Was vom Tage übrig blieb: Übermächtige Konzerne, Datenschutz und Kupfer

Private IT-Konzerne setzen immer mehr global geltende Regeln, wieder Streit um Kupfer und Medienschelte von Sascha Lobo. Dazu servieren wir hohe Hürden von sozialen Netzwerken, die personenbezogene Daten horten, sie aber ungern herausrücken. Dann gibt’s noch Twitter-Nutzung durch Journalisten und der zum Scheitern verurteilte „Sicherheitsstandard“ eTLS. Die interessantesten Reste des Tages.

Aus dem Fernsehturm kommt ein Lichtstrahl. Zufall?

Beware of Tech Companies Playing Government (Bloomberg)
In einem Gastbeitrag für den US-Finanznachrichtendienst warnt die liberale EU-Abgeordnete Marietje Schaake eindringlich vor den möglichen Folgen privatisierter Rechtsdurchsetzung. „Wenn die mächtigsten Tech-Firmen die Verantwortung für globale Regelsetzung und grenzüberschreitendes Regierung übernehmen, Standards festzulegen und umzusetzen, dann ist das tief problematisch für Demokratie und Rechtsstaat“, schreibt Schaake. Jüngste Beispiele dafür wären Verordnungsentwürfe wie der zu eEvidence oder zu mutmaßlich terroristischen Inhalten im Netz, die beide die Verantwortung zu einem großen Teil an private Diensteanbieter auslagern.

Vectoring vs. Glasfaser: Streit um die Vorfahrt im Haus (Heise)
Was bringt eine echte Glasfaserleitung bis ins Haus (FTTB), wenn die letzten Meter bis in die Wohnung doch wieder über Kupfer laufen? Im schlimmsten Fall schaffen solche Uralt-Leitungen gerade mal ein halbes Gigabit – was die gesamte Breitbandstrategie der Bundesregierung über den Haufen wirft. So wie es derzeit aussieht, könnte aber genau das passieren, sollte die Bundesnetzagentur zugunsten der Telekom Deutschland entscheiden.

Soziale Medien und die DSGVO: Recht auf Auskunft und Datenübertragbarkeit (Marktwächter)
Youtube, Facebook, WhatsApp und weitere soziale Medien machen es ihren Nutzern unnötig schwierig, Auskunft über die von ihnen gespeicherten Daten zu bekommen. Unverständliche Hilfetexte, Anweisungen nur auf Englisch und exotische Datenformate sind einige der Hürden, auf die Verbraucherschützer gestoßen sind. „Keiner der Anbieter hat eine angemessene und vollständige Auskunft über die gespeicherten Daten gegeben“, kritisieren die Experten in einer neuen Studie.

Verantwortung des Journalismus: So kann es nicht weitergehen (Spiegel Online)
Sascha Lobo diesmal mit einer Vollkontakt-Kolumne gegen redaktionelle Medien, die sich vor den Karren der Rechtsradikalen spannen lassen. Die immer gleichen redaktionellen Fehler seien falsche Balance, Agenda Cutting und strukturelle Verharmlosung. Lobo trifft mit dieser wütenden Kolumne genau den Punkt, was hier im medialen Umgang mit den Rechten schiefläuft.

Wie Journalisten mit Twitter umgehen (NDR-ZAPP)
Daniel Bouhs und Timo Robben berichten bei NDR-Zapp darüber, wie Medien Twitter nutzen und welche Chancen und Herausforderungen das mit sich bringt.

Zwist um neuen „Sicherheitsstandard“ für das Internet (FM4)
Erich Möchel hat neue Einordnungen für aktuelle Standardisierungsversuche: Der ETSI-Standard eTLS ist technisch nicht anderes als eine klassische „Man-In-The-Middle“-Attacke zum Abfangen vertraulicher Daten.

Jeden Tag bleiben im Chat der Redaktion zahlreiche Links und Themen liegen. Doch die sind viel zu spannend, um sie nicht zu teilen. Deswegen gibt es jetzt die Rubrik „Was vom Tage übrig blieb“, in der die Redakteurinnen und Redakteure gemeinschaftlich solche Links kuratieren und sie unter der Woche um 18 Uhr samt einem aktuellen Ausblick aus unserem Büro veröffentlichen. Wir freuen uns über weitere spannende Links & kurze Beschreibungen der verlinkten Inhalte, die ihr unter dieser Sammlung ergänzen könnt.

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