Datenschutz

Signal zum Wechsel: WhatsApp gibt jetzt Daten an Facebook weiter

Etwa eine Milliarde Menschen nutzen WhatsApp. Es gibt datenschutzfreundliche Alternativen. Foto: CC-BY 2.0 Cebolledo

Der Messenger WhatsApp hat verkündet, dass er von nun an Daten an Facebook weitergibt. Zu diesen gehören die Telefonnummer und Daten, wann und wie oft ein Nutzer den Messenger nutzt. Mit diesen Daten kann Facebook seine Nutzer noch detailfreudiger analysieren.


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Im PR-Sprech des Unternehmens liest sich die Änderung so:

Durch die Zusammenarbeit mit Facebook haben wir mehr Möglichkeiten, z. B. können wir grundlegende Kennzahlen über die Häufigkeit, mit der Benutzer unsere Dienste verwenden, verfolgen, und besser gegen Spam auf WhatsApp vorgehen. Indem deine Telefonnummer mit den Facebook-Systemen verbunden wird, kann Facebook dir besser Freunde vorschlagen und dir passendere Werbung anzeigen, falls du einen Account dort haben solltest. Du könntest z. B. Werbung von einem Unternehmen sehen, mit dem du bereits in Kontakt standst, anstatt eines vorgeschlagen zu bekommen, von dem du noch nie gehört hast.

WhatsApp war 2014 von Facebook gekauft worden und hat etwa eine Milliarde Nutzer. Das Unternehmen hatte zuletzt geräteübergreifend eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ausgerollt. Mit dem angekündigten Datenaustausch mit Facebook entfernt sich WhatsApp nun wieder von der datenschutzfreundlichen Linie, auch wenn die Verschlüsselung unangetastet bleibt. Bisherige Nutzer des Dienstes können allerdings teilweise dem Datenaustausch widersprechen.

Zeit für den Wechsel? Es gibt Alternativen

WhatsApp ist zwar der Messengerdienst mit den meisten Nutzern, beileibe aber nicht der einzige. Wir möchten hier zwei von vielen Alternativen zu WhatsApp vorstellen: Der kostenpflichtige schweizerische Messenger Threema bietet ähnliche Funktionen. Der Dienst ist jedoch nicht Open Source, dafür muss man ihn jedoch nicht mit einer Telefonnummer verknüpfen. Eine weitere Alternative zu WhatsApp ist Signal. Dieser Messenger ist Open Source, wird von einem Team rund um den Erfinder der WhatsApp-Verschlüsselung entwickelt und nutzt das gleiche Verschlüsselungsverfahren wie WhatsApp. Mit dem kostenlosen Messenger Signal kann man auch verschlüsselt telefonieren. Einziges Manko: Signal muss mit der Telefonnummer verknüpft werden.

Update 26.08.2016:

Das Blog Beimnollar hat nochmal einen anderen interessanten Aspekt der Datenschutzänderung bei WhatsApp beschrieben, die deutlich macht, dass es sich hier nicht um eine kleine Änderung der Datenschutzbestimmungen handelt:

Tatsächlich gibt es bei Facebook schon seit längerem für Werbekunden die Möglichkeit, Ihre Kundendatenbanken hochzuladen und mit der Facebook-Kundendatenbank zu matchen, z.B. anhand von emails, oder eben auch anhand von Telefon-Nummern. Nur war es bisher so, dass in vielen Fällen dieser match nicht klappte, z.B. weil Leute auf Facebook mit anderen emails arbeiten oder weil sie ihre Telefon-Nummer dort nicht ablegen…

Der ganze Whatsapp Deal macht jetzt schlagartig nochmal neuen Sinn, und diese Änderung der Datenschutzbestimmungen ist deutlich mehr als nur eine kosmetische Korrektur. In Zukunft werden also Firmen, die irgendwo mal an Eure Telefon-Nummer gekommen sind mit einfachsten Möglichkeiten Euch Werbebotschaften zustellen können, und zwar personalisierte. Also wirklich im Sinne von “Mayer, warum sind sie gestern so schnell aus dem Laden gestürmt?” Und das nicht nur auf Facebook, sondern zunehmend auch ausserhalb, denn FB baut die Möglichkeiten die eigenen Daten auf Fremdwebsites fürs Targeting zu nutzen permanent aus (wie Google übrigens auch).

Schön ins Bild dazu passt natürlich, dass Mobilfunk-Anbieter zunehmend am Datenbusiness teilnehmen wollen, und Anbietern ebenfalls ermöglichen zusätzliche soziodemographische Daten zur Mobilfunknummer anzureichern.

