DokumentationWau Hollands Leben kommt ins Kino

Ende Juli ist Wau Holland 20 Jahre tot. Ein Regie-Duo hat umfangreiches Videomaterial über den Hacker zusammengetragen und zeigt sein Leben und die frühen Jahre des Chaos Computer Clubs in vorher nicht veröffentlichten Bildern.

Wau Holland
Wau Holland. – Alle Rechte vorbehalten Neue Visionen Filmverleih

Zum 20. Todestag von Wau Holland kommt am 29. Juli die biografische Dokumentation „Alles ist eins. Außer der 0.“ in die Kinos. Sie zeichnet das Leben von Wau Holland nach, dem Gründervater der Hackerkultur in Deutschland. Mit ein paar Mitstreitern gründete Holland 1981 den Chaos Computer Club, dem er bis zu seinem Tod im Jahr 2001 angehörte.

Der Film von Tanja Schwerdorf und Klaus Maeck zeigt nicht nur das Leben von Holland, sondern auch die frühen Jahre des CCC, in denen der Club mit spektakulären Hacks des BTX-Systems und der NASA weltweit in die Schlagzeilen geriet. Der Film ist eine Biografie über den „ersten digitalen Bürgerrechtler Deutschlands“, wie die Macher:innen ihn nennen, und ein Stück Geschichte dieses Landes.

Die privaten Archive geöffnet

Über seine persönlichen Kontakte zu CCC-Mitgliedern der frühen Stunde bekam Regisseur Maeck Zugang zu privaten Archiven, erzählt er im Interview mit Business Punk. Er vermutet, dass er das Material wohl sonst niemals bekommen hätte, „weil die nicht allen dahergelaufenen Journalist:innen freizügig ihre Archive öffnen“. Auch soll es von aktiven Mitgliedern des CCC anfänglich Skepsis gegenüber einem Film über den Club gegeben haben.

Eine der Hauptaufgaben sei es gewesen, ausreichend Videomaterial zu besorgen, erzählt Tanja Schwerdorf im selben Interview: „Glücklicherweise gab es einen Zeitzeugen, Steffen Wernéry, den ersten Pressesprecher des CCC, der sehr viel akribisch gesammelt und dokumentiert hatte, mit Datum versehen. Das war eine Schatzkiste für uns. Auch von anderen bekamen wir private Aufzeichnungen, die wir mit Videos aus den Archiven der Fernsehanstalten ergänzten. Es war jedes Mal wie Weihnachten, wenn wir wieder eine alte Kassette bekamen und uns fragten: Was mag da wohl drauf sein?“

In diesem Fenster soll ein YouTube-Video wiedergegeben werden. Hierbei fließen personenbezogene Daten von Dir an YouTube. Wir verhindern mit dem WordPress-Plugin „Embed Privacy“ einen Datenabfluss an YouTube solange, bis ein aktiver Klick auf diesen Hinweis erfolgt. Technisch gesehen wird das Video von YouTube erst nach dem Klick eingebunden. YouTube betrachtet Deinen Klick als Einwilligung, dass das Unternehmen auf dem von Dir verwendeten Endgerät Cookies setzt und andere Tracking-Technologien anwendet, die auch einer Analyse des Nutzungsverhaltens zu Marktforschungs- und Marketing-Zwecken dienen.

Zur Datenschutzerklärung von YouTube/Google

Zur Datenschutzerklärung von netzpolitik.org


Auf der Webseite des Films heißt es:

Wau Holland und der CCC stehen für eine Praxis des ungehinderten sozialen Austauschs mit den Mitteln der Maschine. Digitalisierung ist für sie nicht nur Heilsbringer, sondern eine Regierungstechnik, von der nichts weniger als der soziale Zusammenhalt der Gesellschaft abhängt. Vom Computer-Nerd zum Datenkünstler, vom Einsiedler zum Medienstar, vom subversiven Hacker zum Verfechter der Demokratie.

Der Film wird erzählt von Peter Glaser. Wegen Corona wurden die Filmstarts mehrfach verschoben, die Dokumentation hätte schon im vergangenen Jahr erscheinen sollen.

Termine

Previews und Premieren des Films in Anwesenheit der Regisseur:innen finden laut CCC.de statt in:

22.07 3001 Open Air, Hamburg
23.07 City 46, Bremen
24.07 Bambi, Düsseldorf
24.07 Kino in der Brotfabrik, Bonn
25.07 Lechflimmern, Augsburg
26.07 Thalia, Potsdam
26.07 Freiluftkino Hasenheide, Berlin
27.07 Filmnächte am Elbufer, Dresden
27.07 Cinema, Münster
28.07 Abaton, Hamburg
28.07 Zeise, Hamburg
28.07 Zeise Open Air, Hamburg
28.07 Open Air Scheibenholz, Leipzig
29.07 Union, Friedrichshagen
29.07 Freiluftkino Friedrichshain, Berlin
29.07. Filmcasino, Wien, Österreich
30.07 Kino in der Pumpe, Kiel
30.07 Kinobar Prager Frühling, Leipzig
31.07 Filmhaus, Nürnberg
01.08 Obenkino, Cottbus

Auf der Webseite des CCC gibt es auch eine Liste mit allen Kinos, die den Film ab dem 29. Juli zeigen.

