Demokratie

Wikipedia für alle: Petition fordert geschlechtergerechte Sprache

Die Diskussion um die Dominanz von Männern und die Unsichtbarkeit von Frauen auf Wikipedia geht in eine nächste Runde: Eine Gruppe um die Autorin Theresa Hannig fordert jetzt, geschlechtergerechte Sprache als neuen Standard für alle Artikel einzuführen – und dürfte damit die Strukturen der Online-Enzyklopädie aufwirbeln.

„Die Rede ist Sache der Männer“ soll Telemachos zu seiner Mutter Penelope in Homers „Odysee“gesagt haben. Laut der Historikerin Mary Beard ist die Praxis, Frauen zum Schweigen zu bringen, sehr alt. Gemeinfrei Internet Archive Book Images

Seit einigen Tagen läuft sie wieder auf Hochtouren: die Diskussion um die Sichtbarkeit von Frauen und die Dominanz von Männern auf Wikipedia. Der Vorwurf: Für Neulinge sei es besonders schwer, neue Artikel anzulegen, wenn sie nicht dem veralteten Sprach- und Geschlechterverständnis der Wikipedia entsprächen. Das will die Autorin Theresa Hannig ändern. Mit der Petition #wikifueralle möchte sie auf die Männerdominanz in den Strukturen der Online-Enzyklopädie aufmerksam machen und Veränderungen anstoßen.

„Viele Leute glauben, es gäbe gar kein Problem!“, so beschreibt es Theresa Hannig gegenüber netzpolitik.org. Wir seien es gewöhnt, in unserer Alltagssprache nur Männer zu erwähnen. Anfang März hatte die Softwareentwicklerin, die selbst Science Fiction schreibt, eine „Liste deutschsprachiger Science-Fiction-Autorinnen“ erstellt und damit eine Diskussion ausgelöst, deren Verlauf sie hier dokumentiert.

Sprache schafft Wirklichkeit

Denn prompt wurde von anderen Wikipedianern gefordert, die Liste zu löschen. Begründung: Es gäbe bereits eine Seite, die Autoren und Autorinnen gemeinsam auflistet. Eine Liste eigens für Autorinnen bringe somit keinen Mehrwert und sei irrelevant. So argumentierten Editoren und löschten den Beitrag.

Das Beispiel steht symptomatisch für ein größeres gesellschaftliches Problem. Frauen und geschlechterdiverse Menschen sind auch im 21. Jahrhundert noch nicht gleichberechtigt und werden auch in unserer Sprache ausgegrenzt. Denn mit der ausschließlichen Benutzung der männlichen Form werden Frauen unsichtbar gemacht: „Sie werden als weniger wichtig wahrgenommen und in der Folge auch so behandelt“, kritisiert Theresa Hannig. Damit würde man einem Trugschluss unterliegen, nachdem „keine Sichtbarkeit“ mit „keiner Relevanz“ gleichbedeutend sei. Als Beispiel nennt Hannig die spektakuläre Rettung einer thailändischen Fußballmannschaft aus einer Höhle im vergangen Jahr: „Haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, wie viele Rettungstaucherinnen dabei waren?“

Männliche Dominanz bei Wikipedia

Das Problem, dass Frauen in vielen Zusammenhängen nicht explizit genannt werden und damit an Sichtbarkeit einbüßen, gilt besonders für die Wikipedia, die täglich von sehr vielen Menschen genutzt wird. Deswegen fordert die Petition von Theresa Hannig unter dem Hashtag #wikifueralle, dass sich die deutschsprachige Wikipedia mehr öffnet – vor allem für eine moderne, geschlechtergerechte Sprache.

Das Problem, sagt Hanning: Artikel auf Wikipedia werden standardmäßig im generischen Maskulinum, der männlichen Personalform, verfasst. Frauen oder Menschen, die sich nicht in der Zweiteilung der Geschlechter wiederfinden könnten, seien zwar gemäß der Logik der deutschen Grammatik automatisch mitgemeint, werden aber nicht explizit genannt. Hinzu kommt, dass bei Wikipedia mit „massivem Widerstand von Administratoren“ zu rechnen sei, wenn versucht werde, Frauen sprachlich mehr Raum zu geben. So fasst die Petition #wikifueralle das Problem um die geschlechtergerechtes Wikipedia zusammen.