Damit wird die Mobilfunknummer langsam zu einer Art universal identifier, mit dem Tracking und Targeting über alle Grenzen hinweg möglich ist – im Vergleich dazu erscheinen die bisherigen Cookies wie eine Werbetechnologie aus einer Folge der Waltons.

78 Kommentare
  1. „Signal zum Wechsel“ – war die Zweideutigkeit in der Überschrift beabsichtigt? Sehr gut!

    Nach einer anfänglichen Threema Euphorie nach dem Kauf von WhatsApp durch Facebook ist die Nutzung außerhalb der Nerd-Kreise da leider sehr abgeebt. Der Mensch ist dummerweise ein faules Herdentier.

    1. Könnte auch daran liegen, dass viele Nutzer sich bei Threema gar nicht sehen, da Verknüpfung mit Tel-Nr/E-Mail freiwillig ist. (Ob das an der Freiwilligkeit oder an Misstrauen *Ironie* liegt, ist schwer zu sagen.) Durchsucht man nun das Telefonbuch nach Threema-Nutzern, werden diejenigen schlicht nicht gefunden, obwohl es eigentlich nicht so wenige Nutzer sind. Bei Threema werden übrigens nur Prüfsummen der Telefonnummern verglichen, anstatt wirklich das Adressbuch hochzuladen.

  2. Na super… mit Einführung der end-to-end Verschlüsselung hatte ich gerade wieder angefangen, WhatsApp zusätzlich zu nutzen.

    Wobei mein Hauptmessenger bereits seit Jahren Threema ist, und ich kann wirklich nur positives über Threema berichten. Das einzige was etwas kompliziert ist, ist die Portierung einer bereits verhandenen ID auf ein neues, bzw. resettetes Smartphone. Hier muss unbedingt VORHER bei Threema in der App ein Backup mit Sicherheitsschlüssel angelegt werden. Wird dies nicht getan, sind die Daten leider futsch. (Ausnahme: bei Apple wird im Rahmen des iCloud Backups auch ein Backup von der Threema ID und dem Nachrichtenverlauf angelegt.)

    Wer das nicht weiß, denkt nicht drüber nach und checkt es dann leider erst wenn es schon zu spät ist. Auch die gleichzeitige Nutzung auf 2 Geräten über die gleiche ID ist nicht möglich. Allerdings muss ich dazu sagen, dass dies wohl alles aufgrund der Verschlüsselung nicht anders machbar ist. Und sooo oft wechselt der Ottonormalverbraucher ja sein Smartphone nicht. Das nehme ich also gerne für eine echte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung auf mich.

    Und ansonsten hat der Messenger genau die gleichen Funktionen wie WhatsApp und Co. Also ich wechsele nicht wieder zurück. Und jetzt, wo WhatsApp solche Faxen macht, werde ich das dann gleich wieder deinstallieren. Schade, Zuckerberg. Ich dachte, es würde sich an die gegebenen Versprechen gehalten werden, dass FB und WhatsApp getrennt bleiben würden.

    1. Wenn man sich *nur* die Krypto anschaut, ist allerdings WhatsApp besser als Threema. Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von WhatsApp unterstützt Perfect Forward Secrecy, was bei Threema nicht der Fall ist.

  3. Ich nutze zwar kein WhatsApp, aber leider viele Freunde und Bekannte. Darunter gibt es Spezialisten, die stets argumentieren: „Ich hab zwar WhatsApp, aber kein Facebookkonto.“ Ist das wirklich so, dass Facebook nichts mit den Daten anfangen kann, wenn kein Konto vorhanden ist? Kann mir das fast nicht vorstellen, da FB ja gut vernetzt ist im Internet.

    1. Zwar kein Facebook-Konto, aber wahrscheinlich ein Facebook-Schattenprofil. Meldet sich diese Person nun offiziell bei FB an, schlägt es sofort die richtigen Freunde vor, sobald es diese Person via Kontaktdaten identifiziert hat … und das schon seit Jahren ;)

  4. Ich verstehe die Werbung für Threema und Signal jetzt nicht.
    1.) Facebook hat die Telefonnummer doch sowieso.
    2.) Ich habe neulich in Polen besser mit WhatsApp telefoniert als mit Skype (und kostenlos über WLAN). Wo soll mich da Threema oder Signal, die hier beworben werden, weiterbringen?
    3.) Facebook fragt mich ständig, welche Werbung ich am Liebsten hätte. Hat man mich im Fernsehen noch nie gefragt. Und bei Netzpolitik.org ist die Werbung im redaktionellen Teil für kommerzielle Produkte :-)

    1. Es ist eine Alternativen-Liste mit überaus, berechtigtem Hintergrund. Es ist keine gekaufte Werbung, die dir einfach Konsum aufschwatzen möchte, wie bei Facebook.

