Netze

Einsetzen lohnt sich! Netzneutralität in der EU gesichert – Überholspuren werden verboten!

Die europäischen Regulierungsbehörden haben heute ihre endgültigen Leitlinien zur Netzneutralität vorgestellt. Und darin ganz klar Überholspuren im Netz verboten! Das ist ein großer Erfolg der europäischen Zivilgesellschaft, die sich mit der Kampagne „Save the Internet“ seit Jahren für den Erhalt der Netzneutralität eingesetzt hat.

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netzpolitik.org - unabhängig & kritisch dank Euch.

Die EU hatte im vergangenen Jahr die Verordnung zum digitalen Binnenmarkt und damit Regeln zur Netzneutralität beschlossen. Die Regeln waren aber in entscheidenen Fragen unscharf formuliert, so dass die europäischen Regulierungsbehörden diese konkretisieren sollten. Das Ergebnis wurde heute vorgestellt. Jetzt ist bereits klar: Es gibt keinen Spielraum mehr für Telekommunikationsunternehmen, im Rahmen von sogenannten „Spezialdiensten“ kostenpflichtige Überholspuren im Netz zu schaffen.

Eine neue Klausel in den Leitlinien verweist auf den Verbraucher- und Datenschutz, die Meinungs- und Informationsfreiheit sowie das Nichtdiskriminierungsgebot. Das könnte zu einem späteren Zeitpunkt noch entscheidend werden, wenn der Europäische Gerichtshof über Netzneutralität zu entscheiden hat.

Unklar bleibt die Frage, in welchem Umfang sogenannte Zero-Rating-Angebote möglich sein werden. Unter einem Zero-Rating-Angebot verstehen sich Geschäftsmodelle, die bestimmte Dienste vom Datenvolumen ausnehmen und diesen dadurch einen besseren Marktzugang verschaffen. Das hat Auswirkungen auf den Wettbewerb. Hier sollen die nationalen Regulierungsbehörden in einer Einzelfall-Entscheidung tätig werden. Das bedeutet, dass wir wachsam bleiben müssen und den Markt genau beobachten werden. Wer uns dabei unterstützen will, findet hier unsere Spendenmöglichkeiten.

Unsere detaillierte Analyse der endgültigen Leitlinien kommt später noch.

Das ist ein guter Tag für das offene Netz innerhalb der europäischen Union.

Und es zeigt sich, dass sich ein langer Einsatz für Offenheit und Grundrechte im Netz lohnen kann und man nicht zu früh aufgeben sollte! Das ist ein Sieg der europäischen Zivilgesellschaft, die sich gegen die Lobby-Armeen der großen Telekommunikationsunternehmen durchsetzen konnte. Zum Schluss schauten 500.000 Menschen im Rahmen der „Save the Internet“ – Kampagne den europäischen Regulierungsbehörden bei ihrer Grundsatzentscheidung genau auf die Finger. Und haben sich damit erfolgreich für den Erhalt der Offenheit und des Wettbewerbes sowie den Schutz der Meinungsfreiheit und -vielfalt eingesetzt.

Wir haben es geschafft: Die Netzneutralität bleibt in der Europäischen Union gesichert, die größten Schlupflöcher wurden heute geschlossen!

71 Kommentare
    1. Beim Heise klang das gestern nicht so positiv „Insgesamt haben sich die Regulierer offenbar weder direkt von den Mobilfunkern erpressen noch von den Befürwortern der Kampagne Save the Internet“ nachhaltig beeindrucken lassen. „

      1. Natürlich nicht, sie waren sich nur zu diesem Zeitpunkt nicht über die Höhe der Vergütung einig!
        Die „Mobilfunker“ müssen jetzt nachlegen, das werden diese nun begriffen haben, die Frage ist nun, was ist ihnen unsere Freiheit wert?

        1. [Behördenwahnsinn]
          Verkehrsminister Dobrindt proklamiert die Maut für die Datenautobahn!
          Die Kosten für den Ausbau der Datenautobahn müssen auf breitere Schultern verteilt werden!
          Damit dies gelingt, müssen die jetzigen Internetknoten privatisiert und die Backboneverbindungen so umgestaltet werden, damit eine trafficabhängige Abgabe erhoben werden kann!
          Der Verkehrsminister kann sich auch eine Abgabe vorstellen, die schon beim elektrischen Strom etabliert wurde, 24,6% für Netzentgelte, Messung und Abrechnung!
          Wer viel auf der Datenautobahn unterwegs ist, soll auch viel bezahlen!
          Auch kann so der Ausbau bzw. Modernisierung Bezahlt werden!
          Dies ist Alternativlos!
          [/Behördenwahnsinn]

      2. Naja, war doch klar. Kernforderungen von savetheinternet waren doch Verbot von a) Zerorating und b) Spezialdiensten.

        a) ist in der NN-Verordnung nicht verboten und b) explizit erlaubt.

