie Alipay oder Tencent, die in China entstehen und sich dann in Ostasien sowie teilwiese auch in Lateinamerika ausbreiten. Und anderseits Echtzeitzahlungssysteme wie das brasilianische PIX, die von Zentralbanken bereitgestellt werden und insbesondere in Lateinamerika populär sind, aber jüngst auch in Ländern wie Indien oder Israel eingerichtet wurden.

„Technologie ist nicht neutral“

netzpolitik.org: Sie forschen dazu, inwiefern digitale Bezahlmöglichkeiten soziale Ungleichheit verändern – was haben Sie herausgefunden?

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Barbara Brandl: Technologie ist nicht neutral, auch nicht die Systeme digitaler Zahlung. Sie wurden von be­stimmten Schichten mit bestimmen Ideen eingerichtet. Am krassesten sieht man das bei den Kredit­karten in den Vereinigten Staaten. Die wurden eingerichtet, damit die Mittelschichten schnellen Zu­gang zu Krediten bekommen und einfach bezahlen können. Das waren vor allem die weißen Mittelschichten und die profitieren bis heute am stärksten von den Kreditkarten.

Es gibt verschiedene Dimensionen sozialer Ungleichheit. Eine davon ist Zugang. Weiße haben sehr viel häufiger Kredit­karten als Schwarze oder Hispanics. Die Mittelschicht hat viel häufiger Kreditkarten als die Unter­schicht. Man kann hier schon von Ausschluss sprechen. Das war bis in die 1990er-Jahre noch bruta­ler, dort haben Menschen gar keine Kreditkarte bekommen, wenn sie in bestimmten Vierteln ge­wohnt haben. Seither wurde der Zugang extrem ausgeweitet, man spricht auch von einer Demokratisierung der Kreditvergabe. Trotz allem haben Hispanics und Schwarze bis heute bei gleichen Einkommensverhältnissen seltener Kreditkarten als weiße US-Bürger.

Hinzu kommt die zweite Dimension: die systematische Benachteiligung in der Nutzung. Das funktioniert zum Beispiel durch massive Kreditkartenzinsen auf „Bad Credit“, also wenn sie mit ei­ner schlechten Bonität einen Kredit aufnehmen. Der Zins kann schon mal 30 Prozent betragen. Alle Schichten haben Kreditkartenschulden. Aber Menschen aus mittleren und oberen Schichten können diese Schulden mit einem guten Gehalt relativ schnell zurückzahlen. Aber die einkommensärmsten zehn Prozent der Bevölkerung müssen, sofern sie Kreditkartenschulden haben, durchschnittlich 80 Prozent ihres Einkommens für die Tilgung dieser Schulden aufwenden.

netzpolitik.org: Wie werden ärmere Menschen noch systematisch benachteiligt?

Barbara Brandl: Ein weiterer Faktor bei der Umverteilung von arm zu reich sind sogenannte „Loyality“- beziehungsweise Cashback-Programme. Das funktioniert so: Immer wenn sie mit ihrer Kreditkarte im Supermarkt zahlen, kriegen sie Punkte. Die reichen sie am Ende des Jahres ein und kriegen Geld zurück. Allerdings ist die Kre­ditkarte das teuerste Zahlungsmittel für die Händler:innen. Die schlagen das wiederum bei den Preisen drauf. In der untersten Schicht – in den USA – haben nur 30 Prozent der Menschen eine Kreditkarte. Die zahlen aber trotzdem natürlich alle die höheren Preise und subventionieren damit die höheren Preise für Güter sowie die Prämien quer, die den höheren Schichten ausgezahlt werden.

Ökonomen der US-amerikanischen Zentralbank haben ausgerechnet, dass alleine dieser Mechanismus über zwölf Milliarden Euro im Jahr umverteilt, von schlechter Bonität zu guter Bonität, also in der Regel von Menschen mit geringer Bildung zu Menschen mit höherer Bildung. Höhere Schichten profitieren von Kreditkarten und niedrigere Schichten tragen die Kosten.