      Wenn dir jemand gute Telefonqualität gegen intimste Details deines Privatlebens bietet, sagst du ja? Schlechtes Geschäft ohne Rückgaberecht.

    2. @Frl. Unverständnis
      Ich weiß ja nicht, was Du auf Facebook und WhatsApp so treibst („intimste Details deines Privatlebens“), aber ich gebe dort nichts preis, was nicht sowieso online im Netz ist. Vo daher ist Deine Verschwörungstheeorie nicht nachvollziehbar.
      Auch das Erwähnen von „Liste“ ist maßlos übertrieben: Siganl kann telefonieren, Threema nicht. Gegen Signal werden von anderen Verschwörungstheoretikern andere Verschwörungstheorien ohn Beweis hervorgebracht.
      Bisher sieht es für mich so aus, als wenn das wilde Spekulieren, was man theoretisch alles machen könnte, uns nur die Kraft nimmt, den echten Missbrauch zu bearbeiten: Waffenschieber Steinmeier kann terabyteweise am DE-CIX Beihilfe zur Spionage für eine fremde Macht leisten, alle wissen das, er hat es zugegeben und die Spionage hat keinerlei strafrechtliche Folgen. Das FBI erzählt öffentlich, dass angebliche IS-Kämpfer viel Pornografie sehen. Das bedeutet, das FBI durchschnüffelt im Ausland Festplatteninhalte von ausländischen Bürgern, offenbar, um sie wegen ihrer Sexualverhaltens auszuspionieren, um sie erpressen zu können. Das BKA durchschnüffelt rechtswidrig Festplatten von Bundesbürgern mit dem BKA-Trojaner, der Datenschützer macht keine Sourcecode-Inspektion und stellt seine Erkenntnisse unter Geheimschutz und wird so zum Beihelfer der Straftäter. Und ich soll mich nun aufregen, dass Facebook meine Telefonnummer kennt (die ich bei der Registrierung sowieso angegeben habe) ?.

      Get serious.

      1. Tut mir Leid, aber wenn bereits erwiesene Tatsachen als Verschwörungstheorie abgetan werden, haben wir es hier wohl mit Selbstschutzreaktion zu tun … da hilft argumentieren nicht. Da könnte man noch so oft erwähnen, dass Facebook nicht wartet, bis jemand die gewünschten Daten freiwillig einträgt, sondern sie sich vom Handy abfragt oder anderweitig besorgt. Falls doch novh Interesse an den Tatsachen besteht, einfach mal die Suchmaschine anwerfen. Bis dahin alles Gute …

        1. Ach, ja. Wenn die Firma WhatsApp juristisch auf den Eigentümer Facebook Inc verschmolzen würde, gäbe es kein Datenschutzproblem, sondern die Daten würden nur innerhalb einer Firma verwendet werden.
          Aber als, durch solche juristische Konstrukte mit keiner realen Bedeutung, können sich manche richtig abarbeiten. Wir der Hamburger Datenschutzbeauftragte, der die Zusammenarbeit zwischen Mutter und Tochter „mit Sicherheit“ untersuchen will.
          https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/Caspar-kritisiert-WhatsApp-Datenaustausch,whatsapp314.html
          So wir wir es von unseren geliebten Datenschutzbeauftragten gewohnt sind, die uns schon immer vor ungerechtfertigter Datenweitergabe zwischen Müttern und Töchtern geschützt haben, wir wir es vom BND kennen:
          http://www.sueddeutsche.de/politik/geheime-aussenstellen-des-bnd-sie-sind-mitten-unter-uns-1.1827491
          https://netzpolitik.org/2015/kooperationen-von-privatunternehmen-mit-bnd-verfassungsschutz-und-bsi-informationen-gefaehrden-das-staatwohl/
          Da ich ein bisschen blöd bin, frage ich lieber noch mal: meist Du mit „intimste Details deines Privatlebens“ Deine Telefonnummer? Bei manchen anderen habe ich gehört, dass die öffentlich im Internet steht. Vielleicht gibt es da unterschiedliche Sichtweisen auf Intimität? Ich zum Beispiel nehme anonyme Anrufe nicht an. Aber jede ist anders.