Mehr Zeit für kritische Berichterstattung

Ihr kennt es: Zum Jahresende stehen wir traditionell vor einer sehr großen Finanzierungslücke und auch wenn die Planung und Umsetzung unseres Spendenendspurts viel Spaß macht, bindet es doch sehr viele Ressourcen; Ressourcen, die an anderer Stelle für unsere wichtige Arbeit fehlen. Um Euch also weniger mit Spendenaufrufen auf die Nerven zu gehen und mehr Recherchen und Hintergründe bieten zu können, brauchen wir Eure regelmäßige Unterstützung.

Jährlich eine Stunde netzpolitik.org finanzieren

Das Jahr hat 8.760 Stunden. Das sind 8.760 Stunden freier Zugang zu kritischer Berichterstattung und wichtigen Fragestellungen rund um Internet, Gesellschaft und Politik bei netzpolitik.org.

Werde Teil unserer Unterstützungs-Community und finanziere jährlich eine von 8.760 Stunden netzpolitik.org oder eben fünf Minuten im Monat.

Jetzt spenden


Jetzt spenden

2 Ergänzungen

  1. Um das Jahr 2000 warnte Wau Holland auf einer öffentlichen Veranstaltung des Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz (ULD) Schleswig-Holstein in Kiel vor der Aushöhlung des behördlichen Datenschutzes durch private Sicherheitsdienste. Bereits damals setzten zahlreiche Stadt-/ Gemeindeverwaltungen private Citystreifen im öffentlichen Raum ein und überließen Sicherheitsfirmen den Veranstaltungsschutz.
    Heute existiert die vertragliche Zusammenarbeit zwischen Sicherheitsbehörden, Stadt-/ Gemeindeverwaltungen und Sicherheitsfirmen auf zwei Ebenen: “police private partnership“ (Kooperationen zwischen der Polizei und Sicherheitsfirmen in Städten und ganzen Bundesländern) und “public private security“ (z. B. private Citystreifen im öffentlichen Auftrag).
    Obwohl klar ist, dass private Sicherheitsdienste – selbst im öffentlichen Auftrag – keine Rechte/ Befugnisse besitzen, welche über die sog. Jedermannsrechte der Bürgerinnen und Bürger hinausgehen, führen Mitarbeiter privater Sicherheitsdienste Identitätsfeststellungen durch und erteilen Platzverweise. Dieser “Befugniswildwuchs“ wird so gut wie nie von den zuständigen Kommunalaufsichten angemahnt.
    Nun fordert der Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW e. V.) in einem Sicherheitsdienstleistungsgesetz (SDLG) u. a. die Befugnis zur Identitätsfeststellung durch Firmenangestellte, welche in einer öffentlichen (kommunalen) Beauftragung/ “public private security“ stehen. Damit soll eine Praxis legalisiert werden, welche bisher illegal stattfindet und oftmals mit Nötigung durch Security-Mitarbeiter einher geht.
    De facto sollen mit dem angestrebten SDLG diese “öffentlichen Privaten“ Hilfspolizisten gleichgestellt werden. Diesbezüglich tut der BDSW so als würde das staatliche Gewaltmonopol und der Art. 33 Abs. 4 Grundgesetz in der Bundesrepublik Deutschland nicht existieren. Wen wundert’s: Es geht um viel Geld für die Mitgliedsunternehmen des BDSW “am Tropf der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler“, welche für ihre Überwachung und Kontrolle durch Firmenangestellte zusätzlich (zu Polizei & Ordnungsämtern) zur Kasse gebeten werden – gerade dabei ist der behördliche Datenschutz (innerhalb dieser public private partnerships) für die Privaten lästig und wird auch von den öffentlichen Auftraggebern als störend empfunden, wenn es z. B. um die Feststellung von Ordnungswidrigkeiten geht.

    Diese Entwicklung wurde vor sehr langer Zeit auch von Wau Holland vorausgesehen. Die aktuelle Diskussion hierzu hätte Wau mit Sicherheit gefallen.

    Wohin führt uns ein “Sicherheitsdienstleistungsgesetz” für das private Sicherheitsgewerbe?
    https://www.aktionbleiberecht.de/?p=18900

    KOMMENTAR: DER ZWECK HEILIGT EBEN NICHT DIE MITTEL
    https://www.cilip.de/2020/05/19/kommentar-der-zweck-heiligt-eben-nicht-die-mittel/

    Hessische Polizei & Datenschutz
    https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Weitere-Drohung-unter-NSU-2-0-Flagge/Hessische-Polizei-Datenschutz/posting-38967958/show/

Wir freuen uns auf Deine Anmerkungen, Fragen, Korrekturen und inhaltlichen Ergänzungen zum Artikel. Bitte keine reinen Meinungsbeiträge! Unsere Regeln zur Veröffentlichung von Ergänzungen findest Du unter netzpolitik.org/kommentare. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.