„Die Community arbeitet sehr engagiert und professionell“, das betont auch Hannig, die selbst als ehrenamtliche Editorin bei Wikipedia aktiv ist. Das Problem sei allerdings, dass ein Großteil der Editor:innen Männer seien. Sie würden damit für einen männlichen Blick auf die Welt sorgen: „So kommt es immer wieder vor, dass Artikel von und über Frauen seltener verfasst werden, dann ellenlangen Relevanzdiskussionen ausgesetzt sind und am Ende womöglich noch gelöscht werden, weil die männlichen Admins schlicht in der Überzahl sind.“

So führe die Verwendung des generischen Maskulinums dazu, dass „Frauen und nicht binäre Menschen in der Wahrnehmung der Leser:innen kaum oder gar nicht vorkommen und von Suchmaschinen nicht gefunden werden.“ Das sieht auch die Petition so und zitiert eine Studie, die den Einfluss von geschlechtergerechter Sprache auf die kindliche Wahrnehmung von Berufen untersucht hat. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass etwa stereotyp männliche Berufe von Kindern eher angestrebt würden, wenn sie in geschlechtergerechter Sprache dargestellt werden.

„männlich, weiblich, divers“

All das wollen die Initiator:innen der Petition nicht länger hinnehmen, der sich neben Theresa Hannig zahlreiche Autor:innen und Wissenschaftler:innen, wie etwa der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch angeschlossen haben. Wikipedia dürfe nicht nur die Meinung einer kleinen Gruppe widerspiegeln, sondern die Realität möglichst so beschreiben, wie sie ist: „männlich, weiblich, divers“. Dafür fordert die Petition an erster Stelle „eine Abschaffung der Pflicht zum generischen Maskulinum in den Wikipedia-Artikeln“. Zukünftig soll also auch von Autorinnen oder Politikerinnen gesprochen werden können, wenn es explizit um Frauen geht. Um Frauen und diverse Menschen sichtbarer zu machen, sollen zukünftig Listen auf Wikipedia „nach Geschlecht suchbar, auffindbar und sortierbar“ sein. Auch das fordert die Petition und möchte sich damit nicht nur für die Sichtbarkeit von Frauen stark machen, sondern auch verhindern, dass wieder Listen gelöscht werden, wie es bei den Science-Fiction-Autorinnen der Fall war.

Die Petition geht in ihren Forderungen aber noch weiter, an die Strukturen der Wikipedia selbst. Damit zukünftig nicht mehr einfach Artikel gelöscht werden, die auf eine geschlechtergerechte Sprache achten, sollen die internen Entscheidungsprozesse demokratisiert werden. Nach einer Diskussion sollen „mehrere fachkundige Admins“ über eine Artikel-Löschung abstimmen. Das soll verhindern, dass einzelne Editor:innen einfach über die Löschung eines Artikels entscheiden, wie es im geschilderten Fall geschehen ist.

Ungerechtigkeit ist in der Gesellschaft verwurzelt

Nach wie vor sind Frauen in der Wikipedia stark unterrepräsentiert. Rund 90 Prozent der Personen, die auf Wikipedia Einträge erstellen, bearbeiten und ergänzen, sind männlich, zu diesem Schluss kommt eine Studie, die Wikipedia selbst im Jahr 2011 durchgeführt hat. Zudem sind diese wenigen Editorinnen häufig einem harschen Umgangston ausgesetzt und werden aktiv von Männern verdrängt, das berichten Frauen, die selbst aktiv in der Community sind.

Die Diskussion bei Wikipedia zeigt damit erneut, wie tief die Ungleichgewicht der Geschlechter noch in der Gesellschaft verwurzelt ist, auch im Netz. Da die Welt nicht nur aus Männern besteht, kann es eigentlich nicht sein, dass sie nur durch deren Augen wiedergegeben und reproduziert wird.

