Öffentlichkeit

Chelsea Manning im Interview: Stellt eure eigenen Fragen, seid euer eigener Filter!

Die Künstlerin Heather Dewey-Hagborg erstellt Portraits aus DNA Proben, üblicherweise von Menschen die sie nie getroffen hat – etwa aus Kaugummis oder Zigarettenstummeln. Nun hat sie allerdings lebensgroße Modelle von der Whistleblowerin Chelsea Manning erstellt, die auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos erstmals ausgestellt wurden. Manning ist derzeit in Fort Leavenworth inhaftiert, sie wurde aufgrund ihrer Rolle in den Cablegate Veröffentlichungen von WikiLeaks zu 35 Jahren Haft verurteilt.

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Cory Doctorow hat Manning über eine Mittelperson unter anderem zur Verwendung von DNA Proben in der Kunst, Big Data und staatlicher Geheimhaltung interviewt. Die Whistleblowerin sieht in der Verwendung von DNA in der Kunst eine Möglichkeit, Menschen sichtbar zu machen, deren Sichtbarkeit verhindert werden soll – wie etwa Gefängnisinsass_innen. Von Manning selbst gibt es keine aktuellen Aufnahmen.

The use of DNA in art provides a cutting edge and a very post-modern — almost „post-post-modern“ — analysis of thought, identity, and expression. It combines chemistry, biology, information, and our ideas of beauty and identity. I would love to do some DNA art that examines the other people who are cast aside from society’s visibility — like prisoners, or victims of genocide. There are some ethical and moral questions that this might raise — but, I think it would be very important for us to ask these questions.

Manning kritisiert nicht nur, dass Inhaftierte unsichtbar gemacht werden sollen, sondern auch die Geheimhaltung des Justizsystems. Sie selbst hatte versucht, das Verfahren gegen sie öffentlich stattfinden zu lassen, vergeblich. Wochenlang wurde sie nicht darüber informiert, welche Anklagepunkte gegen sie vorgebracht werden – im vergangenen halben Jahrhundert sei das Rechtssystem immer weiter in die Geheimhaltung verschoben worden, so Manning.

These systemic problems are starting to come into the foreground of the public consciousness only now, following a rise in the understanding of solitary confinement, and the number of police shooting incidents that have been scrutinized and found to be nothing more than high tech executions. But, this is only after the system has become so vast and complicated that it is nearly impossible for the public to comprehend.

Die Whistleblowerin fordert echte Transparenzgesetze – sie selbst hatte im November einen Gesetzesvorschlag zur Abschaffung des US-Gerichts zur Überwachung der Auslandsgeheimdienste formuliert – und Bürger_innen, die sich aktiv informieren, nachhaken und engagieren:

Read everything. Ask your own questions. Be your own filter. Nobody is going to look at the world around you and tell you what important things are happening that affect you and the ones you love. They will sell you things. They will ask you to vote for them. They will offer their services to you. They have an ambiguous agenda that doesn’t really involve your interests as a citizen. There is a difference between a consumer — who passively receives the information that they are spoon fed — and a citizen — who engages with society, asks questions, does research, and works towards making a difference in their neighborhood, city, and country. This is what I try to be — whether I’m in prison or outside — I keep reading and asking questions as a citizen.

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2 Kommentare
    1. Das ist sachlich falsch. Es ist seht wohl möglich, Gefangene in den USA zu interviewen. Natürlich gibt es Unterschiede von Bundesstaat zu Bundesstaat, aber auch föderale Gefangene mit hoher Sicherheitsstufe können interviewt werden, wie das jahrzehntelange Beispiel von Mumia Abu-Jamal zeigt.

      Sehen Sie selbst z.B. auf prisonradio.org , einem Radio Projekt aus den USA, dass permanent Gefangene interviewt oder ihnen eigene podcastings ermöglicht:
      http://www.prisonradio.org/

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