US-Kongress

Wahlsysteme in allen 50 Bundesstaaten angegriffen

Bei der US-Präsidentschaftswahl haben Hacker digitale Wahlinfrastruktur in allen 50 Bundesstaaten angegriffen. Das geht aus einer Untersuchung des US-Kongresses hervor. Die Abgeordneten warnen vor unabschätzbaren Risiken, auch ohne manipulierte Stimmen.

In Deutschland wird glücklicherweise mit Stift und Zettel gewählt. Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com Element5 Digital

In den USA wurden wahrscheinlich in allen 50 Bundesstaaten Wahlcomputer und -systeme von staatlichen Hackern angegriffen. Zu dem Ergebnis kommt ein neuer Bericht des Geheimdienstausschusses im US-Kongress.

Die Abgeordneten untersuchen die Einflussnahme Russlands auf die Präsidentschaftswahlen von 2016. Laut Bericht hatten Regierungsmitarbeiter schon im Sommer 2016 Hinweise, dass Webseiten, Systeme und Netzwerke, die mit der Wahl im Zusammenhang stehen, „gescannt“ und ausgeforscht wurden. Beweise, dass Stimmen manipuliert wurden, gibt es weiterhin nicht.

Unsichere Systeme, auch jenseits von Wahlcomputern

Im Juli 2016 flossen etwa Daten aus einer Datenbank für die Wahlregistrierung in Illinois ab. In anderen Fällen ging es um Recherchen über die in den unterschiedlichen Staaten verwendeten Systeme sowie die Unternehmen, die sie anbieten. Schon im September 2017 hatte das Heimatschutzministerium 21 Staaten darüber informiert, dass ihre Systeme zum Ziel wurden.

Die Senatoren kritisieren, dass die US-Regierung die Bundesstaaten, die Wahlen organisieren und Systeme betreuen, im Sommer 2016 nicht ausreichend über diese Aktivitäten informiert habe, obwohl einige Regierungsmitarbeiter schon damals Bescheid wussten.

Letztes Jahr stellte der Kongress den Bundesstaaten 380 Millionen Dollar zur Verfügung, um die Systeme zu verbessern. Die Gefahr, die von unsicheren Wahlsystemen ausgeht, bleibt dennoch „unvollständig verstanden“, warnen die Senatoren.

Kein Wahlcomputer hielt Probehacks stand

Im Dezember sprach der Wissenschaftler Alex Haldermann auf dem Chaos Communication Congress über die Bemühungen, Systeme für die nächste Wahl zu sichern.

Auf der jährlichen Hackerkonferenz DEF CON gibt es wieder ein „Voting Machine Hacking Village“. Die Teilnehmer:innen setzen sich dort mit verbreiteten Wahlcomputern, deren Technik und Verwundbarkeiten auseinander. Ziel sind Angriffe auf die Systeme, um beispielsweise Wahlergebnisse manipulieren und damit konkrete Schwächen aufzuzeigen. Im letzten Jahr hielt keiner der Wahlcomputer den Angriffen stand.

Die Wahl in Deutschland geschieht ganz analog mit Zettel und Stift, auch weil das Bundesverfassungsgericht den Einsatz von Wahlcomputern in einem Urteil von 2009 sehr kritisch sah. Zur Bundestagswahl 2017 gab es Probleme mit Software, die zur Auswertung und Übermittlung eingesetzt wird: Dank fehlender Verschlüsselung und mangelnder Überprüfungen konnten Hacker die Ergebnisse problemlos manipulieren. Weil aber auf Papier gewählt wird, würden solche Manipulationen bei einer erneuten Auszählung auffallen.

Eine Ergänzung
  1. Genau das finde ich auch gut in Deutschland, dass es keinen „Wahlcomputer“ gibt.
    Ich würde die Wahl verweigern, wenn ich gezwungen würde, auf einen noch so „sicheren“ Wahlcomputer „meine Stimme abzugeben“.

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