Dieser Artikel ist mehr als 11 Jahre alt.

Vorratsdatenspeicherung in den Niederlanden erstmal gekippt

Gratulation, die nationale Umsetzung der Vorratsdatenspeicherung in den Niederlanden ist tot! Das hat das Gericht Den Haag heute beschlossen. Die Klage war von verschiedenen niederländischen NGOs und einem Internetservice-Provider ausgegangen, darunter Bits of Freedom und Privacy First. Bisher mussten niederländische ISPs Verkehrsdaten für ein Jahr speichern. Diese Regelung wurde von dem niederländischen Datenschutzbeauftragten, NGOs und…

  • Anna Biselli
Bei Bits of Freedom wird das Urteil gefeiert.

Gratulation, die nationale Umsetzung der Vorratsdatenspeicherung in den Niederlanden ist tot! Das hat das Gericht Den Haag heute beschlossen. Die Klage war von verschiedenen niederländischen NGOs und einem Internetservice-Provider ausgegangen, darunter Bits of Freedom und Privacy First. Bisher mussten niederländische ISPs Verkehrsdaten für ein Jahr speichern. Diese Regelung wurde von dem niederländischen Datenschutzbeauftragten, NGOs und ISPs gleichermaßen viel kritisiert, nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofes vor fast einem Jahr hatten viele andere europäische Staaten ihre nationalen Vorratsdatenspeicherungsregelungen für ungültig erklärt.

Ein Anwalt im Verfahren, Otto Volgenant, kommentiert das Urteil:

Die Entscheidung ist keine Überraschung. Die niederländische Gesetzgebung hat dem Europarecht widersprochen. Es wäre besser gewesen, wenn das Kabinett die Regelung von sich aus angepasst hätte. Aber wenn die Regelungen bestehenbleiben, kann das Gericht eben eingreifen, so läuft das in einem Rechtsstaat. Es ist ein Sieg für Journalisten und Anwälte, die sich auf die Vertraulichkeit ihrer Kommunikation verlassen müssen. Und vor allem ist es ein Sieg für die Privatsphäre aller Bürger.

Böhre Vincent von Privacy First:

Es passiert nur sehr selten, dass ein Richter ein Gesetz für ungültig erklärt. Das ist eine ungemein wichtige Entscheidung und gibt den Ton für die Debatte in der Zweiten Kammer vor.

Denn trotz aller positiver Signalwirkung: Ganz vom Tisch ist die Vorratsdatenspeicherung in den Niederlanden noch nicht. Im Februar hatte sich der Minister für Sicherheit und Justiz noch für die Notwendigkeit einer Vorratsdatenspeicherung ausgesprochen. Zufälligerweise ist der aber seit gestern nicht mehr im Amt: Er ist wegen Verwicklungen in einen Drogenschmuggelskandal von seinem Amt zurückgetreten.

Über die Autor:innen

  • Anna Biselli
    Darja Preuss

    Anna ist Co-Chefredakteurin bei netzpolitik.org. Sie interessiert sich vor allem für staatliche Überwachung und Dinge rund um digitalisierte Migrationskontrolle.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP), Mastodon, Telefon: +49-30-5771482-42 (Montag bis Freitag jeweils 8 bis 18 Uhr).


Veröffentlicht

Kategorie

Ergänzungen

Wir freuen uns auf Deine Anmerkungen, Fragen, Korrekturen und inhaltlichen Ergänzungen zum Artikel. Bitte keine reinen Meinungsbeiträge. Unsere Regeln zur Veröffentlichung von Ergänzungen findest Du unter netzpolitik.org/kommentare. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

8 Kommentare zu „Vorratsdatenspeicherung in den Niederlanden erstmal gekippt“


  1. Sehr schön! Wär’ gut, wenn Ihr nochmal Stellungnahmen & Reaktionen auf das Urteil sammelt, über die Niederlande erfährt man ja sonst kaum was…


  2. Sascha

    ,

    Ja, das ist gut. Soweit erstmal. Sich aber zurücklehnen und auf europäisches Recht vertrauen, wäre mehr als fatal in meinen Augen.
    Auch sollte dabei nicht vergessen sein, dass in den Niederlanden es auch nach wie vor audiovisuelle Vollüberwachung auf den Straßen und ! in öffentlichen Transportmitteln mit Nachverfolgungselektrik, genau so wie eine Verkehrswegeüberwachung in den Grenzräumen, wie auch elektronische Vorratsdaten speichernde Fahrkartensysteme für den Nah- und Fernverkehr gibt.


  3. […] Vorratsdatenspeicherung in den Niederlanden erstmal gekippt Gratulation, die nationale Umsetzung der Vorratsdatenspeicherung in den Niederlanden ist tot! Das hat das Gericht Den Haag heute beschlossen. Die Klage war von verschiedenen niederländischen NGOs und einem Internetservice-Provider ausgegangen, darunter Bits of Freedom und Privacy First. Bisher mussten niederländische ISPs Verkehrsdaten für ein Jahr speichern. Diese Regelung wurde von dem niederländischen Datenschutzbeauftragten, NGOs und ISPs gleichermaßen viel kritisiert, nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofes vor fast einem Jahr hatten viele andere europäische Staaten ihre nationalen Vorratsdatenspeicherungsregelungen für ungültig erklärt. Quelle: Netzpolitik.org […]


  4. Na also, geht doch. Aber ich fürchte, dass das Thema auch damit noch nicht erledigt ist.


  5. […] März sind in Bulgarien  und in den Niederlanden  die nationalen Gesetze zur anlasslosen Aufzeichnung von Verbindungsdaten aller Telefon- und […]


  6. […] Auch in den Niederlanden wurde die Vorratsdatenspeicherung jetzt gerichtlich gestoppt. […]


  7. […] aktuell in den Niederlanden das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung per Gericht für ungültig erklärt wurde und auch das Verfassungsgericht in Bulgarien die Vorratsdatenspeicherung für verfassungswidrig […]


  8. […] NSA/GCHQ oder sonst jemandem angezapft wird. Die Niederlande ist so ein Land. Dort wurde 2015 die Vorratsdatenspeicherung gekippt. Auch die Netzneutralität – also das Verbot einer Blockade oder künstliche Verlangsamung […]

Dieser Artikel ist älter als 11 Jahre, daher sind die Ergänzungen geschlossen.