Netze

Backbone-Sperre: Weltweit Torrent-Tracker und Streaming-Seiten betroffen

Die Routerfreiheit gilt auch für Bestandskunden. CC BY-NC 2.0, via flickr/Santiago Cabezas

Anfang Februar konnten weltweit Nutzer Torrent-Tracker und Streaming-Seiten nicht mehr erfolgreich erreichen. Der Backbone-Provider Cogent soll zugehörige IP-Adressen gesperrt und so die Verbindung zwischen Nutzer und Ziel-Server gekappt haben. Auffällig ist, dass alle betroffenen Seiten Kunden von Cloudflare sind. Dies berichtet Torrentfreak.


netzpolitik.org - ermöglicht durch Dich.

Cloudflare teilt all diesen Seiten die gleichen öffentlichen IP-Adressen zu, welche auch für die meisten Nutzer erreichbar sind. Wenn aber die Seite über das Backbone-Netzwerk von Cogent aufgerufen wurde, traten Fehler beim Routing auf. Dies belegt Torrentfreak durch so genannte backbone routing checks, welche die verschiedenen Schritte durch die weltweiten Router auflistet.

Auch Nutzer aus Deutschland beklagten sich über eine mögliche Sperre, unter anderem aus dem Vodafone-Netz. Jedoch kann kein Vorsatz seitens Cogent noch ein Grund ausgemacht werden. Torrentfreak zitiert einen Sprecher Cogents, demnach „solche Entscheidungen nicht mit Dritten diskutiert werden“.

Nichtmal der sonst übliche Einsatz von Virtual-Private-Networks (VPN) kann diese Art der Sperre zwangsläufig umgehen, da sie auf nicht auf IP-, sondern Peering-Ebene passiert.

Update 15.02.2017: Internetprovider können und werden in Schweden mit geltendem EU-Recht gezwungen, The Pirate Bay zu blockieren, berichtet Der Standard. Sprecher von Providern zeigen sich empört. Sie wiesen darauf hin, dass eine solche Art von Sperre Urheberrechtsverletzungen nicht effektiv unterbinden könnte und das neue Gesetz eine erhebliche Gefahr für das freie Internet darstelle.

Weitersagen und Unterstützen. Danke!
15 Kommentare
  1. Ich frage mich warum diese Torrent Tracker usw denn nicht im Darknet betrieben werden können. Piratebay als TOR Seite dürfte doch wohl kaum zu blockieren sein.

    1. Natürlich „können“ sie dort betrieben werden, das schränkt aber die Sichtbarkeit für die Allgemeinheit drastisch ein. Das dürfte auch der Grund sein, warum die genannten Dienste nicht im Darknet angesiedelt sind.

    2. Zumal das Torproject explizit davor warnt TOR zum filesharing über torrents zu nutzen:
      https://www.torproject.org/download/download.html.en#Warning

      Was dadran ist und ob es nicht möglich wäre doch ein Programm zur sicheren Torrent Nutzung zu entwickeln, kann ich nicht beurteilen. Allerdings meinen sie ja auch, man würde das Netzwerk unnötig verlangsamen.
      Die Meinung teile ich nur bedingt, denn wo zieht man zur Nutzung die Grenze. Ist Video streming nicht auch schon ein „drag on the network“ ?

      Vielleicht würde sich durch mehr demand auch noch eine Erweiterung des Netzwerkes realisieren…

      1. Mit Tor sollte man es nicht versuchen. Muss man für Torrent nicht eingehende Verbindungen akzeptieren? Dann ist klar, warum es wenig Sinn macht.

        I2P (https://geti2p.net) dagegen hat mit Torrent keine Probleme, es ist sogar extra ein Torrent-Client dabei.

        Es ist vielleicht weniger ausgereift als Tor, wird aber ebenfalls aktiv entwickelt und hat eine ziemlich große Nutzerbasis.

        Man beachte, dass das Torrentnetz innerhalb von I2P separat ist vom Rest des Internet und man noch nicht die gleiche Fülle an Material erwarten kann. Prinzipiell aber ein guter Schritt, das schon einmal parallel zu betreiben.

    3. Hallo Helmut, ich komme gerade wieder zu diesem Artikel, da es aktuell DNS-Netzsperren im Vodafone-Netz gibt.

      Zu deiner Frage: Constanze und ich haben vor einem Jahr versucht, dem nachzugehen. Also, ob TOR solche Sperren auf Peering-Ebene derzeit wirklich umgehen könnte oder durch besseren Code irgendwann mal könnte. Wir konnten die Frage leider nicht beantworten, ich melde mich aber, wenn’s dazu etwas Neues gibt.

  2. sci-hub.cc war ebenfalls betroffen.
    Ist es ein Zufall, dass das genau dann passiert, wenn der Machtkampf zwischen den Wissenschaftsverlagen und den Unis eskaliert? (Seit anfgang des Jahres boykottieren deutsche Unis Elsevier)

    Glücklicherweise stellt sci-hub ebenfalls die TOR variante zur verfügung.

  3. Cloudflare scheint soetwas wie der Putzerfisch des kommerziellen Internets zu sein. Viele Seiten werden durch Cloudflare insbesondere im komerziellen Internet blockiert, wenn man eine TOR – Konfiguration verwendet. Dadurch erhöht man natürlich geschickt den Druck auf TOR, denn bei bestimmten Diensten muss man verzichten, TOR zu nutzen, außer man will zudem noch Google mit Daten befüttern und füllt die Captchas aus. Google sollte unter TOR allerdings rein gar nichts bekommen. Dass nun auch Torrents betroffen sind bei der großen Internetaufräumaktion ist dann eigentlich nur logisch. Irgendwann ist das komerzielle Internet nur noch ein großer Haufen Schrott, der den Nutzer komplett ausziehen wird. Scheint nicht mehr lange zu dauern.

  4. „Schweden mit geltendem EU-Recht gezwungen, The Pirate Bay“

    Die Schweden……. . Prima den den Cableleaks nachzulesen, wie US-hörig beim Thema Copyright Schweden ist.

  5. „Schweden mit geltendem EU-Recht gezwungen, The Pirate Bay“

    Die Schweden……. . Prima in den den Cableleaks nachzulesen, wie US-hörig beim Thema Copyright Schweden ist.

  6. Da man anhand der Daten auf dem Tracker, afaik, nicht sehen kann was konkret geseedet wird, ist das dann nicht Zensur?
    Ich könnte Torrent ja auch nutzen meine Urlaubsbilder mit den Verwandten zu teilen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.