Bereits jetzt lässt sich über breitbandmessung.de die Geschwindigkeit des eigenen Internetanschlusses ermitteln, allerdings nur mit einem Browser. Eine installierbare Version, an der die Bundesnetzagentur (BNetzA) derzeit arbeitet, soll die Messungen künftig deutlich einfacher machen. Mit den zertifizierten Testergebnissen lässt sich anschließend nachweisen, dass der eigene Netzbetreiber gegebenenfalls nicht die vertraglich vereinbarte Leistung erbringt – die Regel und nicht die Ausnahme in Deutschland.
Nun zeigt aber die Erfahrung, dass deutsche Netzbetreiber alles daran setzen, verbraucherfreundliche Lösungen zu verhindern oder möglichst zu verwässern. Zuletzt hat sich das im Jahresbericht der BNetzA gezeigt, der Verstöße gegen die Netzneutralität dokumentiert hat.
Netzbetreiber blockieren Breitbandmessung
Daraus ging unter anderem hervor, dass einige Netzbetreiber illegalerweise bestimmte Webseiten blockiert haben. Auf Nachfrage teilte uns die BNetzA mit, dass die Anbieter Eifelnet und SkyDSL (siehe Update) nicht irgendwelche obskuren, semi-legalen Webseiten blockiert haben, sondern ausgerechnet die Testseite der BNetzA:
In zwei Fällen hatten sich Betroffene an die Bundesnetzagentur gewandt und mitgeteilt, dass die Internetseite der Breitbandmessung der Bundesnetzagentur über den Anschluss des jeweiligen Anbieters nicht erreichbar sei.
Wenn Netzbetreiber also schon verhindern wollen, dass ihre Kunden auf das offizielle Messtool der BNetzA zurückgreifen, um ihre Internetgeschwindigkeit zu überprüfen, ist unsere Sorge nicht ganz unbegründet, dass der installierbaren Version grundlegende Funkionen fehlen werden. Und je umständlicher und unpraktischer die Software ausfallen wird, umso weniger Nutzer werden Messungen anstellen, was wiederum den Netzbetreibern hilft.
Software soll unser Leben einfacher machen
Deshalb haben wir sieben offensichtliche und grundsätzliche Punkte zusammengestellt, die die Software aus unserer Sicht erfüllen muss. Wir gehen davon aus, dass die BNetzA das Testverfahren an sich bereits abgeklopft hat und dass dieses weitgehend der Browser-Variante entspricht.
- Open Source. Damit lässt sich einerseits überprüfen, was die Software genau macht. Andererseits macht es die Portierung auf andere Plattformen, beispielsweise OpenWrt, einfacher, wenn Freiwillige Zugang zum Quelltext haben.
- Unter gängigen Betriebssystemen lauffähig. Darunter verstehen wir Betriebssysteme, die verbreitet sind und vom jeweiligen Hersteller unterstützt werden – also mindestens Windows 7, OS X 10.9 und Ubuntu 12.04.
- Schlank und ressourcenschonend. Die Software sollte ständig im Hintergrund laufen können, ohne unnötig den Rechner zu belasten. Idealerweise sollte sie optional auch als Hintergrunddienst ohne grafische Bedienoberfläche funktionieren.
- Vollautomatisch. Software ist dazu da, uns das Leben einfacher zu machen – insbesondere, indem sie uns stupide, wiederkehrende Aufgaben abnimmt. Sie muss also durchgängig automatisierbar sein. Das soll valide Messungen sicherstellen, die dann direkt in den Jahresbericht der Breitbandmessung einfließen: also etwa täglich mindestens zehn Messungen zu unterschiedlichen Uhrzeiten. Zudem sollte die Software von selbst erkennen, wenn man nicht zu Hause ist beziehungsweise das Netzwerk wechselt, entsprechend nachfragen und die Messung gegebenenfalls abbrechen und zu einem späteren Termin wiederholen. Selbstverständlich sollte all dies konfigurierbar sein.
- Übersichtlich. Nutzer sollten auf einen Blick erkennen können, wie es um die Qualität ihrer Internetverbindung bestellt ist. Sollte die Messung ergeben, dass der Netzbetreiber nicht die vertraglich zugesicherte Leistung erbringt, dann sollte das die Software klar ersichtlich anzeigen: beispielsweise mit einem rot markierten Testergebnis, samt einem Link zu einer Troubleshooting-Webseite sowie zur Schlichtungsstelle der BNetzA.
- Offene Formate. Die lokal vorliegenden Messergebnisse sollten bereits innerhalb der Software anschaulich dargestellt werden, beispielsweise in einer kalendarischen Ansicht oder einer Kartenansicht. Damit die Ergebnisse aber nicht verstauben und auch von anderen für beliebige Visualisierungen genutzt werden können, müssen die Ergebnisse in einem offenen, standardisierten Format exportierbar sein.
- Datensparsam. An die BNetzA übermittelte Datensätze sollten so minimal gehalten sein wie nur möglich und selbstverständlich in anonymisierter Form gespeichert werden.
Über weitere Vorschläge freuen wir uns in den Kommentaren.
Update, 28.Juli: SkyDSL betont, dass die Testseite breitbandmessung.de für ihre Kunden grundsätzlich erreichbar gewesen sei. Allerdings konnten diese den „Test vorübergehend nicht vollständig“ durchführen, da „die Bundesnetzagentur ihren (closed source) Test auf eine neue Websocket-Version aktualisiert und die Provider darüber nicht informiert“ habe. Nach dem Hinweis durch die BNetzA habe man die Inkompatibilität mit der von SkyDSL eingesetzten Accelerator-Hardware „innerhalb weniger Tage“ beseitigt, teilte uns die Pressestelle von SkyDSL mit.
Zudem unterstützt SkyDSL ausdrücklich unsere Forderung, dass offiziell eingesetzte Software der BNetzA Open Source sein sollte. „Wäre dies der Fall, wäre der von Ihnen beschriebene Fall nicht zu Stande gekommen“, so der SkyDSL-Sprecher.
Update, 29.August: Auch eifel-net weist die Aussage der BNetzA zurück, die Testseite blockiert zu haben. „Dies würde einen Eingriff in die Netzneutralität bedeuten“, teilte uns Michael Bergeritz, Geschäftsführer der eifel-net, mit. Ein Bürgermeister einer bayrischen Gemeinde hätte vor mehr als einem Jahr die Testseite für einen Publicity-Stunt missbrauchen wollen, der sich jedoch in Folge als unwahr erwiesen habe. „Daher wurde auch zu keinem Zeitpunkt seitens der Bundesnetzagentur ein Bußgeld erwogen geschweige denn verhängt“, so Bergeritz.
