Linkschleuder

Kriminalhörspiel zum NSU: „Off the record – die Mauer des Schweigens“

(K)ein Maßstab: der durchschnittlich ausgestattete Tonträgerhersteller (Foto: Andre Lademann, BY-SA 2.0)

Die Sendung Breitband auf Deutschlandradio Kultur hat am Samstag ein Kriminalhörspiel von Christiane Mudra als Special zum NSU gesendet: „Off the record – die Mauer des Schweigens“.

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Die Autorin, Regisseurin und Schauspielerin Christiane Mudra beschäftigt sich in einer Trilogie mit dem NSU und dem Umgang mit rechtsterroristischen Kontinuitäten in der Bundesrepublik. Der erste Teil „Wir waren nie weg – die Blaupause“ von 2015 hatte die Täter und Opfer zum Thema. Der zweite Teil untersucht nun das „System“. Das heißt: Bundesnachrichtendienst, Verfassungsschutz, Ermittlungsbehörden, Justizbeamte, Journalisten und viele, viele V-Leute. „Off the record“ will systemimmanente Sicherheitslücken herausarbeiten und beschäftigt sich mit Medienstrategigen und der öffentlichen Darstellung von Skandalen.

Entstanden ist ein auf investigativer Recherche aufbauendes Kriminalhörspiel. Das Besondere: Das Stück basiert auf Fakten und Originalzitaten aus Sicherheitskreisen.

„Off the record“ wurde als Theaterstück am 3. November 2016 in München uraufgeführt, wir senden eine exklusive Hörspielfassung. Im Anschluss sprechen Katja Bigalke und Marcus Richter mit Christiane Mudra über ihre Recherchen und die Herausforderung der szenischen Umsetzung von Fakten.

Hier ist die MP3.

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7 Kommentare
    1. Der NSU Skandal ist die Summe der Verfehlungen und Mitwirkungen von staatlichen Institutionen vom Verfassungsschutz als Unterstützer ,der stümperhaften bis grob fahrlässigen Polizei,deren Verflechtung mit dem K K K ,gleichgültigen Presse und Involvierung von politischen Amtsträgern als mögliche Mitwisser .Der NSU Skandal ist der Super Gau der Demokratie.
      Ob dieser Sumpf jemals aufgedeckt wird,wage ich zu bezweifeln,
      Der Demokratie täte die Aufklärung mehr als gut.

