Was vom Tage übrig blieb: Üble Cookies, lausige Algorithmen und doofes Dateneigentum

Ein Bericht zeigt Werbe-Tracking durch Regierungs-Webseiten in Europa. Facebooks Algorithmenänderung hilft Fox News. Zuckerbergs Mentor rechnet mit dem Konzern ab. Donald Trump hasst selbstfahrende Autos. Die besten Reste des Tages.

Der Wetterbericht versprach Regen- und Graupelschauer. Darauf warteten wir heute vergeblich. Die Raben auf dem Kran sind übrigens nicht mehr da.

EU citizens being tracked on sensitive government sites (Financial Times)
Selbst auf Regierungsseiten ist man vor Tracking durch die Werbeindustrie nicht sicher. Laut einem Bericht der dänischen Firma Cookiebot mit European Digital Rights (EDRi) verwenden 89 Prozent aller Regierungsseiten der EU-Mitgliedsstaaten Cookies und andere Werbe-Tracker. Regierungen helfen damit der Werbeindustrie, sensible Daten über ihre Bürger:innen zu sammeln. Europaweit die Behördenseite mit den meisten Tracking-Cookies ist laut dem Bericht eine Webseite der Hamburger Stadtregierung zu Elternzeit und Mutterschutz.

One year in, Facebook’s big algorithm change has spurred an angry, Fox News-dominated — and very engaged! — News Feed (NiemanLab)
Ein Jahr nach Facbooks Algorithmen-Änderung zeigt ein Bericht von NiemanLab, dass die Anpassung dazu geführt hat, dass sich spaltende und emotionsschürende Inhalte noch rascher verbreiten. Schlüssel dazu sei eine Änderung, die vor allem „Engagement“ belohnt, also Likes, Shares und Kommentare. Großer Profiteur der Änderungen ist der konservative Sender Fox News, dessen Inhalte auf Facebook mehr „Engagement“ als alle anderen englischsprachigen Nachrichtenseiten verbuchen. Allerdings können hier auch andere Faktoren mit eine Rolle spielen, wie z.B. dass mehr ältere Menschen auf Facebook aktiv sind.

MacNamee: Abrechnung mit Facebook (WDR)
Der frühere Mentor von Mark Zuckerberg, Roger MacNamee, geht heute mit der Firma scharf ins Gericht. Bei der SXSW-Konferenz in Texas kritisiert er nicht weniger als das werbe- und trackingbasierte Geschäftsmodell des Konzerns. Der WDR bietet den Talk zum Nachhören.

Datenschutz ist wichtiger als Eigenstumsrechte an Daten (FAZ)
In dem Artikel macht sich Rainer Hank für die FAZ Gedanken zum Konzept des Eigentums in der digitalen Welt. Er zeigt Vor- und Nachteile entsprechender Eigentumsrechte auf und plädiert für einen verbesserten Datenschutz anstatt der umstrittenen Idee eines Dateneigentums.

Scoop: Trump hates „crazy“ driverless cars (Axios)
US-Präsident Donald Trump ist offenbar kein Fan von selbstfahrenden Autos. Laut einem Bericht des US-Insiderblogs Axios hält Trump autonome Fahrzeuge für gefährlich, sie würden niemals richtig funktionieren. Laut Umfragen teilen viele Amerikaner:innen die Skepsis gegenüber der Technologie.

Die Legende vom Hacker-Alarm. (WDR)
Unglaubliche Farce um einen vermeintlichen Hackerangriff auf die NRW-Landwirtschaftsministerin, die offensichtlich ihre Heimvernetzung nicht bedienen kann. Und wie die Staatskanzlei das genutzt hat, um sie als vermeintliches Opfer zu inszenieren. Westpol im WDR dokumentiert den Verlauf und berichtet von einer erneuten Hackerangriffs-Meldung durch die Frau. Das hat diesmal die Polizei nicht mehr Ernst genommen.

EU WTF?! (Politico)
Mittlerweile ist geklärt, wer im Namen der EU-Kommission für einen später zurückgezogenen Artikel zu den Protesten gegen Artikel 13 verantwortlich war, in dem die EU-Kommission die Kritiker als „Mob“ bezeichnet hat. Es ist der Kommissionsmitarbeiter Joe Lynam, der vorher als Journalist für die BBC gearbeitet hat und in seiner Twitter-Beschreibung stehen hat, dass er jetzt Desinformation bekämpft. Kein Scherz! Halleluja.

Cambridge Analytica a year on: „a lesson in institutional failure“ (Guardian)
Vor einem Jahr haben die Enthüllungen rund um die Praktiken von Cambridge Analytica eingeschlagen. Die Guardian-Journalistin Carole Cadwalladr war dafür verantwortlich und sie redet im Rückblick mit dem Whistleblower Christopher Wylie darüber, was passiert ist und was noch passieren sollte.

Jeden Tag bleiben im Chat der Redaktion zahlreiche Links und Themen liegen. Doch die sind viel zu spannend, um sie nicht zu teilen. Deswegen gibt es jetzt die Rubrik „Was vom Tage übrig blieb“, in der die Redakteurinnen und Redakteure gemeinschaftlich solche Links kuratieren und sie unter der Woche um 18 Uhr samt einem aktuellen Ausblick aus unserem Büro veröffentlichen. Wir freuen uns über weitere spannende Links und kurze Beschreibungen der verlinkten Inhalte, die ihr unter dieser Sammlung ergänzen könnt.

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