„Der größte Teil der Gewinne kommt von Überziehungszinsen“

netzpolitik.org: Wie meinen Sie das?

Barbara Brandl: Der größte Teil der Gewinne von Kreditkartenfirmen – und generell innerhalb dieses Sektors – kommt durch Überziehungszinsen. Transaktionsgebühren, die bei jeder Zahlung anfallen, sind zwar die älteste Einnahmequelle, bringen aber nicht so viel Gewinn ein. Die modernste Einnahmequelle ist der Ver­kauf von Daten. Das machen etwa die Super-Apps in Asien. Aber auch Buy-Now-Pay-Later-Anbieter im Globalen Norden, wie PayPal, Klarna und AfterPay, verkaufen Daten für Werbezwecke. Dennoch sind die Zinsen auf Konsumkreditschulden immer noch die finanzstärkste Ein­nahmequelle.

netzpolitik.org: Am Ende nehmen die Menschen einen Kredit ja freiwillig auf. Sind sie dann nicht auch ein Stück weit selbst verantwortlich, wenn sie sich überschulden?

Barbara Brandl: Das ist genau der Punkt, wie das in unserer Gesellschaft moralisch funktioniert und warum hier nicht mehr reguliert wird. Eine sehr bekannte Kollegin von mir, Greta Krippner, argumentiert dazu wie folgt: Wir haben in der Gesellschaft immer asymmetrische Beziehungen. Eine ganz klassische asymmetrische Beziehung ist die zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer und die regu­lieren wir sehr stark und es gibt starke Schutzmechanismen für Arbeitnehmer, wie etwa Kündi­gungsschutz für Schwangere.

Diese Schutzmechanismen fehlen in der Beziehung Kreditnehmer versus Kreditgeber, obwohl diese Beziehung ebenfalls hoch-asymmetrisch ist. Und diese Schutzlosigkeit ist bei Konsumkrediten am stärksten.

Aber es gibt noch eine weitere Ebene und da sehe ich eine Parallele zur Debatte um die Regulierung von Social-Media-Plattformen.

Geschäftspraktiken, die menschliche Schwächen ausnutzen

netzpolitik.org: Worin besteht diese Parallele?

Barbara Brandl: Es geht um Geschäftspraktiken, die systematisch menschliche Schwächen ausnutzen. Dazu gibt es ein ganzes Forschungsfeld, die sogenannten Behavioral Economics. Daraus wissen wir: Unser Ge­hirn funktioniert auf eine bestimmte Art und Weise und bestimmte Dinge können wir nicht gut ver­arbeiten, zum Beispiel Kosten und Nutzen von Kreditkarten.

Es gibt eine ganze Reihe von Studien, die sagen: Wir unterschätzen systematisch, wie viel uns Kreditkarten kos­ten und überschätzen den Nutzen. Wir kommen darauf, wenn wir länger nachdenken, aber so auf die Schnelle passieren syste­matische Fehleinschätzungen. Und diese systematischen Verzerrungen werden eben ausgenutzt. Dann ist es nun mal zynisch, immer zu schreien, dass wir mehr Finanzbildung und den mündigen Konsumenten bräuchten. Ebenso wie in der Plattform-Debatte derzeit oft nach Medienbildung gerufen und gefordert wird, die Eltern sollten sich jetzt mal bitte besser um ihre Kinder kümmern.

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netzpolitik.org: Wir haben bisher viel über Kredite gesprochen, aber haben das Interview eigentlich bei digitalen Zahlungen angefangen. Das sind ja erst mal zwei verschiedene Dinge. Für Sie gehört aber beides zusammen, korrekt?

Barbara Brandl: Richtig, das ist ein zentraler Befund meiner Forschung. Ich habe mir fünf Systeme ange­schaut, wie digitale Zahlungen abgewickelt werden. Was mich erschreckt hat: Je mehr digitale Zah­lungen getätigt werden, desto stärker spielen Konsumkredite eine Rolle.

