Surveillance-Studies-Preis für unser Dossier zu #PolizeiTwitter

Das Forschungsnetzwerk Surveillance Studies zeichnet journalistische Beiträge zum Thema Überwachung und Kontrolle aus. Die Jury würdigte unsere Arbeit mit dem „Extra-Preis der Jury“. Der erste Platz ging an Timo Grossenbacher für seinen Bericht zu Predictive-Policing-Software in der Schweiz.

CC-BY-SA 4.0 Stella Schiffczyk / netzpolitik.org

Das Forschungsnetzwerk Surveillance Studies zeichnet netzpolitik.org mit dem „Extra-Preis der Jury“ für unser Dossier #PolizeiTwitter aus. Die Jury verlieh den jährlichen Medienpreis des Netzwerks an den Journalisten Timo Grossenbacher. Der Publikationspreis für Nachwuchswissenschaftler:innen ging an Daniel Moßbrucker.

Der Preis wird seit 2012 verliehen. Das Gesicht hinter dem Forschungsnetzwerk ist Nils Zurawski. Der Soziologe verteidigte bei der Verleihung vergangene Woche die Auszeichnung gegen Kritik, die im Zuge der Fälschungsaffäre um Claas Relotius an Journalistenpreisen laut wurde. Der Preis des Netzwerks sei relevant, da „die Themen Überwachung und Kontrolle, obwohl sie alle betreffen, immer nur sehr klein diskutiert werden.“ Zurawski sagte:

„Das populäre Schreiben [zum Thema Überwachung] – also nicht nur in einem wissenschaftlichen Kontext, in dem wir immer veröffentlichen – ist noch wichtiger. So werden andere Sichtweisen auf das Thema geworfen. Und es wird eine Vernetzung geschaffen zwischen Wissenschaftlern und Journalisten.“

Wenn Software bestimmt, ob du gefährlich bist

Timo Grossenbacher konnte die Jury mit seinem Beitrag zum Einsatz von Predictive Policing Software bei der Schweizer Polizei überzeugen. Der Journalist beschreibt nicht nur die eingesetzte Software „DyRiAS“, sondern setzt sich auch kritisch mit dem dahinterstehenden Konzept des „Gefährders“ auseinander. In der Schweiz wird Predictive-Policing-Software bereits viel umfassender als in Deutschland eingesetzt, nämlich auch zur sogenannten Risikoeinschätzung von Einzelpersonen. In Deutschland ist sie derzeit lediglich zur Vorhersage von Wohnungseinbrüchen im Einsatz.

Auf unserer von der Jury ausgezeichneten Themenseite #PolizeiTwitter beleuchten wir das Auftreten deutscher Polizeien in dem sozialen Netzwerk. Gemeinsam mit dem Datenjournalisten Luca Hammer analysierten wir dafür rund 163.000 Tweets. Das Ergebnis: Auf Twitter schafft die Polizei sich ihre eigene Öffentlichkeit und bewegt sich dabei im ethischen und rechtlichen Graubereich. Besonders heikel sind durch die Polizei verbreitete Falschmeldungen, etwa bei politischen Demonstrationen.

Timo Grossenbacher, Daniel Moßbrucker und Marie Bröckling Alle Rechte vorbehalten Nils Zurawski

Die Preisverleihung fand am 28. Januar 2019 an der Universität in Hamburg im Rahmen der Ringvorlesung „Polizei: Wissenschaftliche Perspektiven auf eine Institution“ statt. Ich nahm den Preis stellvertretend für das gesamte Rechercheteam hinter #PolizeiTwitter – außer mir bei netzpolitik.org noch Markus Reuter und Alexander Fanta – entgegen.

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