Was vom Tage übrig blieb: 5G-Überwachung, tödliche Touchscreens und die große Epstein-Verschwörung

Das FBI will Hintertüren in den künftigen 5G-Mobilfunknetzen, die US-Navy hat neu installierte Touch-Screens nicht verstanden, Google Maps zeigt Grenzen der Automatisierung auf, eine Reportage geht auf den Informationskrieg in und rund um Schweden ein und der Selbstmord von Jeffrey Epstein ließ das Internet heißlaufen. Die besten Reste des Tages.

Der Berliner Himmel in seiner Lieblingsfarbe, dem sogenannten Einheitsgrau.

FBI greift massiv in 5G-Überwachungsstandards ein (fm4.orf)
Erich Moechel berichtet über die Sitzungen einer internationalen 5G-Standardisierungsorganisation. Darin ist mittlerweile auch das FBI vertreten, neben europäischen Straftverfolgern und Geheimdiensten. Sie fordern Hintertüren für die 5G-Netze, sodass sie auch darin auf Metadaten zugreifen können. Absurd ist: Auch Huawei, dem genau das von US-Behörden vorgeworfen wurde, sitzt in dem Gremium.

Navy ditches touchscreens for knobs and dials after fatal crash (techchrunch)
„Nur weil man es kann, heißt nicht, dass man es auch tun sollte.“ Die Lehre zieht ein ranghohes Mitglied des US-Militärs nach einem tödlichen Zusammenstoß zwischen zwei Schiffen. Die Crew hatte den neu installierten Touch-Screen nicht verstanden und konnte in der Krisensituation nicht schnell genug reagieren. Deswegen tauscht die Navy die Systeme jetzt aus – und führt wieder einen mechanischen Steuerungsmechanismus ein.

Karten brauchen Menschen statt Maschinen (golem.de)
Googles Bilderkennung erfindet offensichtlich Gebäude und trägt sie in den Kartendienst ein. So passiert im Nationalpark Sächsische Schweiz. Die Gebäude hatten sogar unterschiedliche Formen und Höhen – blöd nur, dass es sich dabei um berühmte Sandsteinfelsen handelt. Sebastian Grüner hat noch weitere absurde Beispiele zusammengetragen, die die Grenzen der Automatisierung bei Google Maps zeigen.

The Global Machine Behind the Rise of Far-Right Nationalism (New York Times)
Eine Reportage der NYT beschäftigt sich eingehend mit dem Informationskrieg in und rund um Schweden, dem Erstarken rechtsextremer Parteien wie der „Schwedendemokraten“ und der Finanzierung, auch aus Deutschland, dieser international vernetzten Bewegungen.

Epstein Suicide Conspiracies Show How Our Information System Is Poisoned (New York Times)
Nach dem mutmaßlichem Selbstmord des US-Unternehmers und Missbrauchstäters Jeffrey Epstein am vergangenen Samstag lief (insbesondere das US-amerikanische) Internet über vor Verschwörungstheorien – auch der US-Präsident Donald Trump verbreitete, nicht zum ersten Mal, groteske Thesen auf Twitter und legte nahe, dass „Die Clintons™“ verwickelt seien. In einem Kommentar zerbricht sich Charlie Warzel den Kopf, wie – und ob – sich durch das zutiefst vergiftete Informations-Ökosystem navigieren lässt, ohne das Problem zu verschlimmern.

Jeden Tag bleiben im Chat der Redaktion zahlreiche Links und Themen liegen. Doch die sind viel zu spannend, um sie nicht zu teilen. Deswegen gibt es jetzt die Rubrik „Was vom Tage übrig blieb“, in der die Redakteurinnen und Redakteure gemeinschaftlich solche Links kuratieren und sie unter der Woche um 18 Uhr samt einem aktuellen Ausblick aus unserem Büro veröffentlichen. Wir freuen uns über weitere spannende Links und kurze Beschreibungen der verlinkten Inhalte, die ihr unter dieser Sammlung ergänzen könnt.

4 Ergänzungen
  1. Der Beitrag zu 5G wirkt für unerfahrene Leser so, als würden die Geheimdienste erst jetzt damit beginnen, in Telekommunikationsstandards einzugreifen. Das tun sie aber schon seit mehr als 25 Jahren ganz massiv. Nennt sich „Lawful Interception“.

    https://www.etsi.org/technologies/lawful-interception?jjj=1565630023548

    Der aktuelle Kampf kommt hauptsächlich daher, dass sich starke Kryptographie langsam durchgesetzt hat und kaum noch zu vermitteln ist, warum die Standards weiterhin auf irgendwelche seltsamen, von der NSA zusammengezimmerten Algorithmen basieren sollen. Das Abhören der Luftschnittstelle wird immer schwieriger.

  2. Ich hatte die Artikel auf Heise und Golem eher so verstanden als wärs für Privatsphäre und Verschlüsselung der Meta und Inhaltsdaten schon zu spät.
    Es wäre super wenn man da mal ne Übersicht hätte wer mit welchem Gerät und welchen Rechten wo was herausfinden kann.
    Gibt auch öfter Lücken im Standard über die berichtet wird.
    Da blickt man als Laie nicht mehr durch.

  3. Lieber Sachverständigenrat,
    ich bin über den Begriff „Kinderschänder“ bei eurer Zusammenfassung zum Epstein-Beitrag gestolpert und will auf die Problematik dieses Begriffs u.a. aufgrund seiner Verwendung durch Neonazis hinweisen (Wikipedia hat mehr Kontext: https://de.wikipedia.org/wiki/Kindersch%C3%A4nder ), aufgrund der mich seine Verwendung bei euch überrascht hat.

    Abgesehen davon vielen Dank für die immer wieder interessanten Links :-)

Wir freuen uns auf Deine Anmerkungen, Fragen, Korrekturen und inhaltlichen Ergänzungen zum Artikel. Unsere Regeln zur Veröffentlichung von Ergänzungen findest Du unter netzpolitik.org/kommentare. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.