        2. Spannend wird auch die Frage sein, dass sich Facebook mit seiner Tochter WhatsApp auf das „Konzernprivileg“ der neuen Europäischen Datenschutzgrundverordnung berufen kann, die der Grüne Phillip Albrecht so tapfer erstritten hat (um es Facebook und WhatsApp leichter zu machen?). Das Bundesdatenschutzgesetz kannte explizit kein Konzernprivileg. Das ist nun mit der EU DSGVO anders. Dort heisst es dann:
          „Der konzerninterne Datenaustausch auf gesetzlicher Grundlage wird durch die DSGVO erheblich vereinfacht und erleichtert:
          Er richtet sich im Wesentlichen nach Art. 6 Abs. 1 Satz 1 lit. f DSGVO („berechtigte Interessen“), wobei bei sensitiven Daten zusätzlich die Anforderungen des Art. 9 DSGVO zu beachten sind.

          Der konzerninterne Datenaustausch ist durch Erwägungsgrund 48 Satz 1 DSGVO als „berechtigtes Interesse“ privilegiert. Erwägungsgrund 48 Satz 1 DSGVO erkennt für den Konzern “interne Verwaltungszwecke” als ein “berechtigtes Interesse” an:
          „Verantwortliche, die Teil einer Unternehmensgruppe oder einer Gruppe von Einrichtungen sind, die einer zentralen Stelle zugeordnet sind, können ein berechtigtes Interesse haben, personenbezogene Daten innerhalb der Unternehmensgruppe für interne Verwaltungszwecke, einschließlich der Verarbeitung personenbezogener Daten von Kunden und Beschäftigten, zu übermitteln.”
          So schreibt es Niko Härtling hier:
          http://www.cr-online.de/blog/2016/05/24/dsgvo-was-gilt-fuer-den-datenaustausch-innerhalb-eines-konzerns/

          Na, wir werden sehen, was das neue Datenschutzrecht in der EU für den Konzern Facebook bedeutet.

  5. Habe weder What’s App noch Threema und beide sind keine Alternativen für mich. Signal an die Gebundenheit an Google Services allerdings auch nicht. Hab hier „nur“ XMPP und Telegram im Einsatz.

  6. Threema ist meines Erachtens klar die besser Wahl. Signal wird von der US-Regierung finanziell unterstützt. Und dass die Rufnummer angegeben werden muss, ist aus Privatsphäre-Sicht inakzeptabel. Bei Threema gab’s übrigens ein externes Audit, und es ist Hierzulande deutlich weiter verbreitet.

  7. “ Indem deine Telefonnummer mit den Facebook-Systemen verbunden wird, kann Facebook dir besser Freunde vorschlagen und dir passendere Werbung anzeigen, falls du einen Account dort haben solltest. Du könntest z. B. Werbung von einem Unternehmen sehen, mit dem du bereits in Kontakt standst, anstatt eines vorgeschlagen zu bekommen, von dem du noch nie gehört hast.“

    Ein guter Witz. Genau das will ich ja NICHT!

    Ich frage mich eh warum Facebook 22 Milliarden (!) für diesen Messenger ausgibt.
    Für mich riecht das nach mehr als nur nach Daten für personenbezogene Werbung usw.
    Warum zb. ist es so wichtig für FB wann ich in WA online bin?

  8. „Einziges Manko: Signal muss mit der Telefonnummer verknüpft werden. “

    Leider ist das nicht das einzige Manko. Das viel größere ist doch, dass Signal die Metadaten an Google weitergibt, bzw. Google sich diese ungehindert einverleiben kann, weil GCM, auf das Signal aufbaut, nicht einsehbar ist, da kein Open Source.

    1. GCM sagt deiner Signal App nur Bescheid, wenn auf den Signal Servern eine neue Nachricht für dich bereit liegt. Google weiß also nicht mit wem du kommunizierst, sondern nur wann du mit _irgendwem_ über Signal schreibst. Das ist zwar immer noch nicht perfekt, aber schon mal ein großer Unterschied zu den exakten Verbindungsdaten. Es gab mal einen Tweet von einem Signal Entwickler, wo er das etwas ausgeführt hatte ala „There is no metadata leakage in Signal“. Finde ich aber gerade leider nicht.

