Der Messenger WhatsApp hat verkündet, dass er von nun an Daten an Facebook weitergibt. Zu diesen gehören die Telefonnummer und Daten, wann und wie oft ein Nutzer den Messenger nutzt. Mit diesen Daten kann Facebook seine Nutzer noch detailfreudiger analysieren.
Im PR-Sprech des Unternehmens liest sich die Änderung so:
Durch die Zusammenarbeit mit Facebook haben wir mehr Möglichkeiten, z. B. können wir grundlegende Kennzahlen über die Häufigkeit, mit der Benutzer unsere Dienste verwenden, verfolgen, und besser gegen Spam auf WhatsApp vorgehen. Indem deine Telefonnummer mit den Facebook-Systemen verbunden wird, kann Facebook dir besser Freunde vorschlagen und dir passendere Werbung anzeigen, falls du einen Account dort haben solltest. Du könntest z. B. Werbung von einem Unternehmen sehen, mit dem du bereits in Kontakt standst, anstatt eines vorgeschlagen zu bekommen, von dem du noch nie gehört hast.
WhatsApp war 2014 von Facebook gekauft worden und hat etwa eine Milliarde Nutzer. Das Unternehmen hatte zuletzt geräteübergreifend eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ausgerollt. Mit dem angekündigten Datenaustausch mit Facebook entfernt sich WhatsApp nun wieder von der datenschutzfreundlichen Linie, auch wenn die Verschlüsselung unangetastet bleibt. Bisherige Nutzer des Dienstes können allerdings teilweise dem Datenaustausch widersprechen.
Zeit für den Wechsel? Es gibt Alternativen
WhatsApp ist zwar der Messengerdienst mit den meisten Nutzern, beileibe aber nicht der einzige. Wir möchten hier zwei von vielen Alternativen zu WhatsApp vorstellen: Der kostenpflichtige schweizerische Messenger Threema bietet ähnliche Funktionen. Der Dienst ist jedoch nicht Open Source, dafür muss man ihn jedoch nicht mit einer Telefonnummer verknüpfen. Eine weitere Alternative zu WhatsApp ist Signal. Dieser Messenger ist Open Source, wird von einem Team rund um den Erfinder der WhatsApp-Verschlüsselung entwickelt und nutzt das gleiche Verschlüsselungsverfahren wie WhatsApp. Mit dem kostenlosen Messenger Signal kann man auch verschlüsselt telefonieren. Einziges Manko: Signal muss mit der Telefonnummer verknüpft werden.
Update 26.08.2016:
Das Blog Beimnollar hat nochmal einen anderen interessanten Aspekt der Datenschutzänderung bei WhatsApp beschrieben, die deutlich macht, dass es sich hier nicht um eine kleine Änderung der Datenschutzbestimmungen handelt:
Tatsächlich gibt es bei Facebook schon seit längerem für Werbekunden die Möglichkeit, Ihre Kundendatenbanken hochzuladen und mit der Facebook-Kundendatenbank zu matchen, z.B. anhand von emails, oder eben auch anhand von Telefon-Nummern. Nur war es bisher so, dass in vielen Fällen dieser match nicht klappte, z.B. weil Leute auf Facebook mit anderen emails arbeiten oder weil sie ihre Telefon-Nummer dort nicht ablegen…
Der ganze Whatsapp Deal macht jetzt schlagartig nochmal neuen Sinn, und diese Änderung der Datenschutzbestimmungen ist deutlich mehr als nur eine kosmetische Korrektur. In Zukunft werden also Firmen, die irgendwo mal an Eure Telefon-Nummer gekommen sind mit einfachsten Möglichkeiten Euch Werbebotschaften zustellen können, und zwar personalisierte. Also wirklich im Sinne von “Mayer, warum sind sie gestern so schnell aus dem Laden gestürmt?” Und das nicht nur auf Facebook, sondern zunehmend auch ausserhalb, denn FB baut die Möglichkeiten die eigenen Daten auf Fremdwebsites fürs Targeting zu nutzen permanent aus (wie Google übrigens auch).
Schön ins Bild dazu passt natürlich, dass Mobilfunk-Anbieter zunehmend am Datenbusiness teilnehmen wollen, und Anbietern ebenfalls ermöglichen zusätzliche soziodemographische Daten zur Mobilfunknummer anzureichern.
Damit wird die Mobilfunknummer langsam zu einer Art universal identifier, mit dem Tracking und Targeting über alle Grenzen hinweg möglich ist – im Vergleich dazu erscheinen die bisherigen Cookies wie eine Werbetechnologie aus einer Folge der Waltons.
