MietenwatchProjekt visualisiert dramatische Entwicklung bei Berliner Mieten

Mit dem Projekt Mietenwatch können Nutzer:innen herausfinden, wo sie es sich noch leisten können in der Hauptstadt zu leben. Die visualisierten Daten zeichnen eine düstere Realität – gerade für Menschen mit durchschnittlichen oder geringen Einkommen.

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Immer weniger Menschen können sich die Miete innerhalb des S-Bahn-Rings in Berlin leisten. – Alle Rechte vorbehalten Mietenwatch.de

Das Projekt Mietenwatch hat seit April 2018 etwa 80.000 Online-Wohnungsinserate aus ganz Berlin gesammelt und ausgewertet. Seit heute lassen sich diese Daten auf Karten und in Grafiken anschauen. Dabei können die Nutzerinnen auch individuelle Werte wie das Nettoeinkommen angeben und schauen, wo sie sich noch welche Wohnungen zur Miete leisten können.

„Mit knapp 80.000 detaillierten Einzelangeboten für Mietwohnungen in Berlin haben wir eine sehr umfangreiche und tiefe Datengrundlage“, heißt es auf Mietenwatch. Mit den Daten könne das Projekt ein aussagekräftiges Gesamtbild des Berliner Mietmarkts zeichnen. Außerdem könne man damit die Entwicklungen in den einzelnen Nachbarschaften abbilden oder die Geschäftspraktiken einzelner Anbieter analysieren.

Das Projekt erfasst nur den Angebotsmietmarkt und nicht die Situation im Wohnungsbestand. Alte, bestehende Mietverträge werden von den Daten nicht abgebildet.

Mit dem Online-Werkzeug kann man selbst herausfinden, in welchen Bezirken in Berlin das Geld noch für die Miete reicht. Den maximalen Anteil der Miete am Haushaltseinkommen setzt Mietenwatch unter Berufung auf eine Studie der Böckler-Stiftung auf 30 Prozent an. Schon dieser Wert sei in den unteren Einkommensklassen mit Einsparungen in anderen Lebensbereichen verbunden.

Dramatische Mietentwicklung

Derzeit steigen die Mieten in Berlin weltweit am Schnellsten. Der Anstieg betrifft besonders viele Bewohner:innen der Stadt. Die deutsche Hauptstadt hat eine sehr niedrige Wohneigentumsquote: Nur etwa 15 Prozent der Berliner:innen besitzen die Wohnung oder das Haus, in dem sie wohnen. Bundesweit sind es etwa 45 Prozent, der europäische Durchschnitt liegt bei 70 Prozent.

In den nächsten Tagen wird Mietenwatch noch um weitere Themengebiete wie Wohnen als Ware erweitert. Das Projekt ist unter anderem gefördert vom Prototype Fund.

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