Technologie

Busty, Blond, Blowjob: Pornhub führt Gesichts- und Mustererkennung ein

Die Videoplattform Pornhub will alle hochgeladenen Videos mit künstlicher Intelligenz durchscannen und verschlagworten. Dabei sollen auch die Namen der Darstellerinnen und Darsteller erfasst werden. Was einen Mehrwert für die Nutzerinnen und Nutzer bringen soll, hat Auswirkungen auf Datenschutz und Privatsphäre.

All rights reserved Atikh Bana / Unsplash.com

Die Erotikplattform Pornhub hat angekündigt, dass sie die Videos auf ihrem Portal mit künstlicher Intelligenz durchscannen und verschlagworten will. Was für die Nutzer der Plattform das Finden ihrer Lieblingsdarstellerinnen und -darsteller erleichtern soll, könnte sich als Datenschutzproblem für Amateurmodels und Opfer von heimlich gedrehten Videos erweisen.

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Bislang hat Pornhub nach eigener Aussage etwa 50.000 Videos durchgescannt. Anfang des Jahres 2018 sollen alle fünf Millionen Videos erfasst sein. Dann sollen User nach Namen, Haarfarben, Sexpraktiken und Fetischen praktisch suchen können. „Ein Schatz für die Wissenschaft“ könnten die Daten sein, sagt Dramaturgin Tina Lorenz, die an der Universität zum Thema Pornografie geforscht hat. „Pornos erzählen uns ja was über die Tabus unserer Gesellschaft, und über die Sehgewohnheiten und das Schauverhalten der Benutzer lässt sich auch einiges ablesen.“

Informationen über die Tabus der Gesellschaft

„Interessant wird werden, ob die künstliche Intelligenz spezifischer verschlagworten wird als bisher, wo Attribute wie busty blond blowjob die Beschreibungen dominieren“, so Lorenz weiter. „Schlagworte beschreiben typischerweise die Frau und das, was sie tut beziehungsweise mit ihr getan wird, und das ist meistens nicht politisch korrekt, sondern sehr to the point.“ Lorenz ist zudem gespannt, wie die Technologie Sexpraktiken und Fetische unterscheiden wird: „Das ist nicht immer übersichtlich, was da passiert.“

Kritisch sieht Lorenz die Folgen von Gesichtserkennung beim Scannen der Videos: „Für Amateure oder Leute, die sich von der Industrie irgendwann verabschieden, ist das in der Tat nicht ideal. Bisher versendet sich das auf den Plattformen total, vor allem wegen der Verschlagwortung.“ Weil die User nicht mehr mit Namen verschlagworten, sondern nur noch mit Attributen und Sexpraktiken, würden die Darstellerinnen und Darsteller in den Schnipseln wieder anonym. Das Star-System sei so ein bisschen verschwunden. „Das macht es leichter, unerkannt zu bleiben oder auch Abstand von der Szene zu nehmen“, so Lorenz weiter. Dem stehe nun die Gesichtserkennung entgegen.

Pornhub: Gesichtserkennung nur für Stars der Szene

Pornhub hat angekündigt, die Gesichtserkennung und Namenszuordnung aus diesen Überlegungen heraus nur für bekannte Darsteller/innen nutzen. Auch der von Motherboard befragte Medienanwalt Neil Brown schätzt eine Zuordnung als gefährlich ein. Besonders schwerwiegend sei es, wenn die Gesichtserkennung auf den Porno-Plattformen mit der auf sozialen Netzwerken verknüpft würde. Auch wenn Pornhub die Technologie ethisch einwandfrei anwendet, ist nicht ausgeschlossen, dass die in den nächsten Jahren immer einfacher verfügbare Software für Gesichts- und Mustererkennung von Dritten genutzt werden kann, um Darstellerinnen und Darsteller sowie Opfer heimlicher Aufnahmen zu enttarnen, zu stalken oder unter Druck zu setzen.

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13 Kommentare
  1. Amateure sind doch selbst schuld. Nicht dass ich es verurteilen würde, aber was denkt man sich bitte, wenn man als Amateur in einem Porno mitwirkt, oder Nacktbilder von sich online stellt.
    Auch ganz ohne KI kommt das raus. Es kommt immer raus! Irgendwer sieht es und kennt dich.

    Das wars dann mit der Karriere. In keiner seriösen Firma dieser Welt hat man dann noch große Aufstiegschancen. Auch im Bekanntenkreis wird man nie wieder so gesehen, wie zuvor.
    Viel Spaß es den Eltern zu erklären, die bestimmt total begeistert von ihrer Zeugung sind.

    Es fördert sicher nicht den Datenschutz, aber die KI ist in diesem Punkt keine größere Gefahr.
    Vorher wurden schon fleißig die Namen der Darsteller getagt. Die meisten Videos sind mehrfach auf unterschiedlichen Plattformen zu finden. Ist sowas einmal im Internet bleibt es dort für Ewig.
    Jetzt wird es halt nochmal leichter etwas zu finden.

    1. Sicher, dass mag bei vielen altmodischen Schuppen noch so sein. Wir suchen zurzeit beispielsweise eine Bürokraft, Leitung Versand. Was die/der Bewerber privat treibt, ist uns komplett egal. Es zählt nur die fachliche Leistung, Disziplin und Teamfähigkeit. Ob sie/er ein Pornosternchen sind, was macht das denn aus? Wenn das jemand wirklich mal beim Vorstellungsgespräch zugeben würde (was uns noch nie passiert ist), dann würde ich klar sagen: Die Person hat Mut, steht zu dem was sie macht, kann sich behaupten. Das wäre für mich als Entscheider klar ein Pluspunkt.

