Demokratie

Was vom „Hackerangriff“ auf den Twitter-Account der Jungen Union übrig bleibt

Die Junge Union machte ausländische Hacker und Sozialdemokraten für ihren gelöschten Twitter-Account verantwortlich. Jetzt will sie von den Anschuldigungen plötzlich nichts mehr wissen.

Die Junge Union beklagte einen Hacker-Angriff auf ihren Twitter-Account. CC-BY 2.0 The Preiser Project

Haben ausländische Hacker am Sonntag den Twitter-Account der Jungen Union (JU) gekapert und gelöscht? Stecken vielleicht euphorisierte Sozialdemokraten dahinter? Das behaupteten Mitglieder der Jugendorganisation der CDU zumindest kurz nach dem Ereignis.


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Die Bild-Zeitung zitiert den JU-Vorsitzenden Paul Ziemiak mit den Worten:

Dass solche Aktionen, gesteuert aus dem Ausland, stattfinden zeigt, was uns in diesem Wahljahr erwartet. Es gibt offensichtlich Leute im Ausland, denen nicht gefällt, was die Jugendorganisation von CDU und CSU im Internet äußert.

Hat die Bundespolitik damit den ersten ausländischen Angriff auf den Bundestagswahlkampf 2017 erlebt, vor dem Bundesnachrichtendienst und Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) schon lange warnen? Wohl eher nicht, meint Jan Böhmermann in seiner aktuellen Folge des „Neo-Magazin Royal“. Sein Fazit: Genauso gut könnte einfach ein ehemaliges Mitglied mit Zugriff auf den Account denselben gelöscht haben. Doch der Reihe nach:

Am Sonntag veranstaltete die Junge Union ein kleines Medienevent am Rande des SPD-Sonderparteitages. Einige Junge Unionler demonstrierten mit Bannern ausgerüstet auf einem Schiff gegenüber der Veranstaltungshalle, in der die Sozialdemokraten Schulz mit nordkoreanischen 100 Prozent zum Kanzlerkandidaten wählten. Kurz nach der Aktion war auf einmal der Twitter-Account nicht mehr verfügbar, wie Bild und Bento aufgeregt berichteten. Twitter habe bestätigt, dass der Account von ausländischen IP-Adressen aus gelöscht wurde, erklären die jungen Christdemokraten.

In deren Reihen ist man sich schnell einig, wer dahinterstecken könnte. JU-Bundesgeschäftsführer Conrad Clemens sieht beleidigte Sozialdemokraten am Werk:

In der Mutterpartei CDU kommt Generalsekretär Peter Tauber zu einem ähnlichen Schluss:

Beweise für ihre Anschuldigungen präsentieren die Politiker nicht. Der Verfassungsschutz wurde aber vorsorglich schon mal informiert, schreibt Bento. Wenig später ist der Account wiederhergestellt und die ganze Geschichte der Jungen Union etwas peinlich. JU-Chef Ziemiak spielt den „Hack“ gegenüber dem Neo Magazin Royal runter. Alles nicht so wild, sagt er, „man habe es ja überlebt“. An seine Panikmache in der Bild erinnert sich Ziemiak plötzlich nicht mehr: „Wer hat denn das gesagt? Niemand!“ Man habe die Sache „nie hoch gehangen.“

Was genau mit dem Twitter-Account passiert ist, weiß niemand. Vielleicht war das Twitter-Passwort auch einfach zu vielen bekannt. Für die Zukunft sollten die eifrigen Jungpolitiker daher folgenden Tipp von Böhmermann beherzigen:

Die größte Gefahr im Wahlkampf geht gar nicht vom Internet oder irgendwelchen Hackern aus, sondern von Leuten, die keine Ahnung haben, wie das Internet funktioniert oder wie ein Hack aussieht.

14 Kommentare
  1. Der #Schulzzug überfährt dafür Trump, Petry und Putin in der SPD-App. Es ist Wahlkampf und alles ist möglich, die nehmen sich alle nichts.

  2. Fähige Admins lassen sich nicht so leicht hacken. Die JU hat offensichtlich keine guten Admins und es bleibt ihr nichts anderes übrig als vom eigenem Versagen abzulenken.

  3. Gibt es überhaupt eine seriöse Möglichkeit, jeden Standort zu identifizieren?
    Ist es nicht vielmehr so, daß es zu den Fingerübungen gehört, den eigenen Standort zu verschleiern.

    1. Das kann jeder mit zwei klicks, einem computer und internetzugang machen. Es gibt tausende seiten mit denen du deine vpn/ip in ne russische oder amerikanische ändern kannst. Meine partei hat da vielleicht etwas zu schnell geschlussfolgert. Allerdings glaube ich paul ziemiak ehrlich gesagt auch mehr als der bild XD wenn solche zitate NUR dort vorkommen und keine andere zeitung diese quelle hat weiß man schon bescheid. Manchmal sind es eben doch nur #fakenews.

  4. “ Twitter habe bestätigt, dass der Account von ausländischen IP-Adressen aus gelöscht wurde, erklären die jungen Christdemokraten.“

    Na, wenn Twitter das bestätigt, muss es wahr sein. hahaha.

    1. Das Internet, der Feind einer guten Kommunal-/Landes-/Bundespolitik!
      Früher war alles besser!
      Ja klar war es das!
      Der Spiggl, brachte es früher erst Monate nach etlichen Recherchen an den Tag!
      „Das Internet“ oder wie die Politiker es nennen „Das Darknet“, zerpulvert die politisch motivierten Behauptungen binnen Tagen!
      Das ist aber nicht das schlimmste, das schlimmste ist, das es alle fast gleichzeitig erfahren!
      Wegen dem Darknet, versteht sich!
      Es ist unkontrollierbar, es ist außer Kontrolle, also muss es reguliert werden, damit der Informationsfluss wieder so ist wie Früher, vor dem Darknet!

  5. Das hat Böhmermann mal wieder treffend formuliert. Ich würde noch anfügen, dass eine große Gefahr von geradezu hysterischen Politikern ausgeht, für die der Zweck jedes Mittel heiligt – und das gilt für die vermeintlichen Hacker ebenso wie für diejenigen, die sich als Opfer aufspielen. Die Union jedenfalls zeigt, dass sie zwar nicht im Umgang mit dem Internet, aber bei Wahlkampftricks sehr schnell dazulernt…

  6. Und im nachhinein,bleibt nichts als Hohn,für die Junge Union ? Da nützt auch kein Dackelblick vom Ziemiak ??✌ Bin ich schon drin…..ne Paule……Sendepause für die JU ?

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