Der Livestream der Gala beginnt um 18 Uhr.
Die Jury besteht aus Vertretern unabhängiger Bürgerrechts- und Datenschutz-Organisationen – neben zwei Vertretern des Digitalcourage e. V. setzt sich die Jury aus dem Professor für Arbeitsrecht und Recht der Informationsgesellschaft, Peter Wedde, und je einem Vertreter des Chaos Computer Clubs, der Internationalen Liga für Menschenrechte und der Deutschen Vereinigung für Datenschutz zusammen. Die Gastlaudatio wird von Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Justizministerin a. D., gehalten.
Die „Oscars für Datenkraken“ werden in fünf verschiedenen Kategorien vergeben:
- Lifetime-Award
- Wirtschaft
- Technik
- Verbraucherschutz
- Kommunikation
Die Gewinner
Der prestigeträchtige Lifetime-Award geht an das Bundesamt für Verfassungsschutz. Über 65 Jahre hat die Behörde konsequent Datenschutz- und Bürgerrechte verletzt und gewinnt daher höchstverdient zum Renteneintrittsalter den Award für’s Lebenswerk.
Ausgezeichnet wird der „Verfassungsschutz“ insbesondere für Überwachung und Stigmatisierung staats- und gesellschaftskritischer Gruppen und Personen, für sein unkontrollierbares V‑Leute-System, für heillose Verflechtungen in mörderische Neonazi-Szenen und die Vertuschung illegaler Praktiken.
Die Negativauszeichnung kritisiert, dass der Verfassungsschutz trotz unzähliger Skandale – von denen auch Netzpolitik.org betroffen war – in seinen Ausfällen nicht gebremst, sondern stattdessen mit weiteren Befugnissen ausgestattet wird.
Den Award in der Kategorie Wirtschaft kann sich Change.org sichern. Die Petitionsplattform wird dafür ausgezeichnet, massenhaft personenbezogene Nutzerdaten der UnterzeichnerInnen in Verbindung mit ihren aus den unterzeichneten Petitionen entnommenen politischen Einstellungen zu vermarkten. Die US-Firma inszeniere sich als alternatives Projekt, sei jedoch ein gewinnorientiertes Unternehmen. Zu den mangelhaften Datenschutzpraktiken der Plattform zählt zum Beispiel das Speichern von Nutzerdaten auf US-Servern trotz dem Ungültigkeit des „Safe Harbor“-Abkommens.
Die Berliner Verkehrsbetriebe BVG erhalten den Big Brother Award in der Kategorie Technik für ihre elektronische VBB-Fahrcard, auf der bei jedem Einsteigen Datum, Uhrzeit, Buslinie und Haltestelle abgespeichert wurden. Besonders preiswürdig ist hierbei die Informationspolitik der BVG, die lange Zeit trotz besseren Wissens behauptete, eine solche Speicherung sei technisch nicht möglich. Der Award kritisiert überdies hinaus auch andere Verkehrsunternehmen, die planen Papiertickets durch Chipkarten zu ersetzen.
Wenn der Datenschutz hier nicht schon von Anfang an eingebaut wird, werden freie Bewegung und unbeobachtetes Reisen in Zukunft nahezu unmöglich.
Für das Versprechen ihren Versicherten Vorteile zu gewähren, wenn diese ihre Fitnessdaten und ihr Einkaufsverhalten per App melden, wird die Generali-Versicherung mit dem Award in der Kategorie Verbraucherschutz ausgezeichnet. Die gesammelten Daten werden anschließend an ein Bonuspunkte-System nach Südafrika übermittelt. Versicherte, die sich nicht an die von Generali vorgegebenen Standards für ein gesundes Leben halten oder ihre Daten nicht übermitteln wollen, werden durch dieses System benachteiligt . Dies führe zu einer Entsolidarisierung und widerspreche dem Grundgedanken unseres Sozialsystems.
Der fünfte Award des Abends in der Kategorie Kommunikation geht an IBM für die Software „Social Dashboard“. Die Software erlaubt es Firmen das Sozialverhalten ihrer Angestellten zu kontrollieren und auszuwerten. „Social Dashboard“ bedient sich dabei Metadaten aus dem firmeninternen sozialen Netzwerk „Connections“ und vergibt für Likes und Weiterleitungen eine Punktzahl und ein „Soziales Ranking“. Dies sei der Versuch, die Bewertung von sozialem Verhalten einer Maschine zu überlassen. Es setze falsche Anreize und führe zu mehr Arbeitsdruck.
Im vergangenen Jahr gehörten unter anderem der BND und die (Ex-) Innenminister Hans-Peter Friedrich und Thomas de Maizière zu den Preisträgern, Amazon konnte damals gleich zwei Awards feiern.
Update: Eine Aufzeichnung der Veranstaltung gibt es hier.