    1. Gibt es denn mittlerweile vertrauenswürdige Jabber-Apps für iOS, die OTR können? Wir finden Jabber toll. Aber die Empfehlungen sollten ja Alternativen für alle gängigen Smartphone-OS sein, die auch von vielen einfach installiert werden können. Das ist doch der Grund, warum Whatsapp so erfolgreich ist.

      1. Ich würde Conversations mit OMEMO auf Android empfehlen, für iOS soll ChatSecure mit OMEMO ausgestattet werden. Auf dem Desktop kann gajim damit ausgestattet werden. Dahinter verbirgt sich die Signal-Crypto-lib xolotl.
        Auf Android top, auf Linux noch mit etwas Handarbeit aus externem Repo, iOS braucht wohl noch ein paar Monate, Windows weiß ich nicht.

          1. ich denke auch, es ist einfach inakzeptable als alternative zu whatsapp closed source produkte vorzustellen. selbst wenn da „ein audit“ stattgefunden haben soll.

  9. Die Wahl der WhatsApp-Alternative ist ein bisserl haarig. Signal ist Open-Source-Software, setzt aber proprietären Google-Code auf dem Gerät voraus (überhaupt hat der Entwickler Moxie Marlinspike mittlerweile eine sehr unangenehme Nähe zu Google entwickelt). Threema ist proprietär und damit reine Vertrauenssache (was nicht die beste Voraussetzung für sicherheitsrelevante Software ist – daran ändert auch ein positves Audit für eine nicht mehr aktuelle Version nichts).

    Conversations (conversations.im) enstpricht am ehesten dem Reinheitsgebot. Es ist quelloffen, basiert auf XMPP – damit bietet es ein föderiertes System, läuft also nicht wie Threema und Signal über einen zentralen Anbieter/Server. Für End-zu-End-Verschlüsselung kommt OMEMO zum Einsatz (beruht auf dem bewährten Signal-Protokoll). Die Pferdefüße von Conversations (bzw. XMPP/OMEMO): Zur Zeit nur für Android. Und möglicherweise für Technikferne zu komplizert in der Einrichtung (erst mal muss man sich – z.B. bei jabber.ccc.de, jabber.piratenpartei.de oder jabber.at) einen XMPP-Account zulegen, dann gibt es aus Sicherheitsgründen keinen automatischen Abgleich mit dem Adressbuch zum Auffinden von Kommunikationspartnern, sondern die müssen händisch authentifiziert werden.

    Ein nutzerfreundlicherer Kompromiss wäre Kontalk (kontalk.org), allerdings mit gewissen Abstrichen (kein PFS).

  10. Ich habe nie richtig verstanden, wieso bei diesen immer wiederkehrenden Diskussionen praktisch nie QuickMSG (http://quickmsg.vreeken.net/) in die Runde geworfen wird. Wo ist denn das Problem mit diesem Benachrichtiger? Ende-zu-Ende ist gegeben (PGP) und es wird bestehende und dezentrale E-Mail-Infrastruktur genutzt. Ein kompletter Shutdown wie WhatsApp das ja schon mehrfach erlebt hat (z.B. in Brasilien) ist damit sehr unwahrscheinlich. Irgendeine olle Gratismailbox reicht wohl völlig aus. Man braucht ebenso wenig eine Telefonnummer bzw. noch nichtmal eine SIM-Karte. Der Quelltext ist offen und ein profitorientierter Konzern steht soweit ich weiß auch nicht dahinter. Man kann sich das Ding auch besorgen, auch ohne Google wieder alles zu verraten, z.B. bei F-Droid.
    Der einzige kleine Nachteil den ich sehe, ist durch die Verwendung von PGP das fehlende PFS.
    Aber sonst… Wieso verwendet das kaum jemand? :)

  11. Kennt eigentlich jemand wire.com? Das scheint die eierlegende Wollmichsau zu sein:
    – E2E Encryption
    – Multidevice Support (inkl. Desktopversion)
    – (Video-) Telefonie

    Damit ließe sich ultimativ sogar Skype ablösen. Aber irgendwie ist das bisher gar nicht verbreitet, sprich ich kenne aktuell niemanden der das nutzt. Und vielleicht wird es deswegen auch trotz der vielversprechenden Eigenschaften (https://wire.com/privacy/) auch kaum öffentlich empfohlen.

    1. Ach ja, eine (für mich wichtige) Sache hab ich vergessen: Der Account ist auch unabhängig von einer Telefonnummer, es wird nur eine Emailadresse benötigt.