Das krasseste Beispiel ist vielleicht das Zahlungssystem PIX in Brasilien. PIX wird von der brasilianischen Zentralbank zur Ver­fügung gestellt und man sieht, für ein Prozent mehr PIX-Nutzer:innen erhöht sich die Menge der Kon­sumkredite um 0,8 Prozent. Das war das Ergebnis einer multivariaten Analyse. Das heißt, je mehr Leute, und das wissen wir auch aus anderen Studien, digital bezahlen, desto mehr geben sie aus und deswegen verschulden sie sich auch schneller.

Die Mechanismen dahinter sind ausführlich von den Verhaltensökonom:innen beschrieben worden. Ein Beispiel für diese Mechanismen ist: Sie gehen beispielsweise in die Stadt und wol­len sich einen Mantel kaufen. Dann nehmen Sie, je nachdem wie Ihr Budget ist, 100 oder 200 Euro mit und vielleicht noch 20 Euro extra. Wenn das ausgegeben ist, können Sie nicht mehr kau­fen. Wenn Sie aber digital bezahlen, haben Sie ihr ganzes Geld ja immer dabei. Dann können Sie sich auch einen Mantel kaufen, der doppelt so teuer ist wie ihr Budget – oder noch einen Gürtel ex­tra.

„Gut für die Finanzindustrie, aber nicht für uns“

netzpolitik.org: Wo sind da die Parallelen zum digitalen Euro?

Barbara Brandl: Die brasilianischen Banken setzen auf die PIX-Bezahlfunktion ihre eigenen Kreditprodukte drauf und nennen es dann PIX Parcellado, also Ratenzahlung. Das heißt, sie bezahlen es mit PIX und PIX wird immer über die App der Bank benutzt und dann bietet Ihnen die Bank in der App so­fort einen Kredit an, sofort eine Ratenzahlung an. Und da liegt die Parallele zum digitalen Euro.

Weil der viel Gegenwind aus der Finanzlobby bekommt, wirbt nun die Europäische Zentralbank mit dem Argument, dass die Banken ihre eigenen Finanzdienstleistungen auf den digitalen Euro draufbauen können. Und aus der brasilianischen Erfahrung würde ich sagen, das können wir eigentlich gar nicht wollen. Die EZB versucht, die Finanzindustrie mit dem Argument „Das ist doch gut für euch“ zu überzeugen. Ich würde sagen, das stimmt: Es ist auch für die Fi­nanzindustrie gut, aber nicht für uns.

netzpolitik.org: Wie muss ein digitaler Euro aus Ihrer Sicht ausgestaltet sein, dass er mög­lichst sozial gerecht wird?

Barbara Brandl: Die Verknüpfung zu anderen Dienstleistungen, insbesondere der Aufnahme von Konsum­krediten, muss maximal weit weg davon sein. Das hat in Kenia nicht gut geklappt, aber in anderen Mo­bile-Money-Systemen in Subsahara-Afrika hat es besser funktioniert, dass man damit nur bezahlen kann.

Natürlich ist auch der Zugang ein Thema. In der Europäischen Union haben 96 Prozent der Menschen ein Konto. Und neben dem Basiskonto gibt es auch im Entwurf der Kommission zum Digitalen Euro schon Vorschläge, um Menschen ohne Konto zu integrieren. Das viel größere Problem ist hier ein anderes, nämlich dass ein Sechstel der Menschen zwar Konten hat, aber nicht in der Lage ist, Online-Banking zu nutzen. Leider wird das in der Diskussion oft so dargestellt, als seien die einfach ein bisschen altmodisch.

