Online-WerbungKartellvorwürfe gegen Google und Facebook

In den USA startet ein weiteres Wettbewerbsverfahren gegen Google. Dem Konzern wird vorgeworfen, den Markt für Werbeanzeigen im Netz mit unfairen Taktiken zu dominieren. Dabei soll es auch eine geheime Absprache mit Konkurrent Facebook gegeben haben.

Handy mit Google-Suche
Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com Solen Feyissa

Google und Facebook sollen in einer geheimen Absprache im Jahr 2018 den Markt für Online-Werbung untereinander aufgeteilt haben. Das behaupten Ermittlungsbehörden in zehn US-Staaten, die nun ein gemeinsames Kartellverfahren gegen Google anstrengen. Auch das US-Justizministerium beschäftigt sich mit dem Thema. Über die Klage berichteten US-Medien wie die New York Times und Politico.

Im Mittelpunkt des Verfahrens stehen elektronische Handelsplätze für Online-Werbung. Google verkauft als Mittelsperson über seine Werbeserver in Echtzeit freie Werbeflächen auf Milliarden von Webseiten. Zugleich bietet Google über sein Werbenetzwerk auch Werbung in der Google-Suche und Anzeigen auf Youtube an.

Diese Doppelrolle kritisieren Beobachter wie die Wettbewerbsrechtlerin Dina Srivinasan als Interessenkonflikt, der zu Marktverzerrungen führe. Der Aufstieg zur Marktdominanz gelang Google ab 2007, als der Konzern den Werbeanbieter DoubleClick schluckte und seither ständig an Marktanteilen gewann.

„Märkte untereinander aufgeteilt“

Seine Position am Werbemarkt soll Google durch die Absprache mit Facebook noch gestärkt haben. In der 2018 getroffenen Übereinkunft hätten die Konzerne „Preise festgesetzt und Märkte untereinander aufgeteilt“. Im Vorjahr soll der US-Marktanteil bei Online-Werbung von Google 31 Prozent und der von Facebook 23 Prozent betragen haben.

Die Absprache sei erfolgt, nachdem Facebook eine Praktik namens „Header Bidding“ eingeführt habe, die Werbeflächenanbietern das Einholen von Konkurrenzangeboten erleichtert hätte. Wenige Monate später habe Facebook zugestimmt, die Verwendung von „Header Bidding“ einzuschränken. Im Gegenzug gewährte Google Facebook Vorzüge bei Echtzeit-Versteigerungen von Werbeflächen auf seinen Servern.

Das neue Verfahren ist nur eines von mehreren neuen Wettbewerbsverfahren gegen die großen Technologiekonzerne in den USA. Erst vor wenigen Tagen haben die Justizbehörden von 48 US-Staaten und die US-Bundeshandelskommission wegen dessen angeblichen Missbrauchs seiner Marktmacht die Zerschlagung von Facebook gefordert. Auch gegen Google laufen verschiedene Untersuchungen wegen der fragwürdigen Markttaktiken des Konzern, unter anderem eine Klage des Bundesjustizministeriums.

In Brüssel hat die EU-Kommission unterdessen eine Gesetzespaket angekündigt, das neue Instrumente gegen unfaire Marktpraktiken schaffen und dem Online-Werbemarkt mehr Transparenz verordnen soll.

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