        Hat denn wirklich irgend jemand ernsthaft erwartet, dass sich die Exekutive (Regulierungsbehörden) über eine Entscheidung der Legislative (EU-Parlament) hinwegsetzen würde und einen verbindlichen Rechtstext im Nachhinein aushebelt?

        1. Lol. Die haben sich nun auch nicht gerade als kompetent dargestellt. Regen sich darüber auf, dass „logische Trennung“ durch „keine Konnektivität“ ersetzt wurde. Was macht denn eine Trennung anderes, als Konnektivität zu unterbinden. m(

  1. Stellt doch bitte klar, dass Spezialdiensten natürlich erlaubt sind (Artikel 3(5)). Die dann auch für Geld.
    Verboten sind kommerzielle Angebote von „categories of traffic“ im Internet. Das wären die gefürchteten Überholspuren gewesen. Spezialdienste gerade nicht, denn die laufen ja parallel zum Internet.

    Scheint nicht allen klar zu sein.

      1. Danke. ;-)
        War nur über „Es gibt keinen Spielraum mehr für Telekommunikationsunternehmen, im Rahmen von sogenannten „Spezialdiensten“ kostenpflichtige Überholspuren im Netz zu schaffen.“ gestolpert.
        Dort scheinen Spezialdienste gleichgesetzt zu werden mit irgendetwas was über das Internet geht. Aber Paragraph 110 in Guidelines ist eindeutig: „Specialised
        services do not provide connectivity to the internet …“

        NN-Verordnung hat schon immer Überholspuren im Internet vorgesehen. Die sind auch legal, dürfen aber halt nicht kommerziell sein. Und es sind nicht die Spezialdienste. Lese auf Twitter immer noch häufig die Interpretation, dass Spezialdienste Überholspuren IM Internet seien.

          1. Ja. Ist auch richtig. Aber „im Rahmen von Spezialdiensten“ steht da leider. Die möglichen kostenpflichtigen Überholspuren im Internet sind aber die „categories of traffic“ in der NN-Verordnung. Das kostenpflichtig ist jetzt in den Guidelines nochmal klar als verboten dargestellt. Stand aber eigentlich in der Verordnung schon über „technical objectively necessary“ drin.
            Fazit: Überholspuren ja, aber nur wenn objektiv technisch notwendig und kein Geld fließt.

            Spezialdienste sind da nochmal was ganz anderes. und die waren ja schon immer gemäß Verordnung erlaubt.

            Mir geht es ja nur darum, dass man Spezialdienste nicht mit Überholspuren im Internet gedanklich gleichgesetzt werden sollten. Sonst kommt man bei der Interpretation der Richtlinien in Teufels Küche.

    1. Natürlich nicht!
      Wenn ein Mobilfunkanbieter bestimmte TV/Musik Streamingangebote als im Preis „inclusive“ definiert, dann werden die Gigabyte TV/Musik Datenvolumen, nicht am regulären Datenvolumen angerechnet … wäre ja schön Doof!

  2. … 500000 Gefährder! Die Misere tut Rechts‘ daran, diese und deren Umfeld überwachen zu wollen!

    Nun, die richtigen Fragen zu stellen … und an richtiger Stelle Gerüchte zu streuen, hilft aber auch ein Stück weiter!
    Neid und Missgunst regieren auch in Brüssel!
    … und wenn einer seine Forderungen nicht erfüllt bekommt, dann gönnt es dieser auch keinem anderen!

    1. Nur sehr bedingt. Eher nicht. Siehe Para. 5 und 6 in den Guidelines.
      Interconnection-Vereinbarungen sind nicht Teil des Internetzugangsdienstes, also erstmal nicht Bestandteil der Regelungen. Nur in krassen Fällen, wenn peering genutzt wird, um Zugang zu Inhalten zu verhindern, geht was („used to circumvent the regulation“).