    2. Bei Wire stellt sich die Frage, wie sich das ganze finanziert. Eine Briefkastenfirma in der Schweiz mit US-Bürgern als Eigentümer ist nicht besonders vertrauenserweckend.

  12. Heute konnten drei(?) Jugendliche nach einem Streich von der Polizei gefasst werden, weil sie Whatsapp zur Verabredung nutzten. Das zeigt: Auch für kleinere Verbrechen (hier Hausfriedensbruch auf einer Industriealage) werden Verbindungsdaten/Ortung schon genutzt. Und die Polizei hat sehr schnell Zugriff auf „verschlüsselte“ WA-Nachrichten.

    1. Gibt es dafür eine belastbare Quelle? Das ist nicht so gemeint, dass ich die Behauptung anzweifle, aber mit einer Quelle argumentiert es sich besser.

      1. Man, man, man, das soll doch keiner wissen -.-

        Ihr sollt es ja schließlich benutzen. Ich mein der neue Diebstahlschutz von Apple ist auch sehr gut für Euch. Gebt Ihr euer Smartphone einem unbekannten Fingerabdruck, wandern die Daten gleich in die USA und das Mikrofon geht auf. Passiert vermutlich auch mit dem Eigentümer. So hat das FBI, die CIA gleich alles da was sie so braucht, kann man sicher auch die Deutschen Behörden „ranhängen“ :-).

        Macht nur weiter. Die Rechnung kommt. Personen, die sowas nutzen haben einfach gar nichts kapiert und zerstören die demokratische Grundordnung, in der wir seit Jahrzehnten leben. Denn sie ziehen andere ebenfalls rein mit ihrem Smartmist.

    2. Meldungen, in denen es heißt, es sei Whatsapp Kommunikation ausgewertet worden, bedeuten immer, dass die Polizei das Handy beschlagnahmt hat und einfach WhatsApp aufgemacht hat. Es wurden keine Daten abgefangen oder so. Das Handy ortung benutzt wurde kann ich mir schon eher vorstellen, allerdings kann ich mich erinnern, dass die Kriminalstatistik des letzten Jahres zeigte, dass insgesamt nur sehr wenig handyortungen angefordert wurden. Ich vermute eher dass irgendein Anwohner oder Augenzeuge die Polizei verständigt hat.

    3. Mit halbgaren Nachrichten Verschwörungstheorien basteln ist schon sehr strange. Man aknn dann auch Schlüsselwörter in einen Zufalsgenerator werfen: Facebook böse, geht immer. Auch wenn Thilo nicht mehr in S-H ist. :-) Oder WhatsApp ist die Hölle und Nutzer sind Hexen. Wer mehr der Realität zugeneigt ist, kann sich öffentlich informieren. Aber Vorsicht: ich habe den Artikel mit Google gefunden. Also das Böse (TM) überhaupt :-)
      http://www.mopo.de/news/panorama/gefaehrliche-mutprobe-jugendliche-klettern-auf-222-meter-hohen-fernsehturm-24647684

    1. …wenn ich sowas immer lese „..hat bei mir abgelöst“
      Hach wie schön wäre das doch wenn DAS so einfach wäre. Selbst nach so viel Monaten hat Threema noch nicht die kritische Masse an „Normalos“ erreich, dass man Ihn wirklich brauchbar nutzen kann und jetzt wo WhatsApp ja auch verschlüsselt bekommst man noch weniger Leute zu wechseln. Warum sollte ich da jetzt eine noch unbekanntere Messengerr Variante nutzen (BubCon) ? Mit mir selbst reden , oder mit Zufallskontakten ;-)

      Leider alles nicht praktikabel :-(

      1. Inzwischen wurde der Messenger wohl komplett überarbeitet und scheint nun eine wirkliche Alternative zu sein, da man laut Presse die Firma Syss, sollte Fachleuten ein Begriff sein, das Ganze hat auf Herz und Nieren prüfen lassen. Wenn die sagen, der ist sicher, dann ist der sicher.

        1. Verzeihung, aber ich habe grade einen veritablen Lachkrampf abgewehrt. Ja, ist Fachleuten ein Begriff, nur keiner, der mit Expertise verbunden ist.

  13. Ich hasse es, dass du WhatsApp immer so schlecht von den Medien dargestellt wird. Meines Wissens nach ist es jetzt einfach so, dass man nach dem Update gefragt wird, ob man seine WhatsApp Daten mit Facebook synchronisieren möchte. Das ist absolut nichts schlimmes. Es erfolgt keine „heimliche“ Weitergabe, es wird lediglich eine Option hinzugefügt. Und selbstverständlich müssen die Datenschutzlrichtinien dahingehend geändert werden, da diese Maßnahme ja sonst rechtlich nicht zulässig wäre.