  2. Auch wenn der Tenor des Artikels eher von einer Gefahr ausgeht wenn auch im Pornobereich die Gesichtserkennung Einzug hält, könnte gerade hier das Gegenteil passieren.

    Jedenfalls reizt mich der Artikel zu folgender Überlegung:
    Da in der Öffentlichkeit, dort wo sich traditionsgemäß Menschen angezogen und bedeckt begegnen, jegliche Vermummung mehr und mehr verboten wird, könnte es als Reaktion darauf im unbekleideten Sektor um so interessanter werden sich vermummt dar zu stellen und damit jegliche Gesichtserkennung auszutricksen.

    Jedes Biedermeier braucht auch seine Ventile.
    Wohin flüchtet sich der in der Öffentlichkeit durch Überwachung zwangsentkleidete Mensch, der in jedem Moment in seinen Handlungen und Absichten erkennbar wird?
    Eine Privatheit im Netz, in der nackt aber anonym agiert wird, könnte so ein Ventil sein.
    „Seht her ich bin frei und tue in meiner Privatheit was ich will.“
    Dies wäre Demonstration, Provokation und Rückzug in einem.

    Mal sehen welche Phänomene uns die Massenüberwachung bringen wird.
    Die Perversität der Massenüberwachung wird sich auf sehr viele Bereiche auswirken.
    In einigen Bereichen könnten auch geradezu paradoxe Entwicklungen zum tragen kommen.

  3. Supi , mehr Pornhub stats sind immer „gut“ .
    Ich Lach immernoch über die top searches vom vorigen Jahr.
    // https://www.pornhub.com/insights/pornhub-2015-year-in-review .. // <— linkt NICHT auf porn!!
    Wenn sie es in ihr sys integrieren, wollen wir bitte auch immer die stats haben .Ich denk das Soziologen etc. diese Daten gut gebrauchen können.
    Nochwas ernstes.
    Es könnte die erkennung und löschung von "racheporn" sehr einfach machen und so den opfern eine schnelle möglichkeit geben ihre identität auf diesen seiten zu löschen.
    Potenzielle massenüberwachung sehe ich HIER nicht als großes problem.
    Da gibt es einfachere und viel billigere Wege als sich das selbst zu bauen.
    lg

  4. Liebe pornhud admins,

    ich war nie in der Pornobranche tätig, noch haben ich mein Einverstädnis gegeben Film- und Bildmaterial von mir zu veröffentlichen. Löschen sie video xyz und jedes weitere Video in dem ich zu sehen bin. Danke.
    So einfach ist das.

  5. Soweit ich das richtig verstehe, sind die Betreiber von „Pornhub“ Geschäftsleute, d.h mit Meldeadresse und somit bestrebt den Recht der Bezugsländer zu entsprechen. Somit gibt der SCAN Personen die unfreiwillig oder gar unwissentlich auf der Plattform gelandet sind, doch eine erheblich bessere Möglichkeit das Zeug umfassend löschen zu lassen. Wer selbstbestimmt hochlädt stimmt ja zu, dass seine Filme gesehen werden können, Jedoch besteht hier eine Rechtslücke, denn nicht nur bei PornHub mißbraucht hier offensichtlich AGBs um Uploader für ewig als Rechtsvogelfrei zu behandeln. Hier ist der Gestzgeber gefragt, solche AGBs als Sittenwidrig zu klassifizieren. Leider gibt es für diese einfache Forderung keine Lobby, hätte dann doch Google, Wikipedia und Co, ebenso wie besonders Googles „Creative Commens“ eine Riesenproblem mit den kostenlosen Einverleiben von Content Dritter. Vielleicht nimmt somit die Porno Industrie mal wieder eine Digitale Vorreiterrolle, um das absurd verlogene System des „freien Teilens“ zu demaskieren.

  6. …Soweit ich das richtig verstehe, sind die Betreiber von „Pornhub“ Geschäftsleute, d.h mit Meldeadresse und somit bestrebt den Recht der Bezugsländer zu entsprechen. Somit gibt der SCAN Personen die unfreiwillig oder gar unwissentlich auf der Plattform gelandet sind, doch eine erheblich bessere Möglichkeit das Zeug umfassend löschen zu lassen. Wer selbstbestimmt hochlädt stimmt ja zu, dass seine Filme gesehen werden können, Jedoch besteht hier eine Rechtslücke, denn nicht nur bei PornHub mißbraucht hier offensichtlich AGBs um Uploader für ewig als Rechtsvogelfrei zu behandeln. Hier ist der Gestzgeber gefragt, solche AGBs als Sittenwidrig zu klassifizieren. Leider gibt es für diese einfache Forderung keine Lobby, hätte dann doch Google, Wikipedia und Co, ebenso wie besonders Googles „Creative Commens“ eine Riesenproblem mit den kostenlosen Einverleiben von Content Dritter. Vielleicht nimmt somit die Porno Industrie mal wieder eine Digitale Vorreiterrolle, um das absurd verlogene System des „freien Teilens“ zu demaskieren.

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