    2. Der Init7-Fall hat ja auch nichts mit Netzneutralität zu tun. init/ sind die Tarife der Telekom für direkte Zusammenschaltung halt zu teuer. Das wäre dann höchstens im Bereich von Missbrauch marktbeherrschender Stellung anzusiedeln. Wenn überhaupt.

    3. Leider nicht wirklich (wie Volker schon schrieb, siehe Para 5 und 6). Was das Recht betrifft, Inhalte diskriminierungsfrei zu verbreiten bzw. zu erhalten heißt es zusätzlich dazu in Para 50, dass „interconnection practices“ ausdrücklich davon ausgenommen sind.

      Anders gesagt: Peering/Interconnect sind die Baustellen der Zukunft.

    1. … ein schöner Artikel dazu -> http://mobil.n-tv.de/politik/TTIP-scheitert-an-den-Buergern-article18530191.html

      Insbesondere Zitat:
      „So drehte sich die Debatte von den wohl überzogenen Sorgen bei der Lebensmittelsicherheit auf die ernsthaften Schäden, die ein Investitionsschutzabkommen am Rechtsstaat anrichten könnte.

      Viele Politiker hatten das nicht erwartet. Anstatt offensiv mit diesem Thema umzugehen und die komplexen Zusammenhänge zu erklären, vermieden sie das Thema lange Zeit und hielten es aus den Wahlkämpfen heraus. Offenbar hatten viele von ihnen geglaubt, dass sie TTIP an den Bürgern vorbei verhandeln können, weil es ohnehin zu komplex für eine gesellschaftliche Debatte wäre.“

      … auch deswegen ist das Internet zu einer Gefahr geworden, diese fülle an Informationen … für alle Verfügbar, via Smartphone und verbreitet durch Twitter/WhatsApp/Facebook!
      Der Feind der etablierten Politik ist jetzt ganz klar … der mündige Bürger!
      Er muss wieder in die Informationsvielfalt der 1930’er gebracht werden!
      … mehr ist auch nicht nötig, im ein guter Untertan zu sein!

  3. solange da was von zero rating steht ist überhaupt nichts gerettet. wir wären einverstanden für den ausbau von glasfaser 5 oder 10 euro im monat mehr zu bezahlen. sonst aber nix.

  4. Ich frage mich ob man angesichts der Zahl von 500.000 Unterstützern wirklich froh sein kann über die Teilnahme. Ich denke nicht, wenn man bedenkt das dass gerade mal 0.3% der Gesamtbevölkerung von Deutschland entspricht und wir reden hier von Europa was dann ungefähr eine Beteiligung von irgendwo bei 0.005 % sein dürfte…sehr traurig das ganze.
    Bei der Aktion habe ich sämtliche Netzwerke glühen lassen wo ich angemeldet bin und bin quasi überwiegend ignoriert worden. Aber wenn irgend eine Tusse ihre Fingernägel posted, das wird geliked, geteilt und kommentiert…
    Aber trotzdem schön das es geklappt hat.

    1. BITTE SPENDEN : Netzpolitik org. hat das Land verraten ..

      BITTE SPENDEN : Netzpolitik org. hat die Netzneutralität gerettet.

      Schon bemerkenswert dass Ihr die Journalistenteame aus Rußland Eure Räumlichkeiten nicht betreten lassen wolltet ………………………………………………………………………………………………………………………………………
      Im Sommerloch 2015 …………………………………………………………………………………………………………………………..

  5. An die „Netzneutralitäts-Puristen“ unter den Leserkommentatoren sei gesagt:

    ihr seht das zu negativ.
    So ist zB das Verbot von zero rating für die Netzneutralität nicht sonderlich wichtig, insb. da langfristig alle Medien, vom Festnetztelefonat bis zum TV Programm, auf All-IP umgestellt werden dürften, aber „Flatrates“ nicht zwingender Teil von Netzneutralität sind, muss da in Tarifmodellen zwischen Trafficarten und deren Bezahlung unterschieden werden können. Nichts anderes macht „zero rating“ ja, auch wenn mal VoLTE eingeführt wird, werden die Provider diese IP basierten Mobiltelefonate nicht auf das Inklusivvolumen anrechnen, usw. Das muss auch einfach möglich sein, alles andere wäre eine vermurkste Regulierung, die Innovationen sogar behindert (siehe das Beispiel mit VoIP).

