Gestern ging die Meldung rum, dass Twitter den US-amerikanischen Geheimdiensten den Datenhahn abgedreht haben soll. Das Wall Street Journal behauptet, das hätten die wie üblich namenlosen „senior U.S. intelligence officials“ bestätigt. Postwendend wurde seitens geheimdienstnaher Kreise von „ernsten Konsequenzen“ gesprochen, die diese Entscheidung haben würde.
Von Twitter selbst ist seit der Veröffentlichung durch das Wall Street Journal kein Kommentar verlautbart, aber das Unternehmen neigt auch in anderen Fällen geheimdienstlicher Aktivitäten dazu, Auskünfte zu verweigern.
Das Unternehmen Twitter Inc. mit Aktien im Allzeit-Tief, einem Zwei-Milliarden-Dollar-Verlust seit 2011 und derzeit etwa 310 Millionen aktiven Nutzern pro Monat erreicht etwa ein Fünftel der Reichweite von Facebook, ist aber wegen der Nachrichtenlastigkeit und wegen der Schnelligkeit der Reaktionen bei aktuellen Ereignissen für die Geheimdienste interessant.
Strategischer Partner des Unternehmens ist die New Yorker Firma Dataminr, das von Beratern, Investoren und Ex-Google-Leuten mit finanzieller Unterstützung von Credit Suisse und Goldman Sachs gegründet wurde und Echtzeitzugriff auf die „Twitter Firehose“ hat, die alle öffentlichen Tweets umfassen. Natürlich sind diese Tweets genau das, nämlich öffentlich und damit für jedermann auswertbar. Dennoch ist die Zusammenarbeit mit Twitter für Dataminr zum einen ein technologischer Vorteil für die Auswertung, zum anderen dürfen die Analysen exklusiv vermarktet werden.
Dataminr gibt als hauptsächliche Kunden die Finanzbranche, den Nachrichtensektor und den „Public Sector“ an, was Strafverfolger und auch Geheimdienste umfassen dürfte. Die Kommentierung der US-Presse interpretiert den Schritt daher als weitere Eskalation zwischen dem kommerziellen Technologiesektor und der US-Administration in Sachen geheimdienstlichen Zugriffen. Im Wall Street Journal (Subscriber only) sagt der Jurist und ehemalige Regierungsberater Peter Swire:
Post-Snowden, American-based information technology companies don’t want to be seen as an arm of the US intelligence community.
Es gibt übrigens von Dataminr ein Video, das ein wenig deren Arbeitsweise erklärt:
