Überwachung

Bundeskriminalamt möchte Handy-Ortung mit IMSI-Catchern ausbauen

Bis 2020 will das Bundeskriminalamt seine Fähigkeiten zur Ortung und Identifizierung von Mobiltelefonen verbessern. Ein entsprechendes Forschungsprojekt wird von der EU-Kommission mitfinanziert. Es sollen fest installierte und mobile IMSI-Catcher eingesetzt werden.

IMSI-Catcher simulieren eine Funkzelle, in die sich die Mobiltelefone der Umgebung einbuchen. (Symbolbild) James Sutton/CCO

Das Bundesinnenministerium plant den verstärkten Einsatz sogenannter IMSI-Catcher zum Lokalisieren von Mobiltelefonen. Unter dem Namen „Catch“ hat das Bundeskriminalamt (BKA) ein entsprechendes Forschungsprojekt gestartet, das von der Europäischen Kommission im Rahmen des Inneren Sicherheitsfonds (ISF Sicherheit) mit 338.580 Euro unterstützt wird.


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IMSI-Catcher simulieren eine Funkzelle, in die sich die Mobiltelefone der Umgebung einbuchen. Kriminalämter nutzen die Geräte, um einer Zielperson ein Mobilfunkgerät zuordnen zu können. Zusätzlich zum Standort eines aktiv geschalteten Mobilfunkgerätes werden die Geräte- oder Kartennummer ermittelt. Daraufhin können bei den Telefonanbietern weitere Auskünfte angefragt werden, darunter Bestandsdaten zu den BesitzerInnen, Verkehrs- oder Inhaltsdaten. Einige IMSI-Catcher erlauben auch das Mithören von Gesprächen. Laut dem Bundesinnenministerium wird diese Funktion von den Kriminalämtern aber nicht genutzt.

Mehrfachmessung für genauere Ortung

Das BKA-Projekt hat eine Laufzeit von vier Jahren, weitere Partner sind nicht beteiligt. Bei der Europäischen Union läuft „Catch“ unter der Förderlinie „Organisierte Kriminalität“. Dort finanzierte Vorhaben dienen der Stärkung der „Fähigkeit zur Aufdeckung und Zerschlagung krimineller Netzwerke sowie zur Verhütung entsprechender Straftaten“.

In der gestrigen Fragestunde des Bundestages hat der parlamentarische Staatssekretär Günter Krings weitere Details zu „Catch“ mitgeteilt. Demnach soll das BKA in die bessere Lage versetzt werden, IMSI-Catcher „bedarfsgerecht und je nach taktischen Erfordernissen in den Einsatz bringen zu können“. Dabei soll die Behörde zusammen mit fest installierten auch mobile IMSI-Catcher einsetzen. Durch die Mehrfachmessungen soll die Ortung genauer werden. Schließlich wird das Forschungsprojekt auch mit der „Eigensicherung der eingesetzten Polizeibeamten“ begründet, da die PolizistInnen stets „im Nahbereich der Zielperson agieren“ müssten. Weitere Erläuterungen liefert das Bundesinnenministerium hierzu nicht.

Im zweiten Halbjahr 2016 hat das BKA in 16 Fällen IMSI-Catcher genutzt, im Halbjahr zuvor waren es noch 23 Fälle. Auch die Bundespolizei ortet Mobiltelefone. Im ersten Halbjahr 2016 gab es dazu 36, im zweiten Halbjahr 19 Einsätze. Weil die Generalzolldirektion keine eigenen IMSI-Catcher hat, erfolgen die meisten Einsätze der Bundespolizei in Amtshilfe für die Behörde des Finanzministeriums.

Auch Geheimdienste nutzen IMSI-Catcher

Auch im Rahmen von Ermittlungen des Generalbundesanwalts werden IMSI-Catcher genutzt. Die Behörde holt sich hierzu Amtshilfe von Landeskriminalämtern oder auch Polizeipräsidien wie beispielsweise aus Köln und Düsseldorf. Die Zahl der Einsätze erlaubt keinen Rückschluss auf die Zahl der Überwachten. Im zweiten Halbjahr 2016 lag die Zahl der betroffenen Personen beim BKA etwa doppelt so hoch wie jene der Ermittlungsverfahren. IMSI-Catcher werden von der Wiesbadener Behörde auch zur Ortung von Vermissten eingesetzt.