    1. Es ist richtig, dass eine Option zum Widerspruch bzgl. der Synchronisation hinzugefügt wurde. Aber:

      „[…]Die Facebook-Unternehmensgruppe wird diese Information trotzdem erhalten und für andere Zwecke, wie Verbesserung von Infrastruktur und Zustellsystemen, des Verstehens der Art der Nutzung unserer bzw. ihrer Dienste, der Absicherung der Systeme und der Bekämpfung von Spam, Missbrauch bzw. Verletzungshandlungen.“ (Quelle: https://www.whatsapp.com/faq/general/26000016)

      Davon steht unter dieser „Option“ nichts, was soll diese „Option“ also?

      Wenn man die o.g. Information erst in der FAQ suchen muss (die man natürlich nach jedem Update aufs neue liest, nicht wahr?) und nicht klar kommuniziert, kann man schon von „heimlicher Weitergabe“ sprechen.

    2. Aber warum denn bei WhatsApp bleiben, wenn es offene, bessere und datenschutzfreundlichere Alternativen gibt? Das Argument, dass alle da sind, ist halt auch keines, wenn man nicht selbst versucht im Freundeskreis einen anderen Messenger zu etablieren.

      1. Folgenden Passus aus den AGB finde ich persönlich am frechsten.
        Damit wälzen sie das rechtliche Risiko auf ihre Nutzer ab.
        Mich hat noch niemand gefragt ob er/sie meine Nummer an Facebook weitergeben darf und macht sich m.E. strafbar damit:

        ************
        Adressbuch. Du stellst uns regelmäßig die Telefonnummern von WhatsApp-Nutzern und deinen sonstigen Kontakten in deinem Mobiltelefon-Adressbuch zur Verfügung. Du bestätigst, dass du autorisiert bist, uns solche Telefonnummern zur Verfügung zu stellen, damit wir unsere Dienste anbieten können.

    3. @Worsen:
      Also da muss ich dir widersprechen.
      Ich zitiere mal aus diesem Beitrag: http://www.giga.de/apps/whatsapp-fuer-android/news/neue-nutzerbedingungen-whatsapp-gibt-ab-sofort-telefonnummern-an-facebook-weiter/
      „Die Telefonnummer wird in jedem Fall an Facebook weitergegeben. Der Widerruf betrifft nur die personalisierte Werbung, die auf Basis der Telefonnummer geschehen soll. Wer ganz verhindern möchte, dass Facebook Zugriff auf die eigene Telefonnummer erhält, darf WhatsApp in Zukunft nicht mehr nutzen“.
      Ich nutze Telegram als Hauptmessenger und konnte meinen Bekannten – und Freundeskreis dazu bewegen zu wechseln. Auch Wickr Messenger wird genutzt.

  14. Sehr geehrte Damen und Herren,
    alle Beiträge bisher beschäftigen sich mit dem verzweifelten Versuch, Privatsphäre (Informationen über sich selbst und andere) zu erhalten bzw. diese wieder zu schaffen. Zu spät, leider !
    Nur neugeborene Kinder hätten heutzutage eine kleine Chance, diesen Kampf ein wenig erfolgreicher zu gestalten (abhängig natürlich von ihren mehr oder weniger mediengeilen Eltern).
    Wer ist Schuld daran ? Nun, ich meine, dass wir uns selbst durch freiwillige, gedankenlose Nutzung jeder erdenklichen digitalen Innovation, die „durchs Dorf getrieben wurde/wird“ preisgegeben haben. Für eine „Reprivatisierung“ ist es für fast alle zu spät, es sei denn wir sperren uns selbst in einen Kupferkäfig…
    Insofern lautet die Kernfrage: Können wir ohne all das noch leben ?
    Antwort: Ja, aber nicht hier (ich tippe ja auch schon wieder…;-)).
    Threema, WA, Telegram, Signal ? Egal…

  15. Zitat:“Du könntest z. B. Werbung von einem Unternehmen sehen, mit dem du bereits in Kontakt standst, anstatt eines vorgeschlagen zu bekommen, von dem du noch nie gehört hast.“

    … und ich dachte immer, Facebook wäre dazu da, neue Kontakte zu knüpfen und nicht ständig die Alten präsentiert zu kommen!