Denn wo es im Besonderen um die Sichtbarkeit von Frau und diversen Menschen geht, geht es im Großen um die Sichtbarkeit aller Menschen. Im Kern geht es um die Verwirklichung fundamentaler Gerechtigkeitsprinzipien wie der Gleichberechtigung zwischen Mann, Frau und Menschen, die sich weder dem einen noch dem anderen Geschlecht explizit zugehörig fühlen. Es geht darum, die Welt und unsere Gesellschaft gleicher und damit gerechter zu machen, darum, dass alle Menschen die gleichen Rechte haben und den gleichen Raum bekommen sollen, um sich zu artikulieren und wahrgenommen zu werden. Die Debatten um Wikipedia zeigen, wie langsam und mühsam diese Fortschritte erkämpft werden müssen. Aufzuhalten sind sie vermutlich nicht mehr. Ein Meinungsbild unter Wikipedia-Editor:innen soll jetzt klären, ob Frauen und nicht-binäre Menschen bald explizit genannt werden dürfen.

18 Ergänzungen
  1. Zu den thailändischen Tauchern:
    Ja. Ich machte mir einmal wirklich Gedanken und suchte gezielt nach Fotos und Hinweisen, dass Taucherinnen beteiligt waren. Ich fand keinen einzigen Hinweis. Ein paar Zeitungen schrieben Taucher und Taucherinnen, belegten das aber nicht. Auf den Fotos der Retter waren nur Männer abgebildet.
    Frauen wurden zwar erwähnt, aber in einer unterstützenden weise.
    Nicht einmal der Standard.at, welcher sehr pro-feministisch ist, erwähnte Taucherinnen.

    Ich frage jetzt direkt: Gibt es belastbare Quellen, dass auch Frauen mitgetaucht sind?

  2. Als Ergänzung der Link zu einem Artikel von gestern auf faz.net, nachdem „80% […] die Gendersprache privat überhaupt nicht“ nutzen und nur 27,1% der befragten Männer und 27,9% der befragten Frauen gendergerechte Sprache für „sehr wichtig“ oder „eher wichtig“ halten.

    https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/mehrheit-der-deutschen-lehnt-gendergerechte-sprache-ab-16119532.html

    Übrigens finde ich, dass 2011 ziemlich lange her (8 Jahre!) ist, um den Zahlen von damals eine Relevanz für heute beizumessen.

  3. Hier eine Tortengrafik von Wikimediamitarbeiter Edward Galvez zum Geschlechterverhältnis innerhalb der aller Wikimedia Projekte:
    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:LE15_Gender_overall_in_2018.png
    Woher er die Daten hat konnte ich auf die schnelle nicht ausmachen, vielleicht möchte das jemand mal herausfinden?

    Ich finde es sollte einfach ein neues Wort im deutschen eingeführt werden, welches jedes beliebige Geschlecht ansprechen kann, also ein Universalwort für die Geschlechtsbezeichnung eines Menschen, denn diese ganzen Doppelpunkte, Unterstriche, Binnen-I machen einen kirre beim lesen, es unterbricht einfach den Lesefluss… =-(
    Vor einiger Zeit war ich mal bei einem Treffen, wo einige immer alles als „innen“ bezeichnet haben, ich hätte fast laut losgelacht, denn das klang so bescheuert (z.B. Menschinnen X-D).

    Ich schreibe immer entweder das Femininum oder das Maskulinum, je nach Lust, oder meiner politischen Absicht; so sage ich zum Beispiel meist Feministen um hervorzubringen, dass Feminismus nicht nur von Frauen vertreten wird, umgekehrt meist Krankenpfleger, Bauarbeiterin, Ingineurin oder Kindergärtner, damit klatscht man auch direkt jedem des lesens fähigen Sexisten eine um die Ohren. ;-D

    Noch eine Anmerkung zum Artikel:
    er ist so geschrieben, dass hängenbleibt alle Männer würden das in der Wikipedia so machen.
    In der deutschen Wikipedia sind es die meisten, das weiß ich aus Erfahrung (das war einer der Gründe für mich dort mit dem schreiben aufzuhören…), aber nicht alle, ich fände schön wenn das Erwähnung fände.
    =->

  4. Bezüglich den Rettungstauchern habe ich etwas recherchiert, leider aber nur folgenden Artikel gefunden: https://www.blick.ch/news/ausland/sauerstoff-knapp-infektionsgefahr-steigt-eingeschlossene-schreiben-brief-angst-um-fussball-jungs-in-thai-hoehle-id8588399.html
    Zitat: „Ein Team von 18 Tauchern macht sich auf den Weg, um die Eingeschlossenen zu evakuieren. Es besteht aus 13 internationalen Tauchern und fünf thailändischen Marinetauchern.“ Zitatende
    Nach Durchsicht von einigen Bildern konnte ich nur männliche Taucher entdecken.
    Ich wäre um Hinweise, das ich etwas übersehen habe dankbar.