In der jährlichen Unterrichtung durch das Parlamentarische Kontrollgremium (die G-10-Kommission) werden auch IMSI-Catcher-Einsätze der Geheimdienste bekannt. Der kürzlich für das Jahr 2015 vorgelegte Bericht (pdf) liefert Angaben für das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) und den Militärischen Abschirmdienst (MAD). Demnach hat das BfV in 18 Fällen mit 21 Betroffenen IMSI-Catcher genutzt, der MAD in einem Fall mit drei Betroffenen. Der überwiegende Teil der Einsätze habe den „islamistischen Bereich“ betroffen. Angaben zur Nutzung von IMSI-Catchern durch den Bundesnachrichtendienst liefert die G-10-Kommission nicht.

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14 Kommentare
      1. „Die Aktion T4 ist eine nach 1945 gebräuchlich gewordene Bezeichnung für die systematische Ermordung von mehr als 70.000 Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen in den Jahren 1940 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa 1945 während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland. Die systematische Ermordung „unwerten Lebens“ wurde bis zur bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht und dem Untergang des „Dritten Reichs“ ausgeübt.

        Neben rassenhygienischen Vorstellungen der Eugenik sind kriegswirtschaftliche Erwägungen während des Zweiten Weltkrieges zur Begründung herangezogen worden. Gleichzeitig mit ersten kirchlichen Protesten wurden die Tötungen nach „Leerung“ ganzer Anstaltsteile von „Heil- und Pflegeanstalten“ (vor 1934 gewöhnliche Bezeichnung: „Irrenanstalt“) seit 1942 nicht mehr zentral, sondern weniger offensichtlich und dezentral fortgesetzt.[1]

        „T4“ ist die Abkürzung für die Adresse der damaligen Zentraldienststelle T4 in Berlin: Tiergartenstr. 4.“

        https://de.wikipedia.org/wiki/Aktion_T4

    1. Die Fragen war kein Scherz. :o
      Wie könnte das etwas anderes als „denkt doch auch an die Kinder!“ sein?
      Was könnten die Dinger, was eine stille SMS nicht besser, weil flächendeckend, könnte?
      Ich glaub auch nicht, daß die mit den Dingern durch den Wald rennen würden, zumal es da bestimmt auch reine Empfangsgeräte ohne die Bescheißfunktion, dafür aber mit empfindlicherer Empfangseigenschaft geben könnte.

      1. Es könnte natürlich in ländlichen Regionen mit geringer Funkzellendichte Sinn machen.
        Vermutlich ist es aber nur ein fadenscheiniges Argument.
        Aber könnte auch gleich so werben: IMSI-Catcher dienen dem „Schutz von Leben, Gesundheit und Freiheit“ – klingt doch viel besser. Wer will da nicht so ein Gerät im Schlafzimmer haben.

        Catching dient in erster Linie dazu, überhaupt eine IMSI dem Verdächtigen zuordnen zu können. Denn dieser wird für illegale Aktivitäten eine Prepaid-Karte nutzen oder seinen Vertrag auf einen anderen bzw. falschen Namen laufen lassen.

  1. Notlösung dafür: Das Handy nicht mehr mit sich herum schleppen. Smartphone erst gar nicht anschaffen. Ganz einfach! Wer es so nicht macht der hat eben Pech gehabt. Ich kann gut am Tage ohne Handy leben. Hat ne Weile gedauert um sich wieder daran zu gewöhnen kein Handy bei sich zu haben aber es geht jetzt prima!!!

  2. „Einige IMSI-Catcher erlauben auch das Mithören von Gesprächen. Laut dem Bundesinnenministerium wird diese Funktion von den Kriminalämtern aber nicht genutzt.“

    Natürlich nicht, warum auch? Ein Missbrauch findet ja nicht statt!

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