Datenschutz

Kritik wirkt: Stadt Wolfsburg will vorerst keine „Schutzranzen“

Die Stadt Wolfsburg hat empfohlen, den Start des Projektes „Schutzranzen“ bis auf Weiteres auszusetzen. Das VW-Projekt sollte Schulkinder tracken und so für mehr Verkehrssicherheit sorgen. Wolfsburg reagierte nun auf die Kritik von Datenschützern.

Bis auf weiteres ohne Peilsender: Schulranzen von Grundschulkindern CC-BY-ND 2.0 Jörg Kantel

Gute Nachrichten aus Wolfsburg: Einer Meldung des NDR zufolge will die Stadt das umstrittene Projekt „Schutzranzen“ vorerst aussetzen. Grund hierfür sind offenbar Datenschutzbedenken.

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Die Städte Wolfsburg und Ludwigsburg hatten in Kooperation mit Volkswagen eine Überwachungsinfrastruktur für Grundschulkinder geplant, die deren Verkehrssicherheit dienen sollte. Autofahrer sollten über eine App gewarnt werden, sobald sie in die Nähe eines Kindes kämen, das den GPS-Peilsender im Rucksack trägt. Der Verein Digitalcourage hatte am Montag in einem offenen Brief das sofortige Ende des Projekts gefordert und den „Schutzranzen“ so in die mediale Öffentlichkeit gebracht.

Digitalcourage hatte unter anderem kritisiert, „dass alle Kinder von Straßenbeleuchtung, Schülerlotsen, verkehrsberuhigten Bereichen, Geländern und breiten Gehwegen profitieren“, während „nur getrackte Kinder, die ihren ‚Schutzranzen‘ auch wirklich bei sich tragen und auf ein entsprechend ausgestattetes Auto treffen“, eine Warnung auslösen würden. Verkehrssicherheit sei somit eher ein Vorwand, das Projekt diene eher dem Datensammeln und der Kundenbindung an den Projektpartner VW.

Kritik der Datenschützer fruchtet

Vor allem das Argument des Datenschutzes konnte letztlich überzeugen: Schon im normalen Betrieb würden Daten mit Dritten geteilt. Im Falle eines Hacks könnten aktuelle Standortdaten zudem zur echten Gefahr für die Grundschulkinder werden. Ein Sprecher der Stadt Wolfsburg gab bekannt:

Da es im Rahmen von Schutzranzen noch Klärungs- und Kommunikationsbedarf gibt, haben wir als Stadt den Schulleitungen und dem Anbieter empfohlen, den Start des Projektes entsprechend auszusetzen.

Auch wenn es wohl zu früh ist, von einem definitiven Ende des Überwachungsprojekts zu sprechen, demonstriert das Beispiel, dass eine kritische Öffentlichkeit Wirkung zeigt.

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5 Kommentare
  1. Diese Informationen sind nicht ganz korrekt!

    „Vorerst“ bedeutet in diesem Fall eigentlich nur „bis der Medienrummel vorbei ist“, denn Herr Hildebrandt hat sich für die nächsten Monate schon wieder in den betreffenden Schulen angekündigt und hat sehr wohl vor, das Projekt an beiden Schulen dennoch durchzuziehen (siehe Zitate anderer Blogeinträge, wie der des Spiegels) und ich verspreche, es gibt die dummen Eltern, die nach wie vor auf der E-Mail-Liste für die Tracker stehen.
    Wir müssen zwischen den Zeilen lesen und ich sehe es so pessimistisch, wie von Anfang an.

    Das Problem ist: Wird es dann noch jemanden interessieren, wenn die Schulen wieder vor diesem Pilotprojekt stehen?

  2. Vor allem sollte man da an die Langzeitwirkung bei begeisterten, bequemen Gadget-Nutzern denken. Einmal an das regelmäßige Warnbimmeln gewöhnt, wird das rücksichtslose Rasen durch beidseitig zugeparkte Einbahnstraßen schnell zur Tagesordnung: kein Bimmeln = kein Schulkind in der Nähe.
    Und dann springt ein Grundschüler ohne Schutzranzen seinem Ball hinterher oder eine Jugendliche achtet mehr auf das Smartphone als auf die Straße und … peng!
    Ich komme aus Wolfsburg und dort wird die Geschwindigkeit nicht an der Verkehrssituation angepasst. Vorherrschende Meinung dort: hier muss man einen teuren VW-Boliden flott fahren dürfen (und an einigen Stellen darf man innerorts 70 km/h fahren – man rate wie oft dieses großzügige Limit überschritten wird).

    Und wenn die App dann doch mal (zurecht) warnt? Wird auf die Bremse gestiegen, der oligatorisch dicht aufgefahrene Hintermann verbeult den lackierten Stoßfänger mit Karacho und das verkeilte Doppelgeschoss erwischt dann trotzdem das Kind…
    :(

  3. Der Zeitgeist wirds richten.

    Kinder schützen war einmal.

    Heute leben wir nicht mehr in der Nachkriegszeit, sondern leiden unter massiver Überbevölkerung.

  4. Angeblich geht es ja darum, dass Autofahrer gewarnt werden wo Kinder sind. Vorschlag: Einfach machen lassen, nicht immer nur meckern. Aber: Morgens, in der ersten Stunde alle Tracker in allen Schulen einsammeln. In der großen Pause kommt jemand, holt sie ab und irgendwo werden die Dinger aus allen Schulen gut gemischt und zufällig an die Schulen verteilt. In der letzten darf jedes Kind einen Tracker aus der großen Lostrommel ziehen. Das „Projekt“ funktioniert, viele Kinder, piept im Auto. Und garantiert bald Ende. Denn für die interessierten Sponsoren gibt es nur Datensalat, nix mehr zuzuordnen. Wetten dann ziehen sich die zurück. Thema erledigt.

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