    Was hier aber eindeutig geregelt wurde und nun auch in nationales Recht umgesetzt wird ist der Kern: es darf keine gezielte Diskriminierung oder Bevorzugung von Daten auf Netzebene ohne sehr triftigen Grund geben. Und dabei auch wichtig, diese Ausnahmen müssen durch eine Einzelfallprüfung und konkret vom Regulierer genehmigt werden (nicht umgekehrt „man macht erstmal“ und dann schreitet ggf. der Regulierer ein). Der Kern der Netzneutralität, jeglicher Traffic muss auf Netzebene gleich geroutet werden – so u. a. auch zero rating Traffic gleichrangig mit sonstigem Traffic!

    Die Kritik an zero rating hat mehr eine politische Dimension in Richtung „Netzkommunismus“ und gehört zusammen mit Fundamentalopposition gegenüber dem Urheberrecht und anderen „kapitalismuskritischen“ Debatten in die politische Ecke. Mit der technischen Netzneutralität hat zero rating nichts zu tun, spätestens wenn, wie es die DTAG jüngst auch änderte, zB zero rating Traffic trotzdem von einer Drosselung eines Internetzugangs genauso wie jeder andere Traffic mitbetroffen ist, sobald zB ein Inklusivvolumen aufgebraucht ist.

    Wenn man einmal die Fixierung auf zero rating aufgibt, dann wird man sehen, dass das ein sehr, sehr guter Tag für die Netzneutralität war! Und das können die Lobbyisten auch nicht mehr zurückschrauben. Diskriminierungsfreier Datenverkehr auf Netzebene wurde von der EU nun zum Offenmarktprinzip des EU Binnenmarkts erklärt, diese „Uhr“ lässt sich nie wieder zurückdrehen. Ich hätte hier etwas mehr Euphorie erwartet.

    1. Natürlich wird es keine gezielte Diskriminierung geben. Wir KÖNNEN die Angebote von Google, wie Youtube weiter benutzen. Zugunsten der Kantinenköche der Deutschen Zeitungsverlage. Die sich mit der Telekom Sorgen machen, damit das Fresschen vom Sternekoch auch morgen noch in den Kantinen serviert wird.
      Und dafür werden WIR halt EXTRA bezahlen müssen ..
      Mit Petra Grimme und dem ganzen Gesindel, der Medienkonvergenz (Grenzwertigkeit der modernen Berichterstattung) mit vereinter Kraft in einen EU singlemalt market.
      Weshalb Juncker auch heute ständig besoffen ist.
      Wen es für Dich ok iss lieber Eric ? Für mich nicht ! Scheißdreck wie die Bunte & Co lässt man kaputtgehen ! Beim Leistungschutzrecht, 95% aller Zeitungsartikel, KEINEN PFIFFERLING WERT SIND.
      Das wissen die Landesverräter am ALLERbesten.
      Kapitto ?

  6. Nur der Vollständigkeit halber: VoIP ist keine Innovation. Es ist teurer, uneffizienter, un-stabiler und wasweisichnochalles schlechter als klassische Verbindungsorientierte Telephonie.

    1. Mit „klassische Verbindungsorientierte Telephonie“ ist Telefondienst auf Basis von leitungsvermittelnder Technologie gemeint? Wieso ist das billiger, effizienter und stabiler als VoIP? Gibt es dazu einen Beleg?

      Alle deutschen Anbieter steigen doch uni sono auf IP-Technologie um gerade wegen der geringeren Kosten und effizienterer Netzausnutzung. Ist es wirklich kostengünstiger eine parallele leitungsvermittelnde Infrastruktur ausschließlich für Telefonie zu betreiben? Kann ich mir nicht vorstellen.

      1. „Gibt es dazu einen Beleg?“ Unterhalte dich doch mal mit Leuten, denen die VoIP Umstellung einen Telephonanschluß beschert hat, der wochenweise nicht erreichbar ist…

        Nun, VoIP funktioniert, wenn du sicherstellen kannst das ALLE Packete in der richtigen Reihenfolge, innerhalb fester Zeitbezüge beim Empfänger sicher ankommen. IP-Netzwerke so zu betreiben, das genau das zutrifft endet dabei, das du ungefähr so viel Kapazität spendierst/freihälst wie eine feste Leitung/Verbindung hat. Soviel zur Effizienz.

