No Bitcoin, please!Wikipedia-Community will Krypto-Spenden verbieten [UPDATE]

Wikipedianer:innen kritisieren, dass Kryptowährungen zu viel Strom verbrauchen. In einer Abstimmung fordern sie die Wikimedia-Stiftung auf, keine Spenden mehr in Bitcoin und Co. zu akzeptieren.

Nimmt Wikimedia noch Bitcoin?
Krypto-Spenden sind zunehmend kontrovers (Symbolbild) Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com Bermix Studio/Bearbeitung netzpolitik.org

Update vom 2. Mai 2022: Die Wikimedia-Stiftung hat mitgeteilt, dass sie künftig keine direkten Spenden in Kryptowährungen mehr akzeptieren will. Die Entscheidung folge aus dem Feedback der Community. „Konkret werden wir unser Bitpay-Konto schließen, wodurch wir nicht mehr in der Lage sein werden, Kryptowährungen direkt als Spendenmethode zu akzeptieren“, teilte die Stiftung auf der Diskussionsseite zur Abstimmung mit.

Die Wikipedia-Community hat die Stiftung hinter der populären Online-Enzyklopädie darum gebeten, künftig keine Spenden in Kryptowährungen anzunehmen. In einer Abstimmung sprachen sich rund 71 Prozent der Beteiligten für ein Ende von Krypto-Spenden aus. Als einen der Gründe nennt der Antrag, dass der hohe Stromverbrauch von Kryptowährungen nicht mit den Umweltengagement der Wikimedia-Stiftung vereinbar sei.

Gegen Kryptowährungen werden immer öfter Klimabedenken laut. Im Kern der Kritik steht dabei die Proof-of-Work-Methode, mit der Bitcoin, Ethereum und andere Währungen ihr Netzwerk am Laufen halten. Diese Methode schützt die Blockchain vor Manipulation, ist aber im Vergleich mit anderen Methoden wie Proof-of-Stake sehr energieintensiv. Greenpeace USA und anderen NGOs fordern daher in ihrer Kampagne „Change the code, not the climate“, dass Bitcoin und Ethereum auf andere Mining-Methoden umsteigen.

Die Wikimedia-Stiftung will den Ausstieg aus Krypto-Spenden nun prüfen. Zur Umsetzung des Antrags verpflichtet ist sie nicht. Die Stiftung betreibt seit fast zwei Jahrzehnten die Infrastruktur, auf der Wikipedia, Wikimedia Commons, Wikidata und weitere Projekte laufen. Sie finanziert sich vor allem aus Spenden und wird teilweise von der Community kontrolliert. Drei von zehn ihrer Vorstandssitze werden direkt von User:innen gewählt. Wahlberechtigt sind registrierte Nutzer:innen, die regelmäßig in einem oder mehreren der Wikimedia-Projekte aktiv sind.

Nur 0,08 Prozent aller Spenden in Krypto

Im Vorjahr erhielt Wikimedia lediglich rund 0,08 Prozent aller Spenden in Kryptowährungen – die Stiftung gibt an, sie habe von 347 Spender:innen Coins im Wert von 130.000 US-Dollar erhalten. Jede Spende in Krypto werde umgehend in Dollar umgetauscht.

Ins Rollen gebracht hatte die Debatte der Antrag der Wikipedia-Administratorin GorillaWarfare, auch bekannt unter ihrem bürgerlichen Namen Molly White. Sie dokumentiert in ihrem Blog „Web3 is going just great“ allerhand Pleiten, Pech und Pannen im Blockchain-Universum.

In der Debatte über Kryptowährungen warnten zahlreiche Wikipedianer:innen vor einem möglichen Image-Schaden für die Community. Wer Krypto-Coins annehme, unterstütze damit indirekt deren teils problematische Aspekte. Dazu zählen neben der Nachhaltigkeitsfrage auch Vorwürfe, Kryptowährungen seien ein Werkzeug für Geldwäsche und Betrügereien. Unterstützer:innen wenden hingegen ein, dass auch herkömmliche Geldsysteme Umweltprobleme hätten und dass Kryptowährungen ein sicherer Weg für Menschen in autoritären Regimen sei, finanziell aktiv zu sein und Geld zu spenden.

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Eine Ergänzung

  1. Ich lese Netzpolitik schon sehr lange und bin sehr für die kritische Betrachtung des Themas Blockchain und Kryptowährungen. Aber dieses merkwürdige Framing des Themas, das durch gezieltes Auslassen von Informationen bei Netzpolitik entsteht, macht mir allmählich Sorgen.

    Das zeigt sich hier sehr prägnant. Denn an der Umfrage haben lediglich 400 Nutzer teilgenommen! 400 von Tausenden von aktiven Wikipedia-Autoren. Das als „Die Wikipedia-Community“ zu bezeichnen ist einfach absurd.

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