Was vom Tage übrig blieb: Bibi, 8chan-Geflüchtete und die Incel-Ideologie

Eine Influencerin hält das Gesicht ihres Sprößlings für ein Millionepublikum in die Kamera, die USA schreibt Haftungsregeln in internationale Abkommen, ehemalige 8chan-Nutzer wandern zu Telegram aus und eine Autorin von The Verge will eine toxische Männer-Subkultur mit ähnlichen Mitteln wie den IS bekämpfen. Die düstersten Reste des Tages.

Ein Himmel so düster wie die dunkelsten Ecken im Netz CC-BY 4.0 netzpolitik.org

Der Netzwelt-Newsletter: Persönlichkeitsrechte und soziale Medien (Spiegel Online)
Wer junge Menschen heute nach ihrer Assoziation zum Namen Bibi fragt, bekommt wohl kaum mehr einen Verweis auf die autoritätskritische Junghexe mit dem Nachnamen Blocksberg. Längst hat die Influencerin Bianca ‚Bibi‘ Claßen ihr den Bekanntheitsrang abgelaufen. Bibi ist nun aber viel älter als ihre Fanbase und hat schon ein Kind bekommen, das mittlerweile seinen ersten Geburtstag feiern (lassen) konnte. Mit dabei etwas Ungewöhnliches: „Das nachhaltigste Geschenk aber kommt wohl von seinen Eltern: Bibi und Julienco wollen Lios Gesicht künftig auch vor der Kamera zeigen.“

U.S. Using Trade Deals to Shield Tech Giants From Foreign Regulators (New York Times)
Sollen Online-Betreiber unmittelbar für die Inhalte haften, die ihre Nutzer auf die jeweiligen Plattformen laden? Derzeit ist das nicht der Fall, selbst wenn weltweit, auch in der EU, über eine Änderung der Haftungsregeln nachgedacht wird. Das hält die Trump-Administration nicht davon ab, das Providerprovileg schnell noch in Handelsverträgen zu verankern – zuletzt im NAFTA-Nachfolger, der nordamerikanischen Freihandelszone, oder in einem am Montag unterzeichneten bilateralen Vertrag zwischen den USA und Japan. Laut NYT soll die US-Regierung auch an Großbritannien und die EU mit diesem Wunsch herangetreten sein.

How Telegram Became White Nationalists‘ Go-To Messaging Platform (Vice)
Laut einer Vice-Recherche dient derzeit der Messenger Telegram als Sammelbecken für Rechtsextreme, die sich dort austauschen, vernetzen und den einen oder anderen Anschlag planen. Bei vielen davon scheint es sich um ehemalige 8chan-Nutzer zu handeln, die seit der (zumindest temporären) Schließung von 8chan ihre digitale Wirkungsstätte verloren haben.

Should we treat incels as terrorists? (Verge)
Der Attentäter, der im vergangenen Jahr in Toronto zehn Menschen mit einem Kleinlaster tötete, ist ein absoluter Sonderfall. Der Täter beging nach der Tat nicht Suizid und seine Versuche, sich erschießen zu lassen, scheiterten. So ist der Fall eine der ganz wenigen Ausnahmen, in denen man mit einem Terroristen anschließend über sein Motiv sprechen kann. Seit vergangenem Freitag ist ein Video der Vernehmung öffentlich und es macht klar: das Motiv war Frauenhass, der Täter hat sich in Incel-Foren radikalisiert. Laut Wikipedia ist „Incel“ die Selbstbezeichnung einer Subkultur von überwiegend weißen, heterosexuellen Männern, die nach Eigenaussage unfreiwillig keinen Geschlechtsverkehr haben und der Ideologie einer hegemonialen Männlichkeit anhängen. Die Verge-Autorin Adi Robertson schlägt vor, solche Fälle als geschlechtsbasierten Terrorismus zu bezeichnen und Incel-Ideologie online mit vergleichbaren Mitteln zu bekämpfen wie etwa den IS.

Jeden Tag bleiben im Chat der Redaktion zahlreiche Links und Themen liegen. Doch die sind viel zu spannend, um sie nicht zu teilen. Deswegen gibt es jetzt die Rubrik „Was vom Tage übrig blieb“, in der die Redakteurinnen und Redakteure gemeinschaftlich solche Links kuratieren und sie unter der Woche um 18 Uhr samt einem aktuellen Ausblick aus unserem Büro veröffentlichen. Wir freuen uns über weitere spannende Links und kurze Beschreibungen der verlinkten Inhalte, die ihr unter dieser Sammlung ergänzen könnt.

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