JournalistenverbändeApple-Pläne gefährden Pressefreiheit

Gegen die Pläne des Unternehmens, Dateien auf den Mobiltelefonen seiner Kund:innen zu durchsuchen, laufen jetzt auch Journalistenverbände Sturm. Sie sehen die Pressefreiheit in Gefahr und warnen vor dem Ausbau des Systems in autoritären Regimen.

Apfel durchgeschnitten
Apple steht seit der Ankündigung weltweit in der Kritik. (Symbolbild) Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com Nikolai Chernichenko

Journalist:innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben mit scharfen Worten die Pläne Apples kritisiert, in Zukunft auf Endgeräten die Speicher nach unerwünschten Bildern zu durchsuchen. Sie halten diese für einen Verstoß gegen die Pressefreiheit und fordern die EU-Kommission und die österreichischen und deutschen Bundesinnenminister sowie die Datenschutzbeauftragten auf, gegen diese Pläne vorzugehen.

Apple hatte die Maßnahme angekündigt, um gegen Darstellungen von Kindesmissbrauch vorzugehen. Der Kampf gegen diese Darstellungen soll allerdings direkt auf den Endgeräten der Nutzer:innen stattfinden. Dort will der Konzern auf den digitalen Speichern nach Bildern suchen und diese mit einer Datenbank abgleichen. Schlägt das System bei mehreren Bildern an, sendet es die inkriminierten Inhalte an Apple, dort schaut ein Mensch über die Ergebnisse und meldet den Fall gegebenenfalls an eine zuständige Stelle, welche dann die Polizei einschaltet. Die Ankündigung löste weltweit Empörung aus, weil Apple damit eine weltweite Infrastruktur für Überwachung und Zensur schafft.

Die Pläne seien „ein Hilfsmittel, mit dem ein Unternehmen auf andere Daten von Nutzern auf deren eigenen Geräten zugreifen will, wie etwa Kontakte und vertrauliche Dokumente“, sagt Hubert Krech, Sprecher der öffentlich-rechtlichen Redakteursvereinigung AGRA. Dies sei eine Gefahr für den Journalismus und ein eindeutiger Verstoß gegen die europäische Datenschutzgrundverordnung DSGVO, gegen die e-Privacy-Richtlinie und gegen Grundrechte. 

Investigative Recherchen könnten massiv erschwert werden

Frank Überall, Vorsitzender des deutschen Journalistenverbandes DJV, befürchtet, dass in Zukunft auch die Bilder und Videos von Regimegegnern überprüft werden könnten. Ähnlich argumentiert Dieter Bornemann, Sprecher des ORF-Redakteursrats: In einem nächsten Schritt könne „zum Beispiel die ungarische Orban-Regierung auf diese Weise Bilder der LGBT-Gemeinschaft kontrollieren lassen“. Auch in der Türkei sei eine umfassende Kontrolle denkbar oder in totalitären Staaten.

„Alle Journalisten haben vertrauliche Inhalte auf ihren Smartphones“, sagt die ehemalige USA-Korrespondentin Priscilla Imboden von der Schweizer Mediengewerkschaft SSM, „es kann nicht sein, dass hier ein amerikanisches Privatunternehmen über die Zulässigkeit von Inhalten urteilen und diese auch noch einsehen und weiterleiten will“. Auch investigative Recherchen wären damit massiv erschwert.

Ob der Protest allerdings ausgerechnet bei der EU-Kommission Erfolg hat, steht in den Sternen. Die Europäische Union hat jüngst entschieden, dass Messenger die Inhalte der Chats durchleuchten dürfen, um nach Missbrauchsdarstellungen zu suchen. Diese umstrittene Regelung könnte in Zukunft sogar verpflichtend werden.

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13 Ergänzungen

  1. Aktuell könnte man das noch durch die Aussortierung von Produkten mit Apfel drauf abwählen (es gibt ja noch Android, LineageOS, Linux-OSen wie Sailfish, ubuntu…).
    Wenn ich das richtig mitbekommen habe, haben Linus und Tim bei Logbuch Netzpolitik aber schon berichtet, dass eine EU-Richtlinie anrollt, die dies von allen Nachrichtenübermittlern fordert, sodass auch Threema, Signal, WhatsApp, Telegram und Co. dazu verpflichtet werden, die Nachrichten automatisiert zu untersuchen und bei Verdacht zu melden. Da bahnt sich genau das Gleiche als Pflichtprogramm an.

  2. Wehe denen, die aus Gutwirtschaftstum freiwillig für die Einmauerung der Märkte lobbyiert haben…

    1. Man darf gespannt sein was im gelobten Amerika passiert nach dem OS upgrade. Fassungslose Journalistinnen stehen bereit. Es wird auf jeden Fall „am schlimmsten“, „der größte Fall aller Zeiten“ und bestimmt müssen „die Strafen dringend erhöht“ werden. Und wieder funktioniert es nicht und nichts wird besser, weil man soziale Probleme mit Gewalt nicht lösen kann, und man zu feige ist andere Wege zu versuchen.

  3. Und Microsoft will ein „Belohnungssystem für Melden von Urheberrechtsverletzungen“ auf Basis von BLOCK-fucking-CHAIN, und jetzt kommt’s aus dem Kleingedruckten herausgeflossen: das auf unveränderlichen Wasserzeichen in Kopien eines Werkes basiert.

