Was vom Tage übrig blieb

Cookies, Radikalisierung und ein möglicher Kommissar mit Telekommunikationshintergrund

Die Datenschutzbehörden einigen sich auf Bußgelder, die BBC bietet ihre Nachrichten nun auch im Darknet an und der französische Präsident probiert im zweiten Anlauf, einen neuen EU-Digitalkommissar zu nominieren. Die besten Reste des Tages.

Blick aus dem Berliner Netzpolitik-Büro auf den Fernsehturm am Alexanderplatz.
Huch, beinahe wurde der Fernsehturm vom Nieselregen verschluckt.

DSGVO: Deutsche Datenschützer einigen sich auf Bußgelder (heise.de)
Die deutschen Datenschutzbehörden haben sich auf ein Konzept geeinigt, nach dem sie künftig die Höhe von DSGVO-Bußgeldern ermitteln wollen. Christiane Schulzki-Haddouti erklärt die nicht ganz unkomplizierte Formel und berichtet zudem, dass die bayerische Datenschutzaufsicht angekündigt hat, noch in diesem Jahr Bußgelder gegen Firmen zu verhängen, die „Tracking-Techniken wie Google Analytics oder Google AdWords“ ohne Einwilligung der Nutzerinnen einsetzen.

Datenschutz: Ausübung des Beschwerderechts gem. Art. 77 DSGVO am Beispiel ZEIT ONLINE (Kuketz-Blog)
Vor wenigen Monaten veröffentlichten wir eine Recherche des Datenschützers Matthias Eberl zu Tracking auf Nachrichtenseiten. Eberl analysierte 130 deutsche Nachrichtenseiten und Verlagsangebote. Sein Fazit: Facebook liest durch seine Cookies und andere Tracking-Tools fast überall mit. Die Praxis steht zwar offenkundig mit dem Gesetz in Konflikt, allerdings protestiert bisher so gut wie niemand. Eberl und Mike Kuketz wollen das ändern: Sie haben eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für Beschwerden bei Seitenbetreibern veröffentlicht. Als Beispiel dient ihnen Zeit Online, die für ihr Tracking den Big-Brother-Award 2019 erhielten.

BBC News launches ‚dark web‘ Tor mirror (BBC)
Passend zur vorherigen Meldung: Die britische Rundfunkanstalt erleichtert den anonymen Zugriff auf ihre Nachrichtenseite über Tor-Browser. Die BBC startet dafür einen eigenen Mirror: bbcnewsv2vjtpsuy.onion (nur über Tor erreichbar). „Der Browser kann verschleiern, wer ihn benutzt und auf welche Daten zugegriffen wird, was Leuten dabei hilft, Überwachung und Zensur durch die Regierung zu umgehen“, erklärt die BBC. Länder wie China, Iran und Vietnam hätten immer wieder versucht, Zugang zu BBC-Webseiten zu blockieren.

Macron nominiert Thierry Breton für EU-Kommission (Spiegel Online)
Der französische Präsident Emmanuel Macron nominierte zuletzt Sylvie Goulard als neue EU-Digitalkommissarin. Die umstrittene Ex-Verteidigungsminister scheiterte aber nach Berichten über Betrugsermittlungen gegen sie und über einen lukrativen Beraterinnenvertrag an ihrer Anhörung vor dem EU-Parlament. Nun schlägt Macron den Ex-Wirtschaftsminister und früheren France-Telecom-Chef Thierry Breton vor, der die letzten Jahre den IT-Konzern Atos leitete. Atos geriet in Deutschland wegen Sicherheitsmängeln beim elektronischen Anwaltspostfach bea in die Kritik. Breton muss sich nun ebenfalls dem EU-Parlament stellen. Für Breton spricht seine Erfahrung im Sektor und das er offenbar 1984 einen Sci-Fi-Roman namens „Softwar“ geschrieben hat, allerdings dürfte sein Industrie-Background auch für Kritik sorgen. Für seine Anhörung kann Breton sich schon mal warm anziehen.

Maybe It’s Not YouTube’s Algorithm That Radicalizes People (Wired)
Der von Youtube eingesetzte Empfehlungsalgorithmus spielt eine wichtige Rolle dabei, Nutzer zu radikalisieren. Allein darauf darf man das Problem jedoch nicht reduzieren, mahnt nun eine Studie der Penn State University. Die Politikwissenschaftler Kevin Munger und Joseph Phillips gehen hingegen davon aus, dass der (zumindest in den USA) sprunghafte Anstieg des Konsums rechter bis rechtsextremer Videos auf die massive Ausweitung des Angebots zurückzuführen ist. So sei ein für einschlägige Inhalte empfängliches Publikum immer schon dagewesen, aber der Nachschub sei beschränkt gewesen. Dies hat sich in den vergangenen Jahren geändert – und könnte nun dazu führen, dass sich stabile Communities um diese Inhalte formen. Der Einfluss der automatisiert generierten Empfehlungen sei jedoch vergleichsweise gering: So habe eine Analyse von 300.000 Youtube-Videos und der jeweiligen Empfehlungen ergeben, dass nur eine Chance von eins zu 100.000 bestehe, von einem „Mainstream-Video“ zu den radikalsten Inhalten zu gelangen. Beginnt die algorithmisch gelenkte Reise bei Leuten wie Jordan Peterson oder Dave Rubin, dann sinke die Wahrscheinlichkeit auf eins zu 1.700, bis man bei Neo-Nazis wie Richard Spencer ankommt. Zwar bemängelte die Forscherin Becca Lewis methodologische Schwächen der Studie, schließt sich aber grundsätzlich der Stoßrichtung an, dass der Youtube-Algorithmus nur ein Teil weitflächiger und tief verwurzelter Probleme ist.

Jeden Tag bleiben im Chat der Redaktion zahlreiche Links und Themen liegen. Doch die sind viel zu spannend, um sie nicht zu teilen. Deswegen gibt es jetzt die Rubrik „Was vom Tage übrig blieb“, in der die Redakteurinnen und Redakteure gemeinschaftlich solche Links kuratieren und sie unter der Woche um 18 Uhr samt einem aktuellen Ausblick aus unserem Büro veröffentlichen. Wir freuen uns über weitere spannende Links und kurze Beschreibungen der verlinkten Inhalte, die ihr unter dieser Sammlung ergänzen könnt.

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