Ich würde mittlerweile aber sagen: Die nutzen zurecht Bar­geld. Erstens behandeln die Banken Menschen aus einkommensschwächeren Schichten systema­tisch schlechter, das sehen wir überall auf der Welt. Deswegen ist das Misstrauen gegenüber Banken durchaus gerechtfertigt. Zweitens hat das natürlich auch was mit den Lebensumständen zu tun. Sie und ich sitzen den ganzen Tag am PC, da können wir das Online-Banking auch noch ne­benbei machen. Wer auf dem Bau arbeitet, für den ist das ein sehr viel größerer Aufwand, sich da am Feierabend für das Online-Banking noch einmal hinzusetzen. Und dann ist es für Menschen mit geringem Einkommen viel einfacher, die eigenen Ausgaben mit Bargeld zu kalkulieren.

Ich würde trotzdem sagen, es gibt letztlich wahrscheinlich keine Alternative zum Digitalen Euro. Das ist immer noch die beste Lö­sung, die es gibt, wenn wir weiterhin digital bezahlen wollen und dabei nicht auf ein US-amerikanisches Oligopol von Kreditkartenfirmen angewiesen sein wollen, das den Großteil seiner Gewinne mit Überziehungszinsen und dem Verkauf von Daten macht.

netzpolitik.org: Also Ja zum Digitalen Euro, aber Bargeld auf jeden Fall erhalten?

Barbara Brandl: Das Bargeld erhalten will ja auch die EZB, nach eigener Aussage. Mein Appell ist sehr viel stärker, den Hang zum Bargeld nicht abzutun als irgendeine Schrulligkeit oder eine Verschrobenheit: Die Leute haben wirklich sehr gute Gründe, Bargeld zu nutzen.

Über die Autor:innen

  • Leonhard Pitz

    Neben seinem Studium der Internationalen Beziehungen in Dresden arbeitet Leonhard als freier Journalist. Er interessiert sich besonders für EU-Politik, Überwachung, Medien und die Polizei. Von September bis November 2023 war er Praktikant bei netzpolitik.org.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP), Mastodon, Bluesky,


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16 Kommentare zu „„Die Leute haben sehr gute Gründe, Bargeld zu nutzen““


  1. Anonym

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    Wie kann man über bargeldloses bezahlen reden, und dann nur US Creditcards und nicht die hiesige EC-Card erwähnen?


    1. Anonym

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      Es gibt leider keine wirkliche ec Karte mehr. Das haben die Banken verschlafen. V Pay ist auch Visa.


      1. Anonym

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        D’accord, und das ist schlecht. Aber der historische Kontext hier ist halt primär nicht Creditcard.


  2. Anonym

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    Die Entwicklung von Mobile Money in Afrika mit „in ihrer Verzweiflung“ zu formulieren trieft vor westlicher Arroganz. Das ist ein Grund, warum meine schwarzafrikanische Verwandtschaft mit westlichen „linken“ wenig anfangen kann.

    Die Leute da agieren pragmatisch und nutzen Moeglichkeiten, und die ueberspringen zT westliche Entwicklungsstufen (zB Festnetztelefon) oder kommen legacy free zu anderen Loesungen (zB Finanztransaktionen).

    Ansonsten liest sich das sehr global-akademisch, wesentliche europaeische oder detusche Eigenheiten werden ignoriert, dafuer starker Fokus auf USA. Auch so eine Eigenschaft der „progressiven“, diese USA-Fixierung unter Ignoranz anderer kulturhisorischer Gegebenheiten.


