InhaltemoderationUnbezahlte Arbeit auf Reddit ist Millionen wert

Ohne ehrenamtliche Moderator*innen liefe auf Reddit nichts. Forscher*innen haben jetzt sich angeguckt, wie viel Zeit die Freiwilligen dafür aufwenden – und wie viel ihre Arbeit Reddit kosten würde, wenn sie bezahlt wäre.

Ein Mann liegt mit Laptop auf dem Sofa
Tausende Menschen moderieren in ihrer Freizeit Inhalte auf Reddit Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com Annie Spratt

Internet-Communitys leben von ehrenamtlicher Arbeit. Ein gutes Beispiel dafür ist Reddit, eine der beliebtesten Websites der Welt. In den „Subreddit“ genannten Unterforen tauschen sich Nutzer*innen über alle möglichen Themen aus, etwa über Nachrichten, Memes oder ihre Hobbys.

Die Subreddits moderieren Freiwillige, die selber auf der Plattform aktiv sind. Sie löschen zum Beispiel Spam oder Hate Speech, legen weitergehende Regeln für die Subreddits fest und setzen sie durch. Für die Moderator*innen ist es ein Hobby, doch die Plattform profitiert von ihrer Arbeit. Forscher*innen der Northwestern University in den USA haben untersucht, wie viel Zeit die Moderator*innen in die Plattform stecken und wie viel Geld Reddit durch die unbezahlte Arbeit spart.

466 Stunden Arbeit pro Tag

Für die Studie, die Ende Mai veröffentlicht wurde, werteten die Wissenschaftler*innen die Aktivitäten der Moderator*innen von 126 Subreddits aus und schätzten dann, wie viel Freiwillige auf der gesamten Plattform etwa arbeiteten. Das Ergebnis: Insgesamt waren es im Jahr 2020 jeden Tag etwa 466 Stunden, konservativ geschätzt.

Würde Reddit Content-Moderator*innen in den Philippinen anstellen, wie zum Beispiel Facebook es tut, würde das das Unternehmen jährlich etwa eine Million US-Dollar kosten. Das schätzen die Forschenden anhand des Medians für den entsprechenden Arbeitslohn. Für Arbeiter*innen in den USA wären es sogar etwa 3,4 Millionen Dollar. Das entspräche etwa 2,8 Prozent der jährlichen Einnahmen von Reddit.

Die digitale Hausfrau

Dieser Arbeit „ein Preisschild aufzukleben„, könnte Moderator*innen auf Reddit und anderen Websites helfen, wenn sie von ihren Plattformen mehr Unterstützung und bessere Werkzeuge für ihre Tätigkeit einfordern. Das sagt Hanlin Li, eine der Studien-Autor:innen.

Freiwillige sind unzufrieden

Tatsächlich beschweren sich Freiwillige immer wieder, die Plattformen würden sie nicht ausreichend unterstützen. 2015 entließ Reddit Victoria Taylor, die die ehrenamtlichen Moderator*innen betreute. Diese nahmen aus Protest gegen diese Entscheidung mehr als 100 Subreddits offline.

Auch andere Plattformen nutzen ehrenamtliche Moderator*innen. Beispielweise melden auf YouTube sogenannte Trusted Flagger Videos, die gegen die Richtlinien verstoßen. Von denen beklagten letztes Jahr einige, dass hilfreiche Tools für ihre Arbeit weggefallen wären. Außerdem gäbe es keine feste Ansprechperson mehr für sie.

Die in der Studie verwendete Methode könne in der Zukunft auch verwendet werden, um das Ausmaß freiwilliger Arbeit auf anderen Plattformen sichtbar zu machen, schreiben die Wissenschaftler*innen. Dazu gehören zum Beispiel Bewertungen auf Google Maps oder Antworten auf Q&A-Websites. Um Geld gehe es dabei nicht unbedingt, sagt Studienautor Stevie Chancellor laut Tagesschau.de. Das wäre vielen gar nicht Recht, so der Forscher. „Es ist kompliziert, denn die Freiheit und Unabhängigkeit von der Plattform ist ein eigener Wert.“ Vielleicht kann es den Aktiven aber gelingen, Verbesserungen für sich einzufordern.

4 Ergänzungen

    1. Das ist in Teilen durchaus einem Ehrenamt vergleichbar: es wird nicht-kommerzielle Arbeit geleistet und man bekommt dadurch nicht-kommerzielle Inhalte/Strukturen. Hier sind halt auch kommerzielle Strukturen und kommerzielle Interessen beteiligt, andererseits hat man durch die Untaetigkeit oeffentlicher Institutionen zZt keine Alternativen. Wie der Bericht schon schliesst: die Freiwilligen sollten sich organisieren und eine akzeptable Balance der Interessen erreichen.

      Sowas hatte man schon in den 90’er zB im Bereich FTP, USENet und IRC.

  1. Gute Idee. Ich vermute mal, dass dasverglichen zu Wikipedia ein Witz ist. Wäre spannend, wieviel € hoch dort die Umsonst Arbeit der „Autoren“ klassifiziert werdeb würde. Zumal der Mutterkonzern WIKIMEDIA längst die Datenbanken schamlos an Dritte lizensiert und einen Haufen Kohle damit scheffelt.

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