Amerikanische Geheimdienste sollen deutsche Medien überwacht und das Bundeskanzleramt über Recherchen informiert haben. „Der Spiegel“ und das „Handelsblatt“ wehrten sich, erstatteten Anzeige bei der Bundesanwaltschaft. Doch die fingen erst gar nicht an zu ermitteln.
In einem Interview für das NDR-Medienmagazin „ZAPP“ bedauert Spiegel-Redakteur Holger Stark jetzt, dass eine Anzeige des Spiegels kein Ermittlungsverfahren bewirkt habe.
Die Bundesanwaltschaft hat dem „Spiegel“ vor Kurzem mitgeteilt, dass sie nicht gedenkt, ein Ermittlungsverfahren einzuleiten. Das ist gleichermaßen erstaunlich wie enttäuschend.
Auch das Handelsblatt stellte Anzeige
Der Spiegel hatte damals den Verdacht geäußert, durch die NSA überwacht worden zu sein. Auch das Handelsblatt hatte eine Strafanzeige gestellt, die ebenfalls erfolglos blieb. Holger Stark geht davon aus, dass die NSA in Berlin weiterhin mithört und auch Journalisten hiervon betroffen sind. Vor diesem Hintergrund verweist er auf den von Journalisten benötigten Schutz und kritisiert, dass die Bundesanwaltschaft nicht juristisch tätig wurde.
Im Sommer 2015 berichtete der Spiegel, dass die CIA das Bundeskanzleramt über Recherchen des Magazins informiert hatte. Deswegen ist es für Holger Stark „mit annähender Gewissheit“ so, dass der Spiegel von der NSA ausgespäht wurde. Er bedauert daher, dass das „Bundeskanzleramt […] sich in diesem Fall auf die Seite der Überwachung gestellt [hat]“.