  1. DER NSU Komplex

    Gestern, am 29.06.2017 war ich im Deutschen Theater. Es gab erhellendes über den NSU. Ein Verfassungsgefährder, „klein Adolf“ (Beamter) kommt am Am 6. April 2006 in Kassel mit einer Plastiktüte (ein eckiger Gegenstand darin) aus einem Internet Cafe. Dort wird der 21-jährige Halit Yosga von den NSU ermordet. Aber der Verfassungsschutz hat nichts gewusst! Eine von vielen Ungereimtheiten. Wenn Akten geschreddert werden, Handys verschwinden, Beamte lügen, dann mag das auf der einen Seite Chorgeist sein, aber die Medaille hat zwei Seiten. Aktenvernichtung, Strafvereitlung, Mitwisserschaft…das alles verjährt nach 10 Jahren. Mord verjährt nicht. Wenn dem Verfassungsschutz (Landesämter oder Bundesamt) nachzuweisen wäre, dass bekannt war, dass der NSU nicht nur ein „Trio“ sondern ein Netzwerk war, wo V-Leute tatkräftig mit taten (Fahrzeugbeschaffung, Waffenkäufe etc.) dann droht deren beamteten „Führern“ ein Prozess und das wollen die nicht. Ob all das in 40 Jahren noch irgendwen interessiert? Ich werde dann nicht mehr am Leben sein, aber vielleicht liesst dann einer den vergilbten Schungel und findet das: Vor 40 Jahren, „zwischen 7.40 Uhr und 7.50 Uhr hat der Schließer Gerhard Stoll zusammen mit seinem Kollegen Willi Stapf die Zelle 716 im 7. Stock der JVA Stammheim, in der Jan Karl Raspe eingesperrt war, aufgeschlossen. Höchstwahrscheinlich waren noch zwei weitere Justizvollzugsbeamte dabei. Nachdem sie die Kontaktsperre Polster von der Tür entfernt hatten, sollte es Frühstück geben. Stoll gibt die Zeit mit 7.41 Uhr an, aber wer schaut schon auf die Uhr wenn er auf dem Bett einen röchelnden an die Wand gelehnten Raspe vorfindet, Blutergüsse an beiden Augen und aus der rechten Schläfe, Mund Nase und Ohren blutend. In seiner Hand eine Pistole Heckler & Koch, HK 4, militärische Bezeichnung P 11, ein unverriegelter Rückstoßlader mit Feder Masse Verschluss Kaliber 6,35. Das Schießgerät ist 15,7 cm lang und 500 g schwer. Um 9.40 Uhr stirbt Raspe im Krankenhaus. Der 7. Stock in Stammheim galt als Hoch Sicherheitsbereich. Angeblich war die Waffe in der Betonwand hinter einer Fußleiste versteckt. Natürlich mussten die Gefangenen ständig umziehen. Bader wurde zum Beispiel am 4. Oktober von Zelle 715 in die Zelle 719 verlegt. Raspe wurde er in der Zelle 716 untergebracht. Beide Zellen waren vorher nicht belegt. Ob die Hohlräume unter der Fußleiste da schon vorhanden waren, natürlich ohne Schusswaffe, wer weiß das schon? Wie oft und wohin die verlegt wurden steht alles in den Gefangenenpersonalakten, aber die sind auf wundersame Weise verschwunden. Gegen 7.50 Uhr wird dann die Zelle von Andreas Bader aufgeschlossen. Der lag reglos auf dem Rücken am Boden, aus einer Wunde im Genick ist reichlich Blut ausgetreten. 40 cm neben ihm liegt eine Selbstladepistole FEG, Kaliber 7,65, eine schlechte Kopie der Walther PPK aus Ungarn, Gesamtlänge 16,5 cm, Gewicht 550 g, der Spannabzug ist mit über 10 kg sehr schwergängig. Der Genickschuss wurde aus 30 bis 40 cm abgefeuert. Das muss ihm erstmal einer nachmachen. Seine Waffe war angeblich im Plattenspieler versteckt. Gudrun Ensslin hängt am Gitter des rechten Zellenfensters im Haftraum mit der Nummer 720. Die Öffnung im Maschendraht vor den Gittern beträgt nur 9×9 mm. In der Nebenzelle 719 erhängte sich am Sonntag, den 9. Mai 1976, Ulrike Meinhof an einem in Streifen gerissenen Anstaltshandtuch am linken Zellenfenster. Sie wird auch zur Frühstückszeit um 7.30 Uhr gefunden, aber die hat es wahrscheinlich wirklich selber gemacht, obwohl es bestimmt recht mühsam war, die Handtuchstreifen zwischen den sehr engen Öffnungen zu befestigen. Ein Histamin Test wurde übrigens bei der Ensslin nie durchgeführt. Das mit dem versäumten Test hatten ihre Anwälte gerügt. Wenn man eine zierliche Frau mit dem Elektrokabel des Lautsprechers erdrosselt und sie, ohne das Kabel zu lockern danach aufhängt, dann bringt auch ein Histamin Test nichts. Irmgard Möller, die auch nach Ihrer Haftentlassung im Jahre 1994 noch behauptet, sich die Verletzungen nicht selbst beigebracht zu haben, liegt in Zelle 725 bis zum Kinn zugedeckt auf dem Bett, vier Stiche in der Herzgegend, ein abgerundetes Anstaltsmesser neben ihr. Sie überlebt. Der operierende Arzt stellt unter anderem einen 7 cm langen Stichkanal fest, der mit großer Wucht ausgeführt worden sein muss, weil in der fünften Rippe eine mehrere Millimeter tiefe Einkerbung zu sehen war. Dieser Stich hatte den Herzbeutel getroffen und die Lunge verletzt. Der Justizvollzugsbedienstete Hans Springer, der in der Todesnacht von Stammheim Nachtdienst hatte, wurde angeblich zwischen 1.00 Uhr und 3.30 Uhr telefonisch von seinem Posten in der Wachkabine abberufen. Der Anrufer sagte ihm: Die Bewachung der Gefangenen ist sichergestellt. Kurz vorher war er aufgrund der Radiomeldung um 0.38 Uhr: „Hier ist der Deutschlandfunk mit einer wichtigen Nachricht: Die von Terroristen in einer Lufthansa Boeing entführten 86 Geiseln sind alle glücklich befreit worden“, in den hinteren Flügel des Hochsicherheitsbereiches gelaufen und hatte sich vor das Gitter zum Zellenflur gestellt, weil er Reaktionen der Gefangenen erwartete. Aber es blieb alles ruhig, denn über die Gefangenen war eine Kontaktsperre verhängt, sie durften seit dem 5. September 20.00 Uhr kein Radio mehr hören und auch keine Anwaltsbesuche empfangen. Am 5. September wurden auch alle elektrischen Geräte, vor allem deren Innenleben, genauestens kontrolliert. Bader hatte seine Waffe angeblich während dieser Zeit im Plattenspieler versteckt. Wenn man den Ermittlern Glauben schenken darf, und das darf man natürlich nicht, wurden in weiteren Verstecken durch Beamte auch Sprengstoff und Zünder, und im November 1977 schließlich in der Zelle 723 noch ein sechs schüssiger Colt Detective Spezial, Kaliber 38, 17 cm lang und 600 g schwer entdeckt. Bis August 1977 war dort Helmut Pohl inhaftiert. Wie gesagt: 40 Jahre her, wer erinnert sich da noch so genau? (Quelle Grenzterror, Thomas Stein ISBN 9783741284199)

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