Überwachung

James Bamford über den kommerziellen Spionage- und Überwachungsmarkt

James Bamford, Autor und NSA-Chronist, hat für „Foreign Policy“ ein lesenswertes Stück über den kommerziellen Markt für Spionagesoftware und den damit verwobenen „Sicherheitsapparat“ verfasst: The Espionage Economy. Er nennt darin die Unternehmen auch beim Namen, die Hard- und Software an jeden Käufer verticken, der dafür bezahlt, darunter üble Diktatoren, die mit den Werkzeugen die Netze ganzer Staaten abhören.

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Die Werkzeuge dieser Unternehmen ermöglichen es Regierungen erst, ihre und die Bürger anderer Staaten technisch zu überwachen. Bamford kommt daher zu dem naheliegenden Schluss, dass dieser Spionage- und Überwachungsmarkt strikter kontrolliert und reguliert werden sollte:

Citizens used to have technology on their side. In the age of analog communications, mass surveillance was labor-intensive; there were too many people, too many wires, and too few listeners. Today, however, advanced digital technology is on the side of the oppressor. It is impossible to turn back the clock, but it is not too late to enact strict regulations on spyware.

Vielleicht würde es aber auch helfen, wenn man der NSA erstmal ihr Budget um – sagen wir – siebzig Prozent kürzt. Ein Markt floriert ja auch deswegen, weil es finanzstarke Teilnehmer gibt.

Bamford hat wie kaum ein anderer frühzeitig und umfänglich die Aktivitäten der NSA und ihrer kommerziellen Helfer aufgedeckt und im Details beschrieben, was ihm beinahe Ermittlungen aufgrund des „Espionage Act“ einbrachte. Besonders seine Bücher „Body of Secrets“ (deutscher Titel: „NSA. Die Anatomie des mächtigsten Geheimdienstes der Welt“) und „The Shadow Factory: The Ultra-Secret NSA from 9/11 to the Eavesdropping on America“ sollten in keiner Bibliothek von Interessierten fehlen.

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9 Kommentare
  1. Ich verweise an dieser Stelle ja immer wieder gerne auf die Erfolge die die Rüstungskontrolle oder Waffenexportkontrolle vorweisen können, also nicht.

    1. Selten klang ein „gerne“ bitterer.
      .
      Liebe Constanze, daß man (frau) nicht etwas schwanger sein kann, wird nichts Neues sein. Was meinst Du bitte mit einer Reduzierung eines Budgets erreichen zu können? Von der Durchsetzbarkeit mal ganz zu schweigen.
      Ich versuche mich, schon allein altersbedingt, Radikalitäten zu entziehen. An solchen Stellen gibts für mich aber nur alles oder nichts.
      Für mich relativierst Du an der Stelle doch sehr, als wenn es bei dem Zeug, wie bei dem ganzen Spitzelzeug, auch nur an einer Stelle die leiseste Hoffnung geben könnte, einen Mißbrauch ausschließen zu können.
      Fefes Sicht gefällt mir an der Stelle besser, wenn er an die Nerds (bitte nicht abwertend verstehen, mir fällt grad keine respektvollere Bezeichnung ein) appeliert, sich nicht für das Zeug herzugeben.
      Vielleicht hab ich dich auch nur mißverstanden.
      .
      PS: Wenn tatsächlich eingespart werden müsste, würde doch wohl eher bei den Putzfrauen, als den Zeibakriegan gespart werden. (Um auch mal sowas wie „denkt auch an die Kinder!“ zu sagen.) ;-)

      1. Fefe und Constanzes Argumente ergänzen sich doch.

        „Fefes Sicht gefällt mir an der Stelle besser, wenn er an die Nerds (bitte nicht abwertend verstehen, mir fällt grad keine respektvollere Bezeichnung ein) appeliert, sich nicht für das Zeug herzugeben.“

        Hat der Geheimdienst weniger Geld, dann kann er nur schlechte Gehälter zahlen und wird noch uninteressanter als Arbeitgeber. Führet den Nerd nicht in pekuniäre Versuchung… Amen! :)

  2. sich nicht für das Zeug herzugeben
    Was für ein einfaches Weltbild. In der wirklichen Welt wird sehr viel Testequipment entwickelt um zB Mobilfunknetze funktionierend zu halten, mit dem Nebeneffekt das man das prima nutzen kann um einzelne Verbindungen zu dekodieren…

    Und übrigens, die Definition was die USA gerade für einen Diktator oder lupenreinen Demokraten hällt, ist auch eher schwankend.

    1. Ja ja, und wir hätten keine Navis im Auto und keine Autobahnen…
      Ich hätte nicht vermutet, hier eine genaue Abgrenzung, so sie überhaupt möglich wäre, ziehen zu müssen.

    2. „…einen Diktator oder lupenreinen Demokraten hällt, ist auch eher schwankend.“

      Eine verniedlichende Beschreibung.
      Eine reine Frage der Nützlichkeit.
      Der Rest ist PR. Ich würde es gerne anders betrachten, aber so unglaublich viel Leid, Tod und Zerstörung, welche diese Haltung anrichtet, verbietet es mir.
      Wer ohne Nachzudenken gelangweilt -„wieder USA Bashing“ und so- abwinkt, das gillt für so ziemlich jede Regierung. Nur kann und will sich nicht jede Regierung weltweit …….so ……. menschenfreunlich engagieren.

  3. Es ist schon sehr schlimm, für welch üble Machenschaften sich Ingenieure, die m. M. n. zumindest über ein gewisses Maß an Bildung verfügen, hergeben. Ich kann weder Konstrukte die dazu bestimmt sind anderen Menschen körperliche oder seelische Schäden zuzufügen oder diese gar zu töten, oder aber die dazu bestimmt sind. die Meinungsfreiheit und Religionsfreiheit einzuschränken und Menschen auszuspionieren mit meiner Ingenieurskunst unterstützen. Natürlich ist die Abgrenzung schwierig und per se reicht schon die technische Eignung aus, aber ein Hammer ist halt ein Hammer und nicht primär ein Tötungsinstrument.

    1. Die Art von Bildung, von der Du sprichst, also die technische, hat leider wenig mit der Bildung zu tun, derer es hier bedürfte.
      Es werden Sprachen, Naturwissenschaften, Singen, Basteln und Kneten gelehrt. Soziale Kompetenz wird in eher hilflosen Ansätzen manchmal und auch eher versteckt vermittelt. Selbst das Denken in Zusammenhängen oder das Erkennen solcher muß meist einem Auswendignachplappern gegenüber zurückstecken.
      Leider kann ich nicht näher oder gar erschöpfend analysieren, an welcher Stelle die Weichen zwischen empathisch empfindendem Menschen und neoliberalem Ar…..och gestellt werden. Es dürfte aber relativ früh sein und funktioniert in jeder Richtung wohl „infektiös“.

      1. Hier darf man den Wikipedia Artikel zu Neoliberalismus empfehlen. Nicht selten wird im deutschen Sprachraum auch gerne politisch der ähnliche Klanglaut zu Neonazi und der damit verbundene Vorteil gewinnbringend eingesetzt.

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