Öffentlichkeit

Facebook-Followerschwund: Betroffener bekommt weiterhin seine Daten nicht

Facebook hat im Fall des Türkei-Kritikers Kerem Schamberger eingeräumt, tausende Accounts wegen Verstößen gegen die Geschäftsbedingungen gelöscht zu haben. Eine unabhängige Überprüfung ist weiterhin nicht möglich, da Schamberger seit knapp drei Wochen seine Freundesliste nicht bei Facebook herunterladen kann.

Der Betroffene kann bis heute nicht nachvollziehen, welche seiner befreundeten Accounts von Facebook gelöscht werden. (Symbolbild) CC-BY-NC 2.0 Thomas Hawk

Die Berichterstattung über den Followerschwund bei Kerem Schamberger und anderen betroffenen Accounts geht weiter. Der Türkei-Kritiker Schamberger hatte innerhalb von zwei Monaten etwa 5.000 seiner 20.000 Follower und Freunde verloren. Facebook erklärt dies vor allem mit Account-Löschungen.


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Die Bild-Zeitung behauptet, ihr lägen die internen Ermittlungsergebnisse von Facebook vor. Im Artikel gibt es allerdings nicht viel mehr Informationen als bisher bei netzpolitik.org. Bis auf die Zahlen, die Facebook zuvor nicht genannt hatte:

90 Prozent der Profile seien wegen unterschiedlicher Verletzungen der Facebook-Richtlinien endgültig gelöscht worden. Dazu gehörten Fake-Profile, aber auch andere Vergehen, die Facebook nicht näher benennt. Die restlichen 10 Prozent seien Menschen, die Schamberger aus eigenem Antrieb nicht mehr folgten.

Bild kann sich am Ende nicht verkneifen, Experten aus Geheimdienstkreisen ins Spiel zu bringen, die auch einen Zugriff von „Hackern“ oder „Regierungen“ auf die Accounts oder auf Facebook generell für möglich halten.

In eine andere Richtung hat die taz weiter recherchiert. Sie stellte vor allem der Fall von Hasnain Kazim noch einmal dar:

Auch Spiegel-Redakteur Hasnain Kazim, der ebenfalls sehr aktiv auf Facebook postet, hat festgestellt, dass die Zahl seiner Follower „dramatisch runterging“: in ungefähr zwei Monaten von 30.000 Followern auf 26.000 Follower. Selbst das Blockflöten-Video des Journalisten, das in den sozialen Medien auf außerordentliche Resonanz stieß, habe den Verlust von Followern nur leicht ausgeglichen, berichtet Hasnain Kazim der taz.
Der ehemalige Türkei-Korrespondent von Spiegel Online kann sich diese Entwicklung nicht erklären. Er kontaktierte Facebook, nach Prüfung des Falls teilte das Unternehmen mit, es könne den Verlust der Follower nicht nachvollziehen.

Bei Kazim sind nicht nur Accounts betroffen, die mit dem Themenkomplex Türkei und Kurdistan zu tun haben. Auch teilt er nicht Schambergers Zensur-Vorwurf, fordert aber wie dieser Transparenz von Facebook.

Weiterhin kein Daten-Download möglich

Seit Montag Morgen wartet Schamberger erneut auf den Daten-Download bei Facebook, aus dem eine aktuelle Freundesliste hervorgehen würde. Im Gegensatz zu mehr als 100 Leserinnen und Lesern von netzpolitik.org, bei denen das in einer Crowd-Recherche kein Problem darstellte, erhält Schamberger seit fast drei Wochen diese Daten nicht über die Download-Funktion der Plattform. Mit einer Auswertung dieser Daten will der Kommunikationswissenschaftler zusammen mit netzpolitik.org herausfinden, welche Facebook-Freunde von den Löschungen betroffen sind.

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Ein Kommentar
  1. Vielleicht OT, vielleicht nicht. – Ein Freundin berichtete mir diese Woche folgendes:

    Sie diskutierte auf FB auf der Seite eines ehemaligen Islamisten, der jetzt wohl zu den Guten gehört. Sie hat was kommentiert, worauf sie vom Seitenbetreiber angegangen wurde. Wie so üblich, die „Diskussion“ schaukelt sich hoch, Schimpfworte fallen.

    Am nächsten Tag ist sie auf der Seite gesperrt. Kann passieren, kommt vor. Nur … sie ist jetzt auf ALLEN SEITEN und in allen Gruppen, die auch nur irgendwie etwas mit Islam und Flüchtlingen zu tun haben gesperrt. Hmm?

    Ich vermute langsam, dass FB dank „Netzdurchsetzungsgesetz“ einfach aufräumt und alles was irgendwie Probleme machen könnte, rauskickt. Schließlich geht es Facebook ja nicht um politische Meinungsbildung, sondern nur um das Ausspielen von Anzeigen und das Sammeln von Informationen.

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