  3. Anonymous

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    Das Bargeld ist das letzte echte Bollwerk der finanziellen Inklusion – ein analoges Grundrecht, das keine Bonitätsprüfung, kein Smartphone und keine stabile Internetverbindung kennt. Während die Vision einer bargeldlosen Gesellschaft oft als Gipfel der Effizienz verklärt wird, entpuppt sie sich bei genauerem Hinsehen als ein digitaler Filter, der die Schwächsten unserer Gesellschaft systematisch aussiebt. Digitale Bezahlsysteme sind eben keine neutralen Werkzeuge; sie sind privatisierte Infrastrukturen, die den Zugang zur Teilhabe an Gebühren, Hardware und technisches Wissen knüpfen. Für Menschen ohne festen Wohnsitz, Kleinstverdiener im informellen Sektor oder jene, die durch das Raster der Scoring-Algorithmen fallen, bedeutet das Ende des Bargelds schlichtweg den sozialen Ausschluss. Während die wohlhabende Elite von Cashback-Programmen und nahtlosem Komfort profitiert, zahlen die Armen einen „Digitalisierungs-Zins“: Sie verlieren ihre Anonymität, ihre Budgetkontrolle und letztlich ihre Souveränität. Wer das Bargeld abschafft, privatisiert den öffentlichen Raum des Handelns und zwingt jede Interaktion durch die Nadelöhre globaler Finanzkonzerne. Es ist an der Zeit, die Münze und den Schein nicht als Relikte der Vergangenheit, sondern als unverzichtbare Werkzeuge der Freiheit und der sozialen Gerechtigkeit zu verteidigen. Ein Loblied auf das Bargeld ist daher kein nostalgischer Reflex, sondern eine notwendige Forderung nach einer inklusiven Ökonomie, die niemanden zwingt, für das bloße Recht am Bezahlen seine Daten oder seine Würde zu opfern.


    1. Anonym

      ,

      Ich befuerchte „wir brauchen das Bargeld fuer die Bettler und Schwarzarbeiter“ ist in der breiten Bevoelkerung nicht das gute Argument, fuer das Sie es halten…


    2. Jan Burkhardt

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      Besser kann man es nicht ausdrücken Bargeld ist gedruckt Freiheit


  4. Karl

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    Ein wesentlicher Punkt wird in dem Interview ausgespart. Der kostenfreie und anonyme Transfer der nur mit Bargeld möglich ist. Und die absolute Kontrolle die digitale Bezahlung ermöglicht – und die, alle Entwicklungen zeigen – auch genutzt werden wird. Die Abwehrkämfe werden nach Abschaffung anonymer Verkehre nicht zu gewinnen sein.
    Wir leben immerhin in einem Wirtschaftssytem in dem fast alle Verhältnisse warenhaft sind. Abhängigkeit von Digitale Zahlung ermöglicht auch die vollständige Hinrichtung unliebsamer und ungewünschter Personen, Vereine, Institutionen, deren Zugang „zum Leben, zum Handeln“ vergleichsweise einfach zu behindern oder zu verhindern wäre.


    1. Anonym

      ,

      Das GNU Taler-System ist Open Source und erlaubt kostenfreien anonymen Transfer und vereint die Vorteile von digitalem Bezahlen und Bargeld, verhindert aber gleichzeitig Steuerhinterziehung. Funktioniert super.


  5. Horst Pfannenschmid

    ,

    Digitalles Bezahlen ist eigentlich vor Allem hirnlose Angeberei. Und vor Allem macht man es den Kriminellen leichter und nicht, wie den naiven Bürgern vorgelogen wird, schwerer. Das ird noch von Denen behauptet, die das Bargeld endlich loswerden wollen, um die Bürger besser abzocken zu können. Leider fallen immer mehr Bürger auf diesen Schwindel herein.
    Nur Bares ist Wahres. Unbares Schwindel.


  6. Anonym

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    Mich stört oft die Debatte, wie viel Bargeld wird gegenüber der digitalen Zahlweise genutzt. Brauchen wir dann das Bargeld noch?
    Hier wird die Macht der Finanzwirtschaft wirklich unterschätzt, denn wenn die Bank oder der Schalter fehlt, an dem Bargeld geholt werden kann, muss man auf die digitalen Zahlweisen umsteigen – ob man will oder nicht. Es ist ein Zwang und keine freie Entscheidung. Und auf einmal sind wieder ein paar Prozent auf der digitalen Nutzung erreicht und die Bargeldnutzung wird um diese Prozent weniger.


  7. Lena Heine

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    Jeder hat ein Recht auf Bargeld.…..mit dem Digitalen Euro und der Digitalen ID…Kommt die Kontrolle.…siehe China.…..


