Europäische Union kündigt vollautonome Testflüge mit Flugzeug-Drohnen an

Ein Forschungsprojekt der EU startet eine Serie von Flugversuchen zur Integration von großen Drohnen in den allgemeinen Luftraum. Zum Einsatz kommt ein „optionally piloted vehicle“ (OPV). Gemeint ist ein Flugzeug, das auch ohne PilotInnen gesteuert werden kann. Den Tests gingen umfangreiche Simulationen voraus.

Seit 2013 finanziert die EU das Projekt „RPAS-ATM Integration Demonstration“ (RAID) zur Erprobung unbemannter Drohnen im zivilen Luftraum. Es gehört zum Programm „Single European Sky ATM Research“ (SESAR) zur Schaffung eines einheitlichen europäischen Luftraums. SESAR soll die nationalstaatlichen Flugverkehrsmanagementsysteme und -verfahren in der Europäischen Union standardisieren. Bis 2020 soll ein einheitliches „Flugverkehrsmanagementnetzwerk“ entstehen. Dies betrifft auch große Drohnen.

Das von der italienischen Luftfahrtagentur angeführte Projekt RAID soll zur Umsetzung einer Roadmap beitragen, mit der die Europäische Kommission zivil genutzte Drohnen in die allgemeine Luftfahrt integrieren will (Video). Bis 2018 soll der Betrieb innerhalb der Sichtweite gestattet werden, bis 2023 auch außerhalb. Ab 2024 soll die gleichberechtigte Teilnahme im zivilen Luftraum eingeführt werden. Vier Jahre später dürften Drohnen dann von zivilen Flughäfen starten und landen. Ein ähnlicher Zeitplan wird von der Internationalen Organisation für die zivile Luftfahrt (ICAO) verfolgt.

Übung von Notfallsituationen

Zunächst wurden in RAID umfangreiche Simulationen mit einem „optionally piloted vehicle“ (OPV) vorgenommen. Das Flugzeug kann nach einem Umbau mit und ohne PilotInnen gesteuert werden. Die Ergebnisse der Simulationen wurden auf einer Konferenz des italienischen Militärs präsentiert, das selbst große Drohnen verschiedener Typen betreibt und ebenfalls an RAID interessiert ist. Nun soll eine Serie von Flugversuchen folgen, das OPV fliegt dabei teilweise vollautonom.

Bei den Tests wird auch die Zusammenarbeit mit den Fluglotsen untersucht. Sie sollen die Drohnen wie gewöhnliche Flugzeuge behandeln. Hierzu können unbemannt fliegende Flugzeuge mit einem Text-to-speech-Verfahren ausgestattet werden, das den Fluglotsen die per Funk gewohnten Statusmeldungen mitteilt. Auch Notfallsituationen werden geübt, etwa der Ausfall der Funkverbindung unter Einsatz eines automatischen Ausweichsystems. Die Ergebnisse der Flugversuche werden zum Ende des RAID-Projekts im Juni veröffentlicht.

Frühere Tests mit „Heron“-Drohne

Ein ähnliches Projekt betreibt die Europäische Union unter dem Namen „Demonstration of Satellites enabling the Insertion of RPAS in Europe“ (DeSIRE II), in dem die Nutzung von Satellitennavigation für die Steuerung großer Drohnen untersucht wird. Es soll Verfahren entwickeln, die einen sicheren Flug auch bei Unterbrechung der Funkverbindung gewährleisten. DeSIRE wird von Europäischen Verteidigungsagentur und der Weltraumagentur gefördert. Federführend sind Institute und Militärs aus Italien sowie die EU-Fischereiagentur.

An einem früheren Projektabschnitt war das Deutsche Luftfahrtinstitut (DLR) mit Simulationen beteiligt. Das DLR arbeitete dabei mit der spanischen Küstenwache zusammen. Geflogen wurde eine „Heron 1“-Drohne, wie sie auch die Bundeswehr in Afghanistan einsetzt. Der erste Testflug fand im spanischen Murcia statt, die Drohne flog in über 6.000 Meter Höhe. Ein Flugzeug der spanischen Armee näherte sich der Drohne frontal und von der Seite, um einen drohenden Zusammenstoß zu simulieren. Die Piloten beider Luftfahrzeuge folgten dann den Weisungen der Fluglotsen in Barcelona.

Auch der ehemalige Referatsleiter des Bundesinnenministeriums Achim Friedl, früher zuständig für neue technische Anschaffungen, war beim ersten Testflug von DeSIRE in Spanien dabei. Friedl sieht in polizeilich genutzten Drohnen „eine Ergänzung des heutigen Einsatzes von Patrouillenbooten und Hubschraubern“.

Deutsches OPV angeblich in nur 18 Monaten entwickelt

Zuletzt hatte der mittlerweile pensionierte Friedl in der Zeitschrift „Polizei Verkehr Technik“ das deutsche OPV „Q01 Airborne Platform“ besprochen. Das angeblich in nur 18 Monaten entwickelt und gebaute Drohnen-Flugzeug wurde im März erstmals vorgestellt. Im „Optionally Piloted Mode“ kann die „Q01“ bis zu 50 Stunden in bis zu zehn Kilometern Höhe fliegen.

Die deutsch-katarische Herstellerfirma RS-UAS bewirbt ein Einsatzspektrum „von der zivilen Nutzung über die militärische Aufklärung bis hin zu Forschungszwecken“. Ein Prototyp soll bald von der europäischen Luftfahrtbehörde EASA zertifiziert werden, anschließend will der Hersteller mit der Serienproduktion beginnen. Erster Auftraggeber sei der Staat Katar, auch die Bundeswehr sowie „Interessenten aus den USA und Australien“ haben der Firma zufolge bereits Kaufabsichten bekundet.

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