  5. Sollte man solche Listen nicht lieber technisch lösen? Auf https://query.wikidata.org erhalte ich mit der Abfrage

    SELECT distinct ?writer
    WHERE
    {
    # Geschlecht: weiblich
    ?writer wdt:P21 wd:Q6581072 .
    # Beruf: Science-Fiction Autor
    ?writer wdt:P106 wd:Q18844224 .
    # Sprache: Deutsch
    ?writer wdt:P1412 wd:Q188 .
    }

    eine Liste von 56 weiblichen, deutschsprachigen Science-Fiction Autoren.

    Das Problem ist doch, dass das händische Erstellen von Listen nicht gut skaliert. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es keine Liste von deutschen Büchern, die von vegan lebenden Übersetzern übersetzt wurden, gibt. Das liegt aber nicht daran, dass vegan lebende Übersetzer von irgendjemanden diskriminiert werden. Sobald aber die notwendigen Daten für den Computer verständlich erfasst werden, kann man auch solche Listen auf Knopfdruck erzeugen. Ich denke daher, dass man mit technischem Fortschritt in solchen Fragen am meisten erreichen kann. Allerdings ist es dann so, dass derjenige, der die Technik am besten beherscht, am sichtbarsten ist.

  6. Ich bin in der deutschsprachigen Wikipedia, bei Commons und bei Wikidata aktiv und solche Probleme habe ich bisher nur in der dewiki gesehen. Auf Commons steht es den Hochladenden frei, wie die Bildbeschreibung oder der Dateiname ist und Veränderungen sind weder in die eine noch in die andere Richtung erwünscht. Auf Wikidata gibt es lange Diskussionen, wie Sex und Gender am besten dargestellt werden können, das ganze aber Sachlich und offen, wo in der dewiki sofort Trolle(Hier passt wohl die rein männliche Form) ankommen und die Diskussion stören würden.
    Ich glaube das Problem liegt darin, dass die Gruppe der Autor*innen in der dewiki sehr homogen, aus einem ähnlichen Kulturkreis und ähnlichen gesellschaftlichen Schichten kommt. Bei den internationalen Projekten hingegen arbeiten Menschen mit verschiedenen kulturellen und gesellschaftlichen Hintergründen zusammen, diese Diversität scheint die Akzeptanz anderer Lebensweisen und Meinungen zu fördern, vielleicht ist es aber auch andersherum, nur wer offen für andere Kulturen ist spricht Englisch und kann an solchen Projekten mitwirken.
    Das ganze einmal wissenschaftlich zu untersuchen wäre sicher interessant.

  7. Die Verwendung von Genderdeutsch in der Wikipedia würde diese eben gerade nicht „für alle“ öffnen, sondern zusätzliche Hürden aufbauen. Für z.B. Migranten und Personen aus dem Arbeitermilieu ist es schon so schwer genug mit den Tücken der deutschen Sprache. Zusätzliche Ansprüche wirken daher exkludierend, nicht integrierend.

    Möchte man eine Wikipedia „für alle“, muss das dubiose Wirken anonymer Admins unterbunden werden. Dann könnte auch der oder die Normalsterbliche vielleicht mal einen Artikel schreiben oder editieren.

    Und ich habe mir Gedanken zu den Rettungstauchern gemacht. Es waren nur Männer! Genau wie die hunderten von toten Feuerwehrmännern bei 9/11 ALLE männlich waren. Auch beim heftigen Wintereinbruch in Bayern waren die „Soldatinnen und Soldaten“, die wirklich im Einsatz waren, alle männlich. Die Männer räumten und die Frauen berichteten darüber.
    Und Herr Maas gedachte neulich in Afghanistan den gefallenen Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr. Gefallen sind aber nur Männer, denn die einzige tote Frau bei den Auslandseinsätzen starb durch Suizid.

    Soll ich weitermachen oder genügt das fürs Erste?

    1. Lieber „Rano64“,

      wenn man ein paar überlegenswerte Argumente hat, die man mit anderen Lesern teilen möchte, dann würde ich dringend davon abraten, sie mit hanebüchenem Unsinn zu vermischen. Das betrifft die toten 9/11-Feuerwehrleute, die angeblich alle männlich waren.