        1. Mit Beleg meint ich eine echte Kostenrechnung, die deine These unterstützt. Die Kostenmodelle der Bundesnetzagentur zur Festlegung der Terminierungsentgelte für Telefonie sprechen da eine andere Sprache.
          Leitungsvermittlung wird doch gerade eingestellt, da es teuer und ineffizient ist.
          Und ja, ich weiß wovon ich rede. Ich befasse mich beruflich mit Planung und Aufbau von TK-Netzen.
          Für VoIP müssen natürlich nicht Alle Pakete ankommen und auch nicht in der richtigen Reihenfolge und schon gar nicht in einem festen Zeittakt. Du solltest dich mal mit der Funktionsweise von Sprachcodecs beschäftigen und der IP-Technologie selbst. Wir reden hier nicht von ATM.
          Zur Kapazität: Unterstellen wir mal großzügig dass ein VoIP=Gespräch 200 kbit/s benötigt. Das Netz wickelt den geringen Verkehr quasi nebenbei ab und ist dann noch frei, parallel andere Transportaufgaben zu erledigen. (Deswegen ist Telefonie ja Flat, also geschenkt.) In der Leitungsvermittlung werden starre Kanäle (Stichwort SDH) verwendet. Die machen das ganze System so richtig unflexibel und damit ineffizient.
          Aber in Zeiten von Glasfaser ist Kapazität gar nicht das Problem. Der unheimliche Vorteil von IP, ist dass das Netz nur die Transportleistung bereitstellen muss, die vom Nutzer tatsächlich nachgefragt wird und nicht fixe Kanäle in die er dann seine Anwendung reinzwängen muss. Das macht es so ineffizient. Gar nicht zu reden vom enormen Wartungsaufwand einer zeitsynchronen Transport- und Vermittlungsarchitektur.

          1. Mir ist schon klar, das IP-all der Mainstream ist, und ich mit meiner IP-ist-vielleicht-nicht-ganz-der-Optimalfall-Kritik eher eine Minderheitenmeinung ist. Natürlich verkauft dir die IT Welt IP als heile Welt, in der nie Packete falsch ankommen, immer genug Kapazität da ist und es wahnsinnig einfach ist, Switche und Router zu konfigurieren.
            Aber mir hat noch keiner erklären können, was denn eigentlich daran effizient ist für jedes, einzelne Packet eine Routing entscheidung treffen zu müssen, auf Basis welchen Wissens und warum in der IP Welt Leitungen keine physikalischen Grenzen haben. Und kratzt man dann ein bisschen am Lack, stellt man fest, das man dann doch irgendwie Vorwissen über den Service braucht, MPLS nichts anderes als ATM in neuer Form ist und nahezu alle realen Aufbauten idR dann doch wieder Kapazitätslimitiert sind und die Servicequalität runterdrehen.

            Und dann denke ich: Jemandem für ein Gespräch den Zeitschlitz 13 festzuzuweisen könnte vielleicht…

          2. Kurz: Effizient ist es, da eine Leitung (oder Kanal) gleichzeitig von mehreren Nutzern und Diensten genutzt werden kann ohne dass diese von nur einem Nutzer für nur einen Zweck exklusiv belegt wird. Auf das Gesamtsystem gesehen bringt das riesige Effizienzgewinne.

            Aber auch ohne zu wissen, was genau technisch geschieht, kann man aus dem Umstand, dass alle Anbieter (weltweit) auf IP umstellen, sehen, dass diese Technologie der Leitungsvermittlung überlegen ist. Die machen das bestimmt nicht, damit sie Mainstream sind, sondern weil sie unter einem großen Wettbewerbsdruck stehen und daher einfach gezwungen sind effizient zu arbeiten (Kosten zu sparen).

      2. Parallelbetrieb will natürlich keiner und all-IP KANN einfacher zu betreiben sein. Aber du ersetzt eine Leitung durch eine garantiere Verbundung, die im Zweifelsfall hoch priorisiert wird.
        Und früher brauchte man für Telephonie keine lokale Stromquelle…

        1. Genau das forderst du aber gerade. Wenn Telefonie weiterhin leitungsvermittelnd erfolgen soll und gleichzeitig zeitig ein Internetzugangsdiensten, dann muss das auf parallelen Infrastrukturen erfolgen. IP und SS#7 sind nicht kompatibel.
          Außer man würde ISDN oder IP emulieren. Was aber natürlich Unfug wäre – > Effizienz. ;)

          IP ist ein verbindungsloses Protokoll; das kann also per se schon mal keine garantierten Verbindungen. Wozu auch? Ziel ist nicht, das Verhalten von Leitungsvermittlung zu emulieren. Da sind wir in der Technik drüber weg. Es wird eine komplett andere Transporttechnologie und Netzarchitektur verwendet.

      3. Philip Engstrand, wie Alt bist du?

        … oder … bist du evtl. Politiker, in Brüssel … im Bereich IT?
        Anders kann ich mir dein mangelndes Wissen nicht erklären!

        Analoge Telefonie, das mit die Drähte zwischen den Hörern, arbeitet mit ca. 60 Volt Leerlaufspannung!
        Das einfachste System arbeitet mit zwei Spulen (Hörmuscheln der zwei Apparate) und zwei Kohlemikrofone (das Ende, wo man hinein sprechen sollte)!
        https://de.m.wikipedia.org/wiki/Kohlemikrofon
        https://www.lernhelfer.de/schuelerlexikon/physik/artikel/telefon

        Zum Thema VoIP … du solltest dir einmal das sogenannte OSI Modell auf Wikipedia zu gemüte führen!
        … dann die Funktionsweise des TCP/IP Protokolls und des UDP Protokolls!
        Ja, findet man auch auf der Terroristen Website Wikipedia!

        Also, nach diesem Konsum von Wissen, könnte es sein, das du verstehst, wie das mit der Paketübertragung im Internet funktioniert!
        Auf Youtube gibt es auch anschauliche Videos dazu!
        -> https://www.youtube.com/watch?v=xIuBmOufbls

          1. Ich berate im Rahmen meiner berufklichen Tätigkeit auch Politiker. Und ich kann dir versichern, dass das genauso abläuft. ;-)
            Ist aber auch nicht schlimm oder lächerlich. Es sind nun mal komplexe technische Zusammenhänge und die müssen dann entsprechend aufbereitet werden. Es kann ja nicht jeder Nachrichtentechnik oder Informatik studiert haben.
            Übrigens haben meiner Erfahrung nach viele in der IT Beschäftigte nicht im Ansatz das OSI-Modell verstanden. Die bewegen sich in ihrem Beruf immer nur innerhalb einer OSI-Schicht und wissen gar nicht, dass es da draußen noch eine andere Welt gibt.

          2. Ich muss für mein Kind auch recht viel „herunter brechen“, man Unterschätzt leicht, wie groß die eigene Wissensbasis von der des Gegenüber abweichen kann!
            Im Gegensatz zu anderen Eltern, habe ich meinem Kind, bei schwierigen Themen, stets gesagt, das meine Erklärung für sein Verständnis gut ist, wenn es diese Erkenntnisse aber an Andere seines Alters weitergibt, kann es sein, das dieses Kind das nicht versteht!
            Ich versuche stets meinem Kind beizubringen, nicht mit dem Wissen, das es hat, Andere Kinder zu übertrumpfen …
            Da das Niveau meines Kindes durch entsprechende Grundlagen geprägt ist, kann es auch sein Wissen mittels Begründungen verteidigen, was auch den Lehrern nicht gefällt!
            Deswegen riet ich meinem Kind, sich seiner Umwelt entsprechend anzupassen!
            Also, auch wenn es Juckt, den Finger mal Unten zu lassen!
            Das macht mein Kind mittlerweile auch, das schließe ich aus dem Kommentar der Klassenlehrerin, das sich mein Kind in den Klassenverband integriert habe … und sich der Freundeskreis erheblich erweitert hat!

            Was mich an Politikern stört ist indes, das diese nicht mehr lernfähig zu sein scheinen!
            Schlimmer noch, sie gehen mit dem „herunter gebrochen“ Wissen Hausieren!
            Was ich wiederum nicht als soooo schlecht empfinde, somit weiß man, was man an denen hat, die unser aller Leben mit- bzw. hinein bestimmen wollen!
            Mein Kind kocht auf kleiner Flamme, mit seinem eigenen Wasser sein eigenes Süppchen!
            Unsere Politiker hingegen, nehmen nicht ihr eigenes Wasser für die Suppe, die sie uns Einbrocken!
            Auch gehen sie davon aus, das diese Suppe allen schmeckt, obwohl sie nicht einmal davon gekostet haben!
            … aber dennoch erwarten sie (Politiker), das wir diese Suppe mit Genuss und einem wohlwollenden Lächeln auslöffeln!
            … obwohl sehr viele Bürger schon in den Topf geguckt und somit an der Suppe gerochen haben!
            Mit dem Ergebnis, das diese Suppe definitiv nicht Genießbar ist, ja sogar schädlich für das Wohlbefinden der Gesellschaft!
            Trotz des offenen Protests (siehe Wahlergebnisse), halten unsere Politiker krampfhaft an diesem Rezept fest … so als ob ihr Leben davon abhinge!

  7. @Habo
    vielleicht hat der Philip recht viel Ahnung?!?
    „Und früher brauchte man für Telephonie keine lokale Stromquelle…“
    Ich denke wir werden eine Trennung „Voice“ + „Sonderdienste“ über Kabel (Kupfer / VDSL o.ä.) und reine fiber Anschlüsse („Internet“) zukünftig haben. Glasfaser überträgt nun mal kaum Leistung. „Sonderdienste“ (Automatisierungsdienste + Voice) brauchen eine stabile Stromversorgung beim Anwender und auf der Strecke! Beispiel: Stell dir vor in deinem Ort brennt der TRAFO und die freiwillige Feuerwehr ist nicht zu erreichen. Oder der Pflegebedürftige mit Notrufknopf ist vom Stromausfall betroffen; Wie wahrscheinlich ist es das er ihn drücken wird?

    1. Früher (ganz früher = analoges Telefonnetz) gab es halt eine Fremdspeisung des Anschlusses über die Ortsvermittlungsstelle mit einem Backup über Batterien. Dadurch konnte dann auch ein Ausfall des Stromnetztes kompensiert werden. Das ist aber lange vorbei. Die Ortsvermittlungsstellen haben keine Batterien mehr. Wenn also Stromausfall ist, ist auch das Telefonnetz tot.
      Es gibt keine gesetzliche Pflicht, dass das Telefonnetz rund um die Uhr zur Verfügung steht, also wurde das abgebaut. Zu Monopolzeiten (Bundespost) war das anders.
      Heute wären die KVz (Outdoor-DSLAM) eher von interesse. Die haben natürlich auch keine Notstromversorgung. Also Kupfer/VDSL ist bei Stromausfall sofort weg. Ob ich da sogar spaßeshalber noch eine Notstromversorgung privat am Telefon habe, ist egal. Das Netz in meiner Umgebung ist weg. Da bringt es mir auch nichts, dass mein Telefon noch leuchten kann.

      Die Versorgungssicherheit des Stromnetzes ist aber so hoch (http://www.bmwi.de/DE/Themen/Energie/Strommarkt-der-Zukunft/versorgungssicherheit.html), dass es unsinnig wäre, deswegen mit einem enormen technischen Aufwand, das gesamte Telekommunikationnetz mit einer autarken Stromversorgung zu versehen (inkl. einer dann notwendigen Fremdspeisung von Router und Terminals) , um die bundesweit über das Jahr akkumuliert auftretenden < 15 min abzufangen.

    2. @Privat … dieses „Problem“ (keine Energie an der Basisstation des Mobilteils) hatte ich schon Anfang der 1990’er Jahre damit gelöst, das ich mittels eines kleinen Trafos (100 Hz mit astabilem Multivibrator getaktet), die 60V des Festnetzanschlusses herunter Transformiert und mit einer Gleichrichter/Spannungsstabilisatorschaltung „passend“ gemacht habe, damit die Basisstation des Mobilteils solange funktioniert, bis das Telekommnetz zusammen bricht!
      Meinem Opa war das damals sehr wichtig, dass das Schnurlose Telefon auch ohne externe Stromquelle auskommen konnte!
      Nachdem das geklärt war, fand er es sehr schön, nicht mehr ins Haus Rennen zu müssen, wenn es klingelte!
      Mittlerweile hat der Bauernhof meiner Großeltern eine eigene Stromversorgung … und Telefonieren tun sie via VoIP … DSL?
      Nein, dort gibt es kein DSL … aber im Dorf nebenan -> http://www.teltarif.de/schott-ka-sat-eutelsat-ortsnetzversorgung/news/46007.html
      Meine Großeltern haben eine eigene Schüssel, die Hardware kostete ca. 400 Klinker, die Fritzbox nochmal etwas … aber alles Funktioniert … und bei einem Großen Stromausfall, hatten meine Großeltern Telefon und Strom für alle Geräte!
      Ein kleiner Dieselgenerator für die Kühltruhen, eine 1000 Watt Solaranlage für Kleinverbraucher … Licht, TV, EDV …

      1. Ja, so eine Insel – (Anlage), wer träumt nicht davon. Es gibt, je nach Geldbeutel, kleine, mittlere und grosse Inseln. Auch Halbinseln haben ihren Reitz, da braucht man keine Fähren oder Brücken zum erreichen.
        So als Anglizismus zum Cluster / Insel / Bauernhof.

        1. Soll keine Werbung sein -> www​.secondsol.de/
          Aber so 100 Watt auf Schloss Balkony … recht für einen Schlepptop!
          … und wenn das GSM/UMTS Netz nicht zusammenbricht, hat man zumindest Telefon/Internet und etwas Licht!

        1. Hmmm … der Ping ist nicht wirklich Spieletauglich …
          Die Signallaufzeit geht hoch bis 600 ms, unter 500 ms geht nicht!
          Ich die Verbindung erstmal etabliert, geht alles rasend schnell … Streaming wunderbar, Seitenaufrufe selbst gehen rasend schnell!
          Ist ein komisches Gefühl … du tippst die URL ein und wartest … dann zack ist alles da und ein Youtubevideo wird regelrecht aus dem Netz gerissen!

          Telefonie … die Latenz ist da ähnlich wie zwischen zwei VoIP Clients auf zwei Smartphones, bei der Unterhaltung selbst merkt man nichts bzw. nicht viel, da der Stream ja „läuft“!
          Im übrigen nutzen viele TV/Kabelanbieter ebenfalls Satellitenkopfstationen … nur „die letzte Meile“ wird in Koax verlegt!

          1. Bei der Latenz geht Telefonie richtig? Gemäß ITU wird bei 400 ms one-way delay schon nicht mehr von Echtzeit gesprochen. Eigentlich wird es ab 150 ms störend.
            Und Telefonie geht da richtig? Man kann sich also ins Wort fallen und unterbrechen, also richtig interaktiv telefonieren, wie Auge in Auge gegenüber stehen? Kann ich mir bei > 500 ms gar nicht vorstellen. Ein Monolog ja. Das geht sicher.
            Die Satellittenkopfstationen benutzen die aber nur für die Verteilung der TV-Programme, nicht für Internet.

          2. MIXvoip geht bis 2000ms … die größte Latenz hatte ich mal, als die Schüssel noch nicht richtig ausgerichtet war!
            … Paketverluste …
            Klar kann man sich ins Wort fallen!
            Man kann aber den Anderen mal ausreden lassen!
            Ich hatte es mal „ausgemessen“, GSM und Satellit, maximal eine halbe Sekunde Verzögerung!
            Das ist in etwa das, was auch mit VoIP Clients auf Smartphones passiert … das Protokoll ist hier auch wichtig, G.711 a-law (ISDN Qualität) war da das richtige!
            … und die automatische Rauschunterdrückung bzw. Stilleerkennung sollte deaktiviert werden, dann funst das auch mit den Latenzen!

          3. Zum Verständnis, bei einem Ping ist die gemessene Zeit, die Zeit für beide Richtungen, also Hin und Zurück!
            Bei einem Ping von 1000 ms hat man eine Verzögerung von 500 ms … einer halben Sekunde!
            Ist die Verbindung (Datenstrom) etabliert, so verbessert sich quasi der „Ping“ aufgrund der gefundenen Route durch das Internet und bei einer UDP Verbindung, werden fehlerhafte Pakete nicht noch einmal verschickt … was der analogen Telefonie entspricht, quasi „gesprochen Wort ist fort“ … bei einer TCP Verbindung wird ein fehlerhaftes Paket nochmal geschickt … letzteres Protokoll ist also für größere Latenzen nicht so geeignet!
            Wird das UDP Protokoll verwendet, stellt das keine größere Qualitätseinbuße dar, da die Clients hier die Fehlbits relativ gut ergänzen … wie die Fehlerkorrektur des Digital-Analogwandlers bei einem CD Spieler …

  8. @Eric:
    „Was hier aber eindeutig geregelt wurde und nun auch in nationales Recht umgesetzt wird ist der Kern: es darf keine gezielte Diskriminierung oder Bevorzugung von Daten auf Netzebene ohne sehr triftigen Grund geben.“

    Wurde denn sogleich festgelegt, was ein „sehr triftiger Grund“ sein könnte? Der Begriff wirkt für mich dehnbar wie Gummi. Wenn ein Unternehmen (bezahlte) Überholspuren anbietet, um bestimmte Nutzer zu bevorzugen, meinetwegen Presse – ist das dann ein sehr triftiger Grund, weil damit die News schneller abrufbar wären?

    Danke.

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