    Das ist unverhohlen die komplette Einmauerung von allem, ein Multistakeholdergriff nach dem ganzen Garten, denn funktionieren tun alle diese Konzepte nur, wenn man alles verbietet, was nicht mitmacht, nicht korrekt aussieht, nicht im heiligen Garten gepflanzt wurde. Das wird auch inhalteersteller einmauern, und wird auch nirgendswo halt machen, wenn es nicht aktiv gestoppt wird.

    Facebook, Amazon, Google, Microsoft, Apple, (Uber …)… jetzt zeigt sich, was für eine Resourcenverschwendung die letzten Jahrzehnte bedeutet haben.

    1. Das war doch nur eine Teilforschungsabteilung im Gebäude am Rand, wie wir es oft bei der CDU beobachten können. Ein sicherlich völlig harmloses Ausloten, wie die Resonanz ausfällt.

      Deswegen ist das Bespielen aller immer mit Werbung auch so wichtig. Als Baustein im Werkzeugkasten des Geschickten, braucht es nämlich Möglichkeiten, auch Reaktionen zu testen. Das hat sich seit dem Mittelalter nicht geändert. Unterschied: statt „Aufstand“ guckt man nun nach „Desinteresse“ und „Aufstand“ – man ist doppelt erfolgreich!

  4. Apple muss man sagen, ist auch ziemlich dämlich.
    1. hätten sie sich das ja denken können, das wenn sie jetzt so offensichtlich anfangen Daten zu scannen, das das nach hinten losgeht
    2. müssten sie es halt wie Google machen, mach die Presse von deinem Werbedienst und deiner DNI abhängig plus Software (Apps speziell für Journalisten, etc.) und schon ist Ruhe in der Berichterstattung…

    1. Marcel Weiß schrieb in seinem Blog die Führungsetagen von Apple würden ihre Produkte ausschließlich aus der Sicht von besorgten Oberklasseeltern sehen und könnten sich gar nicht vorstellen das jemand den „Schutz von Kindern“ anders beurteilen könnte.

      Und offensichtlich hat er recht. Das ist schlussendlich das selbe Spiel wie bei Zensursula: Der Zweck heiligt die Mittel.

  5. Man könnte ja meinen, der „Journalismus“ und sein Hang uns täglich mitzuteilen das alles heute noch viel schlimmer sei als gestern noch, gerade das ausgelöst hat was er jetzt so beweint.

  6. Ich würde generell erwarten, dass Menschen, die mit kritischen Daten umgehen, keine iPhones nutzen. Das sollte der gesunde Menschenverstand gebieten.

    Das sich jetzt Journalistïnnen beschweren, finde ich erschütternd.

  7. Darum nutze ich nur Handys die gerootet werden können, um vollen Zugriff auf dem Handy zu haben. Damit bestimme ich wer welche Daten nutzt und in das Internet geht. Ich habe zwar auch ein Apple Gerät, aber mit Jailbreak hat man auch die Kontrolle darüber. Wenn mann Apple dann noch im Router sperrt, dann kann man das Iphone fast wie ein Androiden benutzen. Die Cloud abschalten, führt dazu, das es auf Applegeräten komplizierter wird, Dateien auf das Handy zu übertragen. Applegeräte sind halt eigenartig mit Apple verschweist und man legt sich auf diese Eigenart fest. Die Schweinerei mit der Fotodurchsuchung habe ich schon bei iOS14.7 mitbekommen. Die Gesichtserkennung ist super, wenn man in der Gallerie unter Personen und Orte schaut. Wenn das Iphone dann noch die Fotos mit den gespeicherten Kontaktfotos abgleicht, weis es gleich, wer wer ist. Die Dauerkommunikation des Iphone ist auch ein Dorn im Auge. Wlan ausschalten geht nur für eine bestimmte Zeit. Dauerhaft geht nicht. Wer sich ein Iphone zulegt, hat zuviel Geld und keine Ahnung, oder will, so wie ich mal die andere Seite des Handyuniversums erkunden. Mein Faziet. Da Android konfortabler ist , nutze ich lieber Androidhandys. Warum wird die Kontrolle über ein Gerät nicht in die Hände der User gelegt? Das ist nicht gewollt. Eine Überwachungswanze für jeden, das war das Grundkonzept bei der Entwicklung des Handy. Werbung einspielen zum Geldverdienen, Daten abgreifen zum Geldverdienen, wer mit wem kommuniziert, das alles ist das Grundkonzept eines Handys. Rooten, die volle Kontrolle über ein Handy, ist eigentlich nicht vorgesehen und für die meisten Handys nicht vorhanden. Da das Betriebssystem kostenlos mit jedem Handy ausgeliefert wird, muss Android oder iOS seine Kosten über andere Sachen einspielen und das sind Daten. Es wird zwar von den Firmen verkauft, das root unsicher ist, aber nur dann kann man man Sicherheit über seine Daten garantieren. Oder man nimmt alternative Systeme ohne Google, dazu brauch man aber unterstützte Geräte. Fazit, der normale Bürger hat keine Ahnung über sein Handy. Ihm interessiert auch nicht wie es, sondern das es, funktioniert. Was im Hintergrund passiert interessiert ihn nicht.

  8. Der Code ist wohl seit ios 14.3 ausgeliefert und auf github gibts den ersten Neuralhash-Collision-Generator. Siehe reddit/hackernews. Ob alexa schon weinende Kinder erfasst und meldet? Wer könnte etwas dagegen haben ™ ?
    Riecht alles etwas nach Endgame gerade.

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