  8. Der DENKER aus der INFORMATIK

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    Was vielleicht noch hinzugefügt werden könnte:
    mit „Digitalisierung“ kann ich auch
    – den Milliardär innerhalb von Sekunden auf NULL-Kontostand bringen

    - es bedeutet eine konkrete Zugangs- und Zutrittsberechtigung, digitale Fußfessel ist heute schon gegeben

    - man überträgt es derzeit ins Gesundheitswesen… ich sehe das folgende voraus und werde recht darin behalten:

    Sie haben nur Digital Zutritt zu ALDI (beispiel) dann kaufen Sie sich eine COLA (schön Zucker!)
    danach werden Sie automatisch vor dem Ausgang wieder gewogen… Sie sind um X Gramm (durch die Flasche COLA) schwerer geworden…

    Digital wird jede Bewegung Ort Zeit und Blutdruck bleibend nach Unbekannt ausgewertet…

    einen Monat später erhöht sich Ihre Krankenkassengebühr um 10 EUR: die Begründung ist doch klar! Sie leben nicht gesund! Den Maßstab erfüllen Sie nicht.

    und so weiter…
    Natürlich haben Sie dann auch kein Zugang zu bestimmten schönen Orten in der Welt.… das BIT bekommen Sie nie mehr entfernt.… fest verankert in der sicheren Blockchain-Technologie.

    Parken mit DEM großen Auto?… geht gar nicht…

    Sie können es selbst fortspinnen.…

    als Ideengeber schauen Sie bitte unter
    gesetze-im-internet.de
    dort finden sich beispielsweise Europaischer Datenraum für Patientendaten, Digitalisierungsgesetze für Bürger, etc…

    PS: den Hinweis vom Kollegen aus Afrika war wichtig gelesen zu haben: Die dort machen nicht die Entwicklungssprünge der „Weißnasen“ durch: die sind gleich auf aktuellem Stand der Technik = beste Voraussetzungen stehen auf dem Schreibtisch.

    Leider werde dort aber die gesamte giftige Hardware entsorgt: verbrannt, vergiftet den Boden etc… ganz schlimm


  9. Steve

    ,

    Eine weitere Diskriminierung findet statt zwischen Google/Apple Kunden und Menschen, die mit diesem Duopol nichts zu tun haben wollen und das System auch nicht dadurch stützen wollen, indem sie dann halt ohne App-Store irgendwo Raubkopien herunterladen.
    App-Only ist in der Finanzbranche weit verbreitet. Bei der DKB kann man ohne Apple/Google Account nicht legal ein Konto eröffnen (mir wurde das Konto schlicht gekündigt, als ich mich der App verweigert habe). Diverse andere Institute machen es ohne App aus den beiden App-Stores extrem kompliziert und teuer, seine Bankgeschäfte zu erledigen oder die Kreditkarte zu verwalten.
    Vom Zahlen per Handy ist man ohne „freiwillige“ Datenweitergabe an Google oder Apple sowie so komplett ausgeschlossen.


  10. Bargeld ist gut, hat aber immer noch den Nachteil, dass eine Zentrale stelle ie Geldmenge steuert und der Geldhahn meist die eh schon gefüllten Taschen weiter füllt.

    Bitcoin startete mal als Geld für all ohne zentralen Machtapparat. Das wurde als zu gefährlich empfunden und dann leider unterwandert und ausgehöhlt. Das Buch „Hijacking Bitcoin“ beschreibt das recht eindeutig. Bitcoin Cash verfolgt weiterhin das Orginalziel, hat es aber schwer gegen die Propaganda.

    Ich denke am Ende führt kein Weg um ein dezentrales Geldsystem herum wenn wir Diktatur und Totalüberwachung verhindern wollen.


    1. Anonym

      ,

      Das Problem mit „dezentralen Geldsystemen“ ohne Autoritaeten ist halt, dass sie mangels Rechtsdurchsetzung kein Geld sind. Ganz ohne Vertrauen und Vertrauensgaranten funktionieren „Geld“ und andere Kooperationsmodelle schlicht nicht.

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