Linkschleuder

Eltern haften für ihre Spionage: Kinderuhr mit Abhörfunktion vom Markt genommen

Uhren eines Anbieters, die heimlich die Umgebung abhören sollen. Alle Rechte vorbehalten Screenshot

Handys, Apps, Wearables – das alles gibt es auch in einer Kinderversion. Die Bundesnetzagentur (BNetzA) hat jetzt den Verkauf von „Kinderuhren mit Abhörfunktion“ verboten. Die seien nach §90 des Telekommunikationsgesetzes (TKG) als „unerlaubte Sendeanlage“ zu verstehen. Wer Zugriff auf die App hat, die zur Kinderuhr gehört, kann nämlich ohne das Wissen des Trägers die Umgebung abhören – was beschönigend als „Babyphone-Funktion“ beschrieben wird.


Netzpolitik.org ist unabhängig, werbefrei und fast vollständig durch unsere Leserinnen und Leser finanziert.

Die BNetzA schreibt:

Das Mikrofon der Uhr kann in diesen Fällen über die zuvor in der App eingegebene Telefonnummer der Eltern (oder auch anderer Personen) aktiviert werden. In diesem Fall können alle Stimmen und Geräusche im Umfeld der Uhr ohne Tätigen eines Anrufs mitgehört werden. Weder der Träger der Uhr noch die Gesprächspartner des Uhrenträgers können dies erkennen.

Eltern sollen Uhren mit dieser Abhörfunktion nun vernichten und einen Nachweis vorlegen. Tun sie das nicht, können sie nach §148 des TKG mit bis zu zwei Jahren Haft bestraft werden.

Kinderuhren sind meistens auch mit einem GPS-Tracker ausgestattet, über den Eltern beispielsweise benachrichtigt werden können, wenn das Kind einen definierbaren „Sicherheitsbereich“ verlässt. Die jetzt von der BNetzA vom Markt genommenen Uhren haben zusätzlich eine Sim-Karte und werden auch als Handyersatz vermarktet. Im Februar hatte die BNetzA bereits den Verkauf der Schnüffelpuppe Cayla verboten.

Weitersagen und Unterstützen. Danke!
13 Kommentare
  1. Einen Teufel werde ich tun. 119 Euro vernichten, nur weil mir die Sicherheit meiner Kinder amHerzen liegt. Soll die Bundesnetzagentur doch zu mir kommen, wenn sie was will! Verfluchte Schweinebande, das bisschen Überwachung schadet doch jetzt auch nicht mehr.

      1. Tja, „Besorgte“ neigen dazu, sich eine andere Welt zu wünschen, teilweise aus Realitätsverweigerung, teilweise aus versäumter Investition in die eigene Bildung.

        Andererseits finde ich es prima, dass die Kaufkraft von Hohlköpfen in diesem Fall um 119€ abgeschöpft worden ist. Hätte ruhig teuerer sein können, dafür dass es ein illegales Produkt ist. Dummheit und Ignoranz müssen durch die Kräfte des Marktes bestraft werden.

        1. „Besorgte“ sind die besten Insassen eines A**eitslagers, weil sie da vor äußerer Unbill und auch A**sländern geschützt werden, klar möchten die Bewacher mit 95% des Brutto und Realeinkommens haben, also 95% vom Brutto und 95% vom Netto, als individuelle Sicherheitsabgabe!

          Schön, soweit zur A*D und C*U Wählerschaft.

          Im übrigen hat der Besorgte Vater im grundegenommen Recht, warum sollte er 119€ vernichten?
          Bei all der Angstmacherei der Konservativen, kann ich ihn schon verstehen!
          Ich habe an meinem KFZ einen GPS Tracker angebracht, falls die Büchse geklaut wird, möchte ich wissen von wem und mir diesen eigenhändig zur Brust nehmen!

          Die Landesregierungen haben ja die Streifenpolizei so rigoros dezimiert, um die Ängste der Bürger*innen so zu steigern (und die freiwerdenden Gelder in die Diäten zu pumpen), damit sie ihre Überwachungsgesetze durchpressen und Gelder für dieses Durchsetzungsequipment aus dem Bildungsressort abziehen konnten.

          Aber wenn du einem Bürger die Zahlen (Sachsen-Anhalt + 40 Parlamentarier, Gelder aus [Streifen] Polizei und Bildung entsprechend „eingespart“) unter die Nase hälts, reagiert er recht Stinkig, klar, nicht auf die die das Verbrockt haben, sondern auf dich, da du diesem wiederholt seine eigenen Denkfehler unter die Nase hältst!
          Zur Klarstellung, wie es gemeint ist:
          Klar hast du ihm das was passieren würde vorher erzählt, da war es noch eine Verschwörungstheorie, als die Pfeifen dann am Ruder waren, haben sie die Verschwörungstheorie dann in die Realität umgesetzt, sauer ist dann der Bürger über seine eigene Dummheit, die er ums Ver*ecken nicht zugeben will, auch bei der nächsten Wahl nicht!

  2. Das war das einzig Richtige was die Bundesnetzagentur in diesem Fall tuen könnte. Denn schließlich sind nicht nur die Kinder, welche eine solche Uhr von ihren Eltern bekommen haben, sondern auch ihr Umfeld Ohne das sich diese Umfeld richtig davor schützen kann. Wie zum Beispiel in der Schule die Lehrkräfte und Mitschüler.

    1. Wenn die BNA jetzt noch die Lautsprecherwanzen verbietet, die gerade überall wie Sauerbier angepriesen werden, würde ich der BNA zur Abwechslung mal ein dickes Lob aussprechen.

      1. Jupp, den Eltern das Abhören der Schutzbefohlenen verbieten und die kommerziellen Wanzen zur Bürgerpflicht im Kampf gegen den Terror machen!

        Wer keine Wanzen hat, hat was zu verbergen und ist ein Terrorist!

  3. Das perverseste daran ist der „Nachweis“ 0_o .
    Dass man also evtl. noch Geld dafür ausgeben soll.

    Reicht auch ein Video wie man mit dem Hammer drauf haut ;-) .
    Ich würde das Teil einfach verkaufen, und denen den Verkauf als Beleg dass das Problem nicht mehr bei mir liegt vorlegen.

    Falls man mir daraus einen Strick drehen kann, dann böte Ich es nur für Käufer im Ausland an…
    So wie Ich eine Funkmikrofon dass in Deutschland nicht mehr genutzt werden darf (erlaubte Frequenzen wurden geändert), ja wohl ins Ausland verkaufen darf…
    Oder jemand findet eine sehr gut erhaltene Naziuniform mit allem drum und dran, SS-Insignien etc. auf dem Dachboden…
    Es wäre widerwärtig und ekelerregend und Ich meine Grundgesetzwidrig (Eigentum), würde man die Beschlagnahmen ohne dem Besitzer dafür einen Schadenersatz in der Höhe zu zahlen, der einem sehr guten international erzielbaren Preis entspricht.
    Wenn der Staat es schon fragwürdig unterbinden will, dann volle Entschädigung…

    Wenn mein Auto Öl verlieren würde, würde Ich es auch NIE akzeptieren einen „Nachweis“ einer Werkstatt über eine Reparatur zu erbringen.
    Die müssten es akzeptieren wenn Ich denen sage dass Ich das Problem behoben habe. Und wenn es nur ein Mittel ist, dass Ich ins Öl gab. Ja, das kann funktionieren…
    Oder Ich verkapsele den Motorraum und sorge dafür dass tropfendes Öl aufgefangen wird…

    Der wohl chinesische Hersteller soll die Teile einfach ohne die Funktion anbioeten, und auf einer anonym betriebenen Webseite gibt es eine alternative Firmware die alles freischaltet…

    Bei den Unicam-Modulen läuft es genau so…

    Was das abhören von Menschen angeht sehe Ich eine Hintertüre.
    Statt eines Rekorders müsste man ein Gerät haben dass das Gesprochene gleich in Text umwandelt, und zugleich jeden Sprecher einzeln erkennt, und z.B. farblich oder „Sprecher 1“, „Sprecher 2“ etc. davor setzt.
    Das sollte nicht gegen StGB 201 verstoßen.
    Zwar keine Beweiskraft mehr wie bei einer echten Aufnahme (sobald die Software von Adobe evtl. mal verfügbar ist, kann man eh jede Stimme fälschen…), aber man kann Gespräche als „Script“ aufzeichnen…
    Es ist auch nicht verboten heimlich durch eine Maschine eine art digitalen Fingerabdruck einer Stimme zu erzeugen und zu speichern.
    Wenn die Software jedes Script in einer Weise verschlüsselt erzeugt, dass aussagt dass es nicht gefälscht sein kann, und darin auch die Stimm“Fingerabdruckdaten, könnte es ohne Audioaufnahmen einen belastenden Beweis geben.

  4. Muss man für ein Produkt das man anbietet nicht vor dem Verkauf eine Verkaufserlaubnis einholen?
    Also jetzt nicht für Kaffeelöffel, aber doch sicher für alles das funkt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.