      Im FDNY, von denen der Großteil der Feuerwehrleute die Ersthelfer bei 9/11 waren, sind seit weit mehr als zwei Jahrzehnten Frauen beschäftigt, selbstverständlich auch als Ersthelfer, aber auch als Ärztinnen usw. Ich musste grade fast lachen, weil ich bei sehr kurzer Suchmaschinennutzung schon eine Studie von 1988 (!) fand, die sich mit der Frauenintegration bei der Feuerwehr in NY wissenschaftlich befasst (Center for Social Policy and Practice in the Workplace, “Gender Integration in the New York Fire Department: A Review and Recommendations,” Columbia University School of Social Work, 1988).

      In anliegenden NY-Bezirken gibt es Frauen als Feuerwehrleute teilweise noch sehr viel länger, in den Vereinigten Staaten geht das sogar schon ins 18. Jahrhundert zurück, wenn man die freiwilligen Feuerwehren mitzählt. Die organisieren sich seit langer Zeit ihre eigenen Vereine und Seminare und was nicht alles. In NYC allein sollen es etwa 12.000 Feuerwehrleute sein (genauer habe ich es grade nicht gefunden), von denen in den einzelnen Departments Prozentanteile von ein bis zehn Prozent weiblich sind. Wir reden also von hunderten, vermutlich eher tausenden Frauen, die 9/11 auch ihr Leben als Helfer riskiert haben. Und gestorben (da schwanken die Zahlen zwischen 330 und 2.000, wenn man auch später tödlich Erkrankte hinzurechnet) sollen nur Männer sein?

      Bitte nicht weitermachen, es genügt fürs Erste.

  8. @Constanze

    Tausende Frauen die ihr Leben riskiert haben haben?
    25
    Es waren 25 von 11000 Feuerwehrleuten laut HuffPo: https://www.huffpost.com/entry/brenda-berkman-women-9-11_n_951726

    Bitte vorsichtig sein anderen Leuten die Verbreitung von „hanebüchenem Unsinn“ zu unterstellen, wenn man selbst auf dünner Faktenlage argumentiert.

    https://en.wikipedia.org/wiki/Emergency_workers_killed_in_the_September_11_attacks

    Ich habe die Liste nur flüchtig überschaut und konnte keine Frauennamen bei den Feuerwehrmännern finden.

    Das einzige weibliche Opfer in dieser Liste ist bei den Polizisten zu finden. Diese Frau wurde dann auch gleich zur „Woman of the Year“ von Glamour gekürt.

    Soviel zum Thema „Geschlechtergerechtigkeit“.

    1. Zunächst mal ist diese Zahl von elf- oder zwölftausend ja auf die Feuerwehrleute aus NYC bezogen, dass damals in kurzer Zeit alles an weiteren Feuerwehren zusammengezogen wurde, was sich noch in Reichweite befand, dürfte klar sein. In dem WP-Artikel steht außerdem (was ich nicht wusste), dass das FDNY auch zusätzlich 3.300 Feuerwehr-Ärzte und -Krankenhelfer angestellt hat. Da dürfte die Frauenquote etwas höher sein. Ich schrieb, dass es vermutlich hunderte, vielleicht sogar tausende Frauen gewesen sein könnten, die ihr Leben riskiert haben, was ich nach wie vor nicht so dolle unwahrscheinlich finde, wenn man davon ausgeht, dass die ein bis zehn Prozent Frauen bei Feuerwehrleuten stimmen (diese Zahl ist von FEMA).

      Aber natürlich bin ich tatsächlich kein Spezialist für US-Feuerwehren, sondern fand einfach die Aussage, dass alles tote Männer gewesen sein sollten, in hohem Maße unsinnig. Eine sehr kurze Netzsuche bestätigte das.

      Ich find übrigens in der Wikipedia-Liste des FDNY einen Namen, der mir weiblich erscheint (Dana R Hannon, 29). Die listet aber nur sofort Getötete auf, daran hatte ich beim Lesen des Ursprungskommentars gar nicht gedacht, weil ja in den letzten Jahren die später gestorbenen Helfer stärker in den Medien auftauchten.

      Insgesamt würde ich schon annehmen, dass sich Männer mehr Gefahren (auch Lebensgefahr) in diesem Job aussetzen müssen, schon weil Frauen vermutlich nicht zu jeder Zeit alle Tätigkeiten machen können.

  9. Ich könnte mir vorstellen, dass „Rano64“ auf der Seite http://nyfd.com/9_11_wtc.html die Bilder der 343 unmittelbar an 9/11 getöteten Feuerwehrleute gesehen hat und auf diesen Bildern beim schnellen Durchschauen keine Frau entdeckt hat. Als „hanebüchenem Unsinn“ würde ich seine Aussage daher nicht bezeichnen. Der Satz “In view of the fact that nothing of importance hinges on the truth or falsity of this statement, not much time need be consumed to ascertain whether this is truth or fiction.” aus der Zeitung “Kansas City Sun”
    vom 6. Mai 1921 scheint aber auch hier passend zu sein.

    1. Ich habe selber damals auch wesentlich mehr Männer als Frauen auf den Bildern und im Fernsehen gesehen, gar keine Frage. Generell finde ich sichtbare Frauen unter Feuerwehrleuten die Ausnahme, einfach aus der Berichterstattung über Katastrophen usw. Aber ich muss bei dem hanebüchenen Unsinn leider dennoch bleiben, denn wenn jemand sich (in ALL CAPS) hinstellt und behauptet, dass alle Toten damals Männer gewesen wären, erscheint das so dermaßen unwahrscheinlich bei nur kurzem Nachdenken, dass es auch die anderen Aussagen herabwürdigt.

  10. Seit einigen Tagen unterstütze ich die Common-Voice Initiative von Mozilla.

    https://voice.mozilla.org/de

    Beim Lesen dieses Artikels fiel mir spontan auf das ich bei Bestätigung der Sprachproben bislang nur männliche Stimmen gehört habe. Meine Einzelbeobachtung hat noch keine statistische Relevanz, gibt aber zu Denken.

    Bevor es zu spät ist.

    Liebe Frauen, macht mit! Fordert andere Frauen aktiv auf! Autorinnen/Autoren schreibt aktiv Artikel, nicht nur was Ihr Grundsätzlich ändern wollt, sondern wo hier und jetzt auf einfachste Weise jede Frau/Mann beitragen kann.

    Spätestens jetzt, denke ich, sollte keine Frau die dies gelesen hat und sich nicht regelmäßig aktiv beteiligt, bemängeln das evtl. die Resultate des Projektes ungeeignet wären, wenn am Ende im Verhältnis zuviel männliche Stimmproben das Ergebnis verzerren.

  11. PS: derzeit wird ohnehin mit Hochtouren an einer Sichtbarmachung geschlechtlicher Unterschiede gearbeitet, und zwar auf technischer Seite, nutzbar für alle Wikipedien. Daß das trotz Forderung seit 12 Jahren lange ignoriert wurde ist kein Versäumnis der deutschsprachigen Wikipedia, sondern der Wikimedia Founfation in den USA, die zwar immer so tun, als würden sie eine „diversere“ Autorenschaft wollen, hier aber lange keine Notwendigkeit sah, es betraf ja nicht so sehr die englische Sprache. Daß das jetzt passiert ist den Autoren – und damit auch vielen Männern (!) geschuldet, die das als einen ihrer wichtigsten Communitywünsche (eingeführt im Übrigen von Wikimedia Deutschland!) in Auftrag gegeben haben. Auch ich, aber ich fordere das auch schon seit Jahren. Daß man bis dahin noch ein wenig Geduld hätte haben können scheint wirklich zuviel. Lieber zerkloppt man von Außen die Wikipedia, als sich wirklich zu kümmern.

    1. Äh, und was willst Du sagen? Letztes Jahr gab es in diesem NY-Department 300 neue Feuerwehrleute, die eine Ausbildung abgeschlossen haben, davon waren offenbar 87 Frauen. Finde ich ganz schön viele. Was hat das damit zu tun, dass ich geschrieben hatte, dass vermutlich auch hunderte oder gar tausende Frauen bei 9/11 ihr Leben riskiert hätten? Mag schon sein, dass das deutlich zu hoch gegriffen war (bei den tausenden), aber war andererseits auch nicht beschränkt auf (professionelle) FDNY-Feuerwehrleute.
      (Finde ich dennoch ne interessante Information, dass es letztes Jahr soviele Frauen waren.)

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