Auf den PunktNicht einmal telefonieren geht noch.

  • Markus Reuter

Liebe Leser:innen,

seit Tagen gehen hunderttausende Menschen überall im Iran auf die Straße. Es ist die vierte große Protestwelle gegen das theokratische Regime in nur zehn Jahren. Was im Dezember als Protest gegen die Wirtschaftskrise begann, ist sofort zu einer Systemfrage geworden.

Das iranische Regime reagiert erneut mit der Abschaltung des Internets, dieses Mal jedoch so umfassend wie noch nie. Nicht einmal das Satelliten-Internet Starlink oder die gewöhnliche Telefonie funktionieren derzeit. Deshalb dringen kaum noch Videos und Bilder der Proteste nach außen, von Massakern an den Demonstrierenden ist die Rede.

Die Reaktion der Bundesregierung ist dennoch zurückhaltend. Bundeskanzler Friedrich Merz verurteilte zwar die Gewalt gegen die Demonstrierenden als „unverhältnismäßig“ und rief das Regime dazu auf, die Bevölkerung zu schützen. Angesichts von mutmaßlich hunderten getöteten Protestierenden ist das aber nur ein schwaches Statement. Bislang hat die Bundesregierung auch Abschiebungen in das Land nicht gestoppt.

Trotz allem einen schönen Abend

Markus Reuter

Unsere Artikel des Tages

Repression gegen ProtesteIranisches Regime setzt auf umfassende Kommunikationsblockade

Gegen die Massenproteste im Iran setzt die Regierung dieses Mal eine Komplettabschaltung der Kommunikation ein. Während früher Mobilfunk und Internet temporär und regional blockiert wurden, sind diesmal auch das Satelliteninternet Starlink und Festnetztelefon betroffen.

Massenüberwachung und HackingDer BND soll neue mächtige Instrumente bekommen

Der BND soll weiter massenhaft Kommunikationsdaten durchsuchen, aber sie künftig länger speichern und zusätzlich millionenfach Inhalte von Kommunikation analysieren. Zudem soll der Geheimdienst Hacking-Angriffe durchführen dürfen.

DegitalisierungEntfremdung

Zwischen dem aktuellen KI-Hype und der ersten Industrialisierung gibt es Parallelen, das zeigt sich besonders in der drohenden Entfremdung, analysiert unsere Kolumnistin. Aber es gibt Wege, die gleichen Fehler nicht nochmals zu machen.

Tickermeldungen

Lesenswert, wichtig und spannend – hier fasst die Redaktion netzpolitische Meldungen von anderswo als Linktipps zusammen.

Ticker-News von The Guardian vom 12. 01. 2026

Im nordschwedischen Kiruna könnte die erste Mine für Seltene Erden in der EU entstehen. Der Guardian berichtet vom langen Weg zur Förderung des Tech-Rohstoffes, für den bereits eine Stadt samt Kirche spektakulär umziehen mussten.

Ticker-News von Politico vom 12. 01. 2026

Als polnischer Ex-Justizminister war Zbigniew Ziobro mitverantwortlich für den dortigen Pegasus-Skandal. Nach Ermittlungen wegen Korruptionsverdacht floh der PiS-Politiker nach Ungarn. Nun hat ihm Premier Viktor Orbán Asyl gewährt.

Ticker-News von Golem.de vom 12. 01. 2026

Im Rahmen der andauernden Proteste kappte Irans Regime erst die terrestrischen Internetverbindungen. Jetzt hat es offenbar auch eine Möglichkeit gefunden, Verbindungen mit dem Starlink-Satelliteninternet zu stören.

Ticker-News von Golem vom 12. 01. 2026

KI-Systeme sind derzeit nicht in der Lage, Jobs komplett zu ersetzen. Das ist das Ergebnis der Studie „Remote Labor Index“. Die Systeme seien nicht lernfähig und verstünden visuelle Dinge schlecht.

Ticker-News von The Guardian vom 12. 01. 2026

Der Guardian hat bei der Google-Suche zahlreiche irreführende und gesundheitsgefährdende KI-Zusammenfassungen zu Gesundheitsthemen gefunden. Google hat nun für einige Fragen die „AI Overview“ abgeschaltet, das grundsätzliche Problem besteht aber fort.

Ticker-News von The Verge vom 12. 01. 2026

Elon Musk hat angekündigt, den neuen Algorithmus von X öffentlich zugänglich zu machen. In der Vergangenheit hat der rechtsradikale Multi-Milliardär bereits ähnliche Versprechungen gemacht und nicht eingehalten.

Ticker-News von heise online vom 12. 01. 2026

Bei Datev gab es in der vergangenen Woche eine Datenpanne: Sogenannte Probeabrechnungen mit sensiblen Gehaltsdaten wurden offensichtlich in großer Zahl falsch zugestellt. Laut Datev sei die Ursache inzwischen behoben, das Ausmaß ist derzeit noch nicht bekannt.

Ticker-News von Queer.de vom 09. 01. 2026

Um auf queerfeindliche Gewalt aufmerksam zu machen, hat der Influencer Quang Paasch öffentlich darüber gesprochen, wie er in Berlin brutal geschlagen und ausgeraubt wurde. Demnach hatte er sich über eine Dating-App verabredet; statt des Dates hätten ihm jedoch mehrere Täter aufgelauert.

Ticker-News von taz vom 09. 01. 2026

Wer in Hamburg für den Staat arbeiten möchte, muss zusichern, keiner im Verfassungsschutzbericht genannten oder ähnlichen Gruppe anzugehören. Die taz berichtet über ein Merkblatt, das Anwärter*innen seit Dezember bekommen sollen.

Ticker-News von Euractiv vom 09. 01. 2026

Nach Informationen von Euractiv und Reuters rückt die Einstufung von WhatsApp als „sehr große Plattform“ (VLOP) nach dem EU-Gesetz über digitale Dienste (DSA) näher. Bereits vor knapp einem Jahr wurde bekannt, dass die Meta-Tochter die entsprechende Nutzer*innen-Schwelle überschreitet.

Ticker-News von Der Standard vom 09. 01. 2026

Der Analyse-Dienst SimilarWeb misst Abrufzahlen von Websites. Im Dominanz-Wettbewerb bei generativer KI hat Google Gemini demnach aufgeholt (Marktanteil: 21,5 Prozent), während Platzhirsch ChatGPT Federn lässt (64,5 Prozent).

Ticker-News von taz vom 09. 01. 2026

Nach der von Umstehenden gefilmten Tötung der US-Amerikanerin Renee Good durch einen Schergen der Abschiebebehörde ICE analysiert die taz die Umdeutungsversuche der Rechtsradikalen: „Gegen die brutale Realität hilft auch keine Trump-Propaganda.“

Ticker-News von Pharmazeutische Zeitung vom 09. 01. 2026

Eine Hamburger Apotheke hat in einem Pilotprojekt geprüft, ob die Medikationsliste in der elektronischen Patientenakte mit den lokal gespeicherten Daten ihrer Stammkund:innen übereinstimmt. Offenbar ist kein Verlass darauf, dass alle verschriebenen Arzneimittel dort auftauchen.

Über die Autor:innen

  • Markus Reuter

    Markus Reuter recherchiert und schreibt zu Digitalpolitik, Desinformation, Zensur und Moderation sowie Überwachungstechnologien. Darüber hinaus beschäftigt er sich mit der Polizei, Grund- und Bürgerrechten sowie Protesten und sozialen Bewegungen. Für eine Recherchereihe zur Polizei auf Twitter erhielt er 2018 den Preis des Bayerischen Journalistenverbandes, für eine TikTok-Recherche 2020 den Journalismuspreis Informatik. Bei netzpolitik.org seit März 2016 als Redakteur dabei. Er ist erreichbar unter markus.reuter | ett | netzpolitik.org, sowie auf Mastodon und Bluesky.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP)


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