Öffentlichkeit

Google: Wenn ein AfD-Mitglied und ein Kritiker zu einer Person verschmelzen

Meist kann der Algorithmus von Google zwei Menschen, die den gleichen Namen tragen, ganz gut auseinanderhalten. Doch wenn das einmal nicht funktioniert, kann das reale Nachteile bedeuten. Wie in einem Fall, bei dem die Suchmaschine einen AfD-Bundestagskandidaten und einen AfD-Kritiker zu einer Person verschmolz.

Manchmal setzt der Google-Algorithmus Personen falsch zusammen. CC-BY-SA 2.0 Lefteris

Namensvettern kann sich keiner aussuchen. Doch wenn Google die verschiedenen Personen, die sich hinter einem Namen verbergen, nicht mehr auseinanderhalten kann, hat das manchmal ernste Auswirkungen. So bei Andreas Kemper. Der Soziologe setzt sich kritisch mit der AfD auseinander und wies nach, dass Björn Höcke mit hoher Wahrscheinlichkeit hinter dem Pseudonym Landolf Ladig steht, unter dem NS-verherrlichende Texte veröffentlicht wurden. Doch es gibt noch einen anderen Andreas Kemper. Er kommt aus Paderborn und kandidierte für die AfD, um in den Bundestag einzuziehen.

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Darüber mag man noch als ironisches Schicksal lachen, doch wenn beide Personen von der Suchmaschine zusammengepuzzelt werden, ist das nicht mehr witzig. In Googles Info-Box, die bei bekannteren Personen neben den Suchergebnissen erscheint, entstand eine Person, die sich aus den beiden Kempers zusammensetzte: Der Wikipedia-Verweis stellte den Soziologen Kemper dar, doch laut Google kandiert dieser als AfD-Mitglied für den Deutschen Bundestag.

Screenshot des früheren Google-Suchergebnisses All rights reserved Andreas Kemper

Der AfD-kritische Kemper erfuhr dadurch reale Probleme:

Ich habe bereits Anrufe erhalten mit der Aussage, dass die kritische Veranstaltung mit mir zur AfD abgesagt werden müsse, wenn Google weiterhin suggeriert, dass ich für die AfD für den Deutschen Bundestag kandidiert hätte.

Aber auch den Bundestagskandidaten könnte das verwirrende Profil Stimmen gekostet haben, meint er. Mittlerweile ist die Vermischung aufgelöst. Nicht-AfD-Kemper sagte uns, er sei sowohl per Mail als auch Kontaktformular mit Google in Verbindung getreten. Eine Antwort gab es nicht, aber die Informationen des AfD-Kandidaten sind in der Info-Box nicht mehr zu sehen.

Was in der Infobox weiterhin stehenbleibt: Google behauptet, Kemper habe ein Buch über ein Algebra-Tool geschrieben. Die Bücher, die er wirklich verfasst hat, tauchen dafür nicht auf. Der Fall der beiden Kempers ist sicherlich kein Einzelfall, zeigt aber besonders schön, wie sich die Fehlentscheidung eines Algorithmus direkt auf das Leben eines Menschen auswirken kann.

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2 Kommentare
  1. Es gehört nicht viel dazu, zu wissen, dass Namen nicht eindeutig sind, dass ich von Google oder welchem Suchalgorithmus immer Informationen zu einem Namen erhalte, nicht zu einer Person.

    Nicht jeder kann William-Emmanuel Babendererde heißen.

  2. So was kenne ich. Passiert auch mit fiktiven Namen. Oft genug auch, dass wild fremde Menschen unter so einem Namen schreiben.
    Selber hat derjenige, dem die Seite gehört, dann erst einmal Ärger mit Google+.
    Ist mir auch schon passiert.

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