    1. Ich hoffe für dich, nicht all zu tief!
      Firmengeheimnisse bzw. Indiskretionen sind mal ganz Schnell auf’m Markt!
      Unwichtig?
      Glaube mir, nichts ist heute mehr unwichtig!
      Z.B. suchen Dienste (Industriespionage) stets Hintertüren, mit denen sie in größere Konkurrenzunternehmen „einsteigen“ können!
      Als Beispiel, du möchtest bei einer Behörde „einsteigen“, dann suche die Firma, die die Sicherheitssoftware installiert bzw. konzipiert hat!
      … deren Systeme sind zumeist löchrig wie ein Schweizer Käse, bzw. die Mitarbeiter geneigt, gegen einen kleinen Obolus, die benötigten Informationen zu liefern!

  16. Jetzt erst .. das bezwiefele ich … Ich habe nämlich eine neue Bekannte und trug ihre Nummer in meine Google-KONTAKTE am 12..13..14 August. Ich öffnete WhatsApp dann irgendwann und sah, dass sie das auch nutzt. Ganz zufällig schlug mir dann FACEBBOK am Tag danach genau diese Frau als „neuen Kontakt“ vor. Da gab es doch eine Schnittstelle … GOOGLE oder WhatsApp, gemeinsame FACEBOOK-Freunde haben wir nämlich nicht. Das wundert mich nicht, das ist der Preis für angeblich „kostenlose Services“. Ich zahle mit meinen Daten. Liebe Grüße

    1. Das ist korrekt: https://www.whatsapp.com/faq/general/26000016
      Bei WhatsApp/Facebook verlässt man sich scheinbar (zu Recht) darauf, dass es die Masse der Nutzer wie üblich bei den Default-Einstellungen belässt.

      Und noch mal eine Nebenbemerkung zum immer wieder empfohlenen Signal: Wie es so bei zentralisierten Diensten üblich ist, macht man sich von einem Anbieter abhängig. Und was das konkret bedeutet? Moxie Marlinspike hat sich schon darüber beschwert, dass die Nutzer des Forks LibreSignal ihre Nachrichten als „Schnorrer“ über den Signal-Server versenden. Diese Mentalität lässt nichts Gutes ahnen…

  17. „Mobilfunknummer langsam zu einer Art universal identifier, mit dem Tracking und Targeting über alle Grenzen hinweg möglich ist“

    Ob das einen relevanten Anteil der Nutzer von Whatsapp fernhält? Tracking hat die auch bisher nicht interessiert.

  18. machen die doch schon lange… Ich hatte im März jemand bei WA geaddet und promt wurde er mir immer auf FB angezeigt, ich-soll-ihn-als-neuen-Freund-adden-Werbung.

    mfg

  19. guten Tag,
    in den allgemeinen Nutzungsbedingungen von WhatsApp heißt es u. A.

    Adressbuch. Du stellst uns regelmäßig die Telefonnummern von WhatsApp-Nutzern und deinen sonstigen Kontakten in deinem Mobiltelefon-Adressbuch zur Verfügung. Du bestätigst, dass du autorisiert bist, uns solche Telefonnummern zur Verfügung zu stellen, damit wir unsere Dienste anbieten können.

    Mich irritiert der Satz, dass ich autorisiert bin, die Telefonnummern meiner Kontakte zur Verfügung zu stellen
    Ich habe keinerlei schriftliche Erlaubnis meiner Kontakte, dass deren Telefonnummern weiter verwendet werden dürfen.
    Was für rechtliche Folgen können für mich entstehen, wenn ein Kontakt sich gegen diese Nutzung ausspricht, im schlimmsten Fall vor Gericht zieht,

    wenn ich WhatsApp weiter nutzen möchte, muss ich irgendwann ja die AGBs anerkennen.

    ich kann natürlich meine Kontakte löschen und ein manuelles Telefonbuch führen, oder den Dienst von WhatsApp nicht mehr nutzen, aber ist das wirklich so von WhatsApp gewollt??
    Danke für eine Erklärung

  20. … wir haben ja nicht mal bei unseren Freunden und der Familie eine homogene Kommunikation.
    Die Freunde sind im Hangout oder nicht.
    Die Familie ist in WhatsApp oder nicht.
    Ein kleiner Teil von Familie und Freunden ist bei Fratzebuch.
    Bei mir ist immer noch Faceboock als Tierversuch online,
    mir selbst ist Facebook zu dümmlich.
    … ich telefoniere eh‘